Turm Jerusalem am Domfreihof

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Trier
Kreis(e): Trier
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Früherer Wohnturm "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof (2013)

    Früherer Wohnturm "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof (2013)

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  • Details am Mauerwerk des früheren Wohnturms "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof, östliche Gebäudefront (2013)

    Details am Mauerwerk des früheren Wohnturms "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof, östliche Gebäudefront (2013)

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  • Ausschnitt der Stadtrekonstruktion "Trier um 1120" (Ausschnitt aus der Plakatbeilage in Lukas Clemens, Trier um 1120. Prolegomena zum Versuch einer Stadtrekonstruktion, Trier 1998).

    Ausschnitt der Stadtrekonstruktion "Trier um 1120" (Ausschnitt aus der Plakatbeilage in Lukas Clemens, Trier um 1120. Prolegomena zum Versuch einer Stadtrekonstruktion, Trier 1998).

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  • Heutiger Eingang zum früheren Wohnturm "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof (2013)

    Heutiger Eingang zum früheren Wohnturm "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof (2013)

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  • Details am Mauerwerk des früheren Wohnturms "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof, nordöstlche Gebäudeecke (2013)

    Details am Mauerwerk des früheren Wohnturms "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof, nordöstlche Gebäudeecke (2013)

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  • Der Wohnturm "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof aus Blickrichtung Norden (2013).

    Der Wohnturm "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof aus Blickrichtung Norden (2013).

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  • Wohnturm "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof aus Blickrichtung Süden (2013).

    Wohnturm "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof aus Blickrichtung Süden (2013).

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  • Wohnturm "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof (2013)

    Wohnturm "Turm Jerusalem" am Trierer Domfreihof (2013)

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  • Karte "Befestigte Wohnanlagen im hochmittelalterlichen Trierer Stadtgebiet" (2002, PDF-Datei, 41 kB)

    Karte "Befestigte Wohnanlagen im hochmittelalterlichen Trierer Stadtgebiet" (2002, PDF-Datei, 41 kB)

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Befestigte Wohntürme in Trier
In Trier sind es nicht alleine die weltberühmten antiken Bauwerke, die von der Geschichte der ehemaligen Hauptstadt des römischen Westreiches künden; auch zahlreiche Bauten des Mittelalters prägen heute noch das Stadtbild und geben Nachweis über die Bedeutung dieser Epoche in der mittlerweile mehr als 2000jährigen Stadtgeschichte.
Obgleich der Turm Jerusalem nur bedingt mit dem Frankenturm (dem „klassischen“ Trierer Wohnturm, siehe den dortigen Eintrag) vergleichbar ist, weist auch er zahlreiche typische Merkmale der städtischen Wohntürme des Hochmittelalters auf.

Der Turm Jerusalem am Domfreihof
Der in die westliche Seite des ehemaligen Domberings einbezogene Turm Jerusalem ist im Bereich des Palais Walderdorff nahe des Trierer Doms erhalten und gilt als das älteste Gebäude innerhalb dieses Komplexes.
In den 1990er Jahren wurden im Rahmen von Umbauten archäologische Untersuchungen vorgenommen, der bauliche Bestand der erhaltenen drei Geschosse gesichert und für Besichtigungen hergerichtet. Durch Grabungen konnten 1998 weitere Nebengebäude nachgewiesen werden, die nicht nur als Wohngebäude, sondern auch als Kelterhäuser, Speicher oder Stallungen genutzt wurden. Ferner wurde 1999 ein bislang unentdecktes, unter der Erde liegendes Geschoss auf römischen Schichten ergraben, das jedoch nicht als Keller, sondern als Erdgeschoss gedeutet wurde. Es war über einen hier ebenfalls höher gelegenen Außeneingang und eine mit antiken Steinquadern angelegte innere Wendeltreppe erreichbar.

Bei dem Turm Jerusalem handelte es sich nicht um einen Ministerialenwohnturm. Der zeitgenössische Name des in geistlicher Nutzung stehenden Gebäudes leitete sich von Kurie Jerusalem her: Domkanoniker samt Dienstpersonal nutzten das Gebäude als innerhalb der Domimmunität gelegenen Hof (curia). Die Benennung „Jerusalem“ bleibt indes unklar und ist wohl als gängiger zeitgenössischer Topos zu verstehen.

Eine Entstehung im 11. Jahrhundert gilt als archäologisch gesichert, außerdem liegt ein chronikalischer Hinweis vor: Die Trierer Bistumschronik Gesta Treverorum berichtet, dass das im Jahr 1147 bereits fast völlig verfallene Gebäude von Erzbischof Albero von Montreuil (1131-1152) anlässlich des Besuches Papst Eugens III. in Trier wiederhergestellt werden musste – domum quae Ierusalem dicitur fere destructam reparavit.
Einen nur unsicheren Hinweis auf die Entstehungsdauer eines Wohnturmes gibt die Chronik an gleicher Stelle. Demnach habe Erzbischof Albero das wohl ebenfalls im Bereich der Domimmunität gelegene dreigeschossige „Haus Papst“ in nur sechs Wochen errichten lassen – domum quae papae dicitur, tria habentem intersticia secundum altitudinem, infra sex ebdomadas construxit (die nicht immer objektiven Schilderungen des Biographen Balderich zum Ruhme Alberos sind bekannt, vermutlich wäre ein solch kurzer Erbauungszeitraum auch für den Erzbischof nur mit besonderen Anstrengungen möglich gewesen).

Der noch erhaltene Baubestand des Turmes Jerusalem lässt heute eher ein Haus erkennen, da seine Höhe die Breite nicht mehr übertrifft. Ursprünglich war das Gebäude um mindestens ein Stockwerk höher und mit einem oberen Zinnenabschluss im Grundrissverhältnis von 2:3 angelegt (Kutzbach, S. 56, hier als „Turm in Regierungsgebäude“ bezeichnet). Auch hier lag der durch spätere bauliche Veränderungen nicht mehr erhaltene Eingang im Bereich des ersten Obergeschosses, und im Gemäuer finden sich verzierende Ziegeldurchschüsse.

Wenn dieser auch von einem anderen als dem vermeintlich typischen Personenkreis (Ministeriale, niedere Adlige) erbaut und bewohnt wurde, zeigen sich anhand der Architektur des Turmes Jerusalem keine wesentlichen Unterschiede zu einem „weltlichen“ Gebäude wie etwa dem Frankenturm – einzig Reste eingebauter Kreuzgratgewölbe stützen die Vermutung eines späteren Einbaus einer Kapelle.

Heute befindet sich im Erdgeschoss ein Seniorenbüro und in einem Raum des Obergeschosses hat die Stadt Trier ein standesamtliches Trauungszimmer eingerichtet.

(Franz-Josef Knöchel, 2002/2012)

Quellen
Gesta Treverorum, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores VIII., hrsg. von Georg Waitz, Hannover 1848, S. 243-260, hier S. 255. (deutsche Übersetzung: Die Taten der Trierer. Gesta Treverorum, hrsg. von Emil Zenz, 8 Bände, Trier 1955-1965).

Internet
www.trier-info.de: Turm Jerusalem (Abgerufen: 10.10.2012)
de.wikipedia.org: Turm Jerusalem (Abgerufen: 10.10.2012)

Literatur

Clemens, Lukas (1998)
Trier um 1120. Prolegomena zum Versuch einer Stadtrekonstruktion (mit Plakatbeilage „Trier um 1120“). In: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier, hrsg. vom Rheinischen Landesmuseum Trier, Band 30, S. 91-108. Trier.
Knöchel, Franz-Josef (2002)
Befestigte Wohnanlagen im mittelalterlichen Trier (mit einer Karte und drei Abbildungen). In: Kurtrierisches Jahrbuch 42, S. 85-103. Trier. Online verfügbar: http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a138453.pdf, abgerufen am 08.10.2012
Kutzbach, Friedrich (1898)
Alte Häuser in Trier. In: Trierisches Archiv 1 (1898) und 2 (1899), S. 24-36 (1898), S. 46-71 (1899). o. O.

Turm Jerusalem am Domfreihof

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Domfreihof
Ort
54290 Trier
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1000 bis 1100
Koordinate WGS84
49° 45′ 25,25″ N, 6° 38′ 31,31″ O / 49.75701°, 6.64203°
Koordinate UTM
32U 330168.9 5514283.26
Koordinate Gauss/Krüger
2546306.63 5513580.33

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Empfohlene Zitierweise
„Turm Jerusalem am Domfreihof”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-55285-20121010-3 (Abgerufen: 26. März 2017)
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