Beschreibung und Geschichte
Dieser Kirchenhof wird zusammen mit anderen Gütern zu „frekena“ (=Frechen) erstmals in der Urkunde Kaiser Karls des Kahlen im Jahre 877 erwähnt wird. Diese Urkunde bestätigt den Mönchen der Abtei Sithiu bei St. Omer in Nordfrankreich ihren hiesigen Besitz, der zehn Güter umfasste (Heeg 1984, S. 123). Im Hochmittelalter gehörte er dem Kölner St. Kunibertskloster, welches ihn 1400 mit dem Kloster Marienborn zu Burbach gegen einen Hof in Niehl eintauschte. „Mit der Zeit änderte sich der Name Kunibertshof in Kirchenhof“ (Heeg 1984, S. 123). Der Hof blieb bis zur Säkularisierung und Versteigerung in dessen Besitz (Heeg 1984, S. 122f) und umfasste laut Rosellen 63 Morgen Land (1887, S. 266). Der Kirchenhof stellte sich um 1900 als Vierkanthof dar, dessen Wohngebäude die nördliche Begrenzung bildete (Urkataster von 1819).
In der Chronik der Stadt Frechen sind folgende Pacht- und Besitzverhältnisse angegeben (Ostermann 1967):
- 877 Der westfränkische Kaiser Karl der Kahle bestätigt der Abtei Sithiu (das ist die spätere Abtei St. Bertin in St.-Omer) ihre Besitzungen, darunter u. a. in Frekena 10 Mansen (Hufen) mit der Mutter-Kirche, dem Zehnten und den Hörigen.
- 980 Als Erzbischof Warin Teile seines Vermögens an die Kirche der 11000 Jungfrauen und Märtyrinnen vor den Mauern der Stadt Köln überträgt, befindet sich darunter Land in Frechena.
- 1015 Kaiser Heinrich II. bestätigt der Abtei St. Bertin ihre Besitzungen, darunter in Frequana acht Mansen.
- 1056 Kaiser Heinrich IV. bestätigt der Abtei St. Bertin ihre Besitzungen, unter ihnen in Frekena acht Mansen.
- 1096 Papst Urban II. bestätigt den Besitz der Abtei St. Bertin, darunter die Kirche in Frequena.
- 1108 Papst Paschalis II. nennt unter den Besitzungen der Abtei St. Bertin, die er unter seinen besonderen Schutz nimmt, die Kirche in Frekena; er wiederholt dies im Jahre 1113.
- 1119 Papst Kalixt II. führt unter den Gütern der Abtei St. Bertin, die er unter seinen Schutz nimmt, die Kirche von Fresquena auf.
- 1139 Papst Innozenz II. bestätigt der Abtei St. Bertin unter ihren Gütern den Besitz der Kirche von Frekena.
- 1144 Papst Cölestin II. nennt unter den Besitzungen der Abtei St. Bertin, die er unter seinen Schutz nehmen will, die Kirche von Frekene.
- 1145 Papst Eugen III. erwähnt unter den Besitzungen der Abtei St. Bertin die Kirche von Frekene.
- 1156 Papst Hadrian IV. bestätigt der Abtei St. Bertin den Besitz der Kirche von Frekene.
- 1163 Papst Alexander III. bestätigt der Abtei St. Bertin ihren Besitz, zu dem u. a. die Kirche zu Frekene gehört.
- 1257 Erzbischof Konrad übergibt dem Henricus de Foreste für einen Jahreszins die Zehnten und das Schultheißenamt der Kirche zu Frechen.
- 1364 Karsilius von Palant und Arnold von Bachem pachten auf zehn Jahre alle Güter und Rechte St.-Omers u. a. in Vrechen und Bentzenrode,sowie das Patronatrecht über die Kirche zu Vrechen.
- 1557 wird Halfmann auf dem Kirchenhof zu Frechen Peter Linertz
- 1671 Philipp Schmidt ist Kirchenhalfe zu Frechen.
- 1686 Christian Walraff ist Halfe auf dem Kirchenhof zu Frechen.
- 1709 bis 1717 ist Peter Wallraf Kirchenhalfe zu Frechen; 1715 Schützenkönig
- 1717 Johannes Curt wird Halfmann auf dem Kirchenhof zu Frechen, Johannes Bollig auf dem Keuschhof zu Marsdorf
- 1725 bis 1741 ist Friedrich Geuer Halfmann auf dem Kirchenhof zu Frechen.
- 1745 bis 1757 ist Friedrich Wallraf Kirchenhalfe zu Frechen.
- 1769 Die Äbtissin von Marienborn in Burbach verpachtet den Kirchenhof zu Frechen an Peter Linertz auf 12 Jahre. Im Jahre 1770 wurde der Vertrag geändert, da der Schwiegersohn Wilhelm Frenger den Hof bekam bis zum Jahre 1793, wo der Vertrag zum letzten Mal prolongiert wurde.
- 1770 Wilhelm Frenger, Kirchenhalfe zu Frechen.
Wie sich die Eigentumsverhältnisse nach der Enteignung und Privatisierung gestalteten, ist bisher nicht näher bekannt. Erst für die Zeit um das Jahr 1836 ist den Grundsteuerfortführungsverhandlungen zu entnehmen, dass die Grundstücke Z 182-190 einem Johann Berndgen gehörten, der diese an den Töpfer Johann Stark verkaufte (LA NRW R 7208 / 1836).
Der Kirchhof als Stätte Frechener Keramikproduktion
Ob Johann Stark der erste Töpfer auf dem Kirchenhof war oder vorher noch andere Töpfer hier produzierten, ist unklar. Seine Lebensdaten recherchierte Göbels (1971):
STARK, JOHANN „Töpfer - 1808 Febr. 4 geb. zu Frechen, Sohn der Ehel. Anton St. und Anna Maria Schaaf, Geburtsreg. 17/1808 - 1834 Juli 2 heir. Sophia Hüppeler, 28 Jahre alt, aus Frechen, Traureg. 21/1834 - 1836 wohnt zu Frechen “in dem Kirchenhofsgebäude neben dem Kirchenhofe„; genannt in einer Niederschrift über eine Beschwerde, StaF Akt. 246 fol. 191 ff, 213 ff - 1841 Mai 1 stirbt zu Frechen, Sterbereg. 47/1841“.
Johann Stark verstarb bereits 1841 im Alter von 33 Jahren. Seine Witwe Sophia heiratete im Jahr 1842 den Töpfer Peter Thomer (Göbels 1971):
THOMER, PETER „Kannenbäcker - 1808 Okt. 21 geb. zu Frechen, Sohn des Kannenbäckers Theodor Th. und der Agnes Thomer, Geburtsreg. 47/1808 - 1832 Nov. 28 zeigt den Tod des Vaters an, Sterbereg. 105/1832 - 1842 März 1 heir. Sophia Hüppeler, verwitwete Stark, 36 Jahre alt, aus Frechen, Traureg. 6/1842 - 1844 Dez. 8 zeigt die Geburt des Sohnes Friedrich an, Geburtsreg. 170/1844 - 1846 Juni 14 zeigt den Tod der Mutter an, Sterbereg. 77/1846 - 1850 in einer Handwerkerliste aufgeführt, StaF Akt. 182 fol. 20 - 1852 Febr: 15 zeigt den Tod seines Bruders, des Kannenbäckers Anton Th. an, Sterbereg. 15/1852 - 1856 unterschreibt das Gesuch um die Errichtung einer Töpferinnung, StaF Akt. 187 fol. 19 - 1856 in einer Töpferliste aufgeführt, ebd. fol. 21 - 1858 Jan. 2 zeigt den Tod der Ehefrau an, Sterbereg. 2/1858 - 1868 Okt. 31 stellt einen Antrag auf Errichtung eines Kannenofens in seinem am Kirchenhofe gelegenen Garten. Die Bauzeichnung ist erhalten; es handelt sich um den letzten in Frechen errichteten Kannenofen, StaF Akt. 189 fol. 171 f - 1870 März 29 zeigt den Tod seiner Schwester Margaretha Th. an, Sterbereg. 53/1870 - 1877 Apr. 14 stirbt zu Frechen, ebd. 66/1877“.
1868 ließ der Kannenbäcker Peter Thomer, nun wohl Eigentümer des Hofes mit der Hausnummer 531 (im Jahr 1868, vgl. Stadtarchiv Frechen, Akt. 189/173), einen kaminlosen Kannenofen südöstlich der Hofanlage, hinter der Scheune (Heeg 1984, S. 123) errichten. Es handelte sich um den letzten in Frechen errichteten Kannenofen, denn seine Erbauungszeit lag in der Phase des Niederganges der Kannenbäckerei in Frechen. Der Grundriss dieses Ofens ist verkleinert im Pflaster auf der Antoniterstraße dargestellt und sein Baugesuch samt Bauzeichnung befindet sich im Frechener Stadtarchiv (siehe Mediengalerie; Stadtarchiv Frechen, Akt. 189/173). Um das Jahr 1876 verkaufte Peter Thomer seine Ländereien mit der Töpferei an die Witwe Heinrich Koenen (LA NRW R 7217 1876 /5).
1883 gründeten der Frechener Töpfer Peter Weiden und der Kölner Kaufmann Alexander Schaaf auf dem Gelände ihre Steinzeugröhrenfabrik „Weiden & Schaaf“, die das Wohnhaus den Kirchenhofes nun als Verwaltungsgebäude nutzte und den Rest der alten Hofanlage verdrängte (Kölner Stadtanzeiger vom 26.01.1990). Das Wohnhaus ist bis heute erhalten.
(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)
Quellen
Kölner Stadtanzeiger vom 28./29. Mai 1994: Am alten Pfarrhaus tut sich nichts (Sammlung Bernd Mayerhofer, Ordner Weiden & Schaaf, Stadtarchiv Frechen).
Kölner Stadtanzeiger 26. Januar 1990: Wohnen in alter Fabrik (Sammlung Bernd Mayerhofer, Ordner Weiden & Schaaf, Stadtarchiv Frechen).
Kölner Stadtanzeiger vom 14./15.01.1984: Planer vergaßen Geschichte (von Ursula Diedenhofen; Sammlung Bernd Mayerhofer, Ordner Weiden & Schaaf, Stadtarchiv Frechen).
Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
- LA NRW R 7208 / 1836
- LA NRW R 7217 1876 /5
Internet
Ostermann, Theodor (1967): Chronik der Stadt Frechen (Download, abgerufen am 06.06.2026)