Aussendienstelle der Geheimen Staatspolizei Bonn

heute Arbeitsgericht

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, das heutige Bonner Arbeitsgericht (2013).

    Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, das heutige Bonner Arbeitsgericht (2013).

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-SA 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Knöchel, Franz-Josef
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Gedenktafel zur Nutzung als Gestapo-Außendienststelle 1938 bis 1945 im heutigen Bonner Arbeitsgericht (2013)

    Gedenktafel zur Nutzung als Gestapo-Außendienststelle 1938 bis 1945 im heutigen Bonner Arbeitsgericht (2013)

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-SA 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Knöchel, Franz-Josef
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Kreuzbergstraße mit dem Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, dem heutigen Bonner Arbeitsgericht (2013).

    Kreuzbergstraße mit dem Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, dem heutigen Bonner Arbeitsgericht (2013).

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-SA 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Knöchel, Franz-Josef
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, das heutige Bonner Arbeitsgericht (2013)

    Gebäude der ehemaligen Gestapo-Außendienststelle 1938-1945, das heutige Bonner Arbeitsgericht (2013)

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-SA 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Knöchel, Franz-Josef
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Im Gebäude des heutigen Arbeitsgerichts Bonn, 1875 als Wohnhaus eines Fabrikanten erbaut, befand sich von April 1938 bis März 1945 die Bonner Außendienstelle der nationalsozialistischen Geheimen Staatspolizei (Gestapo).

Zum Gebäude
Zur Vorgeschichte der politischen Verfolgung in Bonn im Nationalsozialismus
Die Einrichtung
Aufgaben und Organisation der Gestapo
Gedenktafel und Baudenkmal
Quelle, Internet und Literatur

Zum Gebäude
Das Gebäude war 1875 als Wohnhaus des Fabrikanten Dr. Hermann Bleibtreu, Gründer der „Bonner Zementwerk AG“ mit 13 kleineren und vier größeren Kellerräumen erbaut worden. 1893 ging es in den Besitz des evangelischen Theologen Prof. Dr. Eduard Grafe über. Nach dem Tode seiner Witwe im Januar 1938 übernahm der Preußische Staat das Gebäude, das im März 1938 für die Gestapo umgebaut wurde. Dabei nahm das Kellergeschoss Einzel- und Gemeinschaftszellen sowie einen Luftschutzkeller auf. Zu Kriegsende brannte das Gebäude ab. 1949 wiederaufgebaut, ist es seit 1953 Sitz des Arbeitsgerichts Bonn.
nach oben

Zur Vorgeschichte der politischen Verfolgung in Bonn im Nationalsozialismus
Die Gestapo Köln, zunächst in der Krebsgasse, dann im berühmt-berüchtigten EL-DE-Haus untergebracht, hatte stets die Oberaufsicht über die politische Polizei in Bonn. Diese befand sich nach der „Machtergreifung“ zunächst im Polizeipräsidium in der Rathausgasse, von wo auch die großangelegte „Schutzhaft-Aktion“ nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 organisiert wurde. Hunderte von politischen Gegnern wurden damals verhaftet und saßen für kurze oder längere Zeit ihre „Schutzhaft“ in kleineren Arrestzellen, im Bonner Gerichtsgefängnis, im Siegburger Zuchthaus oder in den neu eingerichteten KZs des Emslandes ab.
Ein erstes Opfer dieser Aktion war der KPD-Stadtverordnete Otto Renois, der schon Anfang April 1933 „auf der Flucht erschossen“ wurde. Andere wurden gefoltert und misshandelt. Öfters holten SS- oder SA-Männer einzelne „Schutzhäftlinge“ zu besonderen „Verhören“ in ihre eigenen „wilden KZs“. Für die SS-Dienststelle in der damaligen Viktoriastraße 27 (heute Heerstraße 205) sind Folterungen mehrfach bezeugt, so von Josef Messinger, der nach „Verhören“ im Juli 1933 in seiner Zelle im Gerichtsgefängnis tot aufgefunden wurde.

Auch die Verhaftungswelle in Bonn im Jahre 1935 wurde von der Kölner Gestapo initiiert. Über hundert Personen wurden dabei festgenommen und von Kölner-Gestapo-Beamten in Bonn verhört. Anschließend überführte man sie in Untersuchungshaft, zumeist in das Kölner Gefängnis Am Klingelpütz.
Die fortschreitende Durchorganisation der deutschen Polizei und die sich perfektionierende politische Überwachung der Bevölkerung zeigte sich nun auch in den einzelnen Verwaltungsbezirken; die Aufgaben vermehrten sich, aus Platzgründen bezog die Gestapo Köln Anfang 1936 den EL-DE-Haus-Komplex am Appellhofplatz.
In dem Haus Kreuzbergweg 5 befand sich von April 1938 bis März 1945 die Bonner Außendienststelle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Köln.
nach oben

Die Einrichtung
„Ab 1.4.1938 wird in Bonn, Kreuzbergweg 5, eine Außenstelle der Staatspolizeistelle Köln eröffnet. Sie bezweckt eine Entlastung der Hauptstelle in Köln und darüber hinaus eine intensivere Bekämpfung der Staatsfeinde durch Spezialbeamte…“ (Benachrichtigung an zuständige Behörden vom 29.3.1938, Stadtarchiv Bonn, D 1517).
Mit dieser Verfügung der Gestapo Köln bekam nun auch Bonn eine eigene, für den Stadtkreis Bonn und die Landkreise Bonn und Euskirchen zuständige Gestapo-Dienststelle, die bald schon bei bloßer Nennung Angst und Schrecken in die Bonner Bevölkerung trug.
nach oben

Aufgaben und Organisation der Gestapo
Die Bonner Gestapo ging in den folgenden Jahren den zahlreichen Denunziationen und Hinweisen nach, lud Beschuldigte vor, verhörte sie und leitete Verfahren bei den zuständigen Gerichten (besonders beim Sondergericht Köln) ein. Sie sprach dabei „Verwarnungen“ aus, organisierte die politische Überwachung von „Staatsgegnern“, und verhängte in einigen Fällen auch „erziehungswirksame Maßnahmen“, wie die Einweisung in ein Arbeitserziehungslager.
Die im Keller des Hauses Kreuzbergweg 5 befindlichen Gefängniszellen dienten der vorübergehenden, oft tage-, aber auch wochenlangen Inhaftierung von Beschuldigten. Dass diese auch gefoltert, geschlagen und misshandelt worden sind, ist mehrfach bezeugt.

Die Gestapo-Außendienststelle Bonn war verwaltungstechnisch in ähnlicher Weise organisiert wie die Zentrale in Köln. Die „Referate“ für Juden, Staatsfeinde und Ausländer waren dabei die wichtigsten Abteilungen. Wichtige Hilfsdienste bei der politischen Überwachung der Bonner Bevölkerung wird auch der gleichfalls im Kreuzbergweg 5 untergebrachte Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, SD-Außenstelle Bonn, geleistet haben.
Das genaue Ende der Außendienststelle Bonn ist nicht bekannt. Vieles spricht dafür, dass erst kurz bevor die Amerikaner in Bonn am 7. März 1945 einmarschierten, die Gestapo die Arbeit im Kreuzbergweg 5 einstellte. Ihre Akten vernichtete sie vollständig.
nach oben

Gedenktafel und Baudenkmal
Im Eingangsbereich des heutigen Arbeitsgerichts Bonn befindet sich eine Gedenktafel mit der Inschrift: „In diesem Hause befand sich von April 1938 bis März 1945 die Bonner Aussendienstelle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Köln“ (siehe Foto in der Mediengalerie). Aufgrund des laufenden Dienstbetriebes und weil die ehemaligen Zellen im Keller heute als Archiv des Arbeitsgerichts genutzt werden, sind keine Führungen im Gebäude möglich.

Der Bereich „Kreuzbergweg 2-22, Wohnsiedlung, 1950er Jahre“ ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste Bonn, Stand 13. April 2012, Lfd. Nr. A 3183).

(LVR-Redaktion KuLaDig, 2013 / Text nach dem Flyer „Kreuzbergweg 5, Gestapo-Außendienstelle Bonn 1938 bis 1945“)
nach oben

Quelle
Flyer „Kreuzbergweg 5, Gestapo-Außendienstelle Bonn 1938 bis 1945“ (Text Horst Bothien und Manfred van Rey), hrsg. vom Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn, Kulturamt, Stadtmuseum, Stadtarchiv, Presseamt, April 2013.

Internet
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Die Geheime Staatspolizei Köln (abgerufen 19.06.2013)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Hermann Bleibtreu (1821-1881), Begründer der deutschen Zementindustrie (abgerufen 03.07.2013)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Heinrich Müller (1901-1985), Bonner SD-Führer (abgerufen 21.08.2017)
nach oben

Literatur

Bothien, Horst-Pierre (2006)
Kreuzbergweg 5. Zur Bonner Gestapo (1938-1945). In: Schloßmacher, Norbert / Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn (Hrsg.) (2006): „Kurzerhand die Farbe gewechselt“ - die Bonner Polizei im Nationalsozialismus, (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn 66.) S. 291-310. Bonn.
Stadt Bonn, Amt 61-02, Untere Denkmalbehörde (Hrsg.) (2012)
Liste der gem. § 3 DSchG NW in die Denkmalliste eingetragenen Baudenkmäler, Bodendenkmäler, beweglichen Denkmäler und Denkmalbereiche der Stadt Bonn (Stand: 01.01.2012). S. 35, Bonn.

Aussendienstelle der Geheimen Staatspolizei Bonn

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kreuzbergweg 5
Ort
53115 Bonn - Weststadt
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1875
Koordinate WGS84
50° 43′ 45,09″ N, 7° 05′ 34,2″ O / 50.72919°, 7.09283°
Koordinate UTM
32U 365402.22 5621445.29
Koordinate Gauss/Krüger
2577202.68 5622090.56

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Aussendienstelle der Geheimen Staatspolizei Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-67457-20130612-2 (Abgerufen: 13. Dezember 2018)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang