Werfthafen Ruhrort

Ringhafen, Inselhafen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Duisburg
Kreis(e): Duisburg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Werfthafen in Duisburg-Ruhrort (2005)

    Werfthafen in Duisburg-Ruhrort (2005)

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    Boldt, Kai-William / Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V.
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    Kai-William Boldt
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  • Duisburg-Ruhrorter Häfen im Jahr 1926

    Duisburg-Ruhrorter Häfen im Jahr 1926

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Geschichte und aktuelle Entwicklung
Das frühe 19. Jahrhundert: Aufbruchstimmung lag in der Luft, als die Industrialisierung Fahrt aufnahm. Politisch beherrschte Preußen die Szenerie und deren Verwaltung beauftragte Freiherr Ludwig von Vincke - unter anderem Ruhrschifffahrtsdirektor, einen neuen Hafen unmittelbar an der Mündung der Ruhr in den Rhein zu errichten. Das Ziel war die Sicherung des prosperierenden Kohleumschlags.
Der Werfthafen enstand von 1820-25 und hatte einen kreisrunden Verlauf, daher erhielt er auch den alternativen Namen Inselhafen. Der vorherige Alte Hafen bekam eine Funktion als Zufahrt. Komplexe Wendemanöver wurden überflüssig, weil die kreisförmige Führung eine durchgängige Navigation durch den Hafen erlaubte. Die kompakte, rheinnahe Lage des Inselhafens begünstigte schließlich die Anlage von namhaften Werften; besonders bekannt wurde die „Hüttengewerkschaft und Handlung Jakobi, Haniel & Huyssen, Sterkrade“. Gebaut wurden dort Dampfschiffe, was technologisch mit der soeben in Mode gekommenen Dampfmaschine korrelierte.

Der Standortvorteil allein reichte nicht lange - die Schiffe wurden größer, der Verkehr nahm zu und die Hafenanlagen waren zu klein. In mehreren Phasen entstanden bis 1890 Nord-, Süd- und Kaiserhafen. Bis 1908 folgten die großen Hafenbecken A bis C und deren infrastruktureller Anschluss (Bahnanlagen et cetera). Ruhrort war da schon ein Stadtteil von Duisburg. Auch aus den konkurrierenden Häfen Ruhrorts und Duisburgs war damit de facto eine Einheit geworden, die 1926 mit der Gründung der Duisburg-Ruhrorter Häfen AG auch rechtlich vollzogen wurde; die kompletten Hafenanlagen sind heute der größte Binnenhafen der Welt (siehe Mediengalerie).
Die Ruhrgebietstädte platzten inzwischen aus allen Nähten, auch Ruhrort brauchte Bauland. Werft- und Schleusenhafen hatten keine große Bedeutung mehr; Teile wurden zugeschüttet und der Vinckekanal entstand aus dem Umbau von Altem Hafen und südlichem Schleusenhafen. Auf dem neuen Bauland wurde nach dem Ersten Weltkrieg unter anderem das bekannte Tausendfensterhaus als Wahrzeichen von Ruhrort und Verwaltungszentrale des Konzerns Rheinstahl gebaut.

Ein weiterer Rück- bis Umbau der Häfen erfolgte mit der endgültigen Verfüllung des Kaiserhafens (1996/97) und des Nordhafens (2007/08). Die Fläche wird heute als Umschlagareal des Freihafens genutzt. Während früher Wasserfläche unter anderem für Schiffsmanöver gebraucht wurde, steht heute Landfläche für logistische Zwecke im Vordergrund. Der Umschlag erfolgt heute schnell und oft ist gar keine direkte Anbindung an die Kaianlagen erforderlich. Deutlich werden hier Umstrukturierungen auf der Basis des wirtschaftlichen Strukturwandels und der Globalisierung.
Heute steht der Werfhafen unter Denkmalschutz; mit dem Bunkerhafen bildet er ein atmosphärisches Hafenensemble der Route der Industriekultur. Erhalten geblieben ist unter anderem auch das Packhaus der Hanielschen Werft aus dem Jahr 1862.

Hinter den Kulissen: Der Sense of Place
Es gibt nicht mehr viele Orte, wo man die Atmosphäre des industriellen „Ruhrpotts“ erleben kann: Werft- und Bunkerhafen gehören dazu (siehe auch Tunnel Matenastraße).
Der Sense of Place, also die individuelle, emotionale Bedeutungszuschreibung entspricht hier der kollektiven Wahrnehmung: Kulturlandschaftliche Elemente sind Archive der gesellschaftlichen Entwicklung. Und sie sind identitätstiftend - eine soziale Klammer und ein Anker im anhaltenden Strukturwandel. Der Werfthafen ist so ein symbolischer Ort der Ruhrgebietskultur (Boldt / Gelhar 2008).
Wer auf Spurensuche nach dem alten Ruhrgebiet ist, muss hierher.

Die Ruhrorter Häfen schrieben auch Filmgeschichte: Als sich die Region Anfang der 1980er Jahre schon mitten in ihrer größten Krise befand und der Ausverkauf von Kohle und Stahl auf dem Höhepunkt war, trat Hauptkommissar Horst Schimanski auf die mediale Bühne, gespielt von Götz George (1938-2016). Der Duisburger „Tatort“ und die folgende Serie „Schimanski“ integrierten die spezielle Atmosphäre des Ruhrgebiets auf eine neue Art und Weise. Anfangs stark kritisiert, hat der Schimanski-Tatort heute einen festen Platz in der deutschen Filmhistorie. Ein wichtiger Drehort waren immer wieder die Ruhrorter Hafenbecken, allen voran der Werfthafen. Aber auch andere Locations wie das Vinckeufer oder der Bunkerhafen waren dabei, wenn Schimanski Mordfälle aufklärte. Er tat das auf seine einzigartige Art und mit seinem Erkennungszeichen, der Feldjacke M-65 der US-Streitkräfte oder kurz: Schimanski-Jacke.

(Kai-William Boldt, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. / LVR-Fachbereich Umwelt, 2015)

Internet
www.duisport.de: Duisport (abgerufen 22.01.2015)
www.route-industriekultur.de: Route der Industriekultur, Werfthafen - Bunkerhafen (abgerufen 22.01.2015)

Literatur

Boldt, Kai-William; Gelhar, Martina (2008)
Das Ruhrgebiet - Landschaft, Industrie, Kultur. Darmstadt.

Werfthafen Ruhrort

Schlagwörter
Ort
47119 Duisburg - Ruhrort
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1820 bis 1825
Koordinate WGS84
51° 27′ 6,85″ N, 6° 44′ 26,66″ O / 51.4519°, 6.74074°
Koordinate UTM
32U 343022.59 5702501.11
Koordinate Gauss/Krüger
2551534.32 5702181.86

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„Werfthafen Ruhrort”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-112579-20150117-4 (Abgerufen: 19. November 2018)
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