Stadtmauern der Zollfeste Zons

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Dormagen
Kreis(e): Rhein-Kreis Neuss
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 07′ 15,17″ N: 6° 50′ 59,11″ O 51,12088°N: 6,84975°O
Koordinate UTM 32.349.517,95 m: 5.665.466,03 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.559.538,59 m: 5.665.437,92 m
  • Zonser Stadtmauer von oben (2021)

    Zonser Stadtmauer von oben (2021)

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  • Erdabdeckung auf der Zonser Stadtmauer (2021)

    Erdabdeckung auf der Zonser Stadtmauer (2021)

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  • Natursteinblock der Zonser Stadtmauer (2021)

    Natursteinblock der Zonser Stadtmauer (2021)

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  • Blick entlang der Nordseite der Stadtmauer in Dormagen-Zons (2022), im Hintergrund der Krötschenturm.

    Blick entlang der Nordseite der Stadtmauer in Dormagen-Zons (2022), im Hintergrund der Krötschenturm.

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  • Blick entlang der Nordseite der Stadtmauer in Dormagen-Zons (2022).

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  • Blick entlang der Nordseite der Stadtmauer in der Mauerstraße in Dormagen-Zons (2022).

    Blick entlang der Nordseite der Stadtmauer in der Mauerstraße in Dormagen-Zons (2022).

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  • Blick entlang der Südseite der Stadtmauer in Dormagen-Zons mit dem Südtor, Ansicht von der Wiesenstraße aus (2022).

    Blick entlang der Südseite der Stadtmauer in Dormagen-Zons mit dem Südtor, Ansicht von der Wiesenstraße aus (2022).

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  • Ein als "Pfefferbüchse" bezeichneter Wachtturm auf der östlichen Stadtmauer in Dormagen-Zons (2022).

    Ein als "Pfefferbüchse" bezeichneter Wachtturm auf der östlichen Stadtmauer in Dormagen-Zons (2022).

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Die Stadtmauern der Feste Zons wurden von 1372 bis 1388 wegen zunehmender Konflikte zwischen den Neusser Bürgern und dem Erzbischof von Köln sowie der Verlagerung des Rheinzolls von Neuss nach Zons errichtet. Die Stadtmauern umgeben weitestgehend unzerstört die gesamte Altstadt in einem Viereck, dessen Seiten angenähert allen vier Himmelsrichtungen entsprechend ausgerichtet sind. Der größte Mauerbereich ist freistehend, an kleineren Stellen sind die Mauern in die Außenwände von Häusern integriert. Die Mauerbasis besteht aus Trachyt und Tuffstein, verstärkt mit Basalt und in den oberen Lagen aus Feldbrandsteinen.
Die Zonser Stadtmauer ist am Niederrhein aktuell naturschutzfachlich wohl die wertvollste Mauer. Durch umfassende Renovierungsarbeiten wurde früher der Pflanzenbewuchs oftmals entfernt und die Mauer neu verfugt. Trotzdem ist die für alte Mauern typische Flora und Fauna noch in bestimmten Bereichen zu beobachten. Die hohe Anzahl an Artenfunden und die große Länge der Mauer macht Zons einmalig. Mittlerweile berücksichtigt der Denkmalschutz auch die Naturschutz-Belange.

In unberührten Schießscharten, Leuchternischen, Fugen und sonstigen nicht renovierten Stellen haben sich ökologische Nischen gebildet. Vögel nutzen Aussparungen als Nistplätze, wechselwarme Tiere können sich vormittags auf an exponierten Stellen sonnen und bei Bedarf in schattige Nischen zurückziehen. Insekten nutzen ebenfalls die Aussparungen innerhalb der Mauern oder graben sich selbst Gänge in die Fugen. Das ressourcenlimitierte Mauerhabitat bietet außerdem diversen kleinwüchsigen Pflanzen - gegenüber höheren Pflanzen - ein Refugium, da zweitere nicht genügend Platz für ihre Wurzelbildung an und in der Mauer haben.

Pflanzen der Stadtmauern von Zons
Die Mauern von Zons umgeben, weitgehend unzerstört, die ganze Altstadt in einem Viereck, dessen Seiten angenähert in die vier Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. Nur die ursprünglichen Holzanbauten fehlen im Innern. Der größte Bereich ist freistehend, bei kleineren Bereichen sind die Mauern in die Außenwand von Häusern integriert.
Der Vegetationszustand an den Mauern ist sehr unterschiedlich. Während die Mauerkrone in der Regel dichten Bewuchs aufweist, wurden an vielen Mauerwänden Reinigungs- und Verfugungssanierungen durchgeführt. Die Verfugung mit nicht historischem Material, wie handelsüblichem Zementmörtel mit chemischen Zuschlägen beendet eine qualitativ hochwertige, pflanzliche Ansiedlungsmöglichkeit, und damit auch den überwiegenden Teil der Ansiedlung durch Insekten. Nur Flechten können dann noch auf der Steinoberfläche überleben.
Somit weisen nur einige der Zonser Mauern heute noch eine intakte Besiedlung auf. Hervorzuheben ist hier die Innenseite der Westmauer südlich der Schlossstraße und ein kürzeres Stück im Anschluss Richtung Norden an die Schlossstraße.

