Stiftskirche Sankt Castor in Karden

heute katholische Pfarrkirche St. Castor, Kardener Dom

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Treis-Karden
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 11′ 1,08″ N: 7° 18′ 4,74″ O 50,18363°N: 7,30132°O
Koordinate UTM 32.378.727,80 m: 5.560.429,28 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.592.985,43 m: 5.561.645,33 m
  • Die einstige Stiftskirche Sankt Castor und heutige Pfarrkirche von Karden (2022).

    Die einstige Stiftskirche Sankt Castor und heutige Pfarrkirche von Karden (2022).

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  • Blick auf die Südseite der einstigen Stiftskirche Sankt Castor und heutigen Pfarrkirche von Karden (2020).

    Blick auf die Südseite der einstigen Stiftskirche Sankt Castor und heutigen Pfarrkirche von Karden (2020).

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  • Taufbecken in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Taufbecken in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Flügelaltarretabel der Gebrüder Cuno und Georg Broy aus dem 16. Jahrhundert in der Kreuzgangkapelle von St. Castor in Karden (2010)

    Flügelaltarretabel der Gebrüder Cuno und Georg Broy aus dem 16. Jahrhundert in der Kreuzgangkapelle von St. Castor in Karden (2010)

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  • Eingangstür zur Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Eingangstür zur Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Johannesaltar in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Johannesaltar in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Die Kanzel in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Die Kanzel in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Die Krypta in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Die Krypta in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Marienfahne und Marienstatue in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Marienfahne und Marienstatue in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Tafelbild vom Salzwunder in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Tafelbild vom Salzwunder in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Statuette der Anna selbdritt in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Statuette der Anna selbdritt in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Stephanusaltar in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Stephanusaltar in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Blick auf die Stiftskirche St. Castor in Karden vom Lindenplatz aus (2010)

    Blick auf die Stiftskirche St. Castor in Karden vom Lindenplatz aus (2010)

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  • Blick auf den Chor der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Blick auf den Chor der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Der Castorschrein mit den Gebeinen des Heiligen in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Der Castorschrein mit den Gebeinen des Heiligen in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Skulptur des Hl. Sankt Castor auf dem Lindenplatz vor der Stiftskirche in Karden (2010)

    Skulptur des Hl. Sankt Castor auf dem Lindenplatz vor der Stiftskirche in Karden (2010)

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  • Flügelaltarretabel der Gebrüder Cuno und Georg Broy aus dem 16. Jahrhundert in der Kreuzgangkapelle von St. Castor in Karden (2010)

    Flügelaltarretabel der Gebrüder Cuno und Georg Broy aus dem 16. Jahrhundert in der Kreuzgangkapelle von St. Castor in Karden (2010)

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  • Wandtabernakel in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

    Wandtabernakel in der Stiftskirche St. Castor in Karden (2010)

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  • Skulpturengruppe Grablegung Christi in der Stiftskirche Sankt Castor in Karden (2023)

    Skulpturengruppe Grablegung Christi in der Stiftskirche Sankt Castor in Karden (2023)

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Unübersehbar beherrscht heute noch die ehemalige Stifts- und jetzige Pfarrkirche St. Castor mit ihren mächtigen Türmen das Bild Kardens, des heutigen Ortsteils der Doppelgemeinde Treis-Karden. Zwischen Trier und Koblenz ist die einstige Siftskirche die älteste Kirche an der Mosel.
Im Jahre 1183 begann für Chor mit Apsis, Flankentürmen und Querhaus, welche im romanischen Stil gehalten sind, der erste Bauabschnitt. Die Kirche, die von der Bevölkerung liebevoll „Kardener Dom“ genannt wird, wurde auf den Fundamenten einer karolingischen Kirche errichtet. Das Langhaus mit dem Hauptschiff und die niedrigen Seitenschiffe zeigen schon die ersten frühen Merkmale der beginnenden Gotik. Der älteste Teil ist der Westturm mit seinen teilweise 1,20 Meter starken Umfassungsmauern. In Bruchstein verputzt, fügt er sich mit seinen sechs Geschossen in die Turmtrilogie der Kirche ein. Offen nach allen Seiten befinden sich über Pilastern rundbogige Schallfenster der Glockenstube, in der ein vierstimmiges klangvolles Geläut mit einem Gesamtgewicht von über drei Tonnen untergebracht ist. Über der Glockenstube wurde im Jahre 1699 vom kurtrierischen Hofbaumeister Johann Christophorus Sebastiani (1640-1704), der Westturm mit Holzgesims um zwei Geschosse erhöht. Dabei erhielt er einen barocken Helm mit Laterne, dessen Spitze kein Wetterhahn, sondern symbolhaft der Stern der Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland ziert.

