Trassgrube Langenberg im Heisterbacher Tal

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Königswinter
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 42′ 11,55″ N: 7° 12′ 48,1″ O 50,70321°N: 7,21336°O
Koordinate UTM 32.373.838,27 m: 5.618.343,77 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.585.759,79 m: 5.619.332,76 m
  • Trassgrube Langenberg (1881).

    Trassgrube Langenberg (1881).

    Copyright-Hinweis:
    Siebengbirgsmuseum/Heimatverein des Siebengbirges e.V.
    Fotograf/Urheber:
    Adolf Schneider
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Trassgrube Langenberg (2024).

    Trassgrube Langenberg (2024).

    Copyright-Hinweis:
    Joern Kling
    Fotograf/Urheber:
    Joern Kling
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Trassgrube Langenberg (2024).

    Trassgrube Langenberg (2024).

    Copyright-Hinweis:
    Joern Kling
    Fotograf/Urheber:
    Joern Kling
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Trassgrube Langenberg (2024).

    Trassgrube Langenberg (2024).

    Copyright-Hinweis:
    Joern Kling
    Fotograf/Urheber:
    Joern Kling
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Trassgrube Langenberg (2024).

    Trassgrube Langenberg (2024).

    Copyright-Hinweis:
    Joern Kling
    Fotograf/Urheber:
    Joern Kling
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Im Untergrund des oberen Heisterbacher Tals, an den Hängen von Weilberg, Nonnenstromberg und der Hardt, stehen weit verbreitet vulkanische Tuffe an, die verschiedentlich als Backofenstein genutzt werden konnten. Das heißt: Mit diesem feuerfesten Stein wurden bis ins 20. Jahrhundert Brotbacköfen gebaut. Die Lagerstätten besitzen jedoch meist nicht die Qualität der Backofensteine aus den Ofenkaulen bei Königswinter und wurden bald wieder aufgegeben. Oft sind die Tuffe zu weich oder mit zu viel Fremd- und Nebengesteinen verunreinigt. Eine größere Verwendung fanden die Tuffe hingegen in gemahlener Form zur Herstellung von Trass, einem hydraulischen Zement, der auch unter feuchten Bedingungen abbindet, vergleichbar mit den Trassvorkommen im Brohltal. Sehr wahrscheinlich wurde bereits beim Bau des Kloster Heisterbachs dieser Trass vor Ort genutzt.

Trassproduktion im Siebengebirge
Trassgrube Langenberg
Heutige Situation
Hinweise, Internet, Quellen

Trassproduktion im Siebengebirge
Nose (1789) benennt im Heisterbacher Tal gleich drei Trassvorkommen: den Schlüsselpütz am Ostrand der Hardt, am Langenberg (ein östlicher Ausläufer des Weilbergs) und die „Doktorskaule“ am südwestlichen Rand des Weilbergs. Zumindest das letztere wurde auch als Backofensteinbruch betrieben. Insofern scheinen die Verwendungen ineinander überzugehen. In einer Versteigerungsanzeige von 1823 werden fünf Brüche gelistet, die sowohl Tuff-Hausteine als auch und Backofensteine liefern sollten (Kölnische Zeitung 22.11.1823).

Laspeyres (1900) bemerkt dazu, dass die Bewohner vor Ort den an Bimsstücken reichen Tuff, der eine hohe Ähnlichkeit mit den Bimstuffen des Laacher-See Gebiets besäße, nicht bloß Trass genannt sondern schon im vorigen Jahrhundert auch als solchen genutzt hätten. Zum Zeitpunkt seiner Kartierungen waren die Abbaustellen jedoch bereits alle verfallen oder eingeebnet.

Dies überrascht ein wenig, da die Trassgrube Langenberg, am Nordostrand des Heisterbacher Tals, bis heute sehr gut als solche zu erkennen ist. In der historischen Literatur findet sich auch die Bezeichnung „Am Scheid“ oder „Hohenzelterberg“, teils mit dem Zusatz „am Nordrand der Kasseler Heide“.
nach oben
Trassgrube Langenberg
Nach einem längeren Artikel der Bonner Zeitung wird das Vorkommen angeblich erst um 1870 beim Graben eines Brunnens „entdeckt“. Nach durchteufen von 12 Fuß Lehm geriet man in ein hartes Gestein, welches bis in eine Tiefe von 74 Fuß (ca. 22 Meter) reicht, ohne jedoch Wasser anzutreffen. Ein herbeigerufener Steinmetzmeister erkennt das durchstoßene Gestein als „schönsten“ Tuff, der sowohl für die Herstellung von Steinhauerarbeiten wie auch zur Anfertigung von Trass bzw. Trassmörtel geeignet sei (Bonner Zeitung 8.10.1875).

