Erst nachdem die kurkölnische Wolkenburg Anfang des 16. Jahrhunderts aufgegeben wird, setzt am Berg ein nennenswerter Steinabbau ein. Anfangs beschränkt er sich auf den hochwertigen Latit im Gipfelbereich. Der filigran bearbeitbare Stein war damals beliebt zur Verkleidung repräsentativer Fassaden (z. B. Siebengebirgsmuseum Königswinter), Fenster- und Türengewände sowie Treppenstufen.
Bis zur Erschöpfung der Gesteinsvorkommen im Gipfelbereich um 1800 liegt hier die Organisation des Steinabbaus fest in der Hand der Königswinterer Steinhauerzunft. Die Burgruine fällt um 1740 den Steinbrechern zum Opfer. An der Südseite der Wolkenburg setzt der Steinabbau später ein und wird erstmals im Zusammenhang mit den Planungen eines neuen Abfuhrwegs für die neuen Brüche am sogenannten Rübenkämpchen (bzw. an der Vogelskaule) im Jahr 1692 erwähnt.
Ab etwa 1700 gibt es nun also zwei Steinbruchgebiete an der Wolkenburg: Eines im Gipfelbereich und eines an der Südseite. Von ersterem transportiert man die Steine westlich an den Rhein zu den Werkhütten der Königswinter Steinhauerzunft. Und von der Südseite aus bringt man die Steine zu den Werkhütten der unzünftigen Rhöndorfer Steinhauer.
Für den Abtransport lassen sich drei Fuhrwege unterscheiden:
Der Königswinterer Weg (Brüche des Gipfelbereichs)
Der westliche Rhöndorfer Weg (Brüche an Rübenkämpchen und Vogelskaule)
Der östliche Rhöndorfer Weg (Brüche an Süd- und Ostseite)
Der Königswinterer Weg
Die Steinbrüche am Gipfel wurden durch zwei Wege erschlossen. Sie liefen von zwei Seiten schräg über die oberen Hänge des Berges, um sich dann auf dem Sattel zwischen Drachenfels und Wolkenburg zu vereinigen. Von da aus verlief der Fuhrweg parallel zur heutigen Zahnradbahn bis an den Kuckstein und von dort aus weiter über einen tiefen Hohlweg durch die Helte an die sogenannte „Fahr“ am Rhein, wo sich die Werk- und Verladeplätze der Steinhauer befanden. Auf einer Karte des Amtes Wolkenburg von Sandfort 1772 wird der Weg als „Wolckenburger Schleiff“ bezeichnet: ein deutliches Indiz für einen Transport der Steine auf Schlitten. Ein ehemals gebräuchliches Transportmittel in schwierigem, steilem Terrain.
Der alte Weg hat sich ab dem Kuckstein als beeindruckender Hohlweg erhalten. Tief hat er sich dort in die anstehenden Tuffe eingeschnitten, die senkrecht aufragenden Felswände ausbilden. Auch auf Höhe des Burghofs sind entlang der Zahnradbahn noch Strukturen des alten Wegs erkennbar. Die ehemals zum Gipfelplateau führenden Wegabschnitte an der Wolkenburg selbst sind durch den fortschreitenden Steinabbau verschwunden.
Der westliche Rhöndorfer Weg
Zur Erschließung der Brüche auf der Südseite baut die Bergische Hofkammer (als Finanzbehörde und Verwalterin der Domänen) 1715/16 einen eigenen Abfuhrweg. Sie verspricht sich davon eine wirtschaftliche Stärkung des ihr zugehörigen Ortes Rhöndorf in Konkurrenz zu Königswinter, das zu Kurköln gehörte. Dadurch sollte ihren „Untertanen zu Röndorf viele Narung würde verschaffet werden, wann die dießseits der Wolkenburg erfindliche Steinbrüche aufgeräumet, und wann zu Verbringung deren Steine ein Schleifweeg aus dem Gebürg bis an die Röndorfer bache gemacht würde, von welcher die Steine an den Rhein, und so weiter verbracht werden könten.“ (LAV NRW R Jülich Berg BXII 23, Rechtlicher Vortrag […], 4.4.1789)
Der Weg führte von den Brüchen des Rübenkämpchens bzw. der Vogelskaule, welche unterhalb des Sattels zwischen Wolkenburg und Drachenfels lagen, über eine der Wolkenburg vorgelagerte Anhöhe bis fast an das heutige Ulanendenkmal und fällt dann steil in gerader Linie durch die Weinberge bis nach Rhöndorf ab. Der Bau des „Schleif-Weegs“ war ein kostspieliges Bauprojekt: Die Entschädigungsliste für benötigte Weinberge, Rahmbüsche und Hecken war lang. Zudem führte er über Grundstücke des Grafen von Gudenau, der in der Folge einen jahrelangen Entschädigungsprozess anstrebte (LAV NRW R Jülich Berg BXII, 23. 4.4.1789).
Dieser Weg prägt bis heute die Landschaft als breiter, mehrere Meter tief eingeschnittener und bewaldeter Hohlweg, der die Weinberge Rhöndorfs senkrecht durchschneidet. Als der Verschönerungsverein des Siebengebirges 1881 einen neuen Fußweg über die Südseite auf den Drachenfels bauen lässt, muss der Hohlweg aufwendig mittels einer Brücke gequert werden. Die Brücke wird bis heute genutzt, ist jedoch zur Hälfte mit Aushub verschüttet.
Der östliche Rhöndorfer Weg
Der östliche Weg verlief von den Werkplätzen am Rhein zunächst ein Stück durch das Rhöndorfer Tal, um dann durch das Gebiet des heutigen Waldfriedhofs steil zu den Brüchen auf der Südseite des Berges anzusteigen. Am oberen Rand des Friedhofs gabelte sich der Weg in zwei Teilstücke, die beide mehrere Meter tief als Hohlwege in das Gelände eingeschnitten sind.
Der rechte ältere Hauptweg führte in die oberen Pachtbrüche des 18. Jahrhunderts am Südhang der Wolkenburg, die bis ca. 1855 betrieben wurden. Deren Felswände stellen bis heute ein charakteristisches Landschaftselement der Wolkenburg dar und sind von weit her zu sehen. Um die Brüche zu erreichen, steigt der Transportweg in gerader Linie bis fast auf die Kammhöhe an der Ostseite der Wolkenburg an, um dann in einer scharfen Linkskurve das Niveau der Brüche zu erreichen. Das oberste Teilstück des Wegs ist so steil, dass eine Nutzung mit Fuhrwerken kaum vorstellbar ist und er vermutlich als Steinrutsche genutzt worden ist. Im weiteren Verlauf bis auf die Sohle des Rhöndorfer Tals bildet er einen langen tiefen Hohlweg aus.
Der linke Zweig des Abfuhrwegs wird in einer Übersichtskarte der Wolkenburg des Obersteigers Joh. Bernat (Bernhard) Wellener (1817) als „projektiert“ bzw. „neu anzulegender Fahrweg“ bezeichnet. Er sollte im langen Bogen über die „alten Steinbrüche“ des Rübenkämpchens bis zu den oberen Brüchen der Südseite führen. Damit konnte offenbar der steile östliche Transportweg durch eine besser befahrbare Variante ersetzt werden. Darauf verweisen die in dem Plan projektierten Steigungswinkel von 10 und 14 Grad.
Von diesem Weg ist nur der untere Abschnitt erhalten, welcher ab Mitte des 19. Jahrhunderts mittels eines kurzen Abzweigs der Erschließung des neu angelegten tiefen Bruchs der Königswinterer Firma Bachem & Co. diente und bis 1910 in Betrieb war. Obwohl nicht sehr steil und tief ausgebildet, ist die Trasse als Hohlweg im Gelände gut erkennbar. Nur das letzte Teilstück vor dem Waldfriedhof liegt unter den Geröllmassen eines großen Haldenrutsches aus dem Jahr 1930 begraben. Der oberste Wegabschnitt über das Rübenkämpchen bis zu den oberen Brüchen wurde im Verlauf der jüngeren Abbaugeschichte zerstört und ist nicht mehr nachvollziehbar.
Zugang
Die alten Hohlwege werden an verschiedenen Stellen durch Wanderwege gekreuzt. Vom Waldfriedhof aus ist die Gabelung des östlichen Abfuhrwegs sichtbar.
Hinweis
Das Objekt „Abfuhrwege an der Wolkenburg im Siebengebirge“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Regionalplan Köln 446).
(Jörn Kling, 2025)
Quellen
- Sandfort, Hermann (1772): Landkarte von dem kurkölnischen Amt Wolkenburg. 1772. LAV NRW, RW Karten Nr. 4302.
- Schneider, Adolf (1881): Karte des Siebengebirges, angefertigt unter Benutzung des amtlichen Materials, Bonn.
- Wellener (1817): Grund und Saigerriß der Porphyrsteinbrüche an der Wolkenburg bey Königswinter im Bergrevier Linz. Siebengebirgsmuseum Königswinter.
Internet
de.wikipedia.org: Burg Wolkenburg (abgerufen am 07.01.2026)
www.ms-visucom.de: EBIDAT - Die Burgdatenbank: Wolkenburg im Siebengebirge (abgerufen 07.01.2026)