Mostertplatz in Koblenz-Lay

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 19′ 21,6″ N: 7° 32′ 22,67″ O 50,32267°N: 7,53963°O
Koordinate UTM 32.396.043,88 m: 5.575.527,00 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.396.077,44 m: 5.577.317,50 m
  • Mostertplatz in Koblenz-Lay (2021).

    Mostertplatz in Koblenz-Lay (2021).

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  • Alfons Mostert (unbekannt)

    Alfons Mostert (unbekannt)

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  • Koblenz-Lay, Moselhochwasser, Fährfamilie, auf dem Balkon die Familie Mostert (Postkarte Fotosammlung Hedwig Herdes) (1920).

    Koblenz-Lay, Moselhochwasser, Fährfamilie, auf dem Balkon die Familie Mostert (Postkarte Fotosammlung Hedwig Herdes) (1920).

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  • Johanna Gisberta Mostert ist aufgeführt auf Liste der Ehrengräber, Hauptfriedhof Koblenz

    Johanna Gisberta Mostert ist aufgeführt auf Liste der Ehrengräber, Hauptfriedhof Koblenz

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  • Johanna Gisberta Moster

    Johanna Gisberta Moster

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  • Wohnhaus in Koblenz-Lay mit dem Schriftzug "Löwenburg" (2021)

    Wohnhaus in Koblenz-Lay mit dem Schriftzug "Löwenburg" (2021)

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Der „Mostertplatz“ ist ein Parkplatz in Koblenz-Lay. Hier befand sich früher der Kirmesplatz der Gemeinde. Der Name des Platzes erinnert an die Familie Mostert. Sie wirkte als Wohltäterin in der Gemeinde Lay.

Im ehemaligen „Haus Löwenburg“, an der Fähre gelegen, lebte seit dem Jahr 1917 der begüterte Tabakfabrikant Alfons Mostert aus Koblenz mit seiner Familie. Einstmals war es ein großes Haus ohne Schnörkel im Besitz der Deutschherren. Der Koblenzer Architekt Carl Becker (1857-1914) erwarb die Löwenburg im Jahr 1900. Er baute das Anwesen aufwendig um und versah es mit Türmchen und Giebelchen. Das Gebäude wurde im Jahr 2019 abgerissen. An seiner Stelle entstand ein neues Haus. Der Schriftzug „Löwenburg“ erinnert an das ehemalige große Anwesen.

Familie Mostert
Der Fabrikant Alfons (Albert Wilhelm Heinrich) Mostert (1876-1945) half sowohl im Stillen den Armen der Gemeinde und auch der finanzschwachen Gemeinde selbst durch seine Beziehungen und durch finanzielle Zuwendungen. Mit seiner Hilfe erhielt Lay den Anschluss an die Strom- und Wasserversorgung. Er ließ die Kirche auf seine Kosten streichen, spendete eine hohe Geldsumme für die Gedenktafel der Gefallenen des I. Weltkrieges und stattete an jedem Weihnachtsfest die Kriegswaisenkinder mit Lederschuhen und Strickwesten aus. Er konnte zahlreiche Heimarbeiter beschäftigen, da er Tabakfabriken in Zell an der Mosel, Briedel, Kaimt und Hillscheid unterhielt.

Johanna Gisberta Mostert, eine ledige Schwester des Fabrikanten, wohnte oft in der Löwenburg. Sie war Schriftstellerin, die auch unter dem männlichen Namen -Hanns Gisbert- ihre Romane veröffentlichte, und liebte die Mosellandschaft.
In der Löwenburg in Lay sind viele Ihrer Schriften entstanden. Sie schaute mit wachen Augen dem Treiben der Winzer an der Fähre zu, beschrieb wunderschön die Mosel mit ihren wechselnden Stimmungen. Offensichtlich war das Haus an der Mosel für die Schriftstellerin ein Ort der Anregung und Inspiration. So beschreibt es der Schriftsteller Ludwig Mathar (1882-1958): „Unten in dem Herrenhaus an der Mosel hat Hanns Gisbert (Johanna Gisberta Mostert) gedichtet und geträumt… In Lay aber sind ihre duftigen Landschaftsbilder entstanden. Da ward die preisgekrönte Novelle “Moselwein und -wellen„ ersonnen. Da ward jene urwüchsige Novelle “Schiffsleut' an der Mosel„ geschrieben, durch die Vater Huesgen mit strammem Gang und bärbeißigem Humor selbstsicher schreitet…“ (Mathar 1924, S. 533 und 541).

In „Weinlese an der Mosel“ (unter dem Pseudonym Hanns Gisbert) in der „Kölnische Volkszeitung Nr. 172) vom 4. Oktober 1921 (Welt und Wissen) beschreibt Johanna Mostert eine Herbstszene: “Die Welt, die schöne Gotteswelt ist verschwunden... Eine Mauer hat der Nebel um das Haus gezogen... Da die Winzer mit ihren Geräten, mit ihren Fuhren und Bottichen hantieren, gibt es Zusammenstöße, gibt es Scheltworte und Gelächter. ... Seit Tagen stehen die Bütten und Fässer schon unten am weit zurückgetretenen Flußufer, um zu „weichen“. Die schwank gewordenen Eichenbretter sind wieder und wieder angefeuchtet und mit Moselwasser gefüllt worden, dass sie dicht aneinanderschließen und kein Tropfen des köstlichen Rebensaftes, den sie aufnehmen sollen, Gefahr läuft, verloren zu gehen. Nun wird gespritzt und geputzt und ausgeschwenkt, bis alles fest und blitzsauber ist...Manch einer nimmt ein unfreiwilliges Fußbad im Fluß, ehe er seine Bütten ordnungsgemäß auf der Karre stehen hat, die der vorgespannte Gaul nun vor den Wingert befördert. In Reihen ziehen die Fuhren am Ufer entlang oder schiffen sich zu zweien oder dreien auf der Fähre ein, die auf halbem Wege doch wieder vom Nebel verschluckt wird.
Rüstig ist die Schar der Leser und Leserinnen ausgeschritten, mit derbem Schuhwerk und warmer Kleidung versehen. Denn der Morgen ist frisch: die feuchte Luft legt sich wie nasse Wäsche um Antlitz und Schultern und macht selbst die Warmblütigsten frösteln. Die Hände sind klamm und wollen steif werden, wenn sie Schere oder Messer regieren, wenn sie mit geübtem Griff die Traube vom Zweig zupfen, ohne dass der Rebstock darunter leidet. Stock um Stock, Reihe um Reihe wird vorgenommen, dass kein Träublein vergessen wird... In Reihen schreiten die Leser systematisch voran und sammeln die geernteten Früchte in Eimer und Tröge, die immer wieder in den mächtigen Bottich -Tragkorb entleert werden, bis der riesige Winzerknecht ihn leicht und mühelos auf den Rücken schnallt und ihn hinunter trägt zu der alles verschlingenden Traubenbütte... Die Nebel sind verschwunden... Wollwams und Umschlagetuch sind fortgeworfen... Wieder und wieder schreitet der Winzerknecht mit der zentnerschweren „Bott“ zur Straße hernieder, zur Bütte, in der die Trauben schon in der süßen „Brühe“ schwimmen. Weiter und weiter wird sein Weg. Die Leser klimmen die steilen Chöre heran, wo die Arbeit mühsamer, der Ertrag geringer ist. Die Trockenheit und der Sauerwurm haben bös geschafft; die naschhaften Dohlen mit dem Besitzer geteilt. Aber immer füllt sich die „Bott“ wieder. Mittag ist es. Die Sonne schlingt leuchtende Goldperlenketten durch das herbstliche Laub. Mild und voll fließen die Wellen des Lichtes über Straße und Wingert. Die fleißigen Schaffer rasten zur Mittagspause. Hier wird der ersehnte Eintopf von den Buben im Kinderkärrchen hingefahren, dort bringt ein stattlicheres Fuhrwerk das Mittagsmahl für die Leser, zugleich neue Bütten mit sich führend und gegen die alten austauschend, die nun heimgefahren werden, um Bekanntschaft mit der Kelter zu machen. ... Der Löffel wird eifrig zum Munde geführt, die Becher kreisen; manch Scherzwort fliegt hin- und herüber. Dann wird nach kurzer Rast wieder mit der Arbeit begonnen, es gilt, fleißig zu sein, das herrliche Lesewetter auszunutzen. Einträchtig wandern die Schaffer im Dämmer nach Hause, hübsche alte Weisen singend oder vom „Winzerfest“ träumend, das den Dreiviertelherbst, der aber ein auserlesener an Güte werden zu wollen scheint, krönen soll. Der Abend hat schon Schleier der Sehnsucht und Wehmut ins Flußtal gehängt, als die letzten zurückkehren. Die Ponte ist unablässig bei der Arbeit, die heimkehrenden Leser und die Leserinnen und die vollbeladenen Fuhren hinüberzufahren, die mit Vorspann von dem tief herabgesunkenen Wasserspiegel bis zum Dorf hinaufgezogen werden müssen. In den Höfen arbeitet die Kelter. Süßwürziger Traubenduft erfüllt das Haus. Gerüchte vom nie dagewesenen Mostgewicht klingen ins Ohr...„


Johanna Gisberta Mostert war am 24.12.1864 in Coblenz geboren und verstarb dort plötzlich im Alter von 57 Jahren am 31. Oktober 1922. Ihr Leben war bestimmt durch die Literatur, sie veröffentlichte zahlreiche Romane und Novellen und war fleißige Mitarbeiterin verschiedener Zeitungen.

Für Ihre Zeit erstaunlich modern war sie während des I. Weltkrieges Schriftführerin des Frauenrates in Coblenz. Sie engagierte sich in der Hilfe für Soldaten, Waisenkinder und für Notleidende. Ein brutaler Überfall beendete den Aufenthalt der Familie Mostert in Lay. In einer Nacht, am 7. November 1923 wurden mehrere Familien in Lay von einem Separatisten-Überfallkommando geschlagen und ausgeraubt. So auch die Familie Mostert, die am nächsten Tage wieder in ihr Stadthaus nach Koblenz verzog. Zum Separatistenüberfall berichtete der Coblenzer Generalanzeiger am 30./31.5.1925 (Nr. 124) von einem beachtlichen Gerichtsverfahren (vollständig übernommen in: Herdes 2003, S. 208-212).

Auch das Fachwerkhaus Kaufunger Straße 1 gehörte zum Mostert'schen Besitz. Dort fand der Fährmann, zu dem Mosterts immer eine besondere Beziehung hatten, dauerhaft einen Aufenthaltsraum.

Das Schild “Mostertplatz„ wurde am 23. Juli 1992 auf dem Mostertplatz aufgestellt, die Umwidmung des Platzes erfolgte im Jahr 1990.

In einer Grünanlage am Mostertplatz sind zwei alte Steinkreuze (Gedenkkreuz Schoor und Bootskreuz) aufgestellt.

(Hedwig Herdes, Koblenz-Lay, 2021)

Internet
www.liteifel.de: Hanns Gisbert (Werke) (abgerufen 14.09.2021)

Quellen:
Koblenzer Köpfe -Personen der Stadtgeschichte, Namensgeber für Straßen und
Plätze-
Wolfgang Schütz, 2. Auflage 2005, S. Mostert Alfons “. 396,397, Johanna Gisberta Mostert S. 397

Ein Park für die Toten und Lebenden, 200 Jahre Hauptfriedhof Koblenz, herausgegeben vom Eigenbetrieb der Stadt Koblenz, Grünflächen -und Bestattungswesen, 2020. S. 156-157

Literatur

Herdes, Hedwig (2003)
Separatistenunruhen beenden den Aufenthalt der Familie Mostert in Lay. In: Aus der Geschichte des Orts Lay, S. 208-212. o. O.
Herdes, Hedwig (1992)
Familie Mostert und die Löwenburg in Koblenz-Lay. S. 1-48. o. O.
Mathar, Ludwig (1924)
Die Mosel. Bilder von Land, Volk und Kunst. Bilder von Land, Volk und Kunst. Köln.

Mostertplatz in Koblenz-Lay

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Mostertplatz
Ort
56073 Koblenz - Lay
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1992

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Hedwig Herdes: „Mostertplatz in Koblenz-Lay”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343072 (Abgerufen: 21. Juni 2024)
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