Evangelische Kreuzkapelle und Gemeindehaus in Riehl

heute Betsaal der Jüdischen Liberalen Gemeinde Köln

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 57′ 38,79″ N: 6° 58′ 25,26″ O / 50,96077°N: 6,97368°O
Koordinate UTM 32.357.700,39 m: 5.647.417,73 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.568.450,68 m: 5.647.734,55 m
  • Historisches Foto der späteren Kreuzkapelle in Köln-Riehl, aufgenommen anlässlich der Weihe zur evangelischen Kirche am Ersten Advent 1911.

    Historisches Foto der späteren Kreuzkapelle in Köln-Riehl, aufgenommen anlässlich der Weihe zur evangelischen Kirche am Ersten Advent 1911.

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  • Historisches Foto der späteren Kreuzkapelle in Köln-Riehl, aufgenommen anlässlich der Weihe zur evangelischen Kirche am Ersten Advent 1911.

    Historisches Foto der späteren Kreuzkapelle in Köln-Riehl, aufgenommen anlässlich der Weihe zur evangelischen Kirche am Ersten Advent 1911.

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  • Die im Umbau befindliche Kreuzkapelle, das auch als Betsaal der jüdischen Gemeinde genutzte evangelische Gemeindehaus in Köln-Riehl (2020).

    Die im Umbau befindliche Kreuzkapelle, das auch als Betsaal der jüdischen Gemeinde genutzte evangelische Gemeindehaus in Köln-Riehl (2020).

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  • Die im Umbau befindliche Kreuzkapelle, das auch als Betsaal der jüdischen Gemeinde genutzte evangelische Gemeindehaus in Köln-Riehl (2020).

    Die im Umbau befindliche Kreuzkapelle, das auch als Betsaal der jüdischen Gemeinde genutzte evangelische Gemeindehaus in Köln-Riehl (2020).

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  • Die im Umbau befindliche Kreuzkapelle, das auch als Betsaal der jüdischen Gemeinde genutzte evangelische Gemeindehaus in Köln-Riehl (2020).

    Die im Umbau befindliche Kreuzkapelle, das auch als Betsaal der jüdischen Gemeinde genutzte evangelische Gemeindehaus in Köln-Riehl (2020).

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Mit der Kreuzkapelle und dem Gemeindehaus in der Stammheimer Straße entstand 1910 die erste evangelische Kirche in Riehl. Riehl war – wie ganz Köln – bis zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg überwiegend katholisch. Auch der katholischen Kirchengemeinde in Riehl, deren Gläubige bis zum Bau der ersten kleinen St. Engelbert-Notkirche 1896/97 nach Nippes zur Messe gingen, stand zunächst nur eine relativ kleine evangelische Gemeinde gegenüber.

Evangelisches Gemeinde- und Bethaus
Kreuzkapelle
Jüdischer Gottesdienstraum
Baudenkmal
Quellen, Internet, Literatur

Evangelisches Gemeinde- und Bethaus
Bevor die Kreuzkapelle gebaut wurde, fanden die evangelischen Gottesdienste in Privatwohnungen statt, darunter ein erster Gottesdienst am 29. November 1896 bei einem Vollzugsbeamten Friedrich Rohde in der Stammheimer Straße 49, kurz darauf in zwei baulich zu einem Betsaal vereinigten Zimmern in einem Haus Stammheimer Straße 130 und ab 1903 in einem Raum der Schule in der Stammheimer Straße 101.

Der Kölner Stadtanzeiger berichtet schließlich von der am 27. November 1910 erfolgten Grundsteinlegung zum Ausbau eines Gotteshauses für die „stets wachsende Kolonie von Evangelischen“ in Riehl in dem zu diesem Zweck erworbenen Haus Stammheimer Straße 22:
„Als ihre Zahl 300 überstieg, entsprach die Gemeindeverwaltung dem Wunsch der Riehler und richtete vom ersten Adventsonntag 1896 in Riehl einen regelmäßigen Sonntagsvormittags-Gottesdienst ein. Anfangs dienten hierzu von Gemeindemitgliedern zur Verfügung gestellte Wohnräume, dann ein ungünstig gelegenes angemietetes Lokal und zuletzt ein unbenutzter Schulsaal in der alten Riehler Volksschule.“

Die Weihe des fünfgeschossigen Gemeindehauses mit Betsaal zur evangelischen Kirche erfolgte zum ersten Adventsonntag des Jahres 1911 am 3. Dezember.
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Kreuzkapelle
25 Jahre später verlangte die nach wie vor „starke Bevölkerungszunahme in Riehl (...) schon längere Zeit eine bedeutende Erweiterung des Gemeindehauses oder den Neubau einer Kirche“. Mangels Finanzmitteln entschloss sich die evangelische Gemeinde Köln-Nippes und der zugehörige Kirchenbauverein zu einem Erweiterungsbau unter Leitung des Architekten Ernst Scheidt, der „mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft (war), da das Grundstück äußert beengt ist“.
In der Folge des Umbaus bot der nunmehr in Kreuzkapelle umbenannte und zuvor „völlig unzulängliche“ Betsaal durch eine „geschickte Lösung“ des Architekten den dreifachen Raum für die Gottesdienste. Die Ausmalungen im Inneren, darunter die der Altarnische, schuf der Kunstmaler Walter Heiland „in ruhigem Stil“ (Zitate vorab nach Westdeutscher Beobachter 1934; laut Wilhelm 2008 erfolgte die Umbenennung in Kreuzkapelle bereits 1933).

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde hier 1940 die Außenstelle eines Berliner Büros der Bekennenden Kirche eingerichtet. Diese NS-kritische Oppositionsbewegung evangelischer Christen betreute hier als so genannte „Vertrauensstelle“ zum Protestantismus übergetretene Juden und verschaffte diesen „heimlich Arbeitsgelegenheiten, bis 1939 Ausreisemöglichkeiten oder im Falle von Zwangsarbeit Arbeitserleichterung (…) Danach wurde Familien vor ihrem Weg ins Konzentrationslager in von Christen und Juden besuchten Gottesdiensten Trost angeboten.“ (ebd.)

Nach teilweiser Kriegszerstörung wurde die Kreuzkapelle zwischen 1945 und 1948 wieder aufgebaut und in der Folge zu einer multifunktionalen Nutzung umgestaltet. Da die Räumlichkeiten für die anwachsende evangelische Gemeinde erneut zu klein wurden, zog diese 1965 in Neubauten in der Brehmstraße um.
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Jüdischer Gottesdienstraum
Seit 2001 nutzt die 1996 gegründete Jüdische Liberale Gemeinde Gescher LaMassoret (= Brücke zur Überlieferung bzw. Brücke zur Tradition) die Räume der Kreuzkapelle für ihre Gottesdienste – zunächst im Keller, später im Erdgeschoss im ehemaligen Kapellenraum.
Die etwa 100 Mitglieder umfassende Gemeinde ist Mitglied im Verbund der Union progressiver Juden in Deutschland und der World Union for Progressive Judaism (www.gescherlamassoret.de) und unterhält auch einen eigenen Friedhof.
Wegen notwendiger Renovierungs- und Umbauarbeiten zog die Gemeinde Anfang 2019 vorübergehend von der Kreuzkapelle in das evangelische Gemeindezentrum in der Brehmstraße um, die Gottesdienste finden in einem Gebäude der katholischen Kirche St. Engelbert in der Philipp-Wirtgen-Straße statt (www.ev-kirche-riehl.de und www.gescherlamassoret.de).
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Baudenkmal
Mit Eintragung vom 10. Januar 1983 werden „Kreuzkapelle und Gemeindehaus, Stammheimer Straße 22“ unter der laufenden Nr. 1259 in der Denkmalliste der Stadt Köln geführt (www.stadt-koeln.de).

(Joachim Brokmeier, Bergisch Gladbach / Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2020)

Quellen
  • Kölner Stadtanzeiger von Dienstag, 29. November 1910, Nr. 543.
  • Westdeutscher Beobachter von Montag, 14. Mai 1934, Nr. 207.
  • Broschüre „Riehl, ein Rundgang mit Tiefgang“ (Textredaktion Joachim Brokmeier), Stadt Köln 2019.

Internet
www.joachim-brokmeier.de: Chronik von Riehl, Riehler Kirchen (abgerufen 12.02.2020)
www.gescherlamassoret.de: Jüdische Liberale Gemeinde Köln Gescher LaMassoret e.V. (abgerufen 12.02.2020)
www.ev-kirche-riehl.de: Evangelische Kirchengemeinde Köln-Riehl (abgerufen 12.02.2020)
www.ev-kirche-riehl.de: Neue jüdische liberale Synagoge in der Stammheimer Straße rückt näher! (undatierter Blog-Eintrag, abgerufen 12.02.2020)
de.wikipedia.org: Jüdische Geschichte in Köln, Liberale jüdische Gemeinde (abgerufen 12.02.2020)
www.stadt-koeln.de: Suche in der Denkmalliste (abgerufen 12.02.2020)
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Literatur

Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 56, Bonn.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 285, Köln.

Evangelische Kreuzkapelle und Gemeindehaus in Riehl

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Stammheimer Straße 22
Ort
50735 Köln - Riehl
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1910

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Evangelische Kreuzkapelle und Gemeindehaus in Riehl”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-306505 (Abgerufen: 1. Juni 2020)
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