Nach Ankauf der nötigen Parzellen beginnen zwei Kölner Unternehmer 1875 mit der Anlage eines Steinbruchs, der vom Tal aus gegen den Hang getrieben wird. Dabei werden alte untertägige Stollen angeschnitten, die belegen, dass das Gesteinsvorkommen schon früher genutzt wurde. Zur Aufbereitung des Gesteins errichtet man vor dem Bruch eine Trassmühle, die über eine 330 Meter lange „Schienenbahn“ an den Bruch angeschlossen wurde. Eine Darstellung der Situation findet sich in der Übersichtskarte des Oberbergamts-Markscheiders Adolf Schneiders (1881).

Der Trass wird vor allem in die Niederlande exportiert, wo aufgrund seiner hydraulischen Eigenschaften eine große Nachfrage für die zahlreichen Wasserbauarbeiten (Hafenanlagen, Deiche, Schleusen etc.) besteht. Im Siebengebirge stellt die Herstellung von Trass einen Einzelfall dar. Sehr viel bekannter und verbreiteter war hingegen waren die Trassvorkommen aus dem Brohltal, die bereits von den Römern ausgebeutet wurden.

Über den Abbau selbst liegen kaum Informationen vor. So erfährt man aus einer Verkaufsanzeige, dass das Unternehmen „Becker´sche Trassgrube“ genannt wurde. (Echo 13.6.1894). Die Trassproduktion scheint nicht lange angedauert zu haben. Denn schon 1887 hatten die Ziegelarbeiter der Dampfziegelei-Weil zu einem Ball in die „ehemalige“ Trassmühle eingeladen (Echo 4.9.1887).

Der Abbau erfolgte anscheinend sowohl im Tagebau wie auch im Tiefbau. Noch heute kann man im Gelände den Ansatz eines verschütteten Schachts erkennen. Dieser wird im Dezember 1885 einem älteren Herrn zum Verhängnis, als hinein stürzt und sich nicht mehr daraus befreien kann. Erst nach drei Tagen wird er zufällig durch den Hund eines Spaziergängers wiedergefunden (Echo 6.1.1886).

Heutige Situation
Heute ist noch eine etwa 30 Meter breiter Abbau sichtbar, der gegen gut 20 Meter weit gegen den steilen Südhang des Tals getrieben wurde. Die teils bereits stark erodierten Abbauwände erreichen nahezu 10 Metern Höhe. Im Bruchkessel haben die Arbeiter ein kleines Tuffmassiv stehengelassen, welches einseitig zu einem Pausenunterschlupf mit Sitzgelegenheit ausgehöhlt wurde. Unweit davon liegt der fast verschüttete Ansatz eines Schachts mit circa 3 Metern Durchmesser.
Das gesamte Gelände wird von einem Hochwald eingenommen. Das Gebäude der ehemaligen Trassmühle steht noch und ist heute ein privates Anwesen. Nichts erinnert mehr an die damalige Funktion.
nach oben
Zugang
Die Grube ist nicht frei Zugänglich.

Hinweis
Das Objekt „Trassgrube Langenberg im Heisterbacher Tal“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Regionalplan Köln 446).

(Jörn Kling, 2025)

Quellen
  • Schneider, Adolf (1881): Karte des Siebengebirges, angefertigt unter Benutzung des amtlichen Materiales, Bonn.
  • Geobasis NRW: Preußische Neuaufnahme 1895 und topographische Karte 1914, 1:25.000
  • Echo des Siebengebirges

Literatur

Berres, Frieder / Heimatverein Siebengebirge (Hrsg.) (1996)
Gesteine des Siebengebirges. Entstehung - Gewinnung - Verwendung. Siegburg.
Dechen, Heinrich Von; Rath, Gerhard Vom (1861)
Geognostischer Führer in das Siebengebirge am Rhein. Bonn.
Laspeyres, Hugo (1901)
Das Siebengebirge am Rhein. In: Verhandlungen des Naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlandes, Westfalens und des Regierungsbezirks Osnabrück, 57. 1900, Bonn.
Nose, Carl Friedrich (1789)
Orographische Briefe über das Siebengebirge und die benachbarten zum Theil vulkanischen Gegenden beyder Ufer des Nieder-Rheins. Oestliche Rhein-Seite. Erster Theil. Frankfurt am Meyn.

Trassgrube Langenberg im Heisterbacher Tal

Schlagwörter
Ort
53639 Königswinter / Deutschland
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1875, Ende 1880 bis 1887

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
Jörn Kling: „Trassgrube Langenberg im Heisterbacher Tal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356813 (Abgerufen: 31. August 2026)
Seitenanfang