Eine der letzten Filialen der Supermarktkette Cornelius Stüssgen AG am Lenauplatz in Köln-Neuehrenfeld (2004). Das Gebäude war ursprünglich einmal ein Kino, das "Lenaukino".
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Das Grabmal der Familie Stüssgen auf dem Kölner Friedhof Melaten, Flur 60 (2006). Auf Cornelius Stüssgen geht 1897 die "Kölner Konsumanstalt" zurück, Vorläuferin der späteren Supermarktkette Cornelius Stüssgen AG.
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Eine der letzten Filialen der Supermarktkette Cornelius Stüssgen AG am Lenauplatz in Köln-Neuehrenfeld (2004). Das Gebäude war ursprünglich einmal ein Kino, das "Lenaukino".
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Das Grabmal der Familie Stüssgen auf dem Kölner Friedhof Melaten, Flur 60 (2006). Auf Cornelius Stüssgen geht 1897 die "Kölner Konsumanstalt" zurück, Vorläuferin der späteren Supermarktkette Cornelius Stüssgen AG.
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Die früher im Rheinland allseits bekannte und bis zu ihrer Übernahme durch Rewe 1984 weit verbreitete Supermarktkette Cornelius Stüssgen AG geht auf den kleinen Laden der 1897 an der Venloer Straße 466 in Ehrenfeld eröffneten „Kölner Konsumanstalt“ zurück, mit der sich der junge Cornelius Stüssgen selbständig gemacht hatte. In der 1928/29 errichteten Braunsfelder Unternehmens-Zentrale des „Kaisers der Kölner Bucht“ lief Schallplattenmusik und die Waren wurden teils von auf Rollschuhen fahrenden Mitarbeitern überprüft!
Kölner Konsumanstalt (ab 1897) und Rheinisches Kaufhaus für Lebensmittel (ab 1903) Durch seine neuen Geschäftsmethoden war der bei der Gründung seines ersten Ladens gerade einmal 20-jährige Kaufmann Cornelius Stüssgen (1877-1956) über drei Jahrzehnte hin zunächst noch „im Kleinen“ erfolgreich. Sein erstes Geschäft war der gerade einmal 40 Quadratmeter große Laden der Ehrenfelder „Kölner Konsumanstalt“. Ab der Wende zum 20. Jahrhundert konnte Stüssgen dann bis 1904 bereits zwölf Filialgeschäfte eröffnen. Das Unternehmen firmierte ab 1903 als „Rheinisches Kaufhaus für Lebensmittel Cornelius Stüssgen“. Zu dem seit 1907 als Offene Handelsgesellschaft (OHG) geführten Unternehmen gehörten nach dem Ersten Weltkrieg über 100 Filialen. Im Jahr 1924 hatte Stüssgen ca. 350 Mitarbeiter (Soénius 2013).
Cornelius Stüssgen AG (ab 1928) Nach einer dreiwöchigen USA-Reise im Jahr 1927 mit intensivem Studium der dortigen Geschäfts- und Organisationspraktiken des Handels wandelte Stüssgen sein Lebensmittel-Unternehmen 1928 in die Cornelius Stüssgen Aktiengesellschaft um. Von dem Grundkapital von 2,45 Milliarden Mark erhielt seine seit 1915 verwitwete Schwester Maria Geyr eine Beteiligung von 20 Prozent.
Ab 1929 wurde eine neue Firmenzentrale mit zentralem Lagerhaus an der Stolberger Straße in Köln-Braunsfeld eingerichtet und nachfolgend stetig erweitert. Die erste eigene Verpackungsabteilung eines deutschen Lebensmittelunternehmens bestand aus vier automatischen Packanlagen, die jeweils eine Tagesleistung von 10 Tonnen Lebensmitteln erbrachten. „Die Waren der einzelnen Stockwerke werden gesammelt und von auf Rollschuhen fahrenden Mitarbeitern überprüft. Es gibt auch eine Eier-Abteilung, in der 60.000 Eier am Tag überprüft und sortiert werden. Um die Produktivität seiner Arbeiter zu steigern, lässt Stüssgen sogar Schallplattenmusik über Lautsprecher abspielen.“ (www.express.de)
Cornelius Stüssgens für den Handel neuartige Methoden wurden seinem Personal ab 1930 über eine eigene Verkaufsschule und praxisbezogene Abendschulungen in den Filialgeschäften vermittelt. Durch den aus Gründen der Rationalisierung eingeführten Verkauf von abgepackten Lebensmitteln schuf Stüssgen in diesen Jahren die Basis für die späteren Selbstbedienungs-Supermärkte. Produkte der firmeneigenen Marke „Cornelia“ waren zum Ausweis der Stüssgen-Qualität mit einem „S“ gekennzeichnet. In der Folgezeit entwickelte sich die nach wie vor von dem damals gerne auch als „Kaiser der Kölner Bucht“ bezeichneten Gründer geführte Cornelius Stüssgen AG prächtig, im Jahr 1933 wurden 145 Filialen gezählt.
Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit Während der NS-Zeit richtete sich anfangs eine „Mittelstandsideologie“ gegen Kaufhäuser und Filialbetriebe, doch Stüssgen konnte seine Kette auch nach 1933 halten. „1937 gründete er verschiedene Stiftungen, u.a. eine zur Förderung des Nachwuchses im Einzelhandel, die noch heute bei der Industrie- und Handelskammer Köln besteht“ (Soénius 2013). Im Jahr 1940 war Cornelius Stüssgen „vermutlich um Geschäftsschließungen im Zuge der Kriegswirtschaft zu verhindern“ (ebd.) in die NSDAP eingetreten. Im Zuge seines Verfahrens zur Entnazifizierung wurde er 1949 in der niedrigsten Kategorie V als „entlastet“ eingestuft (ferner gab es die Einstufungen „I Hauptschuldige, II Belastete, III Minderbelastete und IV Mitläufer“).
Die rund 95 % umfassende Zerstörung Kölns während des Zweiten Weltkriegs betraf auch die Braunsfelder Stüssgen-Firmenzentrale, ferner waren etwa die Hälfte der Geschäfte ausgebombt. Der inzwischen 68-jährige Cornelius Stüssgen nahm sich umgehend dem Wiederaufbau an und bereits 1948 konnten wieder 82 Filialen betrieben werden. Erneut brachte Stüssgen Neuerungen in den Lebensmittelhandel ein, darunter 1950 einen „Tempo-Laden“ mit nur noch einer zentralen Kasse (zuvor wurden die Waren noch einzeln von der Verkäuferin aufgeschrieben). Ein 1952 in Brühl eröffnetes Geschäft nach dem ab 1948 bei der Schweizer Kette MIGROS eingeführten Konzept der Selbstbedienung gilt als erster deutscher Lebensmittel-Selbstbedienungsladen. Diesem Prinzip folgten viele Unternehmen, darunter auch der Unternehmer Herbert H. Eklöh, der 1957 – ergänzt um Elemente nach amerikanischem Vorbild – in der Ehrenfelder Rheinlandhalle den ersten deutschen Supermarkt eröffnete.
Das Ende von Stüssgen (ab den 1980ern bis 2006) Cornelius Stüssgen verstarb 1956 mit fast 80 Jahren und erlebte den in den 1970ern einsetzenden Niedergang seines Unternehmens nicht mehr. Als sich die wirtschaftlichen Probleme häuften, versuchte die Familie vergeblich, die Stüssgen AG durch den Aufbau von Drogerieketten, SB-Warenhäusern und Discountern zu retten. Mitte der 1980er-Jahre wurde Stüssgen schließlich von der in Köln ansässigen Rewe-Gruppe übernommen, zunächst 1984 über eine Aktienmehrheit von 51 %, die 1989 über die restlichen 49 % von Stüssgens Witwe und zwei Töchtern im Wert von 55 Millionen DM erweitert wurde. 1991 wurden verschiedene Rewe-Töchter, darunter auch die Kölner Cornelius Stüssgen AG zur Deutscher Supermarkt AG mit Sitz in Düsseldorf verschmolzen (Rewe 2002).
In der Folgezeit sanierte die Rewe-Gruppe das Unternehmen wobei die Braunsfelder Zentrale geschlossen wurde und dort Tochterfirmen von Rewe einzogen. Die meisten der vorherigen Stüssgen-Filialen wurden bis 2005/06 unter dem Rewe-Konzept Minimal-Markt geführt, während zunächst noch 46 Filialen den Namen „Stüssgen – Der Frische“ behielten. Einer der letzten Stüssgen-Märkte wurde bis 2006 in einem vormaligen Kino am Lenauplatz in Köln-Neuehrenfeld betrieben (vgl. Abb.).
Die Stüssgen- und Minimal-Filialen wurden schließlich zum 25. September 2006 im Rahmen einer neuen strategischen Ausrichtung des Handelskonzerns zu Rewe-Filialen. Die Existenz des 1897 mit einem winzigen Laden in Ehrenfeld begründeten Unternehmens endete an diesem Tag und Stüssgen wurde nach 109 Jahren Geschichte.
Cornelius Stüssgens Kölner Weinkeller in Braunsfeld Eine bis heute erhaltene Besonderheit des 1928/29 entstandene Neubaus der Braunsfelder Stüssgen-Zentrale an der Stolberger Straße ist der nachträglich eingerichtete „Stüssgen-Weinkeller“ bzw. „Kölner Weinkeller“. Cornelius Stüssgen hatte den Wunsch, die Versorgung seiner Filialen mit Weinen der firmeneigenen Marken über einen guten Fasskeller mit konstanten Temperaturen zu gewährleisten, ergänzt um eine hochwertige Abfüllanlage. Der Umbau erfolgte durch Walter Dißmann, der bereits beim Bau der Zentrale beteiligt war. Während des Zweiten Weltkriegs diente der Keller auch als Luftschutzbunker für die Bewohner Braunsfelds.
Neben einer Treppe mit 51 Stufen führt einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen Aufzüge Kölns aus dem Jahr 1937 in den in bis zu 13 Metern Tiefe angelegten Keller, der 95 Meter Länge und 26 Meter Breite aufweist. Als Zeugnisse der Weingeschichte des Kellers finden sich hier heute noch vollständig die alten emaillierten Tanks und einige der großen Holzfässer sowie Relikte von Rohrleitungen und elektrischen Anlagen aus den Gründungsjahren. An der Ostseite des Kellers befindet sich hinter einem von August Kotthoff ausgeführten schmiedeeisernen Tor die so genannte „Schatzkammer“ der Spitzenweine. Hier befindet sich auch ein Fass, das der Bildhauer Ewald Mataré (1877-1965) im Jahr 1947 als Auftragsarbeit zum 50-jährigen Jubiläum des Unternehmens gestaltet hatte: „Es zeigt Gottvater sowie Adam und Eva mit Weinreben umrankt und trägt die Inschrift 'Gott gab uns den Wein zur Freude'. Hier lagerte Stüssgen besondere Weine ein, auch heute noch werden hier die Raritäten sicher gelagert.“ (de.wikipedia.org, Kölner Weinkeller)
Im Zuge der Übernahme von Stüssgen durch Rewe wurde mit der Schließung der Firmenzentrale auch die Weinabfüllung im Keller in der Stolberger Straße eingestellt. In den Keller zog der Mitte der 1970er eröffnete Rewe-Weinfachhandel ein. Nach einer 1992 erfolgten Renovierung dient der Keller mit seiner teils noch im Original erhaltenen Einrichtung als Rewe-Fachmarkt für Weine des höheren Preissegments, die auch online vertrieben werden. Der laut der Kölner Denkmalliste nicht als Baudenkmal geschützte Weinkeller zählt heute „als 'herausragendes technisches Baudenkmal' zu den größten historischen Weinkellern Deutschlands, in dem heute auf über 2500 Quadratmetern über 150.000 Flaschen lagern.“ (ebd.)
Internet www.deutsche-biographie.de: Cornelius Stüssgen (Text Ulrich S. Soénius, Neue Deutsche Biographie 2013, abgerufen 19.02.2026) www.express.de: Stüssgen. Kennt ihr noch diese Kölner Supermarkt-Kette? Gab es früher an fast jeder Ecke (Text Inge Wozelka, zuerst erschienen am 11.10.2017 in der Express-Reihe „Kölner Zeitreise“; hier: Kölner Express von 18.01.2025, abgerufen 21.01.2025) de.wikipedia.org: Cornelius Stüssgen (abgerufen 19.02.2026) de.wikipedia.org: Stüssgen (abgerufen 19.02.2026) de.wikipedia.org: Kölner Weinkeller (abgerufen 19.02.2026) alltagskulturen.lvr.de: Transformationsprozesse im Lebensmittelhandel (Text Raphael Thörmer, 2015, abgerufen 21.02.2026) www.koelner-weinkeller.de: Kölner Weinkeller, REWE Wein Online GmbH (abgerufen 21.02.2026) www.stadt-koeln.de: Interaktive Karte der Kölner Denkmäler (abgerufen 21.02.2026)
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