Portaltüre aus Zirbelkieferholz
Innenraum und -ausstattung
Dreikönigsaltar und -retabel
Bildprogramm und Deutung des Altarretabels
Wandtabernakel
Bildprogramm und Deutung des Tabernakels
Reliquienschrein des Heiligen Castors
Bildprogramm und Deutung des Reliquienschreins
Nutzung des Reliquienschreins
Gemälde „Der wahre Weinstock“
Bildprogramm und Deutung des Gemäldes
Barockkanzel
Bildprogramm und Deutung der Kanzel
Stephanusaltar
Bildprogramm und Deutung des Stephanusaltars
Johannesaltar
Bildprogramm und Deutung des Johannesaltars
Skulpturengruppe Grablegung Christi
Bildprogramm und Deutung der Skulpturengruppe
Spätromanischer Taufstein
Legende vom Taufstein und der Rettung der Stiftskirche
Fahnen der Stiftskirche St. Castor
Castor-Fahne
Rochus-Fahne
Cäcilien-Fahne
Kulturdenkmal
Quellen/Internet

Portaltüre aus Zirbelkieferholz
Schützend wie ein Burgtor zeigt sich die rustikale Kirchentür des romanischen Außenportals auf der Südseite der ehemaligen Stiftskirche St. Castor zu Karden. Mit über 30 grobgeschaffenen horizontalen Eisenbändern, deren Enden gespalten und zur einer Lilienform ausgeschmiedet sind, präsentiert sich die Tür aus einem jahrhundertealten Zirbelkieferholz. Im Giebelsturz aus Basalt, in dem der Steinmetz ein Kreuz mit Blätterrosetten eingemeißelt hat, findet sich die Stelle, an der einst das Weihkreuz bei der Kirchweih aufgelegt wurde. Heute noch findet der Betrachter der uralten ausgewaschenen Kirchentür ein Schlossschild, dessen Schlüsselloch für einen mächtigen Schlüssel mit einem Bartmaß von 80 Millimeter ausweist. Hier zeigt sich der gefertigte Türbeschlag, in einer Rückbesinnung auf den gotischen Stil, der jedoch in der Gotik einen Türzieher nicht kennt. Dennoch, im kirchlichen Asylrecht spielte einst der Türzieher eine rechtliche Rolle. Seit dem Jahre 1059 wurde die Schutzzone auf einen bestimmten Radius um das Kirchenportal erweitert. So gab es auch den verbreiteten Brauch, dass der Türzieher zu einem „Gnadenring“ wurde. Erreichte ein Verfolgter diesen „Gnadenring“ und er konnte sich an diesem festmachen, dann durfte er von keiner weltlichen Obrigkeit mehr verhaftet werden. Der Verfolgte hatte dadurch einen zeitlichen Gewinn und hatte die Hoffnung, einen fairen Prozess zu bekommen. Ob sich solch ein Vorgang jemals an dem Portal der Stiftskirche ereignete, ist unbekannt. (Wackenroder 1959; Langenbeck / Schrader o.J.; Höfling 2011)
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Innenraum und -ausstattung
Das Kircheninnere der Stiftskirche Karden entspricht in seiner Ausmalung den Farben und Ornamenten der Bauzeit. Spätromanische und frühgotische Raumteile fügen sich zu einer optischen Einheit zusammen.

Dreikönigsaltar und -retabel
Das Terrakottaretabel, der Hochaltar zu Ehren der Heiligen Drei Könige, ist ein Kunstwerk ersten Ranges. Sicherlich aus heimischem Ton gebrannt, der in römischer Zeit im Vicus Cardena, im ehemaligen Töpferdorf Karden, seine Verwendung fand. Mit einer Höhe von 1,58 Meter, einer Breite von 2,74 Meter und mit einer Tiefe von 66 Zentimeter, ist er der größte, der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Altäre mit Tonplastik in Deutschland. In meisterlicher Darstellung zeigt die Figurengruppe die Huldigung der Weisen aus dem Morgenland, die dem Kinde von Bethlehem Gold, Weihrauch und Myrrhe schenken. Besonders ungewöhnlich für eine Anbetungsszene der Heiligen Drei Könige sind die sonst nicht üblichen Begleitfiguren der Apostel Petrus und Paulus.

Bildprogramm und Deutung des Altarretabels
Die Gründe und Umstände der Entstehung des Retabels aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts liegen leider im Schatten der Vergangenheit. Weder schriftliche Dokumente, noch Inschriften geben erhellende Auskunft. In einer Magisterarbeit von Claudia Hermes aus Rheinbach wird zur theologischen Konzeption des Kardener Dreikönigsaltar der große abendländische Denker Nikolaus von Kues (1401-1464) in Betracht gezogen, der in seiner Biographie als Theologe, Philosoph, Rechtsgelehrter, Naturwissenschaftler, Kurienkardinal, Bischof von Brixen und später als Generalvikar der Stadt Rom genannt wird. Durch Kues Aufenthalt bei seinem theologischen Studium in Köln, findet Hermes in Bezug auf die Kölner Dreikönigsverehrung einen möglichen Zusammenhang. Zudem war Nikolaus von Kues 16 Jahre (1430-1446), mit den Pfründen eines Kanonikats ausgestattet, Stiftsherr im Kollegiatstift Sankt Castoris in Cardona, im heutigen Karden. Auch gab es darüber hinaus Kölner Kleriker, die im Herrenstift zu Karden ein Amt innehatten. So liegt nahe, dass die Dreikönigsverehrung in der Stiftskirche auch von diesen gefördert wurde. Es kann auch vermutet werden, dass Nikolaus von Kues Anregungen für die Konzeption des während seiner Amtszeit in Karden entstanden Retabels gegeben hat. Der Bürgersohn aus dem Moselland hat somit vielleicht durch seine Mitförderung ein sichtbares Erbe bis in die heutige Zeit auch im „Kardener Dom“ hinterlassen. (Hermes 1996; Ferdinand 1986; Gestrich 1993)
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Wandtabernakel
Mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ließen die Kardener Stiftsherren in ihrer Kirche einen Wandtabernakel in der Sakramentsnische einer alten Pfeilervorlage der nördlichen Chorwand einbauen. Ob das alte Tabernakel durch Ausplünderung oder Zerstörung in den Kriegsereignissen zu Schaden kam, vermag keiner mehr zu sagen. Aufzeichnungen über das alte Tabernakel der Stiftskirche St. Castor liegen heute nicht mehr vor. Trotz unruhiger Zeiten ließ das Stift im Jahr 1634 ein völlig neues Wandtabernakel bauen, dass seit dieser Zeit in Benutzung ist und somit bis heute seinen sakralen Dienst erfüllt und ungebrochene Beachtung bei den Kunsthistorikern findet. Wie die Inschrift auf der Sockelkartusche kundtut, wurde das Tabernakel von dem Kanoniker Johann Gemer gestiftet. Dieser erhielt als junger Student ein frei gewordenes Adelskanonikat im Herrenstift zu Karden. Der Nachwelt ist überliefert, dass das 2,26 Meter hohe und 1,25 Meter breite Tabernakel, welches in einer flachen Architektur angelegt ist, nur mit besonderer päpstlicher Erlaubnis gebaut werden konnte.

Bildprogramm und Deutung des Tabernakels
In alttestamentarischer Parallele flankieren neben den Marmorsäulen links und rechts, aus Kalkstein gefertigt, als Assistenzfiguren auf Podesten, zwei farbig gefasste Priestergestalten: Melchisedek mit drei Broten und einer Weinkanne in Händen, sowie Aron mit einem Räucherfass. Über der rundbogigen Tür, in ornamentaler, strahlenförmiger Verzierung bemalt, wird in einem Hochrelief die Darstellung des letzten Abendmahles mit der Überschrift: Ecce panis angelorum (Seht das Brot, die Engelsspeise) präsentiert. Den Abschluss des wunderschönen Sakramentshauses bildet die Bekrönung mit dem Wappenschild des Stifters, über das zwei kniende Engel eine Monstranz in Händen halten. Die Hausmarke der Familie Gemer, zwei gekreuzte Pfeile mit Spitze nach unten, ist auch auf einer Grabplatte mit zwei Namensmonogrammen in dereinstiger Stiftskirche zu finden. Der Stifter selbst begleitete 36 Jahre das Amt des Kantors im Herrenstift. Er bewohnte seit 1615 ein eigenes Haus im Immunitätsbereich des Stiftes. Nach seinem Tod, er starb am 7. Oktober 1670 als Jubilarpriester und Senior des Kapitels, fand er in der Stiftskirche seine letzte Ruhestätte. (Wackenroder 1984; Ferdinand 1986)
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Reliquienschrein des Heiligen Castors
Unter den zahlreichen Kunstschätzen, die die Kardener Stiftskirche birgt, reiht sich auch der aus Tannenholz geschnitzte gotische Castorschrein aus dem 15. Jahrhundert ein. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt der Reliquienschrein eine stilgerechte Wiederherstellung. Geschützt in einer eisengeschmiedeten Tumba, die 1954 von dem Schmiedemeister Felix Vallendar in Karden gefertigt wurde, steht der Schrein in einer romanischen Seitenkapelle, im nördlichen Chorflankenturm. Auf dem Satteldach des Schreins mit eiserner Kammbekrönung sind die Symbole der Evangelisten aufgemalt. Diese sind durch Spruchbänder bezeichnet in Ranken integriert. Auf den freien Flächen der Längsseiten, unter Dreipässen auf goldfarbigen Hintergrund, sind je drei Apostelfiguren in Temperamalerei zu sehen, die einer niederrheinische Malerschule zugeordnet werden.

Bildprogramm und Deutung des Reliquienschreins
Die geschnitzten Figuren der Kielbogenflächen stellen sich in einer derben und in einer gedrungenen Form dar. Auf der Vorderseite des Schreins sieht man im Hochrelief die Gottesmutter Maria mit Kind, auf der Rückseite, thronend und segnend Christus, an welcher Stelle sich die Tür mit einem gotischen Schloss befindet. Hier soll sicherlich an sein Wort erinnert werden: Ich bin die Tür. Seitlich befinden sich in figürlicher Darstellung der Apostelfürst Petrus und der Kardener Pfarrpatron St. Castor mit der Stiftskirche und mit einem Palmzweig, als Kennzeichen des Sieges und ewigen Lebens in Händen.

Nutzung des Reliquienschreins
Am Festtag des heiligen Castor, am 13. Februar, wird in einer feierlichen Prozession in der Stiftskirche der Schrein mit den Reliquien des Heiligen, von Männern durch die Reihen der Gläubigen getragen. Eine Notiz aus dem Jahre 1790 berichtet, dass die Kirchgänger einst am Castorfest, mit gebeugtem Haupt unter dem hochgehaltenen Schrein gingen. Es wurde somit unter den „Kasten geschlupft“. Diese Art der Heiligenverehrung fand im Laufe der Zeit keine Zustimmung der kirchlichen Obrigkeit und wurde untersagt. Leider enthält der Schrein heute nur noch wenige kleine Teile der Reliquien des Heiligen. Als im Jahre 838, Erzbischof Hetti (814-847) und Kaiser Ludwig der Fromme (778-840, regierte ab 781) eine St. Castorkirche in Koblenz erbaut hatten, wurden größere Teile der Castorreliquien, sowie auch sein Haupt von Karden nach Koblenz gebracht. Unter den verbliebenen Teilen in Karden, wird ein Arm des Heiligen erwähnt. Für diesen Arm wurde der Kardener Schrein geschaffen. So erhielt im Jahre 1776, aus einem silbernen Armreliquiar der Kardener Stiftskirche, die frühere Filialkirche St. Castor zu Forst in der Eifel einen Reliquienpartikel. Zwei Jahre später unterschrieb Greorgius Becker, der Hüter der Reliquien des Kardener Herrenstiftes, eine Urkunde, die bekannt gibt, dass ein Teilchen der Armreliquien der Castorkirche in Weiler bei Mayen geschenkt worden ist. In den Wirren der Französischen Revolution wurden die Reliquien sicherlich entfernt, so dass der Reliquienschrein beim Eintreffen der Revolutionstruppen in Karden leer war. Es wird angenommen, dass die Stiftsherren die Armreliquie, die bis heute nicht gefunden wurde, vor Plünderung gut versteckt haben. Viele Wandnischen wurden nach Aussagen des ehemaligen Pfarrherrn Dechant Franz Brühl bei der Ausmalung der Kirche abgeklopft und geöffnet, aber nirgendwo gab es eine Spur von den Reliquien. Anfang des 19. Jahrhunderts bekam die Kardener Pfarrei drei kleine Teile der Castorreliquie von Koblenz zurückgeschenkt, die nun in einem kleineren, gefertigten Holzschrein ruhen und im großen Schrein untergebracht sind. Um den Reliquienschrein stehen im Castor-Kapellchen Gedenkleuchter, der in Karden geborenen Priester und Ordensleute. Die Kerzen der Leuchter sollen symbolisch brennen, um „Das Licht des Glaubens leuchten zu lassen“ und gleichzeitig das Andenken an den heiligen Castor nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. (Wackenroder 1984; Bistumszeitung 1963; Rheinzeitung vom 11.02.2000)
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Gemälde „Der wahre Weinstock“
Als versteckte Kostbarkeit hängt in der Kirche St. Castor zu Karden ein Gemälde mit dem Thema Christus am Kreuz, als mystischer Weinstock, aus dem 17. Jahrhundert. Dieses führte Jahrzehnte lang auf dem Kirchenspeicher ein Schattendasein und wurde im Jahr 1956 „wiederentdeckt“.

Bildprogramm und Deutung des Gemäldes
Das Bild nimmt einen großen Kruzifix im gotischen Stil ein, von dem ein Spruchband ausgeht: ( ICH )BIN DER WAHRE WEINSTOCK UND MEIN VATTER IST DER ACKERMANN UND IR SEIDT DIE WEINREBEN; BLEIBT IR IN MIR; SO BRENGT IR VIL FRU(HT). Rechts und Links vom Kreuz gehen zwei übergroße Weinranken ab. Darin sind in allegorischer Darstellung in farbigen Bildern, die zwölf Apostel in Halbfigur und lebhafter Gebärde mit ihren Attributen zu sehen.
Neben dem Kreuzstamm stehen im roten Mantel Gottvater, grabend mit einem Karst in Händen, rechts die Gottesmutter Maria im blauen Gewand aus einer Kanne gießend. Links sind der hl. Franziskus und die hl. Klara, rechts der hl. Dominikus und die hl. Gertrud von Nivelles dargestellt. Hinter den Figuren Gottvaters und Mariens schwebt ein Spruchband: DER VATTER MACHT LEBE(N)DICH; MARIA MACHT FRUCHTBAR.

Barockkanzel
Mit der Auflösung des Kollegiatstifts St. Castoris in Cardona, kam mit der Säkularisation die einst sicherlich wertvolle Kanzel der Stiftskirche unter den Hammer. So entschloss man sich, für die kunstvolle Kardener Kirche eine fremde Kanzel zu erwerben. Aber die Kanzel aus der Zeit der Neugotik war zu stillos und wirkte wie ein Fremdkörper. Per Zufall erfuhr der damalige Pfarrherr von St. Castor, Dechant Brühl, dass die Pfarrei Dahnen in der hohen Eifel nahe der luxemburgischen Grenze ihre Barockkanzel verkaufen wollte. Im Zweiten Weltkrieg wurde Dahnen zerstört. Die Kirche stand nur noch in Resten und die Barockkanzel lag unter dem Trümmerschutt. Es wurde eine neue Kirche gebaut und die alte Kanzel passte nicht mehr. So konnte die katholische Pfarrgemeinde Karden sie für ihre Stiftskirche erwerben. Es war aber noch viel zu tun. In langer Arbeit hatte Carl Port aus Münstermaifeld ein ganzes Jahr an der Restaurierung zugebracht, bis sie endlich in der Kirche stand. Die Kanzel von 1713 steht nun seit 1957 in der über 800-jährigen alten Stiftskirche zu Karden.
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Bildprogramm und Deutung der Kanzel
Besonders passend ist die Farbgebung. Über die Kanzelbrüstung sind Engelköpfe geschnitzt. Reiches Schnitzwerk umgibt den Körper und die Treppenwand. Die Figuren der vier Evangelisten sind in den Formen des Hochbarocks geschaffen, dagegen ist die Figur des Stützengels im grobem Bauernbarock gefertigt. Die einst zu der Kanzel gehörigen alten Barockfiguren sind verloren gegangen. Etwa um das Jahr 1910 hatte man moderne Barockfiguren schnitzen lassen und diese als Ersatz an der Kanzel angebracht. Diese Figuren wurden in den letzten Kriegstagen stark beschädigt. Dechant Wilhelm Rodermann, einstiger Pfarrherr von St. Castor, ließ nach den alten Plastiken Ersatzfiguren gießen und diese farbig fassen. Die Kanzel steht heute in alter Pracht, wenn auch von ihr aus nur noch selten das Wort Gottes verkündet wird. Dennoch bezeugt sie nach fast 300 Jahren mit Weltkugel und Triumphkreuz auf ihrem Schalldeckel die Botschaft: Christus der Gekreuzigte ist auferstanden.

Stephanusaltar
Die Kardener Stiftsherren des einstigen Kollegiatstifts Sankt Castoris hatten einen starken Bezug zur Weihnachtsgeschichte. Schon der Dreikönigsaltarschrein aus Terrakotta im Chorraum gibt davon Zeugnis. Beim Betreten der Kirche fällt der Blick zuerst auf den „Stephanusaltar“ im südlichen Seitenschiff. Hier hat ein Meister der Bildhauerkunst, der vielleicht der Trierer Hoffmannsschule zuzuordnen ist, ein weihnachtliches Relief unter dem Hauptbild des Renaissancealtarüberbaues aus dem Jahre 1628 in den Formen des Frühbarocks geschaffen. Der Altar selbst wurde schon 1295 durch Bischof Emmanuel von Cremona (Geburtsdatum unbekannt-1298) zu Ehren des Erzmärtyrers Stephanus geweiht. Dieser fand als Blutzeuge der Christenheit und Diakon und einer der ersten Märtyrer seinen Tod durch Steinigung um 40 nach Christus als erster Märtyrer und Blutzeuge der Christenheit. Das Namensfest des Heiligen, dessen Tod am zweiten Weihnachtstag gefeiert wird, ist so alt wie das Weihnachtsfest in der römischen Kirche selbst.

Bildprogramm und Deutung des Stephanusaltars
So steht die dargestellte Märtyrerszene, die das Mittelfeld des Altaraufbaues dominiert, im krassen Gegensatz zur Weihnachtsgeschichte. Mit der Anbetung der Hirten, denen zuerst das Weihnachtsgeheimnis offenbart wurde, schuf der unbekannte Meister eine in Tuffstein geschlagene „Heilige Nacht“. Zwei Brüder, die als Dekan und Scholaster (Lehrer) dem Herrenstift vorstanden, stifteten diesen Altaraufbau. Eine Grabplatte in der Kirche zeugt heute noch davon, dass Johann Mertloch (gestorben 1659) von Boppard nach 23 Jahren als Dekan in die Ewigkeit einging. Sein Bruder Caspar Mertloch (Lebensdaten unbekannt) stand 38 Jahren als Scholaster der Stiftsschule vor und starb am 21. August 1676. Seine Grabplatte ist ebenfalls in der Castorkirche.
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Johannesaltar
Als der ehrwürdige Dekan des Kardener Herrenstifts Eberhard Escher (um 1560-1629) am 31. März 1629 in die Ewigkeit einging, hatte er zuvor durch Testament verfügt, dass seine Erben aus seinem Nachlassvermögen Mittel für einen neuen Altaraufbau des Johannesaltares in der Stiftskirche bereitstellen sollten. So bestellten die Testamentsvollstrecker mit den Erben ein in Kalkstein geschlagenes Retabel. Für den Altar nahm der unbekannte Meister, der wohl schon das Relief für den Stephanusaltar geschaffen hatte, das Thema der Auferstehung. So schuf er im Hauptbild die Szene der Auferstehung Christi am Ostermorgen: Ein in Stein geschlagenes Halleluja. Somit grüßt seit etwa dem Jahr 1630 bis in die heutige Zeit der Johannesaltar im nördlichen Seitenschiff mit der Osterbotschaft: Ich bin auferstanden.

Bildprogramm und Deutung des Johannesaltars
Der dem Evangelist Johannes geweihte Altar zeigt im Mittelrelief den Stifter. Mit erhobenem Haupt und mit einer Gebetsschnur in Händen wirkt er wie ein Augenzeuge der Auferstehung. Dekan Escher war insgesamt 41 Jahre Kanoniker im Stift. Als Scholaster stand er der Stiftsschule vor und drei Jahre lang übte er das Amt des Dekans aus. Ob er seinen Erben klar und deutlich seinen Willen zum Ausdruck gebracht hatte, kann nur vermutet werden. Auffällig ist, dass das Hauptrelief nicht dem Patron des Altares gewidmet ist, sondern der Auferstehung Christi. Die Figuren von Johannes dem Evangelisten und Johannes dem Täufer sind in Seitennischen untergebracht. Im weiteren Aufbau des Retabels wird ein Relief mit Johannes dem Evangelisten als der heilige Schriftsteller auf Patmos dargestellt, der die Vision von der apokalyptischen Frau, dem großen Zeichen am Himmel und der himmlischen Stadt Jerusalem niederschreibt. Ein Adler mit einem Tintenfass im Schnabel ist ihm zu Diensten. (Wackenroder 1984; Ferdinand 1986)
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Skulpturengruppe Grablegung Christi
Der Bannkreis des Geschehens um die Leidensgeschichte Christi wird immer auch ein Hauptthema der christlichen Kunst bleiben. So birgt auch die ehemalige Stiftskirche St. Castor zu Karden unter ihren zahlreichen Kunstschätzen eine Skulptur der Grablegung Christi mit dem Titel Das Heilige Grab aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Grablegung im nördlichen Seitenschiff mit lebensgroßen Figuren (drei davon halbfigürlich) ist ein Meisterwerk der sakralen Kunst.

Bildprogramm und Deutung der Skulpturengruppe
Das Kunstwerk aus feinem grauem Tuffstein wurde im Jahr 1956 von einem bunten Ölfarbanstrich befreit und erhielt eine neue Farbgebung in leichter Tönung. An der Frontseite des Grabes zwischen zwei geflügelten Engelsköpfen sieht man das Schweißtuch der Veronika mit dem dornengekrönten Christushaupt. Der tote Christus wird von Nikodemus, dem jüdischen Schriftgelehrten und von Josef von Arimathaia, einem Mitglied des jüdischen Hohen Rates ins Grab gelegt. Im Hintergrund stehen Maria, Johannes und die drei Frauen mit ihren Gefäßen, Spezereien genannt. Oft wird die Darstellung der Grablegung Christi mit den sieben Begleitfiguren mit der heute nicht mehr vorhandenen Nachbildung des heiligen Grabes aus Jerusalem in St. Castor verwechselt, die Johann von Vinstingen um 1500 (Lebensdaten unbekannt) als Probst des Kollegiatstiftes Sankt Castoris zu Cardona nach einer Pilgerreise nach Jerusalem hat anfertigen lassen. (Wackenroder 1984)
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Spätromanischer Taufstein
Tonnenschwer steht im Erdgeschoss des Westturmes aus Basaltlava gefertigt von 102 Zentimeter Höhe mit einem gegossenen Bleibecken von 30 Zentimeter Tiefe und 77 Zentimeter Durchmesser, der spätromanische Taufstein, um den sich eine sagenumwobene Geschichte spinnt.

Legende vom Taufstein und der Rettung der Stiftskirche
Um das Jahr 1800, zurzeit der französischen Revolution, befand sich das Kollegiatstift St. Castor in Karden in Auflösung. Alle klerikalen Strukturen standen auf dem Kopf. Die Franzosen verfügten kurzer Hand per Edikt: Dort, wo der Taufstein steht, soll auch die Hauptpfarrkirche sein. Da die Stiftskirche getrennt vom übrigen Karden ihren Standplatz hatte und nicht die Funktion einer Pfarrkirche von Karden innehatte, stand in ihr auch kein Taufstein. Daher sollte der „Kardener Dom“, wie er liebevoll in der Bevölkerung genannt wird, niedergelegt werden. Nun stand aber der Taufstein am Südwestende des Ortes in der Liebfrauenkirche, die sich in einem baufälligen Zustand befand. Um die Stiftskirche zu retten, sannen sich die Kardener eine List aus. Während eines Tanzfestes, zu dem die in Karden stationierten französischen Besatzungstruppen geladen warenn, sollte der Taufstein von Liebfrauen nach St. Castor transportiert werden. Das Fest, für das noch einen Zulast Wein (zirka 480 Liter) aus der Gemeindekasse bezahlt wurde, nahm seinen fröhlichen Verlauf und die Frauen und Mädchen feierten mit den Besatzungssoldaten bis in die späte Nacht. Auf ein heimlich angesprochenes Zeichen schlichen beherzte Kardener Männer von der Festwiese zur Liebfrauenkirche. Auf Rundhölzern rollend, im Kerzenschein der Laternen, schafften sie den schwergewichtigen Taufstein nach St. Castor. Dabei gingen von den sechs Säulenfüßen einige zu Bruch. Anwesende Bauleute und Maurer fanden eine Lösung. In größter Eile rissen sie aus den Blendarkaden im Langhaus, aus dem Mittelschiff der Stiftskirche, die Säulchen raus und verwendeten diese als Ersatzstützen für den Taufstein, wie man es heute noch sehen kann. Das Tanzfest ging bis zum Morgengrauen. Der Taufstein stand im „Dom“, als hätte er immer dort gestanden. Am nächsten Tag verfügte die Kommission: „St. Castorkirche ist die Hauptkirche von Karden“. Die Kirche war gerettet. Die Liebfrauenkirche wurde abgebrochen (bis auf den Turm).

Die Geschichte um den Taufstein soll eine schöne Erfindung des hochverdienten Lehrers Aloys Frölich sein und soll im Widerspruch zur Rechtsstellung der Stiftskirche als Taufkirche aus alten Visitationsberichten stehen. Die Nachrichten mit konkreten Einzelheiten über diesen Rechtszustand stammen nach Professor F. Pauly zwar erst aus dem 17. Und 18. Jahrhundert, können aber ohne Zweifel als Zeugnisse für ältere Rechtsverhältnisse angesehen werden. Beispielsweise dafür, dass die Stiftskirche mit ihrer obliegenden Seelsorgeverpflichtung schon als Taufkirche fungierte. Ob nun historische Wahrheit oder Dichtung, mit dieser Story hat sich Aloys Frölich unvergesslich gemacht. Wie und wann der spätromanische Taufstein mit dem hohen Messingdeckel in der Kirche seinen Platz erhalten hat, kann heute keiner mehr genau nachvollziehen. Jedoch jedem, der die schönen Knospenkapitelle sieht, die umgekehrt als Säulenfüße für den Taufstein verwendet wurden, fällt auf, hier muss etwas besonders passiert sein. (Wackenroder 1984; Ferdinand 1986)
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Fahnen der Stiftskirche St. Castor
Zu der über achthundert Jahre alten ehemaligen Kardener Stiftskirche St. Castor gehörte, mit großer Gewissheit, in der Vergangenheit auch ein wertvoller kirchlicher Fahnenbestand. Dieser ist leider nicht mehr vorhanden. Im Zuge der französischen Revolution wurde das Kollegiatstift St. Castoris in Cardona, im heutigen Karden, im Jahre 1802 aufgelöst. So kam sicherlich bei der Säkularisation, bei der die Güter der Kirche oft verkauft wurden, auch der Fahnenbestand des Stifts unter den Hammer. Dennoch hat die Pfarrkirche heute noch einige Fahnentücher in ihrem Inventar, deren Herkunft eine eigene Geschichte haben und aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen.

Castor-Fahne
Im Jahre 1909 stiftete die Kardener Bürgerschaft der Pfarrkirche eine neue Hängfahne, die sogenannte Castor-Fahne, deren Weihe vom damaligen Pastor und Pfarrherr Theodor Cordel (1908-1914) vorgenommen wurde. Auf der vorderen Fahnenseite ist die figürliche Darstellung des Pfarrpatrons St. Castor mit der dreitürmigen Kirche auf der Hand tragend zu sehen. Symbolhaft fließt zu Füßen des Heiligen der Moselstrom, an dessen Ufer ein Weinstock mit Traubenfrüchten sowie blühende Bäume stehen. Um die Figur des Patrons St. Castor, im priesterlichen Messgewand mit wertvoller Tamborstickereinen, steht in kunstvoller gestickter Schrift: Heiliger Castor Bitte für uns. Auf der Mitte der Rückseite ist ein Monogramm gestickt jhs welches im Klartext: Jesus Heiland Seeligmacher bedeutet. Umgebend steht der Schriftzug: Bürgerfahne von Carden 1909. Staub, Nässe und Altersschwäche machten eine dringende Restaurierung erforderlich. Der Umgang mit Fahnen ist nicht immer ein „Schongang“. Oft müssen sie bei Prozessionen und Umzügen Wind und Wetter trotzen. Auch unsachgemäße Behandlung zeigen oft ihre Spuren. So hinterließ der Zahn der Zeit auch an der alten „Castor-Fahne“, besonders auf ihrer Cremeseite aus Seide, große Rissschäden. Zur Renovierung gab die Pfarrei sie im Jahre 2003 zu einer Aachener Paramentenstickerei. Dort wurden mit einem besonderen Schlingverfahren die schadhaften Fahnenseiten komplett übertambouriert. Diese Arbeit war mit erheblichen Kosten verbunden, die dankenswerterweise von dem Freundeskreis des Stiftmuseums e.V. übernommen wurden.

Rochus-Fahne
Die Fahne war die Traditionsfahne des „Junggesellen- und Jungfrauenvereins Carden 1869“ und zeigt auf einem Fahnentuch die Figur des heiligen Rochus mit einem Hund an seiner Seite. Der Legende nach soll er den Heiligen, der mit Pestbeulen am Oberschenkel gezeichnet war, auf seinem Pilgergang nach Rom in einer einsamen Waldhütte mit Brot versorgt haben. Durch die Trennung der Vereine war die Fahne nicht mehr aktuell und wurde somit zu einem Museumsstück. Im Jahre 1893 gründeten die Junggesellen von Karden einen eigenständigen Verein und stifteten in den 1920-ziger Jahren der Pfarrgemeinde St. Castor eine neue „Rochus-Fahne“ für die Kirche. Auch hier ist auf einer Hängefahne der heilige Rochus mit Heiligenschein um sein Haupt und mit einem Wanderstab in Händen, mit einem begleitenden Hund dargestellt.
Umgeben mit symbolischen Weinreben steht auf Schriftbändern: HEILIGER ROCHUS BITTE FÜR UNS. Die Rückseite der Fahne zeigt einen Schutzengel, der Patron der Jugend, der ein Kind sicher über einen Weg führt, in einem Medaillon, um das in großen Buchstaben der Vereinsname: JUNGESELLENVEREIN - CARDEN 1893 steht. Der Moselort Karden feiert mit seiner Dorfkirmes nicht die Kirchweih ihres „St. Castor Domes“, sondern begeht am Sonntag nach dem Gedenktag (16. August) des Pestheiligen Rochus, dem Schutzpatron Kardens, die „Rochus-Kirmes“. Mitten im Dreißigjährigen Krieg herrschte im Moseltal die Pest, die oft als „Schwarzer Tod“ bezeichnet wurde und der oft ganze Dörfer zum Opfer fielen (vgl. auch die in der Nähe gelegene Ortswüstung Pellenz).
Auch im ehemaligen „Stiftsstädtchen Karden“ war der Bevölkerungsschwund durch die Epidemie sehr groß. Die verheerende Seuche hatte grauenhafte Spuren hinterlassen. Die Sterblichkeit lag stellenweise zwischen 50 und 90 Prozent. Beseelt durch großes Gottvertrauen sahen die Bewohner von Karden in ihrer Not eine letzte Hoffnung im Gebet und die Fürbitte des heiligen Rochus und Sebastianus. Von großer Angst und Not getragen, da besonders zwischen den Jahren 1627 und 1633 die Pestilenz die Menschen an der Untermosel bedrohte, gründeten 95 Männer und Frauen im Jahre 1629 die Pestbruderschaft zu Karden und stellte sich unter den Schutz des heiligen Rochus von Montpellier, der einst als mittelloser Pilger auf einer Reise nach Rom zahlreiche Pestkranke heilte. So wie er Schutzpatron der Ärzte, Chirurgen, Apotheker und von den Städten Montpellier, Venedig und Parma wurde, erkor ihn auch die Bruderschaft Kardens zu ihrem Schutzheiligen. Seit Jahrhunderten feiert der heutige Ortsteil Karden der Moseldoppelgemeinde Treis-Karden seine Rochus Kirmes.
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Cäcilien-Fahne
Über tausend Jahre hatten in der Stiftskirche zu Karden die Stimmen der Stiftsherren zum Lobe Gottes geklungen. Nach 60-jähriger Unterbrechung traten im Jahre 1863 sangestüchtige Männer zusammen, um in mehrstimmigen Gesängen den Gottesdienst in der ehemaligen Stiftskirche mitzugestalten. Aber dieses Unternehmen scheiterte bald. Es wurde im Jahre 1872 der Männergesangverein „Cäcilia-Carden“ gegründet, der neben seiner Hauptaufgabe die weltlichen Gesänge darzubieten, auch mit seinen Darbietungen die Gottesdienste an Festtagen in St. Castor verschönerte. Dann kam der Erste Weltkrieg und entriss dem Verein eine Reihe sangesfreudiger Mitglieder. Es dauerte nur vier Jahre nach dem Krieg, da hatte das Vereinsleben einen Aufschwung zu verzeichnen. Über dreißig aktive Sänger sangen zur Freude der Menschen und zu Ehre Gottes im Vierstimmigen Chor. Im Jahre 1922 feierte der „Männergesangverein Carden“ mit 19 Gastchören sein 50- jähriges Bestehen. 1932 stiftete der Gesangverein anlässlich seines 60- jährigen Jubelfestes eine Kirchenfahne, deren Weihe von Pfarrer Karl Brand vorgenommen wurde. Zwischenzeitlich war der Männer Gesangverein „Cäcilia“ Carden in einen Kirchenchor übergegangen. Auf der Vorderseite der Hängefahne ist die Patronin der Kirchenmusik, Sänger und Musiker, auf einer Wolke schwebend mit einer Handorgel abgebildet. Rechts und links von ihr steht in lateinischer Sprache: SANCTA CAECILIA ORA PRO NOBIS. Die vier Ecken zeigen in stilisierten Verzierungen vier Embleme der früh christlichen Zeit; oben das Lamm, rechts das Christogramm, links die eherne Schlange und unten den Ichthos mit den Broten. Auf der Fahnenrückseite steht, umgebend von einer Winkelharfe, der Stifter der Fahne: KIRCHENCHOR - CAECILIA 1872 - 1932 CARDEN. Aus der oberen Ecke brechen Strahlen hervor, die unten das aufsprießende Blümlein des Gesanges befruchten. Die Fahne wurde von den Franzikanerinnen in Koblenz gestickt.
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Kulturdenkmal
Die Stiftskirche Sankt Castor in Karden wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Cochem-Zell geführt (Stand 2022). Der Eintrag lautet: „Ehem. Stiftskirche St. Castor St.-Castor-Straße. Gesamtanlage mit Kreuzgang und Stiftsmuseum“.

(Karl Josef Zimmermann, Ortsgemeinde Treis-Karden, 2022)

Quellen
Hennes, Oswald: Stolz auf St. Castors Reliquien, Rhein-Zeitung; Nr. 35 vom 11.02.2000.
An der Seine und an der Mosel, Bistumszeitung; Nr. 8 vom 10.02.1963.

Internet
karden.pg-treis-karden.de: Pfarrgemeinde St. Castor, Karden (abgerufen 17.11.2020)
karden.pg-treis-karden.de: Stiftskirche St. Castor, Karden (abgerufen 17.11.2020)

Literatur

Engels, Odilo (2006)
Klöster und Stifte von der Merowingerzeit bis um 1200. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, IX.2.) S. 35-36, Bonn.
Freckmann, Klaus (2013)
Das ehemalige St. Castor-Stift in Karden an der Mosel. (Rheinische Kunststätten, Heft 543.) Köln.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2022)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Cochem-Zell. Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell, 19. Mai 2022. Mainz.
Gestrich, Helmut (1993)
Nikolaus von Kues 1401-1464. Leben und Werk im Bild. o. O.
Hermes, Claudia (1996)
Der Terracotta-Altar mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige in der ehemaligen Stiftskirche St. Castor in Karden an der Mosel. Magisterarbeit, Bonn 1996. Bonn.
Höfling, Beate (2011)
Licht der Welt. Die Christusbilder der Mainzer Domportale. Mainz.
Langenbeck, Florian; Schrader, Mila (o.J.)
Türen, Schlösser und Beschläge als historisches Baumaterial. Ein Materialleitfaden und Ratgeber. o. O.
Pauly, Ferdinand (1986)
Das Stift St. Kastor in Karden an der Mosel. Berlin.
Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. (Hrsg.) (2004)
Rheinland: Denkmal, Landschaft, Natur - 2005 (Jahreskalender 2005, 35. Jahrgang). Köln.
Ronig, Franz (o.J.)
Die Auferstehung Christi vom Johannes Altar der St. Kastor-Kirche in Karden. Treis-Karden.
Wackenroder, Ernst (1959)
Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 3, Teil 2 (Landkreis Cochem). München.

Stiftskirche Sankt Castor in Karden

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
St. Castor Straße / Lindenplatz 2
Ort
56253 Treis-Karden
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1186

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Empfohlene Zitierweise
Karl Josef Zimmermann (2022): „Stiftskirche Sankt Castor in Karden”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-59540-20130122-3 (Abgerufen: 6. Februar 2023)
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