Skulptur „Goldener Vogel“ von HA Schult auf dem Zeughaus

„Flügelauto“

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 56′ 28,65″ N: 6° 56′ 59,82″ O 50,94129°N: 6,94995°O
Koordinate UTM 32.355.973,60 m: 5.645.297,45 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.566.811,21 m: 5.645.545,38 m
  • Das Kunstwerk "Goldener Vogel" des Aktionskünstlers HA Schult auf dem Dach des Treppenturms des Kölner Zeughauses (2020). Hinter dem mit Flügeln versehenen und vergoldeten PKW Ford Fiesta ist der Kölner Dom zu sehen.

    Das Kunstwerk "Goldener Vogel" des Aktionskünstlers HA Schult auf dem Dach des Treppenturms des Kölner Zeughauses (2020). Hinter dem mit Flügeln versehenen und vergoldeten PKW Ford Fiesta ist der Kölner Dom zu sehen.

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  • Tafel zu dem Kunstwerk "Goldener Vogel" am Kölner Zeughaus (2012). Die Inschrift lautet "Goldener Vogel, Denkmal der Autozeit von HA Schult 1989/91, Geschenk an die Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e.V. von Ford-Werke AG, Köln.", über den Text hat jemand in Großbuchstaben "Schwachsinn" auf das Schild gekratzt.

    Tafel zu dem Kunstwerk "Goldener Vogel" am Kölner Zeughaus (2012). Die Inschrift lautet "Goldener Vogel, Denkmal der Autozeit von HA Schult 1989/91, Geschenk an die Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e.V. von Ford-Werke AG, Köln.", über den Text hat jemand in Großbuchstaben "Schwachsinn" auf das Schild gekratzt.

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  • Das Kunstwerk "Goldener Vogel" des Aktionskünstlers HA Schult auf dem Dach des Treppenturms des Kölner Zeughauses (2011).

    Das Kunstwerk "Goldener Vogel" des Aktionskünstlers HA Schult auf dem Dach des Treppenturms des Kölner Zeughauses (2011).

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  • Das Zeughaus in Köln mit historischem Treppenturm und dem darauf befestigten Kunstwerk "Goldener Vogel" von HA Schult (2012). Rechts im Bild ist ein Teil der Alten Wache zu erkennen.

    Das Zeughaus in Köln mit historischem Treppenturm und dem darauf befestigten Kunstwerk "Goldener Vogel" von HA Schult (2012). Rechts im Bild ist ein Teil der Alten Wache zu erkennen.

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  • Das Zeughaus in Köln mit historischem Treppenturm und dem darauf befestigten Kunstwerk "Goldener Vogel" von HA Schult (2004).

    Das Zeughaus in Köln mit historischem Treppenturm und dem darauf befestigten Kunstwerk "Goldener Vogel" von HA Schult (2004).

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„We are all cars. Wir sind alle Autos.“
(HA Schult, 1988)

Von April 1991 bis August 2026 stand der Goldene Vogel auf dem Dach des Kölner Zeughauses. Das umgangssprachlich auch Flügelauto genannte Kunstwerk des Aktionskünstlers HA Schult - ein vergoldeter und mit Flügeln versehener PKW Ford Fiesta - stammt aus der Automobilität-kritischen Aktion Fetisch Auto von 1989.

Die Kunstaktion Fetisch Auto
Die im April 1989 für eine Dauer von zwei Wochen in der Domstadt inszenierte Kunstaktion Fetisch Auto geht in ihrer Idee und Gestaltung auf den Aktionskünstler HA Schult (*1938, eigentlich Hans-Jürgen Schult) zurück und wurde mit Beteiligung von dessen Muse und damaliger Ehefrau Elke Koska (*1947 oder 1953) im Rahmen eines Aktionszyklus realisiert.
Obgleich die Aktion sich eindeutig vornehmlich kritisch gegen die Automobilität stellte, wurde diese anlässlich ihres 60-jährigen Standortjubiläums von den Kölner Ford-Werken unterstützt, maßgeblich initiiert von dem zwischen 1981 und 1989 amtierenden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Ford-Werke AG Daniel Goeudevert (*1942). Insgesamt stellte Ford elf fabrikneue Fahrzeuge der ab März 1989 produzierten dritten Kleinwagen-Generation des Ford Fiesta zur Verfügung und übernahm noch weitere Kosten.

Die Fahrzeuge wurden in der Domstadt an verschiedenen Orten künstlerisch verfremdet inszeniert:
„Unter anderem wurde einer der PKW, in Trompe-l'œil-Technik als ‚Marmor' verkleidet, in der Nähe der Dombauhütte am Heinrich-Böll-Platz ausgestellt. Es gab ein Auto aus Eis (‚Die eingefrorene Zeit'), eines als ‚Osterei' dekoriert in einer Straßenunterführung am Dom, eines als ‚Welle' auf dem Rhein schwimmend und eines als ‚Wolke' an einem Hubschrauber über die Innenstadt schwebend. Ein Fiesta ‚tanzte' in der Disco des Alten Wartesaals, und im Atrium des Römisch-Germanischen Museums verteilten sich ausgebreitet die vergoldeten Einzelteile eines der Autos.“ (de.wikipedia.org)
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Der Goldene Vogel
Im Motorraum des mit einer Vergoldung versehenen und mit großen Flügelschwingen aus glasfaserverstärktem Polyesterharz ausgestatteten Ford Fiesta befinden sich rund 1,2 Tonnen Eisenbahnschienen und alleine die beiden Flügel wiegen jeweils rund 800 Kilogramm. Das insgesamt rund vier Tonnen schwere Kunstwerk ist etwa 6,20 Meter lang, zehn Meter breit und 3,50 Meter hoch.
Zunächst war der Goldene Vogel ab dem 13./14. April 1989 auf dem Turm des Stapelhauses in der Frankenwerft zu sehen, bevor er am 25. April 1991 seinen neuen Platz auf dem Dach des über 23 Meter hohen Zeughaus-Treppenturms fand. Um das Kunstobjekt auf dem historischen Bauwerk zu befestigen, wurde der Turm über zwei Etagen durch einen „Königsstuhl“ konstruktiv verstärkt - einem Aussteifungsverband mit einem Eigengewicht von einer Tonne.

Der Grund für den Umzug des Kunstwerks zu dessen letztlich dauerhaftem neuen Standort war - zumindest nach damaliger Aussage HA Schults -, dass der Goldene Vogel mittlerweile bei den Kölnerinnen und Kölnern so beliebt war, dass die Bevölkerung ihn dauerhaft er- und behalten wollte. Verbunden mit einem ansehnlichen Geldbetrag für das Museum, schenkte Ford das Kunstwerk 1991 dem Förderverein „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e. V.“, der das „Flügelauto“ wiederum als Dauerleihgabe dem Kölnischen Stadtmuseum zur Verfügung stellte, das seinerzeit seinen Sitz im Zeughaus hatte.
Eine vermutlich aus dieser Zeit stammende am Gebäude angebrachte Tafel beschreibt die Gabe des Autokonzerns:

GOLDENER VOGEL / Denkmal der Autozeit / von HA Schult / 1989/91
Geschenk an die / Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e.V.
von / Ford-Werke AG, Köln

Seinem dazu offenbar abweichenden Verständnis von Kunst verlieh dann später jemand mit einem über die Inschrift eingekratzten SCHWACHSINN deutlichen Ausdruck (vgl. Abb.).
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Die Kontroverse um den Standort
Der zunächst letzte Umzug des Goldenen Vogels auf das Dach des Zeughauses löste eine Auseinandersetzung aus, die über Monate hinweg über die Politik, die Verwaltung, die städtische Denkmalpflege und in der Bevölkerung geführt wurde. Nicht zuletzt feuerten dabei die Lokalpresse und auch HA Schult selbst die auch überregional als „bizarre Kölner Posse“ wahrgenommene Kontroverse an.

Die Installation auf dem Zeughaus war ohne Genehmigung des von 1991 bis 2005 amtierenden leitenden Stadtkonservators Ulrich Krings (*1942) erfolgt. Der damalige Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes (*1934, amtierte 1978-1999) residierte mit seiner Behörde unmittelbar gegenüber dem Zeughaus. Als Vertreter der oberen Denkmalbehörde vertrat Antwerpes die Auffassung, dass die Aufstellung des Kunstobjekts nicht mit den Belangen des Denkmalschutzes an dem öffentlichen Bau des Zeughausturms vereinbar sei. Seinem Einspruch gegen die Installation des Goldenen Vogels widersprach dann allerdings die vorherige, von 1978 bis 1990 amtierende Stadtkonservatorin von Köln, Hiltrud Kier (*1937), die die Auffassung vertrat, für eine vorübergehende Aufstellung hätte es keiner Genehmigung bedurft.
Erst das Eingreifen des seinerzeit amtierenden NRW-Ministers für Stadtentwicklung und Verkehr (und damit zugleich Leiter der obersten Denkmalbehörde), Franz-Josef Kniola (*1943), beruhigte die Lage. Als Kompromiss wurde eine Übergangslösung rechtskräftig, welche die Stadt Köln verpflichtete, den Goldenen Vogel bis Ende 1998 wieder abzunehmen.

Allerdings hatte die Domstadt bereits zu Beginn der 1990er-Jahre damit begonnen, das inzwischen prominente Kunstwerk für ihre Werbung im Stadtmarketing einzusetzen. Schließlich wurde der „1111. Tag seit der Landung“ auf dem Turm 1994 sogar mit der Herausgabe eines eigenen Dokumentationsbands durch das Stadtmuseum und den Förderverein gewürdigt (inklusive eines grimmig-launigen Grußworts von Regierungspräsident Antwerpes!).
Als der Goldene Vogel dann Ende 1998 immer noch auf dem Turm stand, drohte der Regierungspräsident ultimativ damit, seine Behörde werde das Werk selbst vom Gebäude entfernen lassen. Zu einem Showdown am letzten Tag der Frist des Ultimatums am 22. Februar 1999 kam es indes nicht - die inzwischen zuständige NRW-Landesministerin Ilse Brusis (*1937) unterband das Vorhaben und genehmigte den Verbleib bis Ende 2000. Ein Widerspruch von Antwerpes, der noch im Januar 1999 die Gesetzmäßigkeit dieses ministeriellen Erlasses in Zweifel zog, blieb letztlich erfolglos.

Ohne den Widerstand des Ende 1999 in den Ruhestand gegangenen Franz-Josef Antwerpes etablierte sich der Standort des Goldenen Vogels, der in den Jahren 2005 und 2012 dann gleich zweimal für Restaurierungen vom Zeughausturm abgenommen wurde. Im Anschluss an die jeweils in den Ford-Werken erfolgten Reparaturen kehrte das Flügelauto dann stets ohne größere Diskussion auf den Zeughausturm zurück.
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Abbau 2026 und neuer Standort
Im Zuge der baulichen Sanierung des Zeughausturms wurde der Goldene Vogel am 13. August 2026 abgebaut und wird seitdem bei Ford in Köln-Niehl instandgesetzt. Anfang 2027 soll das Kunstwerk dann einen neuen Standort auf dem Maritim Hotel am Heumarkt beziehen. Eigentümer des Kunstwerks ist und bleibt jedoch der Förderverein und auch das Stadtmuseum wird weiter für den Goldenen Vogel verantwortlich sein.
„Grund für die Abnahme sind bauliche und statische Erfordernisse am denkmalgeschützten Zeughaus. Untersuchungen hatten ergeben, dass die erhebliche Auflast durch die vier Tonnen schwere Skulptur und die durch starke Winde erzeugten Bewegungen bereits zu Schäden am Mauerwerk geführt hatten. Mit der Abnahme soll der weiteren Schadensbildung vorgebeugt und die Sicherheit des Gebäudes und seiner Umgebung gewährleistet werden. Auch das Kunstwerk selbst weist alters- und witterungsbedingte Schäden auf, beispielsweise durch Korrosion - und muss restauriert werden. “ (www.stadt-koeln.de)

Ähnliche Werke
Ein in seiner Kritik an der Automobilität ähnliches Kunstwerk findet sich ebenfalls in Köln mit Ruhender Verkehr von Wolf Vostell (1932-1998). Die 1969 geschaffenen Skulptur besteht aus einem vollständig einbetonierten Opel-PKW. Der Künstler Vostell wird der Fluxus- und Happening-Bewegung zugerechnet und nahm sich des Themas „Auto“ gleich mehrfach an (vgl. dort).
Als Hommage an Wolf Vostell anlässlich dessen 75. Geburtstags im Jahr 2007 betonierte der Kölner Künstler Cornel Wachter (*1961) vor dem Bonner LVR-LandesMuseum seine Mercedes A-Klasse ein.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)

Internet
www.haschult.de: Homepage des Künstlers HA Schult (abgerufen 21.09.2026)
de.wikipedia.org: Der Goldene Vogel (abgerufen 21.09.2026)
www.stadt-koeln.de: Der „Goldene Vogel“ verlässt den Zeughausturm (Text Sabine Wotzlaw, Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln, Pressemitteilung vom 10.08.2026, abgerufen 21.09.2026)
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Literatur

Schäfke, Werner (Hrsg.) Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e.V. (Hrsg.) (1994)
HA Schult, Goldener Vogel. Köln.
Schult, HA (1989)
Fetisch Auto. (mit Beiträgen von Thomas Höpker, Klaus Honnef, Eva Windmöller). Düsseldorf.

Skulptur „Goldener Vogel“ von HA Schult auf dem Zeughaus

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Zeughausstraße 1
Ort
50667 Köln - Altstadt-Nord
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1989 bis 1991, Ende 2026

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„Skulptur „Goldener Vogel“ von HA Schult auf dem Zeughaus”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360638 (Abgerufen: 7. Oktober 2026)
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