Die Streuobstwiesen am Burghof gehören zu dessen historischen Ländereien und wurden bis in das 20. Jahrhundert landwirtschaftlich genutzt.
Die Ländereien des Burghofs
Obstanbau im Siebengebirge im 19. / 20. Jahrhundert
Entwicklung der Streuobstwiesen am Burghof ab dem 20. Jahrhundert bis heute
Die Ländereien des Burghofs
Gegründet wurde der Hof im 12. Jahrhundert zur Versorgung der Burgbesatzung der Wolkenburg. Nach deren Bedeutungsverlust diente er der Burg Drachenfels. 1666 lässt sich namentlich ein „Heinrich auf Drachenfelser Hof“ belegen.
Erste Schilderungen des Hofes finden sich in der frühen Reiseliteratur. So beschreibt Constantin von Schönebeck den Anstieg zur Wolkenburg 1784 wie folgt: „Der Weg dazu ist ein meistens mit Grausteinen gepflasteter Fuhrweg, der sich allmählich den Berg hinauf windet. Dieser Weg gehet durch fruchtbare Felder und anmuthige Hayne, und trifft man im Fortgehen auf drey Bauerhöfe, die sich von der daselbst befindlichen Länderey nähren, noch ehe man zu Fusse der Wolkenburg und (….) des Drachenfels kommt.“ Auf dem in erster Linie als Milchhof geführten Betrieb besteht spätestens Anfang des 19. Jahrhunderts auch eine Wein- und Kaffeewirtschaft, die erste Touristen und Ausflüglerinnen versorgt. (siehe Burghof am Drachenfels in Königswinter)
1854 erwirbt Ferdinand Hoffmann den Hof für 8.400 Mark. Der Amerika-Rückkehrer Hoffmann hatte sein Geld als Landverkäufer in St. Louis/Missouri gemacht und investiert erheblich in den Betrieb. Auf den Ackerflächen werden Roggen, Weizen, Gerste, Erbsen und Wicken (Viehfutter) angebaut. Neben Weideland bestehen also auch größere Ackerschläge. 1862 erweitert er seinen Besitz durch den Ankauf des Guts Elsigerfeld, das heutige Milchhäuschen. Am Zuweg zum späteren Dechen-Denkmal lässt er eine Esskastanienallee pflanzen. Die Früchte werden später vermarktet. 1882 zählt man auf dem Hof 12 Kühe und 3 Pferde (StaKW 1545).
1882 erwirbt der Baron Sarter den Burghof mit seinen Ländereien. Für den Bau von Schloss Drachenburg (1882 bis 1884) benötigt er eine zum Burghof gehörende Anhöhe oberhalb des Rheins. Zum Zeitpunkt des Verkaufs umfassen die Ländereien des Burghofs insgesamt 36 Hektar, die sich aus Gärten, Ackerland, Holzungen, Wiesen und einem Weinberg zusammensetzen. Der Hof selbst besteht aus einem Wohnhaus mit Pavillon sowie Kelterhaus, Scheune, Stallung, Kornspeicher und Hofraum.
Ab 1895 wird der Burghof von dem Pächter Peter Joseph Kalt geführt. Neben der Gastwirtschaft betreibt Kalt den Hof weiterhin als landwirtschaftlichen Betrieb. Außer Milch und Weizen als Hühnerfutter bietet man im Herbst Esskastanien, Kartoffeln und auch Lämmer zum Kauf an. 1904 werden erstmals Äpfel inseriert. Ob die Obstbäume noch von Ferdinand Hoffmann oder erst von Joseph Kalt gepflanzt wurden, ist nicht zu klären.
Obstanbau im Siebengebirge im 19. / 20. Jahrhundert
Der Obstanbau in der Region wird schon seit den 1830er Jahren staatlich gefördert, um den Winzerleuten ein zweites Standbein zu geben, beschränkt sich aber zunächst weitgehend auf Anbau für den Eigenbedarf. Seit den 1870er Jahren wird verstärkt der Erwerbsobstbau gefördert und um bislang fehlende Verwertungs- und Absatzmöglichkeiten erweitert. Im Hinterland des Siebengebirges entstehen zugleich zahlreiche neue Baumschulen. Im Siebengebirge ist dabei vor allem das sogenannte Krautkochen (dick eingekochter und dadurch haltbar gemachter Saft) in der traditionellen Lebensmittelproduktion von großer Bedeutung und spiegelt sich in den dafür bevorzugten Apfel- und Birnensorten wider. Gewerbsmäßig erlangt die Krautkocherei und Süßmostherstellung eine große Bedeutung und ab den 1920er Jahren gründen sich am Siebengebirge Obstverwertungsgenossenschaften. Darüber hinaus wird Obst getrocknet, in Gebäck verarbeitet, zu Schnaps gebrannt oder zu Wein vergoren. Tafelobst, wie wir es heute kennen, spielte damals nur eine geringe Rolle. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs produziert der Erwerbsobstbau überwiegend in Hochstammanlagen, also großen Einzelbäumen. Danach setzen sich neue Erziehungssysteme und Sorten für den Niederstammbau durch.
Entwicklung der Streuobstwiesen am Burghof ab dem 20. Jahrhundert bis heute
Am Burghof spiegelt sich die Entwicklung insofern wider, dass man die dortigen Ackerflächen um die Jahrhundertwende in Wiesen umwandelt und anschließend mit Obstbäumen bepflanzt. Die Obstbaumzählung von 1947 listet für den Burghof einen Bestand an 60 Apfel- und 10 Birnbäume als Hochstamm und 50 Birnbäume als Niederstamm bzw. Buschbaum. Dazu kommen drei Walnussbäume. Aufgrund der hohen Anzahl an Bäumen kann von einer gewerbsmäßigen Nutzung ausgegangen werden.
Interessanterweise wird der Obstanbau nach 1947 noch ausgeweitet. Im Luftbild von 1957 ist am sonnigen südwestexponierten Unterhang eine offenbar erst kürzlich angelegte langrechteckige Plantage von 120 niederstämmigen Obstbäumen sichtbar! Der Oberhang am Dechendenkmal wird von einer offenbar etwas älteren lückigen Pflanzung von etwa 140 Niederstämmen eingenommen. Und im Verlauf des Siefens befindet sich eine Reihe von etwa 20 großen Hochstämmen. Dabei handelt es sich u.a. um die 1947 gelisteten Birnbäume. Am ostexponierten Hang unterhalb der Drachenfelsbahn sind außerdem große Gewächshäuser zu sehen. Der kalte nordexponierte Hang oberhalb des Burghofs ist hingegen frei von Obstbäumen. Leider ist nichts über den damaligen Betreiber der Plantage bekannt.
Die folgenden Luftbilder (1977, 1986) zeigen, wie der Bestand an Obstbäumen erst langsam und dann immer schneller abnimmt, wahrscheinlich aufgrund von Überalterung. Offensichtlich findet keine Pflege mehr statt. 1998 sind von der großen Plantage am Unterhang nur noch Reste erhalten. Und die Pflanzungen am Dechendenkmal scheinen bis auf einige nordexponiert stehende Bäume, fast vollständig abgängig zu sein. Auch die großen Birnbäume sind nicht mehr auszumachen.
Das aktuelle Luftbild zeigt nun, dass der Bestand in den letzten Jahren erneut zugenommen hat. Seit den 1980er Jahren gibt es wieder Ansätze Streuobstwiesen zu bewirtschaften. Wichtige Akteure am Siebengebirge sind die Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge e.V., das Naturschutzprojekt „Chance 7“ und die Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V.
Die Biologische Station betreut neben weiteren Streuobstwiesen am Siebengebirge nun auch die Wiesen am Burghof. Sie führt regelmäßig Pflegemaßnahmen durch, ersetzt abgängige Bäume und legt Neupflanzungen an. Um einer Verbuschung der Wiesen entgegenzuwirken, organisiert der Verein eine regelmäßige, extensive Beweidung.
2021 wird der steile Fußweg durch die Wiesen, vom Drachenfelser Kutschenweg talabwärts über den Burghof und weiter in Richtung Nachtigallental, aufgehoben und renaturiert, um so der Tierwelt größere zusammenhängende Ruheräume zu geben.
Dank der umfangreichen Pflanzaktion der Biologischen Station konnte die bedrohte Streuobstwiese am Burghof wiederhergestellt werden. Zur Frühjahrsblüte stellt der Blick vom Dechen-Denkmal über die Wiesen auf Schloss Drachenburg eine traumhafte Aussicht dar.
Hinweis
Das Objekt „Streuobstwiese am Burghof am Drachenfels in Königswinter“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 446).
(Jörn Kling, 2025)
Quellen
- Echo des Siebengebirges
- General-Anzeiger-Bonn
- StaKW 1545, Viehzählung 1882
- StAKW 2251, Obstbaumzählung
Internet
de.wikipedia.org: Burghof Königswinter (abgerufen 23.04.2026)
virtuelles-heimatmuseum.de: Der ehemalige Burghof (abgerufen 23.04.2026)