Bahnhofsgebäude Belvedere in Müngersdorf

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Ansicht von der Straßenseite auf den hellgelben Bahnhof Belvedere in Müngersdorf mit weißem Holzbalkon (2010).

    Ansicht von der Straßenseite auf den hellgelben Bahnhof Belvedere in Müngersdorf mit weißem Holzbalkon (2010).

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    Förderkreis Bahnhof Belvedere e.V.
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    Förderkreis Bahnhof Belvedere e. V.
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  • Ansicht der Rückseite des Bahnhofs Belvedere in Müngersdorf (2011). Große Fenster und ein ovaler Vorbau öffnen sich zum Garten hin.

    Ansicht der Rückseite des Bahnhofs Belvedere in Müngersdorf (2011). Große Fenster und ein ovaler Vorbau öffnen sich zum Garten hin.

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  • Das historische Treppenhaus des Bahnhofs Belvedere in Müngersdorf  2010). Weiße hohe Holztüren mit Glasfenstern öffnen sich zum Treppenhaus. Die weiße zweiflügelige Holztreppe hat ein verschnörkeltes Geländer und einen roten Teppich auf den Stufen. Der Boden ist mit schwarzen und weißen Fliesen im Mosaikmuster ausgelegt.

    Das historische Treppenhaus des Bahnhofs Belvedere in Müngersdorf 2010). Weiße hohe Holztüren mit Glasfenstern öffnen sich zum Treppenhaus. Die weiße zweiflügelige Holztreppe hat ein verschnörkeltes Geländer und einen roten Teppich auf den Stufen. Der Boden ist mit schwarzen und weißen Fliesen im Mosaikmuster ausgelegt.

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Das Baudenkmal Bahnhof Belvedere im Kölner Stadtteil Müngersdorf ist das älteste noch erhaltene Stationsgebäude Deutschlands. 1839 wurde er im Rahmen der ersten internationalen Eisenbahnstrecke „Eiserner Rhein“ von Köln nach Antwerpen erbaut.

Bahnhofsgebäude
An der Belvederestraße gelegen, zwischen Gerhard-Marcks-Weg im Norden und Eisenbahntrasse im Süden befindet sich das heutige Haus Belvedere. Ein eierschalenfarbener Bau im klassizistischen Stil, mit einem von Voluten getragenen Balkon zur Straßenseite, großen Fenstern und einer kleinen Parkanlage, das ist das älteste noch erhaltene Bahnhofsgebäude in Deutschland. Seine Architektur erinnert an Landhäuser jener Zeit, der Entwurf stammt vermutlich von einem Schüler des Berliner Architekten Karl-Friedrich Schinkel (1781-1841).
Mit der Aufgabe des Gebäudes als Bahnhof ging es 1982 in städtischen Besitz über. Als das Ensemble so baufällig wurde, dass die Stadt es verkaufen wollte, da sie die Mittel für eine Sanierung nicht tragen konnte, gründete sich der Förderkreis Bahnhof Belvedere e.V. mit dem Ziel den Bahnhof zu renovieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seine Räume sollen in der Zukunft zu einem Ort der Begegnung werden, an dem sich Bürger austauschen können und wo Veranstaltungen stattfinden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen zunächst verschiedene Sanierungsmaßnahmen wie Dach- und Balkonsanierung, Trockenlegung der Wände und Renovierung der Fassade abgeschlossen werden. Finanziert werden diese Arbeiten am „Denkmal von nationaler Bedeutung“ unter anderem durch Bundesmittel.

Hintergründe
Um das Jahr 1838 entstehen erste Pläne auf Seiten Kölner und Antwerpener Unternehmer, eine Eisenbahnstrecke zwischen beiden Städten einzurichten. Auf diese Weise könnten Güter transportiert werden ohne an Holland Rheinzoll zahlen zu müssen. Der sogenannte „Eiserne Rhein“ beginnt in Köln und führt über Düren, Aachen und Lüttich nach Antwerpen. Am 2. August 1839 wird der Bahnhof Belvedere und das erste fertiggestellte preußische Teilstück der Strecke feierlich eingeweiht. Der Name Belvedere bedeutet so viel wie „schöne Aussicht“ (aus dem italienischen von bel / bello für „schön“ und vedere für „sehen“) und geht hier auf den freien Blick zurück, den der Besucher des Bahnhofs von dort aus auf die Stadt Köln hat. Genau 6,7 Kilometer misst die Strecke zwischen Müngersdorf und dem am Rhein gelegenen Stadtkölner Bahnhof „Am Türmchen“ (heute Ecke Theodor-Heuss-Ring / An der Münze, vgl. z.B. die Karten preußischen Uraufnahme von 1836/50).
Die Eisenbahnverbindung erleichterte es vielen Kölnern am Wochenende, einen Ausflug ins Grüne zu unternehmen. Mit der Eisenbahn gelangten sie wesentlich schneller und komfortabler nach Müngersdorf als vorher. Im Bahnhofsgebäude befand sich ein Restaurant für die Ausflugsgäste. Nach der Vervollständigung der Gesamtstrecke verlor der Bahnhof zunehmend an Bedeutung und wurde noch im 19. Jahrhundert stillgelegt.

Aus kulturlandschaftlicher Sicht ist das Empfangsgebäude des Bahnhof Belvedere von großer Bedeutung, da es als letzter noch erhaltener Bestandteil des „eisernen Rheins“ auf deutschem Gebiet viel über die Arbeits- und Lebensweise zu Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts aussagt. Die Konzeption eines Bahnhofsgebäudes war eine neuartige architektonische Herausforderung für die bis dahin keinerlei Notwendigkeit bestanden hatte.
Erst im Laufe der Zeit entwickelt sich ein eigener Bautyp entsprechend den Nutzungsanforderungen an das Gebäude. Die Gebäude der ersten Jahre eines neuen Typs müssen sich aufgrund mangelnder Erfahrung in der Regel an bereits bestehenden Bautypen orientieren. Die Gesamtstrecke zwischen Köln und Antwerpen entsprang in erster Linie wirtschaftlichen Beweggründen, die mit ihr zusammenhängende Infrastruktur hätte also durchaus von rein funktionalem Charakter sein können. Die Teilabschnitte, insbesondere der als erstes fertiggestellte Abschnitt von Köln nach Müngersdorf hingegen, animierte viele Stadtbewohner zu Wochenendausflügen ins Grüne. Daher überrascht es nicht, dass für das Bahnhofsgebäude ein typisches Landhaus als Vorbild herangezogen wurde, mit Balkon in der ersten Etage, rückwärtiger Terrasse und einer angegliederten Parkanlage. Das Haus musste nicht, wie die Bahnhöfe von heute, mit großen Mengen von Berufspendlern klarkommen, sondern musste in erster Linie ansprechend aussehen und eine Aura von Sommer-Kurzurlaub ausstrahlen. Sogar bei der Positionierung des Gebäudes wurde die Frage der Funktionalität hintenangestellt. Das Gebäude steht nicht parallel zu den Gleisen, sondern im rechten Winkel zu ihnen, da es mit seiner Front auf den Blick nach Köln ausgerichtet ist.

(Hannah Brüggemann, NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln, 2014)

Das Empfangsgebäude im Bahnhof Belvedere ist eingetragenes Baudenkmal (Stadt Köln, UDB-Nr. 268; LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Datenbank-Nr. 67219)

Internet
buergerverein-koeln-muengersdorf.de: Erste internationale Bahnstrecke berührt Müngersdorf (abgerufen 21.10.2014)
www.bahnhof-belvedere.de: Eisenbahn-Geschichte (abgerufen 21.10.2014)
www.gruetzner-architekten.de: Baudenkmal Bahnhof Belvedere (abgerufen 21.10.2014)
www.ksta.de: Langer Weg zum Kultur-Bahnhof (abgerufen 21.10.2014)
www.stadt-koeln.de: Bahnhof Belvedere (abgerufen 21.10.2014)
martin-doermann.de: 'Schöne Aussicht' für Deutschlands ältestes Bahnhofsgebäude (abgerufen 21.10.2014)
www.rheinische-industriekultur.de: Köln_Bahnhof Belvedere (abgerufen 21.10.2014)
de.wikipedia.org: Bahnhof Belvedere (abgerufen 21.10.2014)

Literatur

Rossner, Christiane (2015)
Eine Frage der Wahrnehmung, Der historische Bahnhof Belvedere in Köln-Müngersdorf wurde zu einem Projekt der LVR-Anna-Freud-Schule. In: Monumente, Magazin für Denkmalkultur in Deutschland 4/2015, S. 58-61. o. O. Online verfügbar: http://www.monumente-online.de/15/04/sonderthema/Bahnhof_Belvedere.php, abgerufen am 11.08.2015
(o.J.)
Bahnhof Belvedere - Ein Baudenkmal für Kultur, Bildung und Feste. Köln.

Bahnhofsgebäude Belvedere in Müngersdorf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Belvederestraße 147
Ort
50933 Köln - Müngersdorf
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1839
Koordinate WGS84
50° 56′ 49,58″ N, 6° 52′ 18,3″ O / 50.94711°, 6.87175°
Koordinate UTM
32U 350498.95 5646099.62
Koordinate Gauss/Krüger
2561307.48 5646124.38

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Bahnhofsgebäude Belvedere in Müngersdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-108534-20141126-6 (Abgerufen: 20. November 2018)
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