Dreikönigenpförtchen an Sankt Maria im Kapitol

„Dreikünnijepöötzche“

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Fachsicht(en): Landeskunde, Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 56′ 3,41″ N: 6° 57′ 31,95″ O / 50,93428°N: 6,95887°O
Koordinate UTM 32.356.579,05 m: 5.644.500,63 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.567.448,68 m: 5.644.773,68 m
  • Aquarell auf Papier von Carl Rüdell (zwischen 1880 und 1900): Das Kölner Dreikönigenpförtchen an Sankt Maria im Kapitol.

    Aquarell auf Papier von Carl Rüdell (zwischen 1880 und 1900): Das Kölner Dreikönigenpförtchen an Sankt Maria im Kapitol.

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    Rüdell, Carl / gemeinfrei
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    Carl Rüdell
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  • Blick vom Marienplatz aus durch das Dreikönigenpförtchen auf den Ostchor von St. Maria im Kapitol (2010).

    Blick vom Marienplatz aus durch das Dreikönigenpförtchen auf den Ostchor von St. Maria im Kapitol (2010).

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    Spekking, Raimond / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
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    Raimond Spekking
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  • Die heute im städtischen Museum Schnütgen für mittelalterliche Kunst im früheren Cäcilienstift ausgestellten Original-Skulpturen des Dreikönigenpförtchen an St. Maria im Kapitol in Köln (2016).

    Die heute im städtischen Museum Schnütgen für mittelalterliche Kunst im früheren Cäcilienstift ausgestellten Original-Skulpturen des Dreikönigenpförtchen an St. Maria im Kapitol in Köln (2016).

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    Raimond Spekking
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  • Luftbild der früheren Kölner Benediktinerinnenabtei Sankt Maria im Kapitol, überflogen aus nördlicher Richtung (2010). Links oben im Bild das südöstlich des Kirchengebäudes gelegene Dreikönigenpförtchen.

    Luftbild der früheren Kölner Benediktinerinnenabtei Sankt Maria im Kapitol, überflogen aus nördlicher Richtung (2010). Links oben im Bild das südöstlich des Kirchengebäudes gelegene Dreikönigenpförtchen.

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Das etwas versteckt gelegene Dreikönigenpförtchen an St. Maria im Kapitol (im kölschen Idiom „Dreikünnijepöötzche“) gilt als das einzig erhaltene der einstmals vielen Tore zu den zahlreichen mit Mauern umgebenen klösterlichen oder stiftischen Immunitätsbezirken der mittelalterlichen Domstadt.
An solchen Mauern und Toren endete die städtische Gerichtsbarkeit. So wird etwa für den sprechenden Namen der Gasse „Sieh um Dich“ im Trierer Dombezirk berichtet: „Wenn man sich in vergangener Zeit etwas hatte zu Schulden kommen lassen, dann konnte man durch den Eintritt in die Domimmunität erhoffen vor der weltlichen Verfolgung sicher zu sein. Jedoch sollte dieser Gang immer mit einem Blick nach hinten über die Schulter erfolgen, um sich zu vergewissern, dass man seinen Verfolgern entkommen konnte.“

Lage und Baubeschreibung
Die Legende vom Einzug der Heiligen Drei Könige nach Köln
Das heutige Bauwerk
Baudenkmal
Quelle, Internet, Literatur

Lage und Baubeschreibung
Das Pförtchen an der früheren Benediktinerinnenabtei ist nicht zu verwechseln mit der mittelalterlichen Dreikönigenpforte, die 1296 als porta r(h)eni (Rheintor) erstmals erwähnt und auch Mühlenpforte, Molenportzgin, Lynhofporz oder Koenyncksportzgin genannt wurde. Dieser 1854 abgerissene Bau war ein Tordurchgang der rheinseitigen Stadtbefestigung Kölns nahe des Bayenturms (de.wikipedia.org).

Das kleine Dreikönigenpförtchen verbindet südöstlich des Kirchengebäudes den ehemaligen Kirchhof (Lichhof) mit dem Marienplatz bzw. der Königstraße. Die Beschreibung des Tores und seines Figurenschmuckes unter www.romanische-kirchen-koeln.de lautet wie folgt:
„Über einer spitzbogigen, profilierten Türöffnung, die zu verschließen war, liegt ein Gesims, in das der Spitzbogen einschneidet. Darüber steht eine Schreinarchitektur mit vier Arkaden zu beiden Seiten. Vier Figuren, eine sitzende Maria mit Kind und die anbetenden Drei Könige sind in das steinerne Gehäuse eingestellt. Bemerkenswert ist, dass die Schauseite nicht auf den Marienplatz, sondern auf die ehemalige Stiftsfreiheit hin ausgerichtet ist. Unmittelbar vor dem Pförtchen lag innerhalb der Immunität der Friedhof des Stiftes, worauf der Name des Platzes, Lichhof, noch heute hinweist.
Mit der Darstellung der Heiligen Drei Könige wird Bezug genommen auf ihre besondere Verehrung in der Stadt. Noch im Tode wollte man sich ihrer ideellen Nähe versichern.“
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Die Legende vom Einzug der Heiligen Drei Könige nach Köln
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich in Köln die Vorstellung verfestigt, dass der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel (~1114/20-1167, ab 1159 Erzbischof von Köln), als er am 23. Juli 1164 als Kanzler des Reiches und Erzkanzler von Italien zu Zeiten Kaiser Friedrich Barbarossas mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige als Kriegbeute aus Mailand feierlich in die Reichsstadt Köln einzog, dazu das heutige Dreikönigenpförtchen passiert habe.
Diese schöne Episode zu der nachfolgend bedeutendsten Reliquie des Doms als Pilgerstätte ist jedoch leider historisch nicht belegt – oder mit anderen Worten ein „kölscher Verzäll“, der so nicht stimmen kann: „Denn: Das heutige gotische Tor stammt ungefähr aus dem Jahr 1330. Und zu diesem Zeitpunkt waren Kaspar, Melchior und Balthasar schon mehr als 150 Jahre in Köln zu Hause.“ (www.koeln-lotse.de)

Obgleich entsprechende Quellenberichte fehlen, kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass der Erzbischof durch einen romanischen Vorgängerbau des heutigen Pförtchens an St. Maria im Kapitol mit den Reliquien in die Stadt eingezogen war. Späteren Überlieferungen zufolge wurden Rainald und sein Gefolge offenbar schon vor der Stadt begeistert von der Bevölkerung empfangen und in einer Art Prozession in die Stadt geleitet. Der Denkmalpfleger, Kunsthistoriker und ehemalige Stadtkonservator Ulrich Krings konstatiert: „Und wenn diese Prozession mit den Reliquien tatsächlich stattgefunden haben sollte, müsste sie durch den romanischen Vorgänger des heutigen Törchens erfolgt sein.“ (Kölner Stadt-Anzeiger 2020)

Die Gebeine werden seither im Kölner Dom aufbewahrt, das als Goldschmiedearbeit ausgeführte Prachtreliquiar des Dreikönigenschreins wurde wohl noch im 12. Jahrhundert begonnen und um 1225 vollendet. Die irdischen Überreste der legendären „Magier“, die der christlichen Tradition der Weihnachtsgeschichte zufolge durch den Stern von Betlehem zu Jesu Geburtsstätte geführt wurden, stärkten durch den starken Zustrom von Pilgern und Wallfahrern die wirtschaftliche Bedeutung Kölns: „Reliquien bringen Pilger und Pilger bringen Geld“.
Darüber hinaus bewirkte der Besitz der als Dankesgeschenk von Kaiser Barbarossa erhaltenen Gebeine für Erzbischof Rainald – und damit auch für die Domstadt – einen bedeutenden Zugewinn an politischer Macht und war auch ein maßgeblicher Beweggrund für den Neubau des Doms ab 1248.
Da die drei Weisen aus dem Morgenland seinerzeit als „erste christliche Könige“ verehrt wurden, stärkten sie zudem mehr als nur symbolisch Rainalds ehrgeizige weltlich-politische Ansprüche, etwa bezüglich der Wahl und der Krönung der deutschen Könige. Rainald, der als Kölner Erzbischof im Kurfürstenkollegium einer der Wahlmänner des deutschen Königs war, ließ sich indes erst am 29. Mai 1165 formal zum Priester und am 2. Oktober dieses Jahres zum Bischof weihen.
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Das heutige Bauwerk
Die allmählich verfestigte Legende, dass die Reliquien der Heiligen Drei Könige durch das kleine Törchen in die Stadt gelangt seien, hat vermutlich zu dessen Erhaltung beigetragen: Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (1795-1861, seit 1840 König von Preußen) stellte die finanziellen Mittel zur Verfügung und veranlasste 1842 die Restaurierung des vom Verfall bedrohten Tores und des Skulpturenschmucks durch den Architekten und Kölner Stadtbaumeister Johann Peter Weyer (1794-1864).
Im Zweiten Weltkrieg hatten 1944 Fliegerbomben das Dreikönigenpförtchen fast dem Erdboden gleich gemacht. Wilhelm Schlombs, ein tatkräftiger Volontär beim von 1933 bis 1948 amtierenden Stadtkonservator Hans Vogts (1883-1972), hatte jedoch die Steine eingesammelt und eingelagert, so dass „dat Pöötzche“ bereits 1946 wieder auf „wundersame Weise“ stand (www.koeln-lotse.de).
Vor Ort wurden die vier Skulpturen der anbetenden Könige und der sitzenden Mutter Gottes mit dem Christuskind 1981 durch Kopien ersetzt, seitdem befinden sich die Originale im städtischen Museum Schnütgen für mittelalterliche Kunst im vormaligen Cäcilienstift.
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Baudenkmal
Unter der laufenden Nummer 83 wurde das „Immunitätstor/Dreikönigenpförtchen (Lichhof ohne Nummer, Altstadt/Süd)“ zum 1. Juli 1980 in die städtische Denkmalliste aufgenommen (www.stadt-koeln.de).

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR und Uli Kievernagel, Köln, 2021)

Quelle
„Wundersamerweise“ – Zerstörter Kölner Torbogen nach Zweitem Weltkrieg gerettet (Tobias Christ, Kölner Stadt-Anzeiger vom 03.08.2020).

Internet
www.romanische-kirchen-koeln.de: St. Maria im Kapitol – Geschichten & Legenden, Dreikönigenpförtchen um 1330 (abgerufen 14.01.2021)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Rainald von Dassel (Text: Swen Holger Brunsch, abgerufen 14.01.2021)
www.koeln.lotse.de: Dat Dreikünnijepöötzche / Das Dreikönigenpförtchen (Uli, der Köln-Lotse vom 21.11.2020, abgerufen 14.01.2021)
www.koeln-lotse.de: Drei wichtige Imis für Kölle: Caspar, Melchior und Balthasar (Uli, der Köln-Lotse vom 06.01.2019, abgerufen 14.01.2021)
www.stadt-koeln.de: Suche in der Denkmalliste (abgerufen 14.01.2021)
de.wikipedia.org: Dreikönigenpförtchen (abgerufen 14.01.2021)
de.wikipedia.org: Dreikönigenpforte (abgerufen 14.01.2021)
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Literatur

Landschaftsverband Rheinland; Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft (Hrsg.) (2014)
Jakobswege. Wege der Jakobspilger im Rheinland, Band 1: In 8 Etappen von Wuppertal über Köln nach Aachen/Belgien (5. Auflage). Köln.
Schmitz, Britta; Schmitz, Monika (2020)
111 Kölner Kirchen, die man gesehen haben muss. S. 28, Nr. 64, Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). Köln.

Dreikönigenpförtchen an Sankt Maria im Kapitol

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Lichhof
Ort
50676 Köln - Altstadt-Süd
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Landeskunde, Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1164 bis 1330

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Dreikönigenpförtchen an Sankt Maria im Kapitol”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-327267 (Abgerufen: 20. Oktober 2021)
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