Abschnitt der Moselbahn Bullay - Trier bei Bullay

„Saufbähnchen“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bullay, Zell (Mosel)
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Blick von der Moselfähre Bullay-Alf auf der Alfer Seite auf Bullay (2016)

    Blick von der Moselfähre Bullay-Alf auf der Alfer Seite auf Bullay (2016)

    Copyright-Hinweis:
    Weyand, Madeleine
    Fotograf/Urheber:
    Madeleine Weyand
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
„Wir soffen uns langsam den Fluß hinab, wir fuhren mit dem Saufbähnchen von Trier nach Bulley hinunter, und auf jeder dritten Station stiegen wir aus und sahen nach, wie es mit dem Weine wäre. (…) Bernkastel, Traben-Trarbach, Bulley … dann aber setzten wir uns in einen seriösen Zug und fuhren nach Kolbenz.“
(Kurt Tucholsky, 1930)

1878/79 wurde die Moselstrecke zwischen Koblenz und Trier erbaut. Die Strecke führt an der Mosel entlang bis nach Cochem, von hier nach Bullay und dann über die Vordereifel nach Trier. Durch den Bau wurden sämtliche Moselstädte und Dörfer moselaufwärts von Bullay von der Hauptlinie der Eisenbahn nicht angefahren bzw. ausgeschlossen. Hierdurch entstand der Wunsch der wirtschaftlich wichtigen Anbindung an die Bahnlinie Koblenz - Trier.

Begonnen hatten die Anstrengungen um eine getreu den Moselschleifen folgende Bahnlinie schon bei den Planungen der Moselstrecke. Als fest stand, dass diese nicht an der Mittelmosel entlang fährt, wuchs der Wunsch immer weiter. Die Firma Lenz & Co. erklärte sich bereit, eine Kleinbahn zwischen Trier und Bullay mitzufinanzieren, herzustellen und zu betreiben. Angedacht war eine schmalspurige Kleinbahn, die aber nach jahrelanger Diskussion in einer Normalspurstrecke endete. Der Bau der 103 Kilometer langen Kleinbahn der Moselbahn AG erfolgte in Teilabschnitten von Trier nach Bullay. Die Moselbahn AG übernahm die Betriebsführung der Kleinbahn, erbaut wurde sie in den Jahren 1902-1905. Der Bau des letzten Streckenabschnitts wurde im Jahr 1905 beendet, woraufhin die gesamte Strecke in Betrieb genommen werden konnte.
Von Beginn an gab es allerdings ein Finanzierungsproblem. Sie gilt als die teuerste Kleinbahn Deutschlands. Zum einen waren die Herstellungskosten erheblich höher als angedacht. Ein weiterer Aspekt waren die Hochwasserschutzmaßnahmen entlang der kompletten Strecke zwischen Bullay und Trier. Viele finanzielle Mittel wurden in komfortable Reisezugwagen und prachtvolle Stationsgebäude investiert. Trotz der Hochwasserschutzmaßnahmen kam es regelmäßig zu hochwasserbedingten Reparaturen und Einnahmeausfällen. Die Kosten des Baus beliefen sich auf ca. 19 Millionen DM.

Es mangelte allerdings nicht an Fahrgästen. Die Moselbahn nutzten ungefähr 2 Millionen Fahrgäste jährlich, hinzu kommt, dass zwischen 100.000 und 150.000 Tonnen Güter pro Jahr transportiert wurden. Der Schwerpunkt der Moselbahn lag auf dem Ausflugsverkehr. Sie galt nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern als Stück Lebensqualität. Speziell für die Fahrt mit der Moselbahn wurde ein Reiseführer erstellt, der die landschaftlichen, kulturhistorischen und architektonischen Besonderheiten aufzeigt. Sie führte in 103 Kilometer getreu der Moselkrümmung entlang durch die bekanntesten Weinorte des mittleren Moselgebietes. Ihre Höchstgeschwindigkeit betrug zunächst 30 km/h, wurde aber im Laufe der Jahre auf 40 km/h erhöht. Das besondere an der Moselbahn war der Restaurationsbetrieb. Es wurden zahlreiche Getränke, vor allem Weine und Schnaps sowie kalte Speisen angeboten. Die Fahrt Bullay-Trier dauerte 4 Stunden. In der Zeit genossen die Passagiere die Aussicht auf die Landschaft durch die großen Fenster und breiten Spiegelscheiben der Moselbahn und tranken dabei den Moselwein. So entstand auch der Name „Saufbähnchen“, da während der Fahrt große Mengen Wein getrunken bzw. „gesoffen“ wurden.

Aufgrund der hohen anfänglichen Baukosten und den immer wieder auftretenden Instandhaltungskosten machte die Moselbahn ab den 1950er Jahren erhebliche Einbußen. Hinzu kamen die Moselkanalisierung und die Einstellung der Bahnpost, wodurch die Moselbahn oder das liebevoll genannte Saufbähnchen zwischen 1961 und 1968 eingestellt wurde.
Noch heute bedauern die Menschen in Bullay die Einstellung des Saufbähnchens. Die Zeit, die sie mit der Moselbahn erlebt haben, möchten sie nicht missen wollen und schwelgen in Erinnerungen an so manche Ausflüge entlang der Mosel. Dies verdeutlicht noch einmal, dass die Kleinbahn nicht nur zum Transport von Gütern und Personen gedacht war, sondern ein Stück Lebensqualität bedeutete. Obwohl die Gleisen abgebaut worden sind, gibt es noch die ehemaligen Bahnhöfe und ist die Trasse noch erkennbar.

(Jennifer Abels, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Quellen
Interview mit Frau Metzen, Reisebüro Ulfratours, 25.09.2015.
Hinweistafeln an den alten Schienen über die Moselbahn; Kulturprojekt der Gemeinden Alf, Briedel, Bullay, Pünderich, Reil und der Stadt Zell.
CD Landschaft im Wandel Blatt 5908 Alf, Historische Kartenblätter von 1918-2000, TK25 1914 - TK25 1966.

Literatur

Kenning, Ludger; Simon, Manfred (2003)
Die Moselbahn Trier - Bullay. Nordhorn.
Schulschenk, Fritz (2004)
Bullay an der Mosel zwischen 1150 und 2000 - 850 Jahre eines Gemeindelebens. Eine chronologische Aufzeichnung. o. O.

Abschnitt der Moselbahn Bullay - Trier bei Bullay

Schlagwörter
Ort
Bullay
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1902 bis 1905, Ende 1961 bis 1968
Koordinate WGS84
50° 03′ 10,13″ N, 7° 08′ 2,9″ O / 50.05281°, 7.13414°
Koordinate UTM
32U 366429.83 5546170.41
Koordinate Gauss/Krüger
2581266.91 5546899.65

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Abschnitt der Moselbahn Bullay - Trier bei Bullay”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244683 (Abgerufen: 16. August 2018)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang