Aachener Dom (UNESCO Welterbestätte)

Aachener Münster, Aachener Kaiserdom, St. Marien

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Aachen
Kreis(e): Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Aachener Dom (2011)

    Aachener Dom (2011)

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  • Aachener Dom in der Nordansicht (2014)

    Aachener Dom in der Nordansicht (2014)

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  • Hinweistafel auf das UNESCO-Weltkulturdenkmal Aachener Dom am Bronzemodell des Doms auf dem Aachener Domhof (2015).

    Hinweistafel auf das UNESCO-Weltkulturdenkmal Aachener Dom am Bronzemodell des Doms auf dem Aachener Domhof (2015).

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  • Bronzenes Architekturmodell des Aachener Doms auf dem Domhof in Aachen (2015).

    Bronzenes Architekturmodell des Aachener Doms auf dem Domhof in Aachen (2015).

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  • Oktagon des Aachener Doms (2014)

    Oktagon des Aachener Doms (2014)

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  • Deckengewölbe des Oktagons im Aachener Dom (2014)

    Deckengewölbe des Oktagons im Aachener Dom (2014)

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  • Barbarossaleuchter im Aachener Dom (2014)

    Barbarossaleuchter im Aachener Dom (2014)

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  • Marienstatue mit Kind im Aachener Dom (2014)

    Marienstatue mit Kind im Aachener Dom (2014)

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  • Blick vom Oktagon in die Chorhalle des Aachener Doms (2014)

    Blick vom Oktagon in die Chorhalle des Aachener Doms (2014)

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  • Marienschrein in der Chorhalle des Aachener Doms (2014)

    Marienschrein in der Chorhalle des Aachener Doms (2014)

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  • Chorhalle des Aachener Doms (2014)

    Chorhalle des Aachener Doms (2014)

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  • Statuen an der Südfassade des Aachener Doms (2014)

    Statuen an der Südfassade des Aachener Doms (2014)

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  • Bronzemodell des Aachener Doms (2014)

    Bronzemodell des Aachener Doms (2014)

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  • Deckenmosaik im karolingischen Sechzehneck des Aachener Doms (2014)

    Deckenmosaik im karolingischen Sechzehneck des Aachener Doms (2014)

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  • Westansicht, Eingangsbereich zum Aachener Dom (2014)

    Westansicht, Eingangsbereich zum Aachener Dom (2014)

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  • Eingangsportal des Aachener Doms (2014)

    Eingangsportal des Aachener Doms (2014)

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  • Bronzestatue einer Wölfin im Eingangsbereich des Aachener Doms (2014)

    Bronzestatue einer Wölfin im Eingangsbereich des Aachener Doms (2014)

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  • Mosaik an der Decke des Aachener Doms (2014)

    Mosaik an der Decke des Aachener Doms (2014)

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  • Ansicht des Deckengewölbes im karolingischen Aachener Kaiserdom, Blick von der östlichen Chorhalle aus in Richtung des oktogonalen Zentralbaus (2015).

    Ansicht des Deckengewölbes im karolingischen Aachener Kaiserdom, Blick von der östlichen Chorhalle aus in Richtung des oktogonalen Zentralbaus (2015).

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  • Detailansicht mit einer Heiligenfigur in der östlichen Chorhalle des karolingischen Aachener Kaiserdoms (2015).

    Detailansicht mit einer Heiligenfigur in der östlichen Chorhalle des karolingischen Aachener Kaiserdoms (2015).

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  • Blick von unten in das Deckengewölbe des karolingischen Zentralbaus des Aachener Kaiserdoms (2015).

    Blick von unten in das Deckengewölbe des karolingischen Zentralbaus des Aachener Kaiserdoms (2015).

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  • Schematische Darstellung der vom Dom dominierten Aachener Stadtsilhouette auf einer Briefmarke der Serie "Fremdenverkehr" der Deutschen Bundespost von 1973.

    Schematische Darstellung der vom Dom dominierten Aachener Stadtsilhouette auf einer Briefmarke der Serie "Fremdenverkehr" der Deutschen Bundespost von 1973.

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  • Südliche Außenfassade des Aachener Doms (2014)

    Südliche Außenfassade des Aachener Doms (2014)

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  • Der Dom zu Aachen (2009)

    Der Dom zu Aachen (2009)

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Den Mittelpunkt der Stadt Aachen beherrscht der Dom am Münsterplatz. An der Stelle einer keltischen Kultstätte, einer nachfolgenden römischen Thermenanlage und eines fränkischen Königshofs war der Dom im Ursprung als Pfalzkapelle Karls des Großen Teil der Aachener Pfalzanlage aus der Zeit um 800.

Lage im Stadtbild und Geschichte
Die karolingische Pfalzkapelle (um 795 bis um 803)
Romanische Umbauten (12./13. Jahrhundert)
Die gotische Chorhalle und die Kapellenbauten (14./15. Jahrhundert)
Barocke Baumaßnahmen (17./18. Jahrhundert)
Bau- und Restaurierungsmaßnahmen im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Der Aachener Dom nach 1945 bis heute

Lage im Stadtbild und Geschichte
Den Mittelpunkt der Stadt Aachen beherrscht der Dom am Münsterplatz. Den Kernbau des heutigen Doms bildet die karolingische Pfalzkapelle, die Karl der Große an der Stelle einer fränkischen Vorgängerkirche auf dem ehemaligen Gelände einer römischen Therme errichten ließ. Die Kirche ist Teil der karolingischen Pfalzanlage, zu der im Norden die ehemalige Königshalle (Aula Regia), das heutige Rathaus, gehört. Beide Bauten umschließen den Katschhof als inneren Pfalzbezirk und waren durch einen Gang miteinander verbunden. Westlich vor dem Eingang der Kirche lag ein Atrium, dessen Ausdehnung sich heute in der Bebauung des Domhofs widerspiegelt. Zwei nicht mehr vorhandene Annexbauten schlossen sich nördlich und südlich an den Zentralbau an. Im Gegensatz zu den römischen Straßenfluchten ist der gesamte Pfalzbezirk streng nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet, was sich noch heute am Straßenbild deutlich ablesen lässt. Im städtischen Raum wirkt der Dom in seiner vielgliedrigen Ausprägung nach allen Seiten und bestimmt zusammen mit dem Rathaus über die Dachlandschaft hinweg zu den umliegenden Anhöhen die Stadtsilhouette.

Durch neuere dendrochronologische Untersuchungen, einen Münzfund im Fundamentbereich (Grabung 2009) und Quellenzeugnisse kann der Baubeginn der Pfalzkapelle um 795, die Vollendung um 803 angesetzt werden. Das legendäre Weihedatum 804/05 ist nicht historisch belegt. Nach seinem Tod 814 wurde Karl hier begraben; seine Gebeine befinden sich heute im Karlsschrein. Die der Gottesmutter geweihte Kirche war seit der Inthronisation Ottos I. im Jahr 936 bis 1531 Krönungsort der deutschen Könige. Durch die bedeutenden Reliquien des Marienschreins ist sie seit 1349 Ziel der alle sieben Jahre stattfindenden Heiligtumsfahrt. Von 1802 bis 1821 und erneut seit 1930 wurde die Kirche zum Bischofssitz und trägt seither die Bezeichnung Dom. 1978 wurde der Aachener Dom als erstes deutsches Denkmal in die Liste der Welterbestätten der UNESCO aufgenommen.
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Die karolingische Pfalzkapelle (um 795 bis um 803)
Der karolingische Kernbau blieb über die Jahrhunderte als ideeller und architektonischer Mittelpunkt des Bauensembles Aachener Dom erhalten. Er besteht aus dem Zentralbau mit dem mittleren Oktogon, das von einer hochaufragenden Kuppel mit Klostergewölbe bekrönt und einem zweigeschossigen sechzehneckigen Umgang umschlossen wird. Im Osten befand sich ein kleiner, archäologisch ergrabener Rechteckchor, der dem Bau der gotischen Chorhalle weichen musste. Ansonsten ist die Substanz des Zentralbaus noch nahezu unangetastet, wenn auch die nachträglichen gotischen und barocken Kapellenanbauten und die starke Erhöhung des Kuppelaufbaus das äußere Erscheinungsbild stark verändert haben. Ein 3-D-Modell, das auf der Grundlage neuer Vermessungen entstand, kann die ursprünglichen Proportionen mit dem kräftigen Unterbau des Sechzehnecks und dem darauf fast zierlich wirkenden Oktogon mit seiner Pilastergliederung und dem flachen Dachabschluss deutlich machen. Vom karolingischen Westbau ist der gesamte untere Bereich mit der großen Außennische und den beiden seitlichen Treppentürmen noch weitgehend ursprünglich, während der Turmaufbau aus dem 19. Jahrhundert stammt. Ursprünglich befand sich hier vermutlich ein niedriger, quadratischer Turmaufsatz, der wahrscheinlich als Glockenturm diente. Der ehemals offene, tonnengewölbte Eingang im Erdgeschoss wird heute von der barocken Vorhalle verdeckt. Die bronzene Eingangstür (so genannte „Wolfstür“) saß zurückversetzt zwischen Westbau und Sechzehneck.

Der Entwurf der Pfalzkapelle folgt einem exakten geometrischen Plan. Er basiert auf Kreis und Quadrat und umfasst das gesamte Bauwerk mit einheitlichen Maßverhältnissen, wie es auch die karolingische Bauinschrift im Inneren des Oktogons besagt. Auf der Grundlage eines Baurasters von 6 Fuß bildet das Maß des Oktogons mit 48 Fuß das Modul des Entwurfs, das in der Verdoppelung auf 96 Fuß die Höhe und Breite des Zentralbaus, in der Verdreifachung auf 144 Fuß die Gesamtlänge der Kirche angibt. Das karolingische Fußmaß von 32,24 cm stimmt dabei recht genau mit dem so genannten französischen oder Pariser Königsfuß (32,48 cm) überein, der möglicherweise seinen Ursprung in Aachen hatte. Als Verweis auf den Salomonischen Tempel ist die perfekte Geometrie der Aachener Marienkirche mehr als nur ein gelehrtes Spiel mit Zahlen und Figuren. Wie Notker berichtet, hat Karl den Aachener Bau „nach dem Beispiel des hochweisen Salomo“ (sapientissimi Salomonis exemplum) und „nach eigener Anordnung“ (propria dispositione) errichten lassen. Die Bauidee und der geometrische Entwurf gehen vermutlich unmittelbar auf Alkuin, Karl den Großen und seine Gelehrten zurück; die praktische Ausführung muss in den Händen eines erfahrenen Baumeisters gelegen haben, der uns in einer Inschrift als der in Metz begrabene Magister Odo überliefert ist.

Vorbilder des Aachener Kuppelbaus sind in Jerusalem, Rom und Ravenna zu finden. Der Felsendom in Jerusalem (691/92 vollendet), der seit dem frühen Mittelalter als getreue Nachbildung des Salomonischen Tempels galt, zeigt als oktogonaler Zentralbau mit Kuppel und Umgang sehr charakteristische Elemente der Architektur, die sich in Aachen wie-derholen. Vom Bautypus her steht Aachen in der Tradition des spätantiken Kuppelbaus, der sich als Obergadenrundbau mit Umgang in Bauten wie San Costanza in Rom (ca. 340-45) und San Vitale in Ravenna (537/8-547) herausbildete.

Aus der Antike übernommene Kenntnisse und innovative Bautechniken gingen in Aachen vor 1200 Jahren eine einzigartige Verbindung ein. Die karolingischen Bauteile wurden aus Grauwacke, Travertin und zweitverwendeten römischen Quadern errichtet, die in rötlichem Ziegelsplittmörtel versetzt sind. Der Aachener Kuppelbau verwertet antikes Baumaterial, das mit ausgefeilter Logistik aus einem bemerkenswerten geographischen Umkreis nach Aachen gebracht wurde. Er nutzt hydraulisch abbindenden Ziegelsplittmörtel, um einen schnellen Baufortschritt zu ermöglichen. Seine Kuppel mit einer Höhe von über 30 und einer Spannbreite von über 14 Meter ist das erste bekannte Beispiel für eine statische Konstruktion mit eiserner Ringverankerung. Vier eiserne und zwei hölzerne Ringanker sind im Tambour des Oktogons angebracht, drei weitere Eisenringanker befinden sich in den Außenwänden des Sechzehnecks.

Die Kirche Karls des Großen war mit einem kräftig rot gefärbten Ziegelsplittmörtel komplett verputzt. Abgesehen davon verzichtet das äußere Erscheinungsbild weitgehend auf schmückende Elemente. Einen zurückhaltenden Bauschmuck erhielt nur das Oktogon durch die dekorativ aufgelegte Pilastergliederung. Der Baukörper mit seinen glatten Wandflächen und rundbogig eingeschnittenen Fensteröffnungen wirkte durch seine klare geometrische Kubatur, die durch die kräftige einheitliche Farbigkeit in ihrer Monumentalität unterstrichen wurde. Das monumentale karolingische Rot verwies als imperiale Farbe auf herrschaftliche Macht und Repräsentation und setzte in der Architektur einen kraftvollen Akzent.

Die Reste der karolingischen Ausstattung zeugen von einer sehr prachtvollen Gestaltung des Inneren. Neben dem Eingangsportal sind noch zwei weitere Bronzetüren und die kostbaren Bronzegitter im Obergeschoss des Oktogons vorhanden. Von den berühmten Säulen des Oktogons, deren Beschaffung „aus Rom und Ravenna“ Einhard in seiner Karlsvita erwähnt, sind einige noch original erhalten, außerdem Reste des kunstvollen Marmorfußbodens. Der Thron auf der westlichen Empore des Umgangs gehört nach jüngsten Forschungen ebenfalls zur originalen Ausstattung. In ottonischer Zeit kamen der von Heinrich II. gestiftete goldene Ambo (zwischen 1002-14) und die Pala d’Oro (um 1020) hinzu. Heute wird der Innenraum wesentlich durch die Neuausstattung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit Goldmosaiken und Marmorverkleidungen geprägt.
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Romanische Umbauten (12./13. Jahrhundert)
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde der Tambour des Oktogons erhöht. Dieser Bauzustand wird in einem Relief auf dem Dach des Karlsschreins (um 1215) abgebildet. Diese Aufstockung ergänzte man um 1230 noch durch Dreiecksgiebel. Die romanischen Aufbauten wurden bei der Restaurierung 1870-72 komplett erneuert. Das Bauwerk erhielt im Zusammenhang mit den romanischen Umbauten eine Weißfassung, die das karolingische Rot ablöste und den Kirchenbau bis ins 19. Jahrhundert prägte. Bedeutende Ausstattungsstücke aus romanischer Zeit sind der Barbarossaleuchter im Oktogon (um 1165-70), der Karlsschrein (1215 vollendet) und der Marienschrein (um 1220–1238), beide heute in der Chorhalle aufgestellt.
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Die gotische Chorhalle und die Kapellenbauten (14./15. Jahrhundert)
Dem großen Ansturm von Besuchern und Pilgern war die karolingische Pfalzkapelle bald nicht mehr gewachsen, so dass sich das Aachener Domkapitel zum Neubau der gotischen Chorhalle (1353-1414) entschloss. Dazu musste das Ostjoch des Sechzehnecks geöffnet und der kleine karolingische Rechteckchor abgebrochen werden. Wie die nachfolgenden gotischen Kapellenbauten auch ist die Chorhalle in Quaderbauweise aus Aachener Blaustein und Herzogenrather Sandstein errichtet. Der einschiffige Baukörper mit einer Höhe von fast 33 Metern wird von schlanken Pfeilern getragen und ist als „Glashaus von Aachen“ von großen Glasflächen umschlossen. Im Inneren sind auf den Sockelwänden noch die originalen Werkzeichnungen der Erbauungszeit eingeritzt, heute allerdings größtenteils durch das barocke Chorgestühl verdeckt. Zur gotischen Ausstattung gehören die Chorpfeilerfiguren auf Engelskonsolen (Maria, Karl der Große und die 12 Apostel, 1430 aufgestellt). Das Adlerpult stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts; die Strahlenkranzmadonna von 1524 wurde 1685 barock überarbeitet.

Nach den gotischen Planungen sollte ein Kapellenkranz wohl das gesamte Sechzehneck umschließen, jedoch wurden diese Planungen nicht zu Ende geführt. Zusammen mit der Chorhalle wurde an der Südseite des Sechzehnecks die Matthiaskapelle als Sakristei und Archivraum errichtet, etwas später kam die Annakapelle (geweiht 1449) hinzu. Im Norden schließen sich die Karls-/Hubertuskapelle an (1455-74) sowie die unvollendet gebliebene Michaels-/Nikolauskapelle (vor 1487). Zu den Baumaßnahmen der Zeit um 1350 gehörte auch ein gotischer Turm auf dem Westbau mit Turmkapellen auf den seitlichen Treppentürmen und Brücke zum Oktogon. Der gotische Helm ging vermutlich beim Stadtbrand 1656 verloren, so dass bis zu den Erneuerungen des 19. Jahrhunderts nur ein behelfsmäßiger Aufbau zur Aufnahme der Glocken existierte.
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Barocke Baumaßnahmen (17./18. Jahrhundert)
Der große Stadtbrand 1656 zerstörte sämtliche Dächer der Münsterkirche. 1664 erfolgte die Erneuerung des Daches auf dem Oktogon, das seither seine markante gefaltete Kuppelform besitzt (von den Aachenern liebevoll Zitronenpresse genannt). Größere Baumaßnahmen erfolgten jedoch erst wieder im 18. Jahrhundert mit einer Stuckierung des Innenraumes (1720-30), dem Neubau der ungarischen Kapelle an der Südseite (1756-67) und der Errichtung der Vorhalle (1788).
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Bau- und Restaurierungsmaßnahmen im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Die barocken Baumaßnahmen konnten nicht verschleiern, dass der bauliche Zustand des Münsters zu Beginn des 19. Jahrhunderts in vielen Bereichen desolat war, zumal 1794/95 nach der Einnahme der Stadt durch französische Revolutionstruppen das Bleidach abgedeckt und die berühmten Säulen im Oktogon ausgebrochen und nach Paris gebracht worden waren. Mit der Wiederaufstellung der Säulen 1843–47 und schließlich mit der Grün-dung des Karlsvereins zur Wiederherstellung des Aachener Münsters 1847/49 setzten weitgehende Restaurierungsmaßnahmen ein. Ebenso wie die barocken Stuckierungen im Inneren wurde auch der gesamte Putz des Außenbaus entfernt, so dass der karolingische Bau seither steinsichtig erscheint, was zwar nicht historisch ist, aber den Vorstellungen des 19. Jahrhunderts vom trutzigen Mittelalter entsprach. Die Fenster der Chorhalle und die romanischen Giebelaufbauten des Oktogons wurden erneuert, 1879–84 der neugotische Westturm errichtet. 1880/81 erfolgte die Ausführung des Kuppelmosaiks im Inneren durch Jean Bethune. Die weitere Ausstattung mit Mosaiken, Marmorverkleidungen, Fußbodenbelägen, Fenstern und Leuchtern wurde 1902-13 nach Entwürfen von Hermann Schaper vollendet.
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Der Aachener Dom nach 1945 bis heute
Da das Bauwerk den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschädigt überstand, konzentrierten sich die Maßnahmen nach 1945 auf kleinere Wiederherstellungsarbeiten. Lediglich die Chorhalle hatte einen Bombentreffer abbekommen, so dass hier sämtliche Glasfenster erneuert werden mussten. Seit Mitte der 1980er Jahre wurden grundlegende Sanierungsarbeiten an unterschiedlichen Bauteilen durchgeführt, unter anderem an der gotischen Chorhalle (1994-2000) und am karolingischen Bau (2000-2004), die Möglichkeiten zur genauen Dokumentation und Erforschung von Baugeschichte und Bautechnik eröffneten. Die Restaurierung von Mosaiken, Marmorverkleidungen und Fußböden im Inneren des karolingischen Baus gab Gelegenheit zu archäologischen Grabungen im Umgang des Sechzehnecks und zur Untersuchung der Ausstattung. Diese Maßnahmen wurden 2012 abgeschlossen.

(Ulrike Heckner, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2013)

Internet
www.unesco-welterbe.de: Welterbestätten (abgerufen: 28.06.2013)
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Literatur

Euskirchen, Claudia / Gisbertz, Olaf / Schäfer, Ulrich (Bearb.) (2005)
Georg Dehio - Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen I, Rheinland (Neubearbeitung durch die Dehio-Vereinigung). S. 5-25, München.
Frank, Thomas / Heckner, Ulrike / Maintz, Helmut / Neyses-Eiden, Mechthild / Schaub, Andreas / Schmidt, Burghart (2009)
Die Hölzer aus dem karolingischen Oktogon der Aachener Pfalzkapelle - Möglichkeiten einer dendrochronologischen Datierung. In: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, Band 40/41 (hrsg. von Landeskonservator Udo Mainzer), S. 220-235. Worms.
Heckner, Ulrike / Beckmann, Eva-Maria (2012)
Die karolingische Pfalzkapelle in Aachen. Material - Bautechnik - Restaurierung. (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 78.) Worms.
Knopp, Gisbert / Heckner, Ulrike (2002)
Die gotische Chorhalle des Aachener Doms und ihre Ausstattung. Baugeschichte - Bauforschung - Sanierung (= Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege, Band 58). Petersberg.

Aachener Dom (UNESCO Welterbestätte)

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Domhof 1
Ort
52062 Aachen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 790
Koordinate WGS84
50° 46′ 29,03″ N, 6° 05′ 0,39″ O / 50.77473°, 6.08344°
Koordinate UTM
32U 294374.6 5628830.28
Koordinate Gauss/Krüger
2505929.81 5626589.42

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„Aachener Dom (UNESCO Welterbestätte)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-9837-20110414-2 (Abgerufen: 20. Oktober 2017)
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