Flugplatz Vogelsang

Flugplatz Walberhof

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie
Gemeinde(n): Schleiden
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Schleiden, ehemaliges Flugfeld Vogelsang beim Walberhof (2018)

    Schleiden, ehemaliges Flugfeld Vogelsang beim Walberhof (2018)

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  • Schleiden, ehemaliges Flugfeld Vogelsang beim Walberhof (2018)

    Schleiden, ehemaliges Flugfeld Vogelsang beim Walberhof (2018)

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  • 2018 Archäologietour Nordeifel, Infoblatt Walberhof und Flugplatz Vogelsang (PDF-Datei)

    2018 Archäologietour Nordeifel, Infoblatt Walberhof und Flugplatz Vogelsang (PDF-Datei)

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  • Die Zufahrtsstraße zum früheren Flugplatz Vogelsang bei Schleiden-Morsbach (2018).

    Die Zufahrtsstraße zum früheren Flugplatz Vogelsang bei Schleiden-Morsbach (2018).

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Der frühere Flugplatz Vogelsang liegt westlich der „NS-Ordensburg Vogelsang“ an der Bundesstraße B 266 zwischen Schleiden und Aachen.

Der Flugplatz bis 1944
Der Flugplatz unter amerikanischen Truppen
Truppenübungsplatz von 1946 bis 2005
Nationalpark Eifel
Hinweis / Internet / Literatur

Der Flugplatz bis 1944
Mit dem Bau der so genannten „NS-Ordensburg Vogelsang“ erwarb die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront (DAF) 1933/34 den Walberhof für den Bau eines Feldflugplatzes mit Flugzeughallen und Baracken. Er sollte Schulungszwecken für die Mannschaften der Ordensburg zur Ausbildung auch im Motorfliegen dienen. Der größte Teil der benötigten Fläche gehörte zum Walberhof; für die Hergabe des Landes wurden die Eigentümer entschädigt.
Da das Gelände der Westgrenze des Deutschen Reiches sehr nahe lag, nutzten bereits 1937 Luftwaffeneinheiten aus Münster das Gelände des späteren Flugplatzes, um hier Starts und Landungen zu üben.
Der Bau des Flugplatzes erfolgte ab 1938 als Feldflugplatz mit befestigtem Hallenvorfeld. Bis zur Fertigstellung des Flugplatzes Vogelsang erfolgte die Schulung für die Angehörigen dieser Ordensburg zunächst in der damaligen Reichsschule für Motorflugsport am Flughafen Butzweilerhof in Köln. Am Tag der Eröffnung am 18. Juli 1939 wurden elf Maschinen von Köln zur Ordensburg Vogelsang überführt, die dann für die weitere Ausbildung zur Verfügung standen.
Die ursprüngliche als Graspiste hergerichtete Startbahn verlief vom Walberhof aus in südlicher Richtung westlich des historischen Weges von Schleiden nach Aachen. Die Piste hatte eine Länge von rund einem Kilometer und war damit deutlich länger, als sie für einen Übungsplatz gebraucht wurde. Die Versorgungsgebäude gruppierten sich am nördlichen Bereich nahe dem Walberhof. Für den Flugplatz mussten umfangreiche Erdbewegungen ausgeführt werden, dazu dienten große Bagger und Feldbahnen. Die Hangars und weitere Anlagen lagen westlich des Walberhofes.
Neben dem Betrieb mit Motorflugzeugen gab es auch eine Segelflugschulung. Die Segler zog man mit Winden hoch, diese standen nahe der Straße von Herhahn nach Dreiborn.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 wurde der Flugplatz der Luftwaffe übergeben. Militärisch genutzt wurde das Flugfeld bei dem deutschen Überfall auf die Beneluxstaaten und dem Angriff auf Frankreich im Mai/Juni 1940. Stationiert waren hier das Kampfgeschwader 76 (KG 76) mit den leichten Bombern Dornier Do 17Z sowie Jagdgeschwader 3 und 21 (JG 3, JG 21) mit dem Jagdflugzeug Messerschmitt Bf 109E.
Der Treibstoff für die Flugzeuge kam in Kesselwaggons der Reichsbahn. Diese wurden bis zum Bahnhof Schleiden gefahren, hier gab es eine im Frühjahr 1940 errichtete Verladestation. Man lud die Eisenbahnwaggons auf Straßentransporter um und Schlepper der Luftwaffe zogen die Waggons bis zum Flugplatz.
Zugleich war das Flugfeld Landestelle beim Rücktransport verwundeter deutscher Soldaten, die im Lazarett Vogelsang zur Erstversorgung Aufnahme fanden. Bis zu 700 Flüge täglich wurden hier registriert, aber nach rund einer Woche nach Kriegsausbruch herrschte wieder Ruhe.
In Vogelsang verblieben Mannschaften des Flugkennungsdienstes, die im Herbst 1944 nach Schleiden-Herhahn abgezogen wurden.

Im Spätsommer 1944 landeten Sturzkampfflugzeuge (Stuka) des Typs Junkers Ju 87 in Vogelsang. Sie kamen aus dem polnischen Tschenstochau (Częstochowa), 200 Kilometer südwestlich von Warschau. Es handelte sich um den Stab der 1. Staffel der Nachtschlachtgruppe 2 mit insgesamt 14 der ursprünglich als Sturzkampfbomber konstruierten Junkers-Maschinen unter Major Müller. Die Nachtschlachtflieger griffen im Schutz der Dunkelheit frontnahe gegnerische Ziele an, wie etwa Truppenzusammenballungen.
Von Vogelsang aus flogen die Nachtschlachtflieger erstmals mit neun Maschinen am 11. September 1944 Störangriffe gegen US-amerikanische Truppen im belgischen Lüttich sowie Straßen und Bahnlinien in dem Bereich; eine Maschine kehrte nicht zurück.
Am 13. September 1944 verlagerten die Nachtschlachtflieger ihren Einsatzhafen nach Köln-Ostheim. Durch Umpflügen und Sprengungen zerstörte die Wehrmacht am Sonntag dem 17. September 1944 die Bauwerke einschließlich Hangar und die Startbahn.

Am 8. September 1944 kam es zu einem Fall von Lynchjustiz. Nachdem die Vogelsanger Flugplatz-Flugabwehrkanone ein amerikanisches Flugzeug mit dem Piloten Major Quince L. Brown abgeschossen hatte, sollte dieser wegen seiner bei der Fallschirmlandung erlittenen Beinverletzung von Wehrmachtsangehörigen zu einem Amt in Schleiden gebracht werden. Auf dem Weg dorthin wurde er von zwei zufällig angetroffenen SS-Männern misshandelt und getötet, wie zahlreiche Zeugen beobachteten. An Brown erinnert seit 2015 eine Gedenktafel in Schleiden (www.ksta.de).
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Der Flugplatz unter amerikanischen Truppen
Im Februar 1945 wurde die Region von US-amerikanischen Truppen erobert. Diese machten den Flugplatz in wenigen Tagen wieder betriebsbereit. Dabei verlegten sie auf rund 1.100 Metern Länge Stahlplatten (Sandbleche) als Start- und Landebahn. Ab dem 23. März 1945 war der Flugplatz als Advanced Landing Ground Y-51 Vogelsang einsatzbereit. Von hier starteten Flugzeuge der Ninth Air Force 67th Tactical Reconnaissance Group mit Maschinen für die Luftbeobachtung (Lockheed P-38 Lightning und North American P-51 Mustang). Nach dem Abzug der taktischen Truppen erfolgten von hier Versorgungsflüge, bevor der Flugplatz am 10. Juli 1945 geschlossen wurde.
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Truppenübungsplatz von 1946 bis 2005
Ab 1. September 1946 war der Flugplatz Walberhof Teil des Truppenübungsplatzes Vogelsang, auf dem zunächst die englischen und ab 1950 die belgischen Besatzungsmächte stationiert waren. Letztere nutzten den Platz bis Ende 2005.
Ein kleiner Flugplatz wurde südlich des Walberhofes angelegt, diesmal östlich der historischen Straße, die jetzt als Betonfahrbahn neu gebaut wurde. Auf den drei kurzen Bahnen landeten vor allem keine Transportmaschinen.

Nationalpark Eifel
Seit 2006 ist das Gebiet des ehemaligen Flugplatzes und Truppenübungsplatzes Teil des 110 Quadratkilometer großen Nationalparks Eifel. Die an den Walberhof angrenzenden Hallen stammen aus der Zeit der belgischen Besatzung und werden heute vom Nationalpark Eifel als Materiallager genutzt.

(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2018)

Hinweis
Der Flugplatz Vogelsang war Station der Archäologietour Nordeifel 2018 (nähere Informationen hierzu im Führungsblatt in der Medienleiste) und KuLaDig-Objekt des Monats im Oktober 2018.

Internet
en.wikipedia.org: Vogelsang Airfield (abgerufen 22.08.2018)
de.wikipedia.org: NS-Ordensburg Vogelsang (abgerufen 22.08.2018)
www.ksta.de: Gedenktafeln in Schleiden und Gemünd - Grausame Morde der Gestapo sollen nicht vergessen werden (Kölner Stadt-Anzeiger vom 30.11.2015, abgerufen 21.09.2018)
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Literatur

Heinen, Franz Albert (2014)
Ordensburg Vogelsang. Die Geschichte der NS-Kaderschmiede in der Eifel. Berlin.
Heinen, Franz Albert (2011)
NS-Ordensburgen. Vogelsang, Sonthofen, Krössinsee. Berlin.
Heinen, Franz Albert (2006)
Vogelsang. Von der NS-Ordensburg zum Truppenübungsplatz. Eine Dokumentation. 4. Auflage. S. 33-36, Aachen.
Johnson, David C. (1988)
U.S. Army Air Forces Continental Airfields (ETO), D-Day to V-E Day. Research Division, USAF Historical Research Center. Maxwell.
Käßbach, Alfred (2017)
Der Walberhof, eine alte Kult- und Hofstätte im Nationalpark Eifel. In: Geschichtsform Schleiden, Jahresheft 2, S. 51-67. Schleiden. Online verfügbar: Jahresheft Schleiden 2, abgerufen am 24.09.2018
Ries, Karl; Dierich, Wolfgang (1993)
Fliegerhorste und Einsatzhäfen der Luftwaffe. Planskizzen 1935-1945. S. 60, 290, Stuttgart.

Flugplatz Vogelsang

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bundesstraße B 266
Ort
53937 Schleiden - Morsbach
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1935, Ende 2006
Koordinate WGS84
50° 34′ 2,65″ N, 6° 26′ 1,54″ O / 50.5674°, 6.43376°
Koordinate UTM
32U 318270.47 5604864.51
Koordinate Gauss/Krüger
2530775.33 5603612.81

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Flugplatz Vogelsang”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-283497 (Abgerufen: 11. Dezember 2018)
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