Ziegelei Wolf

Ziegelei Johann Josef Wolf

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 59,79″ N: 6° 49′ 39,42″ O 50,91661°N: 6,82762°O
Koordinate UTM 32.347.299,13 m: 5.642.799,06 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.558.244,00 m: 5.642.695,92 m
Von 1904 bis in die 1960er Jahre wurden in der Ziegelei Johann Josef Wolf an der Kölner Straße Ziegelsteine produziert, aus denen auch zahlreiche Gebäude in Frechen errichtet wurden. Die Geometrie der Ziegeleifläche ist der Deutschen Grundkarte 1:5.000 (DGK5) der 1960er Jahre entnommen.

Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg
Bereits am 26.01.1903 wurde bekannt gegeben, dass der Landwirt Johann Josef Wolf den Betrieb eines Ziegelofens auf seinem Grundstück beabsichtigte (Sammlung Bernd Mayerhofer, Quellenangabe: Stadtarchiv Frechen Akte 203 fol. 216-217). Im April 1904 nahm sie ihren Betrieb auf (Stadtarchiv Frechen Akte 195 fol. 91).
Noch im gleichen Jahr beantragte er den Bau eines Ringofens. Die Genehmigung zur Anlage einer Ringofenziegelei wurde am 16. Februar 1905 (Familienchronik Wolf 1983, S. 29) erteilt. Sie wurde am 06. Juli 1905 fertiggestellt und in Betrieb genommen (Stadtarchiv Frechen Akte 195 fol. 109-110). Mit Gründung dieser Ringofenziegelei betrat die Familie Wolf neben der Landwirtschaft das Feld der industriellen Produktion - mit guten Aussichten: In Frechen bestand zu dieser Zeit ein sehr hoher Bedarf an Ziegelsteinen für den Wohnungs- und Industriegebäudebau. Es gab zu diesem Zeitpunkt fünf Braunkohlengruben, zwei Brikettfabriken sowie 10 Steinzeugfabriken (Schliski & Wolf 1983, S. 29). Zu den Hauptabnehmern gehörten die expandierenden Brikettfabriken, die Erweiterungsbauten planten und Reparaturen durchführen mussten. Damals existierten bereits zwei Ziegeleien in Frechen, nämlich die Hohenlinder Ringofen-Ziegelei und die Ziegelei Hunzinger (ehemals Baumann).
Neben Johann Josef Wolf wirkten auch dessen Söhne Peter, Heinrich und Johann Josef in unterschiedlichster Weise am Aufbau und in der Produktion des Unternehmens mit (Schliski & Wolf 1983, S. 33)

Die Ziegelei wurde als Saisonbetrieb im Sommer geführt. Zu der Stammbelegschaft zählten 5-7 Stammarbeiter, während der Saison von April bis September arbeiteten bis zu 30 Personen in der Fabrik (Schliski & Wolf 1983, S. 30). Für die Mitarbeitenden gab es ein zweigeschossiges Wohnhaus. Die Jahresproduktion belief sich auf 3 Millionen Steine, die auch ihre Abnehmer fanden, während der Absatz sowie die Produktion der umliegenden Ziegeleien ruhten (Schliski & Wolf 1983, S. 34).
1907 wurde neben der Ringofenziegelei ein Ziegelpressenhaus errichtet und 1908 in Betrieb genommen (Stadtarchiv Frechen Akte 203 fol. 421, 423). „Mit einer 1909 eingebauten, elektrisch angetriebenen Presse wird die Ziegelei Wolf ihren Konkurrenten qualitätsmäßig und wirtschaftlich überlegen“ (Schliski & Wolf 1983, S. 35).
Für das Jahr 1911 wurden 21 Mitarbeiter gemeldet (Stadtarchiv Frechen Akte 195 fol. 245) und zwei Jahre später 24 Mitarbeiter (Stadtarchiv Frechen Akte 193 fol. 96-97), 1918 waren es „65 Mann“ (Stadtarchiv Frechen, Akte 193/111).

Am 23. Dezember 1913 wurde ein Antrag auf Errichtung eines neuen Ziegelringofens gestellt, der auch genehmigt wurde. Seine Fertigstellung wurde jedoch durch den Ersten Weltkrieg verhindert (Stadtarchiv Frechen Akte 195 fol. 258 und Akte 204 fol. 138). Während des Ersten Weltkrieges ruhte der Ziegeleibetrieb aller drei Frechener Ziegeleien, da die Eigentümer eingezogen wurden und kaum Arbeitskräfte zur Verfügung standen (Schliski & Wolf 1983, S. 42).

Entwicklung bis Ende des Zweiten Weltkrieges
Für das Jahr 1918 wird berichtet, dass die Ziegelei Wolf bei Vollbetrieb 65 Mitarbeiter beschäftigt (Stadtarchiv Frechen, Akte 193/111). Außerdem verliefen nach dem Ersten Weltkrieg die Verhandlungen für die Einrichtung eines Anschlussgleises von der Güterstrecke der Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn zur Ringofen-Ziegelei erfolgreich (Schliski & Wolf 1983, S. 57), sodass der Transport der Ziegelsteine per Bahn gesichert war. 1921 wurde ein neues Ziegelpressenhaus errichtet (Stadtarchiv Frechen, Akte 1426, fol. 52-54, 58, 60)

Am 27.04.1929 beantragte die Firma Johann Josef Wolf den Bau eines neuen Ringofens in einem geschlossenen Gebäude nordwestlich des bestehenden Ringofens. Bereits ein Jahr später war die ‚Steinfabrik Johann Josef Wolf' fertiggestellt (Stadtarchiv Frechen, Akte 1425/04-13). Es handelte sich um ein dreigeschossiges Fabrikgebäude aus Ziegelstein. Es „enthält im Erdgeschoss den Raum für den Ringofen, anschließend daran das Presshaus, den Transformatorenraum, den Schaltraum, ein Raum zum Waschen und Umkleiden der Arbeiter, im Obergeschoss den Raum zum Brennen sowie Trockenanlage, über dem Presshaus die Beschickungsanlage. Das zweite Obergeschoss ist vollkommen als Trockenraum vorgesehen. (…) Der vorgesehene Ringofen besteht aus 18 Kammern, welche mit Ziegelsteinen teils in Kalk- teils in Lehmmörtel gemauert sind“ (Stadtarchiv Frechen, Akte 1425/09). Der Ofen wurde mit Steinkohle betrieben; der Kamin hatte eine Höhe von 55 Metern. In diesem modernen Betrieb konnte nun ganzjährig produziert werden. Die Geschicke der Ziegeleien sowie der Landwirtschaft lenkte insbesondere Peter Wolf (Schliski & Wolf 1983, S. 63).

Während des Zweiten Weltkrieges wurde ein Ofen mit Pressenanlage zur Hälfte zerstört (Schliski & Wolf 1983, S. 125). Ein großes Problem bei der Wiederinbetriebnahme nach Kriegsende war die Beschaffung von Arbeitskräften, denn viele der ehemals Beschäftigten waren vermisst, gefallen oder befanden sich noch in Kriegsgefangenschaft (Schliski & Wolf 1983, S. 131). Ab 1945 begann der Wiederaufbau der Ziegelei Wolf, die Werke Hunzinger und Fühlingen folgten in den Jahren 1946 und 1947 (Schliski & Wolf 1983, S. 132).

Die Nachkriegszeit
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Unternehmensgruppe Wolf zu den größten Ziegelproduzenten im Kölner Raum. Jedoch unterboten sich die Werke trotz günstiger Absatzbedingungen bei den Preisen, sodass die Erträge gering ausfielen und eine Modernisierung der Betriebe nicht möglich war (Schliski & Wolf 1983, S. 148). Anders als in der Steinzeugindustrie waren die Ziegelproduzenten keinem Verkaufssyndikat angeschlossen.

Ein Großbrand in der Nacht vom 06. auf den 07.04.1957 (Neue Rhein Zeitung vom 08.04.1957) zerstörte die Steinfabrik völlig. Laut Medienberichten wurde die Fabrik wiedererrichtet und „auf den modernsten Stand gebracht“ (Kölnische Rundschau Nr. 218 vom 19.09.1967). 1969 erfolgte eine Umrüstung des Werkes für die Schamotte-Herstellung, um die Steinzeugröhrenindustrie mit diesem Grundstoff zu versorgen (Kölner Stadt-Anzeiger Jahrgang 69 Nr. 47 vom 25.02.1969).

Der Familienchronik Wolf (1983) ist zu entnehmen, dass die Ziegeleien in Wolf'schem Eigentum nur wenig modernisiert und mangels Erträgen zwischen 1960 und 1970 nacheinander stillgelegt wurden (Schliski & Wolf 1983, S. 148). Neue, nachgefragte Produkte kamen auf den Markt, die nur mit modernen Öfen wirtschaftlich produziert werden konnten. Modernisierungen waren aber auch in den Steinzeugwerken vonnöten. Die Unternehmer Wolf entschieden sich in der Frage der Modernisierung für die Steinzeugindustrie, von der sie sich höhere Gewinne versprachen. Außerdem bestand für die Steinzeugwerke ein den Absatz sicherndes Verkaufssyndikat.

Erhaltene Reste
1988 wurde die Ziegelei an der Bonnstraße abgerissen. Der Gleisanschluss des Werkes wurde 2013 demontiert (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie).
Noch bis 2024 existierten Teile einer Umfassungsmauer sowie Werkstatt- und Garagengenbäude aus gelben Ziegelsteinen, die aus der dortigen Produktion stammten. Als unmittelbare Verbindung mit dem ehemaligen Steinzeugwerk Kalscheuer, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, diente eine Unterführung unter der Bonnstraße. Im Zuge der Neuplanungen für ein neues Gewerbequartier der Eigentümergesellschaft wurden diese Relikte 2024 abgerissen. Lediglich die Mergelgrube der Ziegelei ist noch ablesbar und erfüllt heute die Funktion eines Regenrückhaltebeckens.

Räumlich-Funktionale Beziehungen
Viele Gebäude und Siedlungen Frechens wurden aus den Ziegelsteinen der Ziegelei Wolf errichtet, wie diese heute noch erhaltenen Beispiele (Liste nicht abschließend):
  • Bergmannsiedlung Frechen: Am 3. August 1921 beantragte die Wohnungsbaugesellschaft für das rheinische Braunkohlenrevier GmbH die Erlaubnis, zwecks Verbindung der Ziegeleien an der Elisabethstraße und der Bonnstraße mit der zu errichtenden Bergmannsiedlung mittels einer extra dafür angelegten 60cm-Spur-Baubahn die Straßen kreuzen zu dürfen (Stadtarchiv Frechen, Akte 300, fol. 04).
  • Heinrich-Wolf-Siedlung (1951-1954)
  • Siedlung Am Lindchen / An der Mergelskaul (1954-1960)
  • Erweiterungsbau der Kirche Sankt Severin (1957)

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2025)

Quellen
  • Stadtarchiv Frechen Akte 203 fol. 216-217 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)
  • Stadtarchiv Frechen Akte 195 fol. 91 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)
  • Stadtarchiv Frechen Akte 195 fol. 109-110 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)
  • Stadtarchiv Frechen Akte 203 fol. 421, 423 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)
  • Stadtarchiv Frechen Akte 195 fol. 245 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)
  • Stadtarchiv Frechen, Akte 193/111 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)
  • Stadtarchiv Frechen Akte 195 fol. 258 und Akte 204 fol. 138 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)
  • Stadtarchiv Frechen, Akte 1425/04-13 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)
  • Stadtarchiv Frechen, Akte 1425/09 (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)
  • Neue Rhein Zeitung vom 08.04.1957: Ringofenziegelei brannte nachts in Windeseile aus (von Peter Fuchs; Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)
  • Kölnische Rundschau Nr. 218 vom 19.09.1967: Winterpause für Ziegelei, Test mit Leichtbausteinen. (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)
  • Kölner Stadt-Anzeiger Jahrgang 69 Nr. 47 vom 25.02.1969: Jetzt Modernisierung in der Steinzeugindustrie. (Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen, Ordner Frechener Ziegelindustrie)

Literatur

Granrath, Gregoria (1956)
Die Industrie der Steine & Erden im Raum von Frechen und Groß-Königsdorf. Wissenschaftliche Arbeit für das Gewerbelehramt. Köln (Stadtarchiv Frechen).
Schliski, Heinz; Wolf, Heinrich II (1983)
Die Wolfs aus Frechen. Eine Familien- und Firmengeschichte. Nach den Aufzeichnungen von Heinrich Wolf II, bearbeitet von Heinz Schliski. Frechen.

Ziegelei Wolf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kölner Straße
Ort
50226 Frechen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1904, Ende nach 1960

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Nicole Schmitz (2025): „Ziegelei Wolf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345060 (Abgerufen: 9. Oktober 2026)
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