Walberhof bei Morsbach

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Schleiden
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Schleiden, Walberhof, Torhaus (2018).

    Schleiden, Walberhof, Torhaus (2018).

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  • 2018 Archäologietour Nordeifel, Infoblatt Walberhof und Flugplatz Vogelsang (PDF-Datei)

    2018 Archäologietour Nordeifel, Infoblatt Walberhof und Flugplatz Vogelsang (PDF-Datei)

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  • Schleiden, Walberhof, Hofeinfahrt (2018).

    Schleiden, Walberhof, Hofeinfahrt (2018).

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  • Das Torhaus des Walberhofs in Schleiden-Morsbach (2018).

    Das Torhaus des Walberhofs in Schleiden-Morsbach (2018).

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Am alten Verlauf der Landstraße von Schleiden nach Aachen liegt auf der Höhe Vogelsang der Walberhof. Die heute unscheinbare, vierseitige Hofanlage zählt zu den ältesten Höfen im Schleidener Stadtgebiet und war Mittelpunkt des Landes Überruhr.

Der Walberhof (Walberen, Walbuiren) wurde der Abtei Steinfeld 1145 auf Bitten des damaligen Dompropstes von Köln und Reichskanzlers Arnold, des Abtes Wibald von Stablo sowie des Grafen Heinrich von Limburg von König Konrad III. geschenkt. Am 5. September 1162 bestätigte Kaiser Friedrich I. die Schenkung (www.dmgh.de).
Es handelte sich bei diesem Hof um einen Neubruch (Neulandgewinnung auf einem bis dahin nicht beackertem Areal), den ein Mönch namens Geldulf aus Ardennaprope Compendium (Gebiete bei den Ardennen) angelegt und den nach ihm Wibrand empfangen hatte. Der Hof besaß vier Königshufen (ein mittelalterliches Flächenmaß, vgl. LexMA) zu je 120 Morgen. Propst Everwin und die Klosterbrüder erhielten ihn unter der Bedingung, dass sie in dem Wald nicht weiter rodeten. Über die Verwaltung dieses Hofes im 12. bis 14. Jahrhundert ist nichts bekannt. Erst in den Lagerbüchern von 1503 und 1518 erfahren wir etwas über die Zinse und Hühner, die in den Hof zu liefern, sowie die Diensttage, die zu leisten waren. Im Jahr 1539 ging der Hof im Zusammenhang mit dem großen Vergleich zwischen der Abtei Steinfeld und den Grafen von Schleiden in deren Besitz über.

Nachdem französische Truppen 1794 die linksrheinischen Gebiete besetzten, wurde der Walberhof mit damals rund 1000 Morgen Land als adliger Besitz der Schleidener Herren von Arenberg um 1800 an die Wollseifener Familie Mey verkauft. Durch Erbteilung reduzierte sich die Größe des Landes später auf etwa die Hälfte. Um 1800 kaufte Freifrau Julie von Nellessen aus einer Aachener Tuchindustriellenfamilie den Hof.
Zur Zeit der Übernahme war die Gebäudesubstanz in einem desolaten und zum Teil baufälligen Zustand. Das nach dem Stil der alten Vennhäuser aus Lehmfachwerk bestehende und an der Wetterseite fast bis zum Boden mit strohgedecktem Dach ausgestattete Wohnhaus, aber auch Stallungen und Scheunen, wurden zunächst grundlegend renoviert, später neu aufgebaut.
Um 1840 soll es auf dem Gebiet des Walberhofs 1000 Schafe gegrast haben. Bis 1934 blieb das Gut im Besitz der Familie von Nellessen.
1880 verpachtete die Familie den Hof an die aus Eynatten bei Eupen stammende Familie von Leonhard Keutgen, später an dessen Sohn Viktor, Helmut Keutgens Großvater. Er wurde der letzte Pächter von Walberhof.
Mit dem Bau der „Ordensburg Vogelsang“ erwarb die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront (DAF) 1933/34 den Hof, um dort einen Flugplatz zu bauen.

Kapelle
Auf dem Hof stand - an unbekannter Stelle - eine Kapelle, die zu den vier ältesten Kapellen dieses Gebietes zählte (nach B. J. Alfters Beschreibung der Eifelchristianität). Sie war bereits 1679 verfallen; es lebten damals aber noch Leute, die in der Kapelle getauft worden waren. Abt Johann VII. vertrat in seinem Bericht über die Visitation 1679 die Ansicht, dass sich die Kapelle schon auf dem Hof befand, als dieser 1145 dem Kloster Steinfeld geschenkt wurde. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Kapelle bereits von Mönch Geldulf gebaut wurde, doch wäre auch denkbar, dass sie nach der Schenkung als Oratorium für die Bedürfnisse der curia Walburen errichtet wurde.
Auf Bestattungen vor Ort verweisen einige Berichte, nach denen im Umfeld des Walberhofes im 19. Jahundert mehrfach menschliche Knochen gefunden worden waren. Ein auf dem Walberhof lebender Förster habe in den 1830er Jahren berichtet, dass die Schweine des Öfteren menschliche Knochen aus dem Boden gewühlt hätten. Auch beim Umbau des Hofs in den 1860er Jahren habe man beim Ausschachten des Bodens in den Stallungen an der linken Straßenseite noch teils erhaltene Grabkammern mit Sarg- und Knochenresten gefunden (aus: Chronik Eifeler Bauerntums).

(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2018)

Hinweise
Der Walberhof ist eingetragenes Bodendenkmal (Schleiden lfd. Nr. 11, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, EU 315) und war Station der Archäologietour Nordeifel 2018 (nähere Informationen hierzu im Führungsblatt in der Medienleiste).

Quellen
Bartholomäus Joseph Blasius Alfter, Descriptio christianitatis Eiflensis. Alftersche Sammlung, Staatsbibliothek Darmstadt.
Chronik Eifeler Bauerntums. Beobachter für die Kreise Monschau, Schleiden, vom Januar 1934.
Kölner Stadt-Anzeiger vom 08.06.2017: „Vogelsang: Der Walberhof wurde vergessen – aus heidnischer Kultstätte hervorgegangen“, online verfügbar www.ksta.de (abgerufen 24.09.2018)

Internet
www.dmgh.de: Urkunden Konrads III., in: Monumenta Germaniae Historica (Abgerufen: 24.09.2018)
www.dmgh.de: Urkunden Friedrichs I., in: Monumenta Germaniae Historica (Abgerufen: 24.09.2018)
www.nikola-reinartz.de: Private Seite zum Leben und Werk von Nikolaus Reinartz, Pfarrer und Heimatforscher (Abgerufen: 24.09.2018)

Literatur

Angermann, Norbert; Auty, Robert; Bautier, Robert-Henri (2002)
Lexikon des Mittelalters (LexMA). dtv-Ausgabe in 9 Bänden. Bd. V, Sp. 154-156, München.
Joester, Ingrid (1994)
Prämonstratenser in der Eifel: Steinfeld. In: Eiflia sacra. Studien zu einer Klosterlandschaft, cur. J. Mötsch – M. Schoebel. Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 70, Mainz.
Joester, Ingrid (1983)
Die Wirtschaftshöfe der Prämonstratenserstifte Steinfeld und Knechtsteden im 12.-13. Jahrhundert. In: Walter Janssen / Dietrich Lohrmann, VILLA - CURTIS - GRANGIA. Landwirtschaft zwischen Loire und Rhein von der Römerzeit zum Hochmittelalter. Economie rurale entre Loire et Rhin de L'époque gallo-romaine au XII-XIII siècle, S. 222-241. München.
Joester, Ingrid (Bearb.) (1976)
Urkundenbuch der Abtei Steinfeld. In: Publikation der Gesellschaft der rheinischen Geschichtskunde 60, S. 12f., 15, 19-21, 24 u. 767, Köln, Bonn.
Käßbach, Alfred (2017)
Der Walberhof, eine alte Kult- und Hofstätte im Nationalpark Eifel. In: Geschichtsform Schleiden, Jahresheft 2, S. 51-67. Schleiden. Online verfügbar: Jahresheft Schleiden 2, abgerufen am 24.09.2018
Reinartz, N. (1956)
Steinfeld, das „Bergmannskloster“ in der Eifel und die wallonische Einwanderung. In: Heimatkalender des Eifelgrenzkreises Schleiden, S. 63–68. Schleiden.

Walberhof bei Morsbach

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bundesstraße B 266
Ort
53937 Schleiden - Morsbach
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1400
Koordinate WGS84
50° 34′ 5,17″ N, 6° 26′ 0,63″ O / 50.5681°, 6.43351°
Koordinate UTM
32U 318255.23 5604943.1
Koordinate Gauss/Krüger
2530756.93 5603690.71

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Empfohlene Zitierweise
„Walberhof bei Morsbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-283502 (Abgerufen: 19. März 2019)
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