Trassproduktion im Siebengebirge
Trassgrube Langenberg
Heutige Situation
Hinweise, Internet, Quellen
Trassproduktion im Siebengebirge
Nose (1789) benennt im Heisterbacher Tal gleich drei Trassvorkommen: den Schlüsselpütz am Ostrand der Hardt, am Langenberg (ein östlicher Ausläufer des Weilbergs) und die „Doktorskaule“ am südwestlichen Rand des Weilbergs. Zumindest das letztere wurde auch als Backofensteinbruch betrieben. Insofern scheinen die Verwendungen ineinander überzugehen. In einer Versteigerungsanzeige von 1823 werden fünf Brüche gelistet, die sowohl Tuff-Hausteine als auch und Backofensteine liefern sollten (Kölnische Zeitung 22.11.1823).
Laspeyres (1900) bemerkt dazu, dass die Bewohner vor Ort den an Bimsstücken reichen Tuff, der eine hohe Ähnlichkeit mit den Bimstuffen des Laacher-See Gebiets besäße, nicht bloß Trass genannt sondern schon im vorigen Jahrhundert auch als solchen genutzt hätten. Zum Zeitpunkt seiner Kartierungen waren die Abbaustellen jedoch bereits alle verfallen oder eingeebnet.
Dies überrascht ein wenig, da die Trassgrube Langenberg, am Nordostrand des Heisterbacher Tals, bis heute sehr gut als solche zu erkennen ist. In der historischen Literatur findet sich auch die Bezeichnung „Am Scheid“ oder „Hohenzelterberg“, teils mit dem Zusatz „am Nordrand der Kasseler Heide“.
Trassgrube Langenberg
Nach einem längeren Artikel der Bonner Zeitung wird das Vorkommen angeblich erst um 1870 beim Graben eines Brunnens „entdeckt“. Nach durchteufen von 12 Fuß Lehm geriet man in ein hartes Gestein, welches bis in eine Tiefe von 74 Fuß (ca. 22 Meter) reicht, ohne jedoch Wasser anzutreffen. Ein herbeigerufener Steinmetzmeister erkennt das durchstoßene Gestein als „schönsten“ Tuff, der sowohl für die Herstellung von Steinhauerarbeiten wie auch zur Anfertigung von Trass bzw. Trassmörtel geeignet sei (Bonner Zeitung 8.10.1875).
Nach Ankauf der nötigen Parzellen beginnen zwei Kölner Unternehmer 1875 mit der Anlage eines Steinbruchs, der vom Tal aus gegen den Hang getrieben wird. Dabei werden alte untertägige Stollen angeschnitten, die belegen, dass das Gesteinsvorkommen schon früher genutzt wurde. Zur Aufbereitung des Gesteins errichtet man vor dem Bruch eine Trassmühle, die über eine 330 Meter lange „Schienenbahn“ an den Bruch angeschlossen wurde. Eine Darstellung der Situation findet sich in der Übersichtskarte des Oberbergamts-Markscheiders Adolf Schneiders (1881).
Der Trass wird vor allem in die Niederlande exportiert, wo aufgrund seiner hydraulischen Eigenschaften eine große Nachfrage für die zahlreichen Wasserbauarbeiten (Hafenanlagen, Deiche, Schleusen etc.) besteht. Im Siebengebirge stellt die Herstellung von Trass einen Einzelfall dar. Sehr viel bekannter und verbreiteter war hingegen waren die Trassvorkommen aus dem Brohltal, die bereits von den Römern ausgebeutet wurden.
Über den Abbau selbst liegen kaum Informationen vor. So erfährt man aus einer Verkaufsanzeige, dass das Unternehmen „Becker´sche Trassgrube“ genannt wurde. (Echo 13.6.1894). Die Trassproduktion scheint nicht lange angedauert zu haben. Denn schon 1887 hatten die Ziegelarbeiter der Dampfziegelei-Weil zu einem Ball in die „ehemalige“ Trassmühle eingeladen (Echo 4.9.1887).
Der Abbau erfolgte anscheinend sowohl im Tagebau wie auch im Tiefbau. Noch heute kann man im Gelände den Ansatz eines verschütteten Schachts erkennen. Dieser wird im Dezember 1885 einem älteren Herrn zum Verhängnis, als hinein stürzt und sich nicht mehr daraus befreien kann. Erst nach drei Tagen wird er zufällig durch den Hund eines Spaziergängers wiedergefunden (Echo 6.1.1886).
Heutige Situation
Heute ist noch eine etwa 30 Meter breiter Abbau sichtbar, der gegen gut 20 Meter weit gegen den steilen Südhang des Tals getrieben wurde. Die teils bereits stark erodierten Abbauwände erreichen nahezu 10 Metern Höhe. Im Bruchkessel haben die Arbeiter ein kleines Tuffmassiv stehengelassen, welches einseitig zu einem Pausenunterschlupf mit Sitzgelegenheit ausgehöhlt wurde. Unweit davon liegt der fast verschüttete Ansatz eines Schachts mit circa 3 Metern Durchmesser.
Das gesamte Gelände wird von einem Hochwald eingenommen. Das Gebäude der ehemaligen Trassmühle steht noch und ist heute ein privates Anwesen. Nichts erinnert mehr an die damalige Funktion.
Zugang
Die Grube ist nicht frei Zugänglich.
Hinweis
Das Objekt „Trassgrube Langenberg im Heisterbacher Tal“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Regionalplan Köln 446).
(Jörn Kling, 2025)
Quellen
- Schneider, Adolf (1881): Karte des Siebengebirges, angefertigt unter Benutzung des amtlichen Materiales, Bonn.
- Geobasis NRW: Preußische Neuaufnahme 1895 und topographische Karte 1914, 1:25.000
- Echo des Siebengebirges