Braunkohlesandstein-Findling „Teufelsstein“

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Schermbeck
Kreis(e): Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Der Teufelstein liegt südwestlich des Dämmerwaldes und nordöstlich der Kolonie Lühlerheim. Der mitten auf einer Wiese liegende Findling ist mehr als eine Million Jahre alt und ein bekanntes Naturdenkmal. Der aus Braunkohlesandstein bestehende Felsblock ist 2,05 Meter hoch und misst 2,7 Meter in der Länge und 1,3 Meter in der Breite. Es ist ungeklärt, wie der Stein an seinen jetzigen Ort gelangt ist.
Der Sage nach soll der Teufel den Stein von den Testerbergen südlich der Lippe gen Norden geschleudert haben, um den entstehenden Klosterbau in Marienthal oder aber die neue Kirche in Drevenack zu zerstören. Seine Krallen hinterließen die Löcher in den Seiten des Steins.

(Bernward Selter, Münster, 2013)


Steinerne Zeugen der Schermbecker Geschichte
Teil 9: Der Teufelsstein in Weselerwald: „Der Teufel soll`s gewesen sein“

An der Malberger Straße, die am südlichen Rand des Dämmerwaldes vorbeiführt und die zahllosen Wochenenderholern als Fahrradroute auf ihrem Weg von Damm nach Marienthal oder zum Voshövel dient, weisen zwischen der Marienthaler Straße und dem Wachtenbrinker Weg ein Parkplatz und eine kleine Stichstraße mit dem Namen „Zum Teufelsstein“ auf ein einzigartiges Naturdenkmal innerhalb der Gemeinde Schermbeck hin.
Folgt man dem Weg, der als Zufahrt zum Hof Itjeshorst dient, so steht man nach etwa 200 Metern vor einem übermannshohen Stein, dessen Größe und merkwürdige Oberflächenstruktur sich deutlich abheben von dem Aussehen anderer Gesteine, die in Tongruben und Baggerlöchern des Schermbecker Raumes gefunden wurden.

Da die Tafel mit dem erläuternden Text den früheren Standort des Steines verschweigt, glaubt der Wanderer, hier vor einem Naturdenkmal zu stehen, das seit den Tagen seiner Entstehung kaum verändert worden ist. Der Schein trügt, denn weder die Steinhöhe noch der Standort stimmen mit den Beschreibungen überein, die uns aus früheren Jahrzehnten bekannt sind.
„Im Sommer, wenn die Wiesenblumen blühen und die Rispen und Ähren wogen, ist er kaum mehr zu sehen“, so beschrieben Erich Bockemühl und Gustav Olms im Jahre 1930 den Teufelsstein, der damals noch einige hundert Meter entfernt in einer Wiese lag und offensichtlich langsam im Erdboden verschwand. Von den Waldarbeitern, denen der Heimatforscher Hugo Otto in den 1890er-Jahren bei den Rodungsarbeiten zusah, erfuhr Otto, dass der Stein früher einmal wesentlich höher aus der Erde herausragte. Der Weseler Ferdinand Köhler erinnerte im Jahre 1969 an einen Schulausflug im Jahre 1919. Damals sei der Stein so groß gewesen wie seine achtjährigen Klassenkameraden.
Zwischen 1919 und 1935 muss der Stein relativ schnell abgesackt sein, denn als Adele Itjeshorst, Else Buschmann und Hilde Holloh im Jahre 1935 dem Fotografen für ein Foto Modell standen, war der Stein bis auf etwa 60 Zentimeter im Boden versackt.

Um den Stein ranken sich Sagen. Die wohl ausführlichste Deutung hat Johannes Tidden in den Jahren 1909/1910 gegeben. Danach hat der Ritter Sueder von Ringenberg im 13. Jahrhundert den Augustinern auf Drängen des Bischofs von Münster Grund und Boden zur Errichtung eines Klosters abgetreten. Der jagdfreudige Ritter musste nicht nur feststellen, dass die Mönche einen der schönsten Teile des Jagdreviers ausgesucht hatten. Er wurde auch eines Tages von einem fahrenden Boten, der sich bald als Teufel entpuppte, auf einen Jagdfrevel der Mönche aufmerksam gemacht. Aus Zorn über so wenig Waidmannssitte schloss der Ritter mit dem Teufel einen Vertrag, worauf ihm der Ritter seine Seele in Aussicht stellte.
Am Tag der Klostereinweihung soll der Teufel auf den hohen Bergen des Ruhrtales einen mächtigen Felsblock ergriffen haben. Auf dem Flug durch die Lüfte nach Marienthal sollen Nebel der Lippetalung dem Teufel die Sicht versperrt haben. Er hörte zwar Glockengeläut und Gesänge der feiernden Menschen, konnte sie aber nicht ausmachen. Aus Zorn habe der Teufel daraufhin den Stein einfach abgeworfen. So sei er in Weselerwald liegen geblieben.

Während Tidden den Teufelsstein dem Bau des Klosters Marienthal zuschreibt, nehmen andere Erzähler den Bau der Drevenacker Kirche zum Anlass für die Wut des Teufels. „Man sagt“, schreibt der Drevenacker Dichter Erich Bockemühl, „der Teufel habe ihn von den Testerbergen jenseits der Lippe dorthin geworfen. Man könne noch deutlich die Höhlungen sehen, die durch das Zupacken mit seinen Krallen entstanden sind.“

Um wie viel nüchterner klingt die Herkunftsdeutung in den geologischen Publikationen. Bereits 1887 beschrieb der Münsteraner Professor Hosius die Fazies des Weselerwalder Teufelssteines. Er und der Geologe Hugo Döbling beschrieben den Stein als Tertiärquarziten. Die Quarzite sind danach aus Sanden entstanden, die in der Tertiärzeit während einer weit nach Süden greifenden Meeresüberflutung abgelagert wurden. Die in der Sage auf Teufelskrallen zurückgeführten Einkerbungen deuten die Wissenschaftler recht einleuchtend: Wurzeln, die während der Verhärtung des Gesteinsmaterials eingeschlossen wurden, seien später an der Oberfläche verwest und hätten dann Hohlräume hinterlassen.
Der Teufelstein lag bis Ende der 1960er-Jahre einige hundert Meter weiter entfernt in einer Wiese und drohte dort zu versinken. 1969 hat die Weseler Firma Landers den Stein mit schweren Gerätschaften aus der Erde gezogen und an seinen jetzigen Platz gebracht.

(Helmut Scheffler, 2014 / mit freundlicher Genehmigung)

Internet
www.sagenhaftes-ruhrgebiet.de: Der Teufelstein (abgerufen 17.12.2013)

Literatur

Kreis Wesel (Hrsg.) (2004)
Landschaftsplan des Kreises Wesel. Raum Hünxe/Schermbeck. Wesel. Online verfügbar: http://www.kreis-wesel.de/lp/digitaler_Landschaftsplan/lp_hs/html/landschaftsplan.html, abgerufen am 17.12.2013

Braunkohlesandstein-Findling „Teufelsstein“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Zum Teufelsstein
Ort
46514 Schermbeck
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Koordinate WGS84
51° 42′ 44,69″ N, 6° 45′ 34,05″ O / 51.71241°, 6.75946°
Koordinate UTM
32U 345211.09 5731428.94
Koordinate Gauss/Krüger
2552534.23 5731178.81

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„Braunkohlesandstein-Findling „Teufelsstein“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-82177-20131217-2 (Abgerufen: 23. Mai 2018)
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