Baubeschreibung und historische Einordnung
Baugeschichte
Kulturdenkmal
Sanierung und Restaurierung im 21. Jahrhundert
Heutige Nutzung
Frühere Bewohner
Schlossgeschichte im Überblick
Besonderheiten
Baubeschreibung und historische Einordnung
Die Geschichte des „Veldenzschlosses Lauterecken“ geht über eine einstige spätmittelalterliche Wasserburg zu einem Renaissanceschloss (16. Jh.), über ein kurpfälzisches Oberamtshaus (18. Jh.) bis zur Neugestaltung und Wiedereinweihung im Jahr 2018 und vereinigt somit Baumerkmale aus mehr als sechs Jahrhunderten. Unterschieden werden sechs Bauphasen (siehe Baugeschichte). Vom einstigen Renaissanceschloss der 1543 neu gebildeten wittelsbachischen Nebenlinie Pfalz-Veldenz sind nur noch der Veldenzturm, der spätgotische Schlosskeller mit Kreuzrippengewölbe und ein Ringmauerrest vorhanden. Markant ist das 1751/52 neu errichtete kurpfälzische Oberamtsgebäude, das bis ins 20. Jahrhundert noch als Amtshaus, Rentamt, Bürgerhaus, Gasthaus („Schloss Veldenz“), Kinohaus, Autohaus und Tankstelle diente. Nur die Umfassungsmauern unter dem einstigen Amtshaus reichen noch in das Spätmittelalter und sind somit als Bausubstanz der vormaligen Wasserburg zu werten. Diese wurde, zusammen mit dem Dorf Lauterecken, erstmals 1343 erwähnt. Die Burg war ein Lehen der Grafen von Veldenz und gehörte zur umfangreichen Grundherrschaft St. Medard des Bistums Verdun. Erst im 14. Jahrhundert nahm Lauterecken eine rasante Aufwärtsentwicklung und war 1350 bereits Stadt.
Während die frühere Burg mit Burgmannen hauptsächlich als Wirtschaftshof der Grafen von Veldenz diente und nur eine geringe militärische Bedeutung besaß, hatte die durch Pfalzgraf Ruprecht, dem Stifter der neuen Linie Pfalz-Veldenz, zum Renaissanceschloss umgebaute Anlage Residenzcharakter. Die älteste Darstellung des Renaissanceschlosses und des sogenannten „Neuen Baus“ finden wir im Merian-Stich aus der Zeit um 1645 (siehe Anlage). Interessant ist auch ein Schätzungsakt von 1803, der bei der Nationalgüterversteigerung angefertigt wurde (siehe Anlage). Der älteste detailgetreue Plan zur Anlage wurde kurz vor 1900 erstellt (Pfälzische Kreisgesellschaft des bayerischen Architecten- und Ingenieur-Vereins 1895/97, siehe Anlage). Vgl. zum Schloss auch den Ortsbeitrag „Lauterecken“ und den Themenbeitrag zum Fürstentum Pfalz-Veldenz.
Die Gesamtanlage bildete einst einen eigenen Verteidigungsbezirk innerhalb der ummauerten Stadt. Der Burg-/Schlossbereich war 28 m lang und 25 m breit (700 qm). Ein 13-18 m breiter und mehrere Meter tiefer Graben, der von der Lauter gespeist wurde, umschloss das Areal. Eine (Zug?)Brücke über den Burggraben ermöglichte den Zugang von der Stadtseite (Keddigkeit/Wagner/Frank/Welz 2005, Bd. 3, S. 339). Schlossgraben, Ummauerung und Zugbrücke sind heute beseitigt oder zugeschüttet. Der Begriff „Veldenzschloss“ entstammt der jüngeren Zeit und soll den Gebäudekomplex vom „Schloss Veldenz“ an der Mosel, die einstige Stammburg der Veldenzer, abgrenzen. Über die Einzelobjekte Veldenzturm, Schlosskeller, „Grafensaal“, „Anna-Wasa-Zimmer“ als auch der früher zum Schlosskomplex gehörende „Veldenzplatz“ und der „Neue Bau“ (Schlossgasse) geben eigene KuLaDig-Beiträge Auskunft.
Baugeschichte
Durch die bauhistorischen und dendrochronologischen Untersuchungen des Bauforschers Lorenz Frank M.A. im Jahre 2002 wurden sechs Bauphasen voneinander getrennt, beschrieben und in Plänen farbig aufgezeigt (vgl. Fickert 2018b).
- Vom mittelalterlichen Vorgängerbau haben sich lediglich die vier Umfassungsmauern des Keller-geschosses erhalten (2,1 m Dicke, Südmauer ca. 1,15 m). Der Keller wurde ursprünglich von einer Balkendecke auf Streichbalken über Konsolsteinen in der Nord- und Südmauer abgeschlossen. Zugänglich war er ebenerdig durch eine Tür mit kräftigen Gewändesteinen am westlichen Ende der Südmauer.
- In der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde ein spätgotisches Kreuzrippengewölbe im Keller eingesetzt, das von fünf achteckigen Mittelpfeilern und zwei ähnlich gestalteten Wandpfeilern getragen ist. In die Südmauer wurde ein Treppenzugang vom Hofbereich eingefügt. Das Schloss zeigt sich auf einem ungenauen Merianstich von 1645: „Der Hauptbau wies neben einem Türmchen einen Speicher, acht unterschiedlich große Kammern, eine Küche und Kellerräume auf. Merians Darstellung zeigt ein zweigeschossiges Gebäude, das im Erdgeschoss einen mit einem Pultdach gedeckten Vorbau aufwies. Das Obergeschoss besaß spätgotische Fensterpaare. Am Südwestgiebel befanden sich zwei (Abort?)Erker, die Südwestecke schmückte ein weiterer Erker mit Kuppelhaube.“ (Keddigkeit/Wagner/Frank/Welz 2005, Bd. 3, S. 340).
- 1752 erfolgte der weitgehende barocke Neubau [nach Zink 1968 ab 1803, falsch!] als kurpfälzisches Amtsgebäude unter Beibehaltung des spätgotischen Kreuzrippengewölbes. Charakteristisch ist die gleichmäßige Aufteilung von eng beinander sitzenden Fenstern mit steinernen Gewänden. Erschlossen wurde das Gebäude durch eine Eingangshalle im Erdgeschoss sowie mittige Flure. Über ein Treppenhaus erreichte man das Obergeschoss, wo Stuckdecken erhalten geblieben sind. Die Türen zeigen barocke Rahmen mit aufwendigen Kehle-Wulst-Profilierungen. Das hohe Satteldach wird durch eine doppelte Kehlbalkenkonstruktion gebildet. Die Datierung 1751 erfolgte aufgrund der dendrochronologischen Untersuchungen an der Balkendecke des Erdgeschosses, an einer Trennmauer im Erd- und Obergeschoss und am Dachwerk. Bisher wird vermutet, dass die Planung des Baus durch den kurpfälzischen Hofbaumeister Franz Wilhelm Rabaliatti erfolgte.
- Das durch die französischen Revolutionstruppen stark beschädigte Gebäude wurde nach seiner Versteigerung im Jahr 1803 durchgreifend repariert (1. Hälfte 19. Jh.). Die Trennmauern im Obergeschoss wurden dabei weitgehend durch Backsteinmauerwerk ersetzt. Im Erdgeschoss wurde eine Trennmauer eingefügt (R. 0.06-0.10).
- In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden im südwestlichen Erdgeschoss eine Tür (R. 0.04-0.07) und eine Trennmauer (R. 0.07-0.08) leicht nach Westen verschoben, eine Fensternische vergrößert (R. 0.07) und eine Tür eingesetzt (R. 0.05-0.07).
- Um 1972 erfolgten zahlreiche Veränderungen: Im Erdgeschoss wurden an der Südostkante größere Schaufenster eingebaut, eine Trennmauer (R. 0.01-0.03) und Tür (R. 0.01-0.02) neu eingesetzt und eine Tür beseitigt (R. 0.05). Im Obergeschoss wurden im großen Saal an der Südseite zwei Trennmauern (es entstanden die R. 1.02, 1.03 und 1.04) und eine Tür (R. 1.16-1.02) eingefügt. Das Zusetzen der Fenster in der Nordfassade erfolgte in jüngerer Zeit.
Kulturdenkmal
Im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Kusel ist folgender Eintrag zu finden: „Veldenzplatz 1 ehem. Altes Schloss mit Veldenzturm, 1343 erstmals erwähnt, 1. Hälfte 16. Jh. neu errichtet, Erweiterung “Neuer Bau„ (Schloßgasse 1), um 1600; Amtshaus, um 1752; Scheune, 1804; erhalten: spätgotischer Keller, Teil der Ringmauer, sog. Veldenzturm“. (GDKE 2017, S. 19)
Sanierung und Restaurierung im 21. Jahrhundert
Die Neugestaltung und Restaurierung erfolgte unter der Federführung von Architekt und Stadtplaner Dipl. Ing. Peter Cappel in zwei Bauabschnitten: 2002 bis 2004 und 2015 bis 2018. Dem vorausgegangen war der Ankauf des Veldenzturmes und dessen Sanierung in den 1980er Jahren. Um zur ursprünglichen Kernbebauung zurückzukommen, wurden nachfolgende Gebäudekomplexe bis zum Jahre 2016 niedergelegt: 1982 Bebauung am Eingang zum Veldenzturm, 1997 Kinogebäude neben dem Schloss, 2004 Kfz-Werkstätten hinter dem Schloss, 2012 Wohn- und Geschäfthaus Veldenzplatz 2, 2015 Wohnhaus Veldenzplatz 2a. Im Laufe der Jahre wurden verschiedene Nutzungskonzepte erstellt und diskutiert, die letztendlich nicht realisiert wurden. Kernpunkt aller Überlegungen seit 2004 war die Schaffung einer neuen zentralen Erschließung und Zusammenführung der bisher getrennt erschlossenen Objekten „Veldenzschloss“ und „Veldenzturm“. Im Januar 2016 wurde der Förderbescheid zur Innensanierung der Stadt Lauterecken feierlich im Veldenzschloss überreicht.
Zum mehrjährigen Planungs- und Gestaltungsprozess führt der Architekt Peter Cappel aus: „Grundsatz der Planung und Gestaltung war einerseits der Respekt vor der historischen Bausubstanz, die es zu erhalten, zu sichern und in Teilen zu restaurieren galt, anderseits, die neuen Bauteile so hinzuzufügen, dass diese in zeitgemäßer Art einerseits klar erkennbar bleiben und ein Alleinstellungsmerkmal bilden, andererseits zu dem baulichen Bestand eine Einheit bilden können. Mit dem Abschluss der baulichen Maßnahmen am Schloss würden weitgehend alle im Städtebaulichen Rahmenplan 1993 und in dessen Fortschreibung (2005) formulierten Ziele umgesetzt sein. Das Hauptgebäude wurde bereits 2004 aus Gründen des Stadtbildes im Rahmen des Bauabschnitts 1 (BA 1) außenseitig instand gesetzt bzw. wieder in den Zustand vor der Umbauung versetzt. Die 40 Jahre zuvor hergestellten Schaufenster wurden wieder zurückgebaut. Daneben wurden auch im Innern sowie insbesondere an der Dachkonstruktion substanzerhaltende Maßnahmen durchgeführt. Damit war auch die Absicht verbunden, zielgerichteter Interessenten für eine adäquate Gebäudeverwendung zu finden. Weitergehende Baumaßnahmen im Innern des Gebäudes sollten erst nach feststehender Nutzung erfolgen. Im historischen Hauptbau von 1752 wurden die vorhandenen alten Innenausbauelemente, wie der Terrazzoboden der Eingangshalle (1. Hälfte 20. Jh.), die profilierte Sandsteintreppe (18. Jh.), die Dielenböden (frühes 19. Jh.), die Innentüren (18. und 19. Jh.), die Stuckornamente der Decke (18. u. 19. Jh.), die dekorative Deckenmalerei mit floralen und ornamentