Steinbruch Steinringer Berg in Königswinter-Thomasberg

Steinringsberg

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Königswinter
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 41′ 57,53″ N: 7° 15′ 19,52″ O 50,69931°N: 7,25542°O
Koordinate UTM 32.376.797,90 m: 5.617.839,99 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.588.738,28 m: 5.618.949,20 m
  • Steinbruch Steinringsberg (1911).

    Steinbruch Steinringsberg (1911).

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    Steinbruch Steinringsberg (um 1906).

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  • Deponie am Steinringsberg (2024).

    Deponie am Steinringsberg (2024).

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    Steinbruch Steinringsberg (2024).

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    Steinbruch Steinringsberg (2024).

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Der Basaltsteinbruch am Steinringer Berg wird Ende des 19. Jahrhunderts über die Heisterbacher Talbahn erschlossen. Für den Abtransport der Steine aus dem Bruch wird eine Pferdebahn gebaut, später auf Lokbetrieb umgestellt. Der Bruch besaß ein eigenes Brechwerk. 1930 wird der Betrieb eingestellt.

Steinabbau im Hinterland des Siebengebirges
Die Erschließung des Steinbruchs am Steinringer Berg
Der Steinbruchbetrieb am Steinringer Berg
Entwicklung nach Stilllegung des Betriebs
Quellen, Internet, Literatur

Steinabbau im Hinterland des Siebengebirges
Nachdem durch die Eröffnung der Heisterbacher Talbahn im Oktober 1891 die Voraussetzungen zur industriellen Ausbeutung der Basaltlager im Hinterland des Siebengebirges gegeben sind, steigt die Zahl der Steinbrüche schnell an. Noch im selben Jahr wird der Steinbruch am Limperichsberg an die Bahn angeschlossen. Dieser größte und wichtigste Steinbruch im Hinterland wird 1784 erstmals erwähnt und gelangt 1881 in die Hände der aus Oberkassel stammenden Unternehmerfamilie Adrian, die mehrere Brüche in der Region betreibt.

1893 wird die Bahnstrecke der Heisterbacher Talbahn ab dem Limperichsberg um 600 Meter bis nach Grengelsbitze verlängert, um auch die Basaltbrüche am Scharfenberg (Steinbruch am großen Scharfenberg, Steinbruch am kleinen Scharfenberg), Steinringer Berg und Stüss erschließen zu können.
Ein ausführlicher Überblick zur Erschließung des Hinterlands findet sich bei den Erläuterungen zum Steinbruch Limperichsberg.

Nach dem Anschluss der Brüche Adrians an die Heisterbacher Talbahn (Limperichsberg 1891, großer Scharfenberg 1894) wird 1894 durch den Steinbruchunternehmer Albert Meyers aus Oberdollendorf ein neuer Basaltsteinbruch am Steinringer Berg eröffnet. Meyers ist schon seit einer Weile im Steinbruchgeschäft tätig. So betreibt er von 1889 bis 1902 den großen Steinbruch an der Ostseite des Petersbergs (Steinbruch Petersberg Nord und Ost).
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Die Erschließung des Steinbruchs am Steinringer Berg
Zur Erschließung des Bruchs am Steinringer Berg lässt Meyer 1894 eine 2,1 Kilometer lange Pferdebahn bauen. Sie zweigt etwa 400 Meter vor Grengelsbitze von der Oberdollendorfer Hauptstraße ab und folgt dem Verlauf der Wiesenstraße auf der Westseite des Limperichsberg. Dabei wird die obere Tunnelausfahrt des Limpericher Bruchs mit einer Brücke gequert. Die Strecke verläuft weiter über den Weiler Wiese nach Bennert und biegt dort ab, um den Steinringer Berg auf seiner Nordseite zu erreichen. Da die Pferdebahn nicht leistungsfähig genug ist, stellt Meyers 1895, ein Jahr nach Eröffnung der Strecke zum Steinringer Berg, den Transport auf Lokbetrieb um. Zwei Dampflokomotiven und 25 Kippwagen sorgen für den Abtransport des Steinmaterials. Von den Bewohnern der Region wird die Feldbahn „et Flitschbähnche“ oder auch „Rappelkiste“ genannt.

Der Steinbruchbetrieb am Steinringer Berg
Zu dem Bruch gehört ein eigenes Brechwerk. Es liegt an der Oberdollendorfer Straße am Abzweig der Wiesenstraße, nur 300 Meter hinter Karl Adrians Brechwerk am Limperichsberg. Ein historisches Foto zeigt ein langgestrecktes Backsteingebäude über einer hohen Laderampe aus Basaltstangen mit einer kleinen, turmartigen Erweiterung, in der sich ein Backenbecher befindet. Ein aus Basalt gemauerter Damm führt auf das Gebäude zu und erlaubt die Beschickung des dampfbetriebenen Brechers mittels der aus dem Bruch kommenden Loren von oben. Verarbeitet wird hier in der Regel Gestein, welches für die Herstellung von Pflastersteinen oder ähnliches ungeeignet war. Die Sortierung des zerkleinerten Materials in Schotter, Kleinschlag und Split erfolgt durch ein Trommelsieb. Das sortierte Material wird danach auf Loren verteilt, die unter dem Brecher auf einer Laderampe verkehren. Mittels Blechschütten können die hölzernen Kastenwagen der unterhalb vorbeilaufenden Heisterbacher Talbahn befüllt werden.

Auf den Halden am Bruch selbst schlugen sogenannte Kipper die in großen Mengen bestellten Bord,- Pflaster-, und Randsteine von Hand zu. Gegen die Witterung schützten einfache, dreieckige Holzverschläge, die sogenannten Kipperhütten. Außerdem exportierte man Stangenbasalt für den Deich- und Kanalbau sowie Uferbefestigungen.
Mit zunehmender Abbautiefe des Bruchs wird von Norden her ein schräg abfallender Tunnel zur Erschließung der tiefen Sohlen angelegt. Eine Motorwinde zieht die beladenen Loren aus dem Bruch.
1899 beschäftigt Albert Meyers im Bruch um die 10 Arbeiter, 1904 sind es 45 (StAB, A 679 VVS-Depositum). Zum Vergleich: 1899 beschäftigt Adrian am Limperichsberg und am großen Scharfenberg insgesamt 150 Mann, 1904 sind es nur 45.

Um 1906 gelangt der Steinbruch in den Besitz der Gebrüder Uhrmacher aus Oberkassel. Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt. Die Uhrmachers betreiben außerdem den Bruch am Stüss sowie 250 m weiter nördlich den Bruch am kleinen Ölberg. Die Familie Uhrmacher prägt über längere Zeit den Abbau, der ab 1921 von Christian Uhrmacher & Söhne fortgeführt wird. 1928 veräußern die Uhrmachers den Betrieb an die Gewerkschaft Fritz aus Andernach. Doch der Abbau scheint sich nicht mehr zu lohnen und wird 1930 eingestellt.
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Entwicklung nach Stilllegung des Betriebs
Nach der Schließung dient der Steinbruch viele Jahre als Mülldeponie. Die ungeregelte Deponierung wird zum Problem. Es kommt zu schweren Belästigungen durch Gestank, Qualm und Ratten. 1974 beschließt der Rat der Stadt Königswinter daher, die Müllkippe zu schließen. Allerdings sind nicht alle Thomasberger darüber glücklich und wehren sich mit Protesten und Eingaben. Viele fürchten den Verlust der günstigen Entsorgungsmöglichkeit, die noch reichlich Platz bieten würde. Und auch der benachbarte Limperichsberg würde sich als Kippe eignen. Trotz über 1.000 Unterschriften bleibt der Rat hart. Anschließend wird das Gelände angefüllt und renaturiert.

Am Ende des Abbaus nimmt der ungefähr Nord-Süd ausgerichtete langovale Steinbruchkessel eine Fläche von ungefähr 130 x 50 Metern ein. Die genaue Tiefe ist nicht überliefert, wird aber ähnlich wie bei den benachbarten Brüchen am Limperichsberg oder Scharfenberg bei rund 30 Metern gelegen haben. Unterhalb der Grenzstraße auf der Nordseite des Bruchs erstreckt sich eine circa 60 x 80 Meter große Abraumhalde von bis zu 12 Metern Höhe. Sie ist heute dicht bewaldet. An der Westseite des Bruchs liegt eine weitere bewaldete Halde von nur circa 55 x 20 Metern Größe. Sie ragt in eine große Pferdekoppel hinein, welche hier bis an den Rand des Steinringer Berges reicht. Ein Waldgürtel mit teils altem Baumbestand zieht sich ringförmig um den nun verfüllten Bruchkessel, der anhand des offenen Bewuchses mit hohen Gräsern und einzelnen Büschen im Luftbild gut zu erkennen ist.

In den 1980er-Jahren erweitert man das Landschaftsschutzgebiet des Siebengebirges und bezieht dabei das Steinbruchgelände und angrenzende Flächen mit ein.
Dadurch, dass die Bebauung der umliegenden Ortschaften nicht bis ganz an den Berg heranreicht - im Westen verbleibt ein Streifen von 100 Metern - ragt der Steinringer Berg noch gut sichtbar als bewaldete Kuppe aus dem Umland heraus.
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Datierung: 1894 bis 1930
Zugang: Der Steinringer Berg kann über öffentliche Wege umrundet werden. Der renaturierte Kernbereich ist nicht zugänglich.

(Jörn Kling, 2025)

Quellen
  • Echo des Siebengebirges: 20.2.1899.
  • Schneider, A. (1881): Karte des Siebengebirges, angefertigt unter Benutzung des amtlichen Materiales, Verlag von Simon Schropp. Verlag Henry, Bonn.
  • StAB, A 679 VVS-Depositum.

Internet
virtuelles-heimatmuseum.de: Virtuelles Museum Thomasberg: Steinringer Berg (abgerufen 21.03.2026)
virtuelles-heimatmuseum.de: Virtuelles MuseumThomasberg: Wiesenstraße Thomasberg (abgerufen 21.03.2026)
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Literatur

Berres, Frieder / Heimatverein Siebengebirge (Hrsg.) (1996)
Gesteine des Siebengebirges. Entstehung - Gewinnung - Verwendung. Siegburg.
Ludwig, Jan (2006)
Basaltabbau im Siebengebirge. Konflikt zwischen Basaltgewinnung und Naturschutz (1871-1914), Königswinter in Geschichte und Gegenwart. Königswinter.
Schmidt, Willi (1993)
Die Strüch. Eine Chronik von Thomasberg. Hrsg. Bürgerverein Thomasberg. Thomasberg. Königswinter.
Schmidt, Willi (1993)
Im Beschuss. Als die Amerikaner die Strüch eroberten und was vorher und nachher und drumherum geschah. Hrsg. Bürgerverein Thomasberg. Königswinter.
Sprötge, Gerd; Görres, Winfried; Müller, Friederich (1986)
Alt Hesprott in Bild und Wort. Hrsg. Heimatverein Heisterbacherrott. Heisterbacherrott.
Von Schönebeck, Johann Bernhard Constantin (1784)
Mahlerische Reise am Nieder-Rhein. 1. Heft. Nürnberg.

Steinbruch Steinringer Berg in Königswinter-Thomasberg

Schlagwörter
Ort
53639 Königswinter - Thomasberg / Deutschland
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1894, Ende nach 1930

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Jörn Kling: „Steinbruch Steinringer Berg in Königswinter-Thomasberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356809 (Abgerufen: 13. Mai 2026)
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