Im Weinbau am Siebengebirge dominierte über Jahrhunderte die sogenannte Einzelpfahlerziehung zum Anbinden der Reben. Die Nutzung von Weinbergspfählen (Rahmen) aus Buchenholz war eine Besonderheit des Siebengebirges. In anderen Regionen wie zum Beispiel an der Ahr und am Mittelrhein nutzte man hingegen vorwiegend die nach dem Entfernen der Rinde abgestorbenen Stämmchen aus den dort verbreiteten Eichenschälwäldern. Erst mit der Einführung von Robinien, imprägniertem Nadelholz und letztlich modernen Drahterziehungssystemen verliert ab der Jahrhundertwende die ausgeklügelte traditionelle Nutzung der Rahmbuchenwälder im Siebengebirge an Bedeutung.
Da die Rahmen aus Rotbuchenholz nur eine Lebensdauer von circa 3 Jahren hatten mussten diese regelmäßig ausgetauscht werden. Der Bedarf war enorm. Pro ha Rebfläche wurden rund 10 Hektar „Busch“, also Wald, für die Bereitstellung der Rahmen benötigt. „Busch“ nannte man die damaligen Wälder, die mit dem heutigen Hochwald nichts zu tun hatten. Bis auf wenige Ausnahmen wie zum Beispiel an der Löwenburg war das Siebengebirge von Niederwald mit einer Höhe von 5 bis 8 Metern bestanden. Dabei wurden die Bäume nach 12 bis 16 Jahren Jahre beschnitten, aus dem Stamm (Stockausschlag) entwickelten sich danach wieder neue Triebe, von denen die jeweils dicksten Triebe die Rahmen lieferten. Dabei achtete man darauf, niemals alle Triebe auszuschlagen, dies hätte den Baum zu sehr geschwächt.
Damit die sogenannten Rahmbuchen gut neu austreiben standen sie in recht lockeren Abständen, so erhalten die Triebe genug Licht. Willkommener Nebeneffekt war die dichte Krautschicht zwischen den Bäumen, hier wurde Einstreu und Futter für das Vieh gewonnen. Der Schnitt mit der „Heppe“ oder auch „Hippe“ erfolgte im Siebengebirge in Kopf- oder Hüfthöhe, in Abhängigkeit davon ob auch Vieh in die Wälder getrieben wurde, wie es zum Beispiel im Kottenforst üblich war. Im Siebengebirge hielten die Winzerfamilien jedoch ihr Vieh vorzugsweise im Stall, weil sie so den Mist leichter sammeln konnten, den sie als Dünger im Weinberg dringend benötigten. Hüfthoch geschnittene Bäume waren hier also nicht durch Verbiss gefährdet und Rotwild gab es damals ohnehin kaum. Die Erneuerung der Rahmbuchenwälder erfolgte vegetativ durch sogenannte Absenker. Dabei bog man lange Triebe zu Boden und bedeckte diese mit Erde, die daraufhin neue Wurzeln bilden. Nach dem Anwachsen kappte man dann die Verbindung zum „Mutterbaum“.
Der Bedarf an Rahmen im Siebengebirge ging pro Jahr in die Hundertausende. Eine Zählung der Rebstöcke im Siegkreis ergab für die Rheinlagen 3.433.000 Stöcke die alle 3 bis maximal 6 Jahre ausgetauscht werden mussten (Jäger 1835). Normalerweise wurden vor dem Austausch angefaulte Pfähle einmal umgedreht und mit dem anderen Ende neu eingeschlagen. Wenn sie im Weinberg nicht mehr eingesetzt werden konnten, wurden die morschen Rahmen noch als Brennholz verwendet. Diese Doppelnutzung führte unter anderem dazu, dass es in den Gegenden mit Rahmbusch weitaus weniger Klagen über Brennholzmangel gab als in den Berggemeinden.
Die größeren, häufig auf klösterliche Besitzungen zurückgehenden Weingüter besaßen meist große zusammenhängende Buschparzellen, was die Arbeit erleichterte. Die Buschparzellen der kleinen Weingüter, die häufig im Nebenerwerb betrieben wurden, verteilten sich hingegen als schmale Streifen über fast das gesamte Siebengebirge. Dementsprechend arbeitsaufwändig waren der Unterhalt der Rahmbuchen und der Transport der Rahmen aus den oft weit abgelegenen Flächen.
