Ringenberg als stadtartige Siedlung

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Hamminkeln
Kreis(e): Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Reproduktion einer historischen Landkarte von 1680 im Bereich des unteren Niederrheins.

    Reproduktion einer historischen Landkarte von 1680 im Bereich des unteren Niederrheins.

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Die Entstehungsgeschichte Ringenbergs steht eng im Zusammenhang mit der von Dingden und der späteren Grenzlage zwischen Münster und dem Herzogtum Kleve entlang des Grenzflüsschens Issel. Diese Grenzlage war wichtig für die spätere Siedlungsgeschichte der Stadtgründung. Der Name Ringenberg soll sich nach der lokalgeschichtlichen Literatur aus einem Rechtsstatus entwickelt haben (Rotthauwe, S. 214). Die Dingdener Herren waren Freigrafen, eine im westfälischen ausgeprägte Form der Rechtsgemeinschaft, die ihre Wurzeln in der karolingischen Gerichtsorganisation hat. Dingden, Brünen und Bocholt verfügten über sogenannte Freistühle, ursprünglich sollen es insgesamt zehn gewesen sein. Diese sind als Ringe im Wappen der Herren von Dingden/Ringenberg symbolisiert. Daraus soll sich zusammen mit der Bezeichnung des Stammsitzes der Herren von Dingden in der Bauernschaft „Berg“ der Adels-, Burg und Ortsnamen Ringenberg entwickelt haben.

Burg Ringenberg
Das Castrum Ringenberg wurde in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Dynasten von Dingden angelegt. Zwischen 1223 und 1242 trug das Castrum die Bezeichnungen „de Dingede“ und „de Ringelenberg“, seit 1242 ausschließlich Ringelenberg. Das Schloss Ringenberg wurde von den Freigrafen und Ritter Sueder von Dingden im zum Errichtungszeitpunkt schwer zugänglichen Isselbruch um 1220 errichtet. Diese Burg verfügte über einen Wall und einen Wassergraben in schwer zugänglichem Gelände nahe bei der Grenze zum klevischen Hamminkeln. Allerdings hatte der Münster lehnspflichtige Herr von Dingden das feste Burghaus ohne Genehmigung des Münsteraner Bischofs errichtet.

Die historische Argumentation der Datierung bezieht sich auf urkundliche Nennungen und die Namensverschiebung der Herren von Dingden zu Ringenberg. In einem Vergleich von 1233 zwischen den Einwohnern und dem Stift Wissel wegen unerlaubter Holzfällerei taucht als Zeuge erstmals „Suethero de Ringelberg“ auf. Daraus leitet Rotthauwe (S. 217) die Existenz der Burg Ringenberg in diesem Jahr ab. Diese Faktoren, die Errichtung in siedlungsungünstigem Gelände in unmittelbarer territorialer Grenzlage, die wehrhafte Steinbauweise ohne Genehmigung des Lehnsherren gibt Hinweise auf die politische Funktion der Burg Ringenberg für den Dingdener Herren und erklärt auch die spätere eingeschränkte Stadtentwicklung.

Somit ist die Errichtung der Burg und der späteren Stadt Ringenberg Ausdruck eines politischen Kalküls der Herren von Dingden (später Ringenberg) zwischen den Ansprüchen von Kleve, Köln und Münster. So erweiterte Kleve sein rechtsrheinisches Einflussgebiet in einer Breite von 20-30 Kilometern zwischen Emmerich bis Dinslaken und versuchte den kölnischen Besitz von Aspel zu erhalten, dies gelang schließlich im Vergleich von 1392 nach den Kämpfen um Linn. Ohne die komplizierten territorialgeschichtlichen Ansprüche und Auseinandersetzungen noch weiter auszuführen, bleibt als Fazit, dass sich die Herren von Dingden/Ringenberg von konkurierenden mächtigen Herrschaften umgeben sahen und die Beweggründe zu der Gründung von Ringenberg und den besitzrechtlichen Übertragungen vor diesem Hintergrund bewertet werden muss.

Die Burg war Keimzelle für die spätere Kolonisation und Errichtung der gleichnamigen Siedlung. Sie stand zunächst isoliert als wehrhaftes Steinhaus in unbesiedeltem Sumpfland als Grenzfeste ohne Kornfelder und Weidegründe. Dies lässt sich auch urkundlich belegen, so mussten nach dem Klever Urbar von 1319 die Mühlen in Bislich ihre Produkte nach Ringenberg liefern. Dies ist ein Hinweis für die zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfolgte Erschließung des feuchtgründigen Bruchlandes, das danach durch „broeker“ kolonisiert wurde, wie in der Urkunde vom 6. Januar 1329 beschrieben (Rotthauwe, S. 221). Darin sind vier Bruchkolonisten einschließlich Angehörigen genannt, die für die Kolonisation bestimmte Rechte erhielten. Von entscheidender Bedeutung war hierbei die Rechtsprechung, so erhielten die Bruchkolonisten eigene Richter und Schöffen nach dem Privilegienbrief von 1329 (Rotthauwe, S. 222). Diese Rechte wurden nach späteren erhaltenen Urkunden in konkreten Rechtsfragen umgesetzt.

Bemerkenswert ist die Ausstattung der Ringenberger Schöffen mit einem eigenen Siegel, das sich an einer Urkunde aus dem Jahre 1336 befindet (Rotthauwe, S. 222 f.). Dieses Siegel enthält die älteste stilisierte Darstellung der Burg innerhalb des runden Siegelfeldes mit großem Toreingang und vorgebautem Turm, dem wiederum das Schild mit der klevischen Lilie vorgestellt ist.
Die Umschrift lautet: „S(igillum) scabinorum Ringhenbergencis“.

Uneindeutiger ist der rechtliche Status der Siedlung als Stadt, die nach Rotthauwe (Zitat, S. 223)...„nie nach Rechtsform und wirtschaftlicher Bedeutung eine Stadt mit Stadtrechten und Stadtfreiheit gewesen“ (ist). Eine eigene Stadtrechtsverleihungsurkunde ist nicht überliefert, lediglich die Bezeichnung „oppidum“ findet sich in den Urkunden. Die Siedlung bestand zu diesem Zeitpunkt aus der Burg, der Burgsiedlung und der Bruchkolonie. Eine Urkunde des Schöffengerichtes Ringenberg vom 6. Oktober 1348 bezeichnet die Rechte des Sumpfes und der Stadt Ringenberg: „...ius paludis et Opidi de Ringembergh...“Rotthauwe (S. 223) spricht von der „Stadtähnlichkeit“ Ringenbergs, die sich aus zwei Gegebenheiten herleiten lässt, der Burg an der Grenze und den Privilegien für die Kolonisten. Aufgrund der Grenzlage zwischen Köln, Münster und Kleve ist die Bezeichnung als befestigte Grenzburg und zugehöriger Siedlung als „oppidum“ möglich, obwohl die Siedlung de iure keine eigentliche Stadterhebung erfahren hat. Hierauf deuten auch spätere Beschreibungen der „Burg, Freiheit, Land und Herrlichkeit Ringenberg“ wie aus dem Jahre 1437 mit der Einsetzung eines Amtmannes durch Herzog Adolf.

„Stadtsiedlung“ Ringenberg
Um die Ringenberger Burg entwickelte sich eine stadtartige Siedlung oder Minderstadt, die u.a. von deren Burgfreiheit und den Privilegien der Bruchkolonisten profitierte. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entwickelte sich aus dem Amt Hamminkeln das Amt Ringenberg. Die Privilegien der Kolonisten ähnelten Stadtprivilegien, so die eigene Gerichtsbarkeit, das Siegelrecht und die Steuerbefreiungen. Die Frühphase von Ringenberg ist in dem folgenden Zitat von Rotthauwe (S. 225) prägnant formuliert: „Wenn Ringenberg auch nicht als Stadt entworfen und gedacht war, so hatte es als Siedlung doch eine eigenartige Stellung: eine bevorrechtigte Kolonistensiedlung im Bruch, die mit vier Holländern begann, eine Ansiedlung von Wohnstätten innerhalb der Immunität der Burg, einen Verwaltungssitz für ein klevisches Drostenamt und alles im Schutz einer mächtigen Grenzburg.“

Vor diesem Hintergrund ist die Bestätigung der Rechte des Ringenberger Bruchs vom 18. August 1388 durch Dietrich von der Mark zu bewerten. Zitat Rotthauwe, S.225 unter Bezug auf Ilgen: „In dieser Erneuerungsurkunde von 1388 spricht sich deutlicher noch als in dem Kolonistenbrief von 1329 die eigenartige Stellung dieser Ansiedlung aus, indem sie darin zu einem Erbgenossenverband gestempelt ist, von dessen Zustimmung die Aufnahme neuer Bruchkolonisten abhängig war.“ Die Genehmigung von Zusiedlungen ist ebenfalls ein stadtartiges Merkmal.

Nach den Baubefunden sind weitere physiognomische Elemente einer Stadt ablesbar, so zum Beispiel die Abgrenzung durch eine Umwehrung, vermutlich zunächst in Holzbauweise und einen stadttypischen Grundriss, die auf ein umwehrtes Areal und Bebauung intra muros orientiert entlang einer durchlaufenden Hauptstraße, Querverbindung in Richtung Burg sowie einem der Umwallung folgenden Weg und eine regelmäßige Struktur haben, die auf eine Gründung hindeuten. Eine Parallele in der Stadtentwicklung liegt im Beispiel Kranenburg bei Kleve vor. Auch dort liegt die alte Stadtburg etwas abseits und es erfolgte mit der Kolonisation des Kranenburger Bruchs die Anlage einer regelmäßigen Siedlung, die allerdings später erweitert worden ist. Lediglich die stadtrechtlichen Bestimmungen sind eindeutiger, da allerdings nach der heutigen Forschung die Zuweisung als Stadt nicht mehr ausschließlich nach der Rechtsgeschichte bewertet wird, sondern auch die Physiognomie und die Funktionen hinzugezogen werden, kann Ringenberg abschließend als kleine Stadt oder stadtartige Siedlung bezeichnet werden und weist dementsprechend bauliche Strukturelemente auf.

Für Ringenberg war die Burgfunktion von entscheidender Bedeutung, denn eine Marktfunktion oder die Rolle einer Ackerbürgerstadt wird nach Durchsicht der Aussagen aus der Literatur und der Physiognomie von Ringenberg nicht erkennbar. Die agraren Nutzflächen im Ringenberger Umland waren wesentlich weniger ertragreich und flächenmäßig kleiner als in den Bauernschaften Hamminkeln und Dingden. Daraus ergeben sich wiederum Aussagen zu den Umlandverflechtungen und den Umlandfunktionen, die eindeutig auf der fortifaktorischen Grenz-Anspruchssicherung liegen und nicht den anderen charakteristischen städtischen Funktionen.

Im 14. und 15. Jahrhundert wurden in verschiedenen Urkunden Herren von Ringenberg genannt, problematisch ist die genaue genealogische Zuweisung, da fast alle „Sueder“ hießen, hierzu wird auf die Literatur verwiesen (Rotthauwe, S. 229). Für Aussagen zur Siedlungsgenese von Ringenberg ist dieses von nachrangiger Bedeutung.

Entscheidender war die Funktion der Burg als Sitz des klevischen Amtsmannes, somit eine Amtsburg. Urkundlich fassbar wird die Tätigkeit in Ringenberg seit der Mitte des 14. Jahrhunderts, erstgenannter Amtmann ist Gottfried von Hönnepel, spätere klevische Amtmänner sind ebenfalls namentlich überliefert. Baulich interessant ist die Erwähnung eines Bergfrieds in der Freiheit Ringenberg. Hierbei handelte es sich um einen Turm in der Freiheit der Burg vor der Vorburg.

In den Urkunden des 15. Jahrhunderts taucht der Begriff „oppidum“ nicht wieder auf, hier wird häufiger das Schloss, die Freiheit und das Amt Ringenberg jeweils gesondert aufgezählt (Rotthauwe, S. 234).

In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts war Ringenberg ein Drostenamt und umfasste unter anderem die Gemeinden Bislich, Mehr und Haffen und die Bauernschaften Brünen, Dingden und Hamminkeln. Diese Funktion behielt Ringenberg im 15. und 16. Jahrhundert bei. Allerdings war die Wirtschaftskraft gering, es sind immer wieder Darlehen und Übertragungen der Herrschaft als Pfand in den Urkunden erwähnt.

Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts und die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts bedeuteten für Ringenberg/Dingden starke Einschränkungen durch militärische Auseinandersetzungen, Einquartierungen und Plünderungen, die eine Bewirtschaftung der Agrarflächen kaum noch zuließen. Besonders extrem müssen die Verheerungen durch spanische Truppen 1586 gewesen sein mit temporären Wüstungserscheinungen in der Bebauung und der Feldgemarkung. Bis 1616 erfolgten mehrmals Truppenbewegungen und dementsprechende Belastungen im Raum Ringenberg. In den Schriftquellen sind Bittschriften der Jahre 1613 und 1616 erhalten geblieben, die an Münster adressiert das Ausmaß der Zerstörungen Anfang des 17. Jahrhunderts hervorheben.

Während des Dreißigjährigen Krieges 1618-1648 setzten wiederum Einquartierungen und Verheerungen sowie Plünderungen ein. Wenn dies auch nicht kontinuierlich verlief, so führte es doch zu schweren Einbußen im Wirtschaftsleben und der Agrarordnung. 1629 wurde Ringenberg von niederländischen Truppen vollständig zerstört. Kurfürst Friedrich Wilhelm übergab das „ruinierte, demolierte, auch ganz und gar zum Steinhaufen verfallene Haus“ 1648 an Jakob von Spaen als Mannlehen, dessen Nachfolger Alexander von Spaen das Schloss 1661 von Grund auf neu erbaute. Damit überwiegt bei dem heute obertägig sichtbaren Baukörper baulich das 17. Jahrhundert.

Als Verwaltungseinheit blieb Ringenberg in den folgenden Jahrhunderten bestehen. Der Ort bestand 1810 aus 359 Einwohnern in 56 Häusern. Damit wird die geringe Größe quantitativ fassbar.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Ringenberg zu 40% zerstört. Hiervon waren auch die evangelische Pfarrkirche, die katholische Pfarrkirche und das Schloss stark betroffen.

(Klaus-Dieter Kleefeld, LVR-Redaktion KuLaDig, 2015)

Literatur

Rotthauwe, Helmut (gen. Löns) (Bearb.) / Gemeinde Hamminkeln (Hrsg.) (1983)
Sieben unter einem Dach : Brünen, Dingden, Hamminkeln, Loikum, Mehrhoog, Ringenberg, Wertherbruch. Hamminkeln.

Ringenberg als stadtartige Siedlung

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Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1220 bis 1348
Koordinate WGS84
51° 44′ 33,48″ N, 6° 36′ 48,36″ O / 51.74263°, 6.61343°
Koordinate UTM
32U 335234.15 5735109.06
Koordinate Gauss/Krüger
2542413.35 5734445.97

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„Ringenberg als stadtartige Siedlung”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-110920-20150102-2 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
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