Kölner Konsumanstalt Cornelius Stüssgen

ab 1903 Rheinisches Kaufhaus für Lebensmittel

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 57′ 16″ N: 6° 54′ 36,96″ O 50,95445°N: 6,91027°O
Koordinate UTM 32.353.227,36 m: 5.646.838,27 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.564.004,07 m: 5.646.973,51 m
  • Das Grabmal der Familie Stüssgen auf dem Kölner Friedhof Melaten, Flur 60 (2006). Auf Cornelius Stüssgen geht 1897 die "Kölner Konsumanstalt" zurück, Vorläuferin der späteren Supermarktkette Cornelius Stüssgen AG.

    Das Grabmal der Familie Stüssgen auf dem Kölner Friedhof Melaten, Flur 60 (2006). Auf Cornelius Stüssgen geht 1897 die "Kölner Konsumanstalt" zurück, Vorläuferin der späteren Supermarktkette Cornelius Stüssgen AG.

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  • Eine der letzten Filialen der Supermarktkette Cornelius Stüssgen AG am Lenauplatz in Köln-Neuehrenfeld (2004). Das Gebäude war ursprünglich einmal ein Kino, das "Lenaukino".

    Eine der letzten Filialen der Supermarktkette Cornelius Stüssgen AG am Lenauplatz in Köln-Neuehrenfeld (2004). Das Gebäude war ursprünglich einmal ein Kino, das "Lenaukino".

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Der damals gerade einmal 20-jährige Cornelius Stüssgen eröffnete Anfang Oktober 1897 an der Venloer Straße 466 in Ehrenfeld seine „Kölner Konsumanstalt“. Dieses Geschäft war die Keimzelle der später im Rheinland allseits bekannten und bis zu ihrer Übernahme durch Rewe 1984 weit verbreiteten Supermarktkette Cornelius Stüssgen AG.

Kölner Konsumanstalt in Ehrenfeld (ab 1897)
Aufgewachsen zunächst in Stommelen und dann ab Ende der 1880er in Ehrenfeld, trat Cornelius Stüssgen (1877-1956) im Jahr des frühen Todes seines Vaters Joseph (1848-1891) nach seiner Schulzeit eine Lehre im Kölner Geschäft des Kolonialwarenhändlers David Lippmann an, der ihn auch als Angestellten übernahm. 1895 wechselte Stüssgen zur Agentur für Kolonial- und Fettwaren H. & S. Baum und machte sich nach wiederum zwei Jahren im Ehrenfelder Haus seiner Mutter selbständig.
Stüssgens kleiner, gerade einmal 40 Quadratmeter großer Laden umfasste nur einen Raum und wurde von seiner Mutter Anne Marie (1851-1909, geborene Pütz) und einer seiner Tanten geführt. Man verkaufte nur Waren von besonderer Qualität und die für damalige Verhältnisse besonderen Öffnungszeiten von 4 Uhr morgens bis 23 Uhr abends - dazu auch an Sonn- und Feiertagen! - wurden von der Kundschaft gut angenommen. Weniger beliebt hingegen war, dass Stüssgen das Ende des 19. Jahrhunderts gängige „Anschreiben lassen“ nicht praktizierte und einzig sofortige Barzahlung akzeptierte. Immer wieder hatte das Risiko dieser verstreuten Kleinkredite auf Glauben und zu Lasten des Kaufmanns ehrsame Geschäftsleute in den Konkurs getrieben …
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Rheinisches Kaufhaus für Lebensmittel (ab 1903)
Im Jahr 1899 konnte Stüssgen ein erstes Filialgeschäft in Brühl eröffnen, das seine drei Jahre jüngere Schwester Maria leitete. Eine erste Filiale in Köln folgte 1902, das Unternehmen firmierte dann ab 1903 als „Rheinisches Kaufhaus für Lebensmittel Cornelius Stüssgen“ (ab 1907 als Offene Handelsgesellschaft, OHG) und betrieb wiederum ein Jahr später schon zwölf Filialen.
„Ein Pfund Rohkaffee ist in der ‚Kölner Konsumanstalt' für eine Mark zu haben, ein Hering für fünf Pfennig. Erbsen oder Bohnen kosten 15 bis 20 Pfennig das Pfund. …
Stüssgen will modernisieren: Das ewige Wiegen, Abmessen und Verpacken von in Säcken angelieferten Waren wie Zucker, Mehl, Erbsen oder Kaffee, empfindet er als nicht mehr zeitgemäß. Also lässt er alles in Lagerhäuser liefern und dort verpacken. Damit schafft er die Basis für die späteren Selbstbedienungs-Supermärkte. Er entwickelt auch die Eigenmarke ‚Cornelia', die mit einem S gekennzeichnet ist.“
(www.express.de)

Der Kölner Wirtschaftshistoriker Ulrich S. Soénius führt in der Biographie (2013) an: „Stüssgen führte Einheitskleidung für die Verkäuferinnen ein, ferner als Erster abgepackte Lebensmittel wie z.B. Mehl oder Hülsenfrüchte zur Verkaufsrationalisierung. Er erweiterte das Unternehmen u.a. durch Zukäufe von Kolonialwarenhandlungen bis zum 1. Weltkrieg auf über 100 Filialen im Rheinland, in Westfalen, in Hessen und in Süddeutschland. Bis 1924, als Stüssgen sich infolge der alliierten Besatzung auf das Rheinland beschränken mußte, hatte er ca. 350 Mitarbeiter.“
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Cornelius Stüssgen AG (ab 1928)
Im Jahr 1928 wandelte Stüssgen sein Lebensmittel-Unternehmen in die Cornelius Stüssgen Aktiengesellschaft um. Aus der 1929 eingerichteten neuen Firmenzentrale in Köln-Braunsfeld ging in der Folgezeit - und nach wie vor noch geführt von dem gerne auch als „Kaiser der Kölner Bucht“ bezeichneten Gründer - die Supermarktkette Cornelius Stüssgen AG hervor.

Cornelius Stüssgen, der ab 1925 auch als Konsul von Haiti wirkte, erlebte den Niedergang seines Unternehmens nicht mehr. Er verstarb am 24. Juni 1956 und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Kölner Melatenfriedhof (Flur 60) im gemeinsamen Grab mit seiner Mutter und seiner seiner ab 1935 dritten Ehefrau Lis (1903-1999, geborene Thun).
Das Haus Venloer Straße 466, in dem die Stüssgen-Geschichte mit dem kleinen Laden begann, hat die Zeit nicht überdauert, es wurde wohl im Zweiten Weltkrieg zerstört. Heute befindet sich im Erdgeschoss des dort später erbauten Wohn- und Geschäftshauses der Großhandel und Gastroservice Atlas Fisch GmbH.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)

Internet
www.deutsche-biographie.de: Cornelius Stüssgen (Text Ulrich S. Soénius, Neue Deutsche Biographie 2013, abgerufen 19.02.2026)
www.express.de: Stüssgen. Kennt ihr noch diese Kölner Supermarkt-Kette? Gab es früher an fast jeder Ecke (Text Inge Wozelka, zuerst erschienen am 11.10.2017 in der Express-Reihe „Kölner Zeitreise“; hier: Kölner Express von 18.01.2025, abgerufen 21.01.2025)
alltagskulturen.lvr.de: Transformationsprozesse im Lebensmittelhandel (Text Raphael Thörmer, 2015, abgerufen 21.02.2026)
de.wikipedia.org: Cornelius Stüssgen (abgerufen 19.02.2026)
de.wikipedia.org: Stüssgen (abgerufen 19.02.2026)
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Literatur

REWE-Zentral AG Köln (Hrsg.) (2002)
Die Rewe-Idee wird fünfundsiebzig. 1927-2002. Köln. Online verfügbar: hajodoehring.com, rewe75j, abgerufen am 19.02.2026
Soénius, Ulrich S. (2004)
Moderner Lebensmitteleinzelhandel – Cornelius Stüssgen, Stolberger Straße. In: Schwering u.a.: Köln. Braunsfeld – Melaten, S. 459–462. Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon. S. 436, Köln (2. Auflage).

Kölner Konsumanstalt Cornelius Stüssgen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Venloer Straße 466
Ort
50825 Köln - Ehrenfeld
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1897, Ende 1928 bis 1929

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„Kölner Konsumanstalt Cornelius Stüssgen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356933 (Abgerufen: 27. Februar 2026)
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