Pilgerspuren am Aachener Dom

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Aachen
Kreis(e): Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Blick von unten in das Deckengewölbe des karolingischen Zentralbaus des Aachener Kaiserdoms (2015).

    Blick von unten in das Deckengewölbe des karolingischen Zentralbaus des Aachener Kaiserdoms (2015).

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  • Die um 1350 entstandene Karlsbüste in der Aachener Domschatzkammer, ein Reliquiar in Form der Büste Karls des Großen, in dem dessen Schädeldecke als Reliquie verwahrt wird (2015).

    Die um 1350 entstandene Karlsbüste in der Aachener Domschatzkammer, ein Reliquiar in Form der Büste Karls des Großen, in dem dessen Schädeldecke als Reliquie verwahrt wird (2015).

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  • Das französische Armreliquiar Karls des Großen von 1481 mit einer knöchernen Reliquie des Herrschers in der Aachener Domschatzkammer (2015).

    Das französische Armreliquiar Karls des Großen von 1481 mit einer knöchernen Reliquie des Herrschers in der Aachener Domschatzkammer (2015).

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  • Der Aachener Dom vom nördlich gelegenen Katschhof aus gesehen (2010).

    Der Aachener Dom vom nördlich gelegenen Katschhof aus gesehen (2010).

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Pilgerspuren
Am Aachener Dom haben sich drei Verehrungstraditionen herausgebildet, die Verehrung der Gottesmutter in einem romanischen und einem gotischen Gnadenbild, die Verehrung Karls des Großen, der hier begraben liegt, und vor allem die Aachener Heiligtumsfahrt zu den vier Textilreliquien, die bereits zentraler Bestandteil des auf Karl zurückgehenden Reliquienschatzes waren. Ein erster Hinweis auf den Schatz findet sich in den zwischen 800 und 814 entstandenen Aufzeichnungen von Angilbert, dem Schwiegersohn Karls. Zwischen 1220 und 1238 entstand der Marienschrein zur Aufnahme der Textilreliquien, des Kleides der Gottesmutter aus der Heiligen Nacht, den Windeln Jesu, dem Enthauptungstuch Johannes des Täufers und dem Lendentuch des gekreuzigten Christus. Zu den vier großen Heiligtümern gesellten sich die drei weniger beachteten kleinen, die Gürtel Mariens und Christi sowie der Geißelstrick der Passion.

1312 war erstmals von einer Heiligtumsfahrt zu diesen Reliquien die Rede. Seit 1349 ist – bezugnehmend auf das alttestamentliche Sabbatjahr - der bis heute beibehaltene Rhythmus von sieben Jahren belegt. Traditioneller Termin war der Zeitraum vom 10. bis zum 24. Juli, in dem die Reliquien im Anschluss an eine Morgenmesse den Gläubigen gewiesen wurden. Aachen entwickelte sich durch die Weisungen zu einem internationalen Pilgerzentrum mit einem Einzugsbereich aus ganz Deutschland, Nord- und Westeuropa, Böhmen und der Wojwodina. Eine Besonderheit bildete die regelmäßige Pilgerfahrt von großen Gruppen aus Ungarn und den habsburgischen Ländern, die auf wirtschaftliche Beziehungen zurückzuführen ist und bis zum Verbot der Fernwallfahrten 1775/76 durch Kaiser Joseph II. beibehalten wurde. Aus bürgerlichen Testamenten der norddeutschen Hansestädte, Verurteilungen zu Sühneleistungen und Berichten einzelner Pilger erfahren wir von dem hohen Zulauf, der Aachen im Spätmittelalter in die erste Reihe der europäischen Pilgerorte katapultierte. 1496 sollen 142.000 Pilger an den Stadttoren gezählt worden sein.

Unterkunft fanden die Pilger in Privathäusern wie in Hospitälern. Eine der ältesten Einrichtungen ist das Ende des 13. Jahrhunderts gegründete Blasiushospital am Hof. 1336 entstand ein weiteres am Radermarkt. 1435 wurde in der Kleinmarschierstraße ein Hos-pital zu Ehren des heiligen Jakobus des Älteren eröffnet. Es weist auf die zahlreichen Santiagopilger hin, die ihren Weg über Aachen gewählt haben.

Baugeschichte
Um das Jahr 795 begann der fränkische König und spätere Kaiser Karl der Große die mit der Errichtung der Pfalzkapelle, die einer legendarischen Überlieferung zufolge im Jahre 805 von Papst Leo III. geweiht wurde. Wenige Jahre nach der Königskrönung Karls IV., bei der sich der Chor als zu klein erwiesen hatte, begann man im Jahre 1355 mit der Errichtung eines hohen, einschiffigen Saalchores, dessen Weihe im Jahre 1414 anlässlich des 600. Todestages von Karl dem Großen erfolgte. Zur Zeit ihrer Errichtung wie im Laufe des 15. Jahrhunderts erfolgte die Anfügung weiterer Anbauten an das Oktogon, spätgotischer Kapellenbauten, die oftmals von einer bestimmten Pilgernation finanziert wurden, so die Ungarnkapelle an der Südwestseite.

Baubeschreibung
Der Aachener Dom ging aus der karolingischen Pfalzkapelle hervor, die Kaiser Karl der Große ab circa 795 im Zuge des Ausbaus seiner Pfalz errichten ließ. Vom nördlich an-grenzenden Katschhof lassen sich die drei wichtigsten Bauteile, aus denen sich die Kathedrale zusammensetzt, gut erkennen. Im Zentrum der Achteckbau der Pfalzkapelle mit seiner barocken Kuppel, rechts davon der hohe Westturm, dessen untere Geschosse ebenfalls karolingisch sind, und links der hohe spätgotische Saalchor, der zwischen 1355 und 1414 auf Beschluss des Stiftskapitels geschaffen wurde, um mehr Platz für den Pilgerverkehr zu schaffen. Westbau und Oktogon werden durch eine Brücke verbunden, von der, ebenso wie von den Galerien am Westturm, die Reliquien aus dem Marienschrein den Pilgern gewiesen werden konnten. Um das Oktogon gruppieren sich fünf Kapellenanbauten, die teilweise einzelnen Pilgergruppen dienten, so die Ungarnkapelle im Südwesten, an der dem Katschhof gegenüberliegenden Seite. Das Oktogon, das den Innenraum dominiert, tritt durch die vielen Anbauten im äußeren Erscheinungsbild sehr zurück.

Der Zugang zum Dom erfolgt durch den Westbau im Untergeschoss des Turmes, wo in einem barocken Vorbau die Bronzetüren des späten 9. Jahrhundert noch in Benutzung sind. Das Oktogon enthält einen hohen achteckigen Innenraum, der von einem Kloster-gewölbe abgeschlossen und von zwei Umgangsgeschossen umgeben wird. Über Arkaden auf schweren, abgewinkelten Pfeilern erheben sich zwei Geschosse mit hohen Rundbögen, in die jeweils zwei Säulen mit zumeist aus römischer Zeit wiederverwendeten Schäften eingestellt sind. Damit knüpfte Karl als Bauherr an das römische Kaiserreich an und griff im Besonderen die Architektur der Hofkirche San Vitale in Ravenna, einem im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian errichteten Bau, auf.

Ausstattung
Auf der Empore des westlichen Joches befindet sich der Marmorthron Karls des Großen, von dem sich dem Kaiser ein freier Blick auf den Zelebrationsaltar bot. Seit Otto I. wurde der Thron durch den Ritus der Thronsetzung in das Zeremoniell der Königskrönung einbezogen. Er war aber auch Gegenstand einer Karlsverehrung durch die Pilger, die unter dem Thron hindurch kriechen konnten. Dem Thron gegenüber öffnet sich das Oktogon zu dem spätgotischen Chor mit seinen hohen Glasfenstern, in dem der Marienschrein mit den Textilreliquien und der Karlsschrein mit den Gebeinen Karls des Großen Aufstellung gefunden haben. Auf den Dachflächen des 1215 vollendeten Karlsschreines sind die Begebenheiten aus dem vierten Buch des Liber Sancti Jacobi dargestellt, in dem der legendäre Feldzug Karls zur Befreiung des Jakobusgrabes in Santiago de Compostela aus der Hand der Mauren geschildert wird. Nach Aussage des Liber Sancti Jacobi hat dieser Feld-zug den Ausschlag zur Rettung von Karls Seelenfrieden gegeben und letztendlich zu seiner 1165 erfolgten Heiligsprechung geführt.

Zahlreiche weitere bedeutende Ausstattungsstücke sind im Dom vorhanden. Viele von ihnen gehen auf Stiftungen der hier gekrönten Könige zurück, so das goldene Altarante-pendium von Otto III., die goldene Kanzel Heinrichs II., von der auch heute noch zu festlichen Gottesdiensten das Evangelium gelesen wird, und der das zwölftorige Jerusalem symbolisierende Leuchter im Oktogon, eine Schenkung von Kaiser Friedrich I. Barbarossa.

(Christoph Kühn, im Auftrag des LVR-Fachbereichs Umwelt, 2012 / Überarbeitungen von Dr. Ulrike Heckner, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2013)

Literatur

Landschaftsverband Rheinland; Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft (Hrsg.) (2009)
Jakobswege. Wege der Jakobspilger im Rheinland, Band 1: In 8 Etappen von Wuppertal-Beyenburg über Köln nach Aachen/Belgien (4. Auflage). Köln.

Pilgerspuren am Aachener Dom

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Domhof 1
Ort
52062 Aachen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 790 bis 1780
Koordinate WGS84
50° 46′ 29,12″ N, 6° 05′ 2,01″ O / 50.77476°, 6.08389°
Koordinate UTM
32U 294406.44 5628831.99
Koordinate Gauss/Krüger
2505961.55 5626592.43

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„Pilgerspuren am Aachener Dom”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-59873-20130129-2 (Abgerufen: 27. Mai 2018)
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