Auf dem langgezogenen Höhenrücken des Scharfenbergs entstehen zwei Brüche. Der große Scharfenberg im Norden und der kleine Scharfenberg im Süden.
Der Bruch am kleinen Scharfenberg wird 1900, sieben Jahre nach dem großen Scharfenberg, durch die Firma Gebr. Bauer GmbH aus Niederdollendorf in Betrieb genommen und im Volksmund daher auch „Buhrsch Broch“ genannt. Der Bruch am großen Scharfenberg heißt dementsprechend „de ahle Broch“. Wohl nach dem Ersten Weltkrieg geht der Betrieb in die Hände der Basalt AG Linz über, aber schon 1922 wird der Abbau eingestellt, möglicherweise aufgrund Erschöpfung der Lagerstätte (siehe Steinbruch Kleiner Scharfenberg).
Ein früher Pachtvertrag (1808 -1811) belegt, dass schon Anfang des 19. Jahrhunderts am großen Scharfenberg ein Steinbruch bestanden haben muss. Aufgrund der abgelegenen Lage kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der Basalt nur lokal in den umliegenden Orten wie Stieldorfer Hohn genutzt wurde. Aufgrund seiner Druckfestigkeit wurde der Stein gerne für Fundamente verwendet. Entsprechend der geringen Bedeutung findet der Bruch auch keine Darstellung in der Karte des Markscheiders Adolf Schneider (1881). Die preußische Neuaufnahme von 1895 zeigt, dass der Abbau am Scharfenberg zuerst mit zwei kleineren Brüchen an der Westflanke des Berges einsetzte, die sich ungefähr auf Höhe der heutigen, großen Abraumhalde befunden haben müssen. Möglicherweise lag dort auch der frühe Pachtbruch. Etwas später wurde der jetzige Steinbruchkessel auf der Kuppe in Angriff genommen.
Der industrielle Abbau am Scharfenberg beginnt mit dem Anschluss an die Heisterbacher Talbahn im Jahr 1894 durch J.G. Adrian, der bereits den benachbarten Bruch am Limperichsberg betreibt. Zur Erschließung lässt er ab dem Bahnhof Grengelsbitze ein 600 Meter langes Anschlussgleis bis an die Westseite des Berges verlegen. Dort entstehen ausgedehnte Verladeanlagen mit mehreren Gleisen und einem eigenen Brechwerk. Bord- und Pflastersteine können über eine Sturzrampe auf die Waggons der Heisterbacher Talbahn umgeschlagen werden. Für die Schotterverladung besteht am Brechwerk eine Siloanlage mit Schütten und Durchfahrtsgleis. Ein Übersichtsplan von 1929 zeigt die Situation der letzten Betriebsjahre. Bereits 1932 endet der Abbau.
Zur Erschließung des tiefen Steinbruchkessels bestand an der Südseite des Bergs ein rund 70 Meter langer Tunnel. Mit einer Feldbahn konnte so das Rohmaterial direkt aus dem Bruch durch den Stollen bis an das Brechwerk oberhalb der Verladeanlagen gefahren werden. Auf der großen Halde vor dem Tunnelausgang befanden sich außerdem die Arbeitsplätze der Steinhauer und Pflastersteinschläger. Die dort hergestellten Bord- und Pflastersteine brachte man mit Hilfe einer 80 Meter langen Bremsbahn auf die Höhe des circa 20 Meter tiefer liegende Bahnanschlusses zur Verladung. Insgesamt hat J.G. Adrian 1899 in seinen beiden Brüchen am großen Scharfenberg und am Limperichsberg rund 150 Arbeiter beschäftigt.
Der heutige, circa 20 Meter tiefe Buchkessel erstreckt sich von Nord nach Süd über eine Länge von 140 Metern und einer Breite bis zu 65 Metern. Vermutlich geologisch bedingt ist die mittige Einschnürung des Bruchkessels, das dort anstehende Gestein war vermutlich nicht brauchbar. Der senkrecht abfallende eingezäunte Bruchkessel ist zum Teil mit Wasser gefüllt und wird heute vom Wasserbeschaffungsverband Thomasberg (WBV) genutzt. Auf der Höhe besteht eine Hochbehälteranlage mit 5.000 Kubikmetern Fassungsvermögen. Die Abraumhalde an der Westseite fächert sich dreieckig auf und besitzt eine Länge von 90 Metern bei einer Breite von bis zu 65 Metern. Eine weitere große Halde erstreckt sich über eine Länge von 140 Metern und eine Breite von 60 Metern in der Talaue unterhalb des heutigen Fahrwegs „Zum Rothenberg“. Der Wegverlauf entspricht der Lage des ehemaligen Anschlussgleises der Heisterbacher Talbahn.
Wie auch am Limperichsberg und am kleinen Scharfenberg dient der ehemalige Steinbruchstunnel in den letzten Kriegstagen des März 1945 der lokalen Bevölkerung als Zufluchtsort. Hier sind es vor allem Bewohner aus dem benachbarten Ort Sonderbusch. Zuvor soll die Wehrmacht den Tunnel in den Jahren 1944/45 als Munitionslager genutzt haben.
Von dem ehemaligen Brechwerk haben sich hinter dornigem Dickicht Reste der Fundamente aus Stampfbeton erhalten. Entlang des unterhalb vorbeilaufenden Feldwegs -hier lagen ehemals die Verladegleise - sind die Reste einer ehemaligen Laderampe sichtbar, ebenfalls aus Stampfbeton. Das gesamte Gelände ist urwaldartig mit dornigem Dickicht und hohen Bäumen bewachsen, darunter zahlreichen Robinien. Der ökologische Wert des ehemaligen Steinbruchs als Biotop ist bedeutsam.
Die ehemaligen Freiflächen an der Ostseite des Geländes sind mit Einfamilienhäusern bebaut worden, die bis fast an den Bruch reichen. Die Aue vor dem Bruch im Westen wird durch ein flaches Wiesental eingenommen, so dass die Kette aus kleinem und großem Scharfenberg noch seinen landschaftsprägenden Mittelgebirgscharakter besitzt.
Zugang
Das Gelände des großen Scharfenbergs wird von einer Trinkwasseranlage genutzt und ist nicht zugänglich. Die Mauern der ehemaligen Laderampen sind von einem vorbeiführenden Feldweg aus zu sehen.
(Jörn Kling, 2025)
Quellen
- Echo des Siebengebirges vom 20.02.1899.
- Schneider, A. (1881): Karte des Siebengebirges, angefertigt unter Benutzung des amtlichen Materiales, Verlag von Simon Schropp. Verlag Henry, Bonn.
- LAV-NRW-R AA 0637, 8480 Pachtkontrakte, u.a. Steinbruch am Scharfenberg im Wald. Großherzogtum Berg, Generaldomänendirektion, 1808-1811.
Internet
www.virtuelles-heimatmuseum.de: Scharfenberg (abgerufen am 17.02.2026)
www.wbv-thomasberg.de: Wasserbeschaffungsverband Thomasberg (WBV). Hochbehälteranlagen (abgerufen 17.02.2026)