Zur Zeit der französischen Besetzung geraten die Rahmbuchenwälder unter Druck. Den französischen Forstbeamten ist die Rahmbuchenwirtschaft unbekannt, und um die Wälder „wieder herzustellen“ forderten sie einen radikalen Bodenschnitt, was die Rahmbuchen ruiniert hätte. Letztlich können die Maßnahmen durch Eingaben an den Präfekten abgewendet werden, der Weinbau wäre sonst zum Erliegen gekommen.
Mit der Einführung der modernen Drahterziehungssysteme und haltbareren Pfählen zum Beispiel aus Robinie werden die Rahmbuchen nicht mehr benötigt. Letzte Schnitte an den Rahmbuchen erfolgten in Krisenzeiten, wie den beiden Weltkriegen, und dienten eher der Brennholzgewinnung. Seitdem wachsen die stärksten Triebe der Stöcke durch und die Bestände haben sich zu einem Hochwald entwickelt.
Im Siebengebirge sind relativ viele Rahmbuchenbestände erhalten, da die alten Stöcke nur schwer zu roden sind, und das knorrige Holz kaum zu verwerten ist. Besonders die Bestände in den schlecht zugänglichen Siefen, aber auch auf den sehr kleinteiligen privaten Parzellen entgingen der Umwandlung in einen lukrativen Fichtenwald.
Heute sind viele der alten Rahmbuchen abgängig. Teils sind die alten Stöcke der mechanischen Belastung durch die hohen Stämme nicht gewachsen und brechen auseinander, teils hat die Trockenheit der letzten Jahre den Bäumen sehr zugesetzt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Stöcke weit über 200 Jahre alt sein können.
Die knorrig verwachsenen Rahmbuchen mit Höhlungen, Beulen und einem hohen Totholzanteil sind ein Paradies für eine hochspezialisierte, bedrohte Insektenfauna wie zum Beispiel verschiedene Mulmkäfer, welche auf verwesende Holzteile angewiesen sind. Die alten Bäume sind damit ein sehr wichtiges Habitat, da auch in den Wäldern des Siebengebirges der Totholzanteil immer noch viel zu niedrig ist, um das Überleben dieser Fauna zu sichern.
Der gut erhaltene, alte Rahmbuchenwald am unteren Nordwesthang des Weilbergs besticht durch eine große Anzahl ausgesprochen schöner Rahmbuchen. Deutlich ist hier erkennbar, dass die Bäume in Kopfhöhe beschnitten worden sind. Zudem scheinen sie alle ungefähr dasselbe Alter zu haben. Mit einer Ausdehnung von gut 1,2 Hektar handelt es sich um eine vergleichsweise große Fläche, die kaum einem Nebenerwerbsbetrieb zuzuordnen ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gehörte die Fläche daher wohl zu den Besitzungen des Klosters Heisterbach, welches sich nur 500 Meter weiter nördlich befindet. Schließlich besaß das Kloster unter anderem am Pfaffenröttchen einen ausgedehnten Weinberg für den regelmäßig eine große Anzahl von Rahmen benötigt wurde. Die Vermutung konnte jedoch bislang noch nicht anhand von Quellen belegt werden.
Unmittelbar am Nordrand des Rahmbuschs schließt sich eine langgestreckte bewaldete Grube von gut 100 Metern Länge und durchschnittlich 15 Metern Breite an. Hier wurde vor längerer Zeit Trass oder Tuff abgebaut, vergleichbar wie an der benachbarten Trassgrube Langenberg. Für ein höheres Alter sprechen der Bewuchs und die bereits stark erodierten Böschungen. Auch hier liegt eine ehemalige Nutzung durch das Kloster Heisterbach nahe.
Datierung circa 18. Jahrhundert bis heute
Zugang Ein öffentlicher Weg läuft an der Fläche vorbei.
Hinweis Das Objekt „Rahmbusch am Weilberg in Königswinter“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 446).
(Jörn Kling, 2025)
Internet www.kuladig.de: Historische Landschaftsnutzungen rund um den Weinbau im Siebengebirge (abgerufen 11.02.2026)
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