Zunächst bedingt durch die Ausrichtung der Mauern finden sich verschiedene Biotope, deren Besiedlung von der Exposition zu verschiedenen Tageszeiten abhängig ist - von mehr oder minder sonnenexponiert zu eher schattig. Das schafft unterschiedliche Bedingungen für die Keimfähigkeit von Diasporen und Überlebensfähigkeit von Jungpflanzen. Von den Bewuchsmöglichkeiten geben Mauerkrone, Mauerwand und Mauerfuß unterschiedliche Besiedlungsmöglichkeiten, die auch vom Transfer der Ausbreitungseinheiten (Diasporen) abhängen. Transport durch Ameisen (Myrmekochorie), Transport durch Vögel (Ornithochorie) und Transport durch den Wind (Anemochorie) sind Hauptfaktoren für eine Ansiedlung an den Mauerbereichen. Allgemein gilt für Mauerwandbesiedlungen, dass der Transport durch Ameisen der primäre Ansiedlungsweg ist.

Die Zonser Mauerkronen sind in weiten Bereichen abhängig von der Exposition unterschiedlich besiedelt. Pflanzen sammeln vom Wind mitgeführtes Material und bilden eine dünne Bodendecke, deren Zuwachs davon abhängt, wie viel materialbindende Wurzelmasse ausgebildet wird, die nicht vom Regenwasser ausgeschwemmt wird.
Die Mauerfußbesiedlung, soweit nicht monotone Rasenflächen anschließen, unterliegt wiederum eigenen Bedingungen hinsichtlich Wasser- und Nährstoffversorgung sowie Belichtung.
Die genauen Arten sind in den untergeordneten Objekten zu beschrieben.

Schnecken der Stadtmauern von Zons
Die Schneckenfunde richten sich nach Kobialka u. Kappes 2010 und eigenen Daten.

West- und Ostmauer
Wissenschaftlicher NameDeutscher NameFundortJüngster Nachweis in Zons
Cochlicopa lubricaGemeine GlattschneckeMauer / Mauerfuß2021
Vallonia costataGerippte GrasschneckMauer / Mauerfuß2021
Vallonia excentricaSchiefe GrasschneckeMauer / Mauerfuß2008
Acanthinula aculeataStachelige StreuschneckeMauer / Mauerfuß2008
Pupilla muscorumMoos-PuppenschneckeMauer / Mauerfuß2021
Vertigo pygmaeaGemeine WindelschneckeMauer / Mauerfuß2008
Clausilia dubiaGitterstreifige SchließmundschneckeMauer1928
Laciniaria plicataFaltenrandige SchließmundschneckeMauer / Mauerfuß2008
Balea perversaZahnlosen SchließmundschneckeMauer2021
Alinda biplicata Gemeine SchließmundschneckeMauer / Mauerfuß2021
Punctum pygmaeumGemeine PunktschneckeMauer / Mauerfuß2008
Discus rotundatusGefleckte SchüsselschneckeMauer / Mauerfuß2021
Oxychilus draparnaudiGroße GlanzschneckeMauer / Mauerfuß2021
Aegopinella nitidulaRötliche GlanzschneckeMauer / Mauerfuß2017
Boettgerilla pallensWurmschnegelMauer / Mauerfuß2008
Lehmannia valentianaGewächshaus-SchnegeMauer / Mauerfuß2008
Deroceras reticulatumGenetzte AckerschneckeMauer / Mauerfuß2008
Arion lusitanicusSpanische WegschneckeMauer / Mauerfuß2017
Arion circumscriptusGraue WegschneckeMauer / Mauerfuß2008
Arion distinctus Gemeine WegschneckeMauer / Mauerfuß2008
Arion intermediusKleine WegschneckeMauer / Mauerfuß2008
Cepaea nemoralisHain-SchnirkelschneckeMauer / Mauerfuß2017
Cepaea hortensisGarten-SchnirkelschneckeMauer / Mauerfuß2021
Helix pomatiaWeinbergschneckeMauer / Mauerfuß2017


Am Beispiel der Mauervegetation und der Schnecken wurde die hohe ökologische Bedeutung der Zonser Stadt-Mauern erneut dokumentiert. Daher ist die Stadt Zons für den Naturschutz von besonderer Wichtigkeit.

(Christian Platz & Michael Stevens, Haus der Natur - Biologische Station im Rhien-Kreis Neuss e.V., 2020)

Literatur

Emsbach, Karl (2006)
Zons. (Rheinische Kunststätten, Heft 496.) Neuss.
Hansmann, Aenne (1990)
Zons. (Rheinischer Städteatlas, Lieferung IV, Nr. 25.) Köln.
Hansmann, Aenne (1973)
Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf.
Janssen, Brigitte; Janssen, Walter (1997)
Burgen, Schlösser und Hofesfesten im Kreis Neuss. 3. Auflage. (Schriftenreihe des Kreises Neuss 10.) Neuss.
Kobialka, Hajo; Kappes, Heike (2010)
Der Wert von Besfestigungsanlagen für den Erhalt von Biodiversität am Beispiel der Schnecken (Mollusca: Gastropoda). In: Natur und Heimat 70(4):, S. 105-124. Münster.

Stadtmauern der Zollfeste Zons

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Schloßstraße 1
Ort
41541 Dormagen - Zons
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung

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„Stadtmauern der Zollfeste Zons”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-283515 (Abgerufen: 4. Juli 2022)
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