„Geisterbahn“-Abschnitt der Köln-Bonner Landstraße auf der A 555

Fahrspur der früheren L 185 zwischen Hahnwald und dem Verteilerkreis Köln-Süd

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 52′ 56,59″ N: 6° 58′ 5,49″ O / 50,88239°N: 6,96819°O
Koordinate UTM 32.357.074,69 m: 5.638.712,45 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.568.179,28 m: 5.639.009,29 m
  • Das Ende der "Geisterbahn"-Trasse der früheren Landstraße L 185 am Verteilerkreis Köln in Marienburg (2020).

    Das Ende der "Geisterbahn"-Trasse der früheren Landstraße L 185 am Verteilerkreis Köln in Marienburg (2020).

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-SA-4.0
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Der letzte Abschnitt der "Geisterbahn"-Trasse der früheren Landstraße L 185 am Ende der Bundesautobahn A 555 am Verteilerkreis Köln (2020).

    Der letzte Abschnitt der "Geisterbahn"-Trasse der früheren Landstraße L 185 am Ende der Bundesautobahn A 555 am Verteilerkreis Köln (2020).

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-SA-4.0
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Der letzte Abschnitt der "Geisterbahn"-Trasse der früheren Landstraße L 185 am Ende der Bundesautobahn A 555 am Verteilerkreis Köln (2020).

    Der letzte Abschnitt der "Geisterbahn"-Trasse der früheren Landstraße L 185 am Ende der Bundesautobahn A 555 am Verteilerkreis Köln (2020).

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-SA-4.0
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Teil eines zeitgenössischen Plans der 5,542 Kilometer langen Rennstrecke "Kölner Kurs", die 1948 und 1949 auf Teilstücken der Köln-Bonner Autobahn A 555 angelegt wurde. Hier die Gesamtstrecke zwischen "Aachener Schleife" (heute Autobahnkreuz Köln-Süd) und der "Bonner Kehre" vor Köln-Sürth.

    Teil eines zeitgenössischen Plans der 5,542 Kilometer langen Rennstrecke "Kölner Kurs", die 1948 und 1949 auf Teilstücken der Köln-Bonner Autobahn A 555 angelegt wurde. Hier die Gesamtstrecke zwischen "Aachener Schleife" (heute Autobahnkreuz Köln-Süd) und der "Bonner Kehre" vor Köln-Sürth.

    Copyright-Hinweis:
    LVR-Redaktion KuLaDig
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Trasse der Bundesautobahn A 555 ("Diplomatenrennbahn") zwischen Autobahnkreuz Köln-Süd und Verteilerkreis Köln (2012).

    Trasse der Bundesautobahn A 555 ("Diplomatenrennbahn") zwischen Autobahnkreuz Köln-Süd und Verteilerkreis Köln (2012).

    Copyright-Hinweis:
    Superbass / CC-BY-NC-SA 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Superbass
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Ein Teilabschnitt der heutigen Bundesautobahn A 555, die als „erste kreuzungsfreie Autostraße Europas“ und damit als erste Autobahn überhaupt gilt (Groten u.a. 2006), wies über rund zwanzig Jahre hinweg das Kuriosum einer zwischen ihren Richtungsfahrbahnen verlaufenden „Geisterspur“ auf. Auf einer Strecke von rund 2,5 Kilometern zwischen dem Kölner Süden und dem heutigen Stadtteil Hahnwald diente eine dritte Fahrspur als Kompensation für einen durch das neue Autobahnkreuz überbauten Abschnitt der älteren Köln-Bonner Landesstraße.

Experiment und Merkwürdigkeit
Die 1932 als „Landesstraße erster Ordnung L 185“ eröffnete erste Autobahn (die spätere A 555) verlief zunächst auf ganzer Strecke parallel zu der damaligen Reichsstraße 9, das heißt der Köln-Bonner Landstraße beziehungsweise der späteren Bundesstraße B 9, die am nördlichen Verteilerkreis ihren eigenen Anschluss an den Militärring hatte.
Anders als auf den anderen Straßen galten für die neuartigen „Nur-Autostraßen“ allerdings ganz eigene Verkehrsregeln – vor allem die, dass diese ausschließlich für Kraftwagen vorbehalten und damit „durch eine besondere Polizeiverordnung“ für jeden „andere(n) Verkehr wie Fußgänger-, Fuhrwerks-, Radfahr-, Kraftradfahr- und Reitverkehr verboten“ waren (Kölnische Zeitung vom 5. August 1932, zitiert nach www.spiegel.de 2007).

Als in den 1940er-Jahren die Planungen zum Ausbau des Autobahnkreuzes im Kölner Süden erfolgten (die heutige Verbindung von A 4 und A 555), zeigte sich, dass die alte Landstraße nach wie vor dringend benötigt wurde. Ein Blick auf den historischen Verlauf der heutigen Bonner Landstraße (L 186) in den Karten der Preußischen Neuaufnahme von 1891-1912 verdeutlicht deren Unverzichtbarkeit für den Nord-Süd-Verkehr im Süden der Domstadt (vgl. Kartenansicht). Als kurios-einzigartige Konstruktion wurde daher ein dritter Sonder-Fahrstreifen für die Köln-Bonner Landstraße eingerichtet. Die „Straße in der Straße“ diente für alle nicht-motorisierten Fahrzeuge (wie etwa die seinerzeit noch üblichen Pferdefuhrwerke), für Radfahrer und für Fußgänger.
„Die ursprünglich nicht voneinander abgegrenzten Fahrspuren der A555 wurden auf einer Länge von etwa 2,5 Kilometern so weit voneinander getrennt, dass genug Platz blieb für die eigenwillige ‚Sandwich‘-Lösung. Die alte Landstraße zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Verteilerkreis wurde unterdessen abgebaut: Hier stand das Autobahnkreuz im Weg“ (ksta.de).

Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte e.V. (AGAB) zufolge, wäre es wohl schlichtweg zu aufwendig gewesen, die für die schwächeren Verkehrsteilnehmer benötigte Landstraße in ihrem bisherigen Gesamtverlauf über die Schlaufen des Autobahnknotens der heutigen A 555 und A 4 zu führen und „die Pferdefuhrwerke konnte man ja schlecht über die Autobahn fahren lassen“.
Das ganze Konstrukt sei eine „bautechnisch und gestalterisch (…) völlig neue Idee“ und als Experiment eine „Merkwürdigkeit aus den Anfangszeiten der Autobahn“ gewesen (ebd.).

Historischer Verlauf
Die hier eingezeichnete Objektgeometrie der „Geisterspur“ zeigt diese anhand des Bilds der historischen topographischen Karte TK 1936-1945 (vgl. Kartenansicht, technisch bedingt etwas verschoben zum aktuellen Kartenbild).
Rund 300 Meter nördlich der heutigen Anschlußstelle Rodenkirchen zweigte in Richtung Norden eine Spur von der Bonner Landstraße ab, die über einen unter der Richtungsfahrbahn Köln geführten Tunnel in der Mitte der Autobahn mündete. Der zeitgenössische Streckenplan für die Auto- und Motorradrennen „Kölner Kurs“ von 1948 und 1949 lässt die Straßenunterführung an der Nr. 9 „Bonner Kehre“ deutlich erkennen (vgl. Abbildung). Die nunmehr dritte Fahrspur führte von hier aus über etwa 1,3 Kilometer bis zum neuen Autobahnkreuz und dann über eine eigene Brücke über dieses hinweg bis zum Kölner Verteilerkreis, wo sie dann problemlos in den Kreisverkehr um Militärringstraße und Bonner Straße einmünden konnte.
Da es bis 1964 in Richtung Süden lediglich eine Autobahnausfahrt im weitere fünf Kilometer südlich gelegenen Wesseling gab, war die „Geisterspur“ auch als direkte Verbindung zum Bereich Rodenkirchen beliebt.

Das Ende der „Geisterspur“
Im Zuge des zwischen 1964 und 1966 erfolgten weiteren Ausbaus der A 555 auf nunmehr jeweils drei Fahrspuren je Richtung samt Mittelstreifen war kein Platz mehr für die eingebettete Landstraße. Diese wurde stillgelegt und teilweise beseitigt, ebenso der Tunnel an der Anschlußstelle Rodenkirchen.
Die dadurch eigentlich nutzlos gewordene über das Autobahnkreuz hinweg führende eigene Brücke der alten Landstraße blieb hingegen bis Anfang der 1990er-Jahre bestehen und wurde auch noch jahrzehntelang gewartet. Da ein Rückbau des zwischen dem Autobahnkreuz A 4 / A 555 und dem Verteilerkreis Köln-Süd verbliebenen Rests der „Geister-Landstraße“ nur unnötige Kosten verursacht hätte, bleib auch dieser erhalten.
„Heute dient die verkehrsumtoste Geisterbahn der Autobahn-Meisterei als Abstellplatz. Die Polizei nutzt sie ab und zu für Verkehrskontrollen. Ansonsten dient sie Autobahn-Begeisterten als Erinnerungshilfe an eine Zeit, als Verkehrsplaner noch verrückte Ideen ausleben durften.“ (ksta.de)

Hinweis
Die Bundesautobahn 555 ist wertgebendes Merkmal des Kulturlandschaftsbereichs „Autobahn Köln – Bonn“ (Regionalplan Köln 423).

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2020)

Internet
www.ksta.de: „Spurensuche in Köln. Eine Geisterbahn zwischen den Spuren der A555“ (Text Tobias Christ, Kölner Stadt-Anzeiger vom 08.11.2015, abgerufen 05.08.2020)
www.spiegel.de: „A 555, Europas erste Autobahn“ (einestages vom 14.08.2007, abgerufen 04.08.2020)
de.wikipedia.org: Bundesautobahn 555 (abgerufen 04.08.2020)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 150, Stuttgart.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 41, Köln.

„Geisterbahn“-Abschnitt der Köln-Bonner Landstraße auf der A 555

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bundesautobahn A 555
Ort
50968 Köln - Marienburg, Rodenkirchen, Hahnwald
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1940, Ende nach 1966

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC BY 4.0 (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„„Geisterbahn“-Abschnitt der Köln-Bonner Landstraße auf der A 555”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-318942 (Abgerufen: 29. November 2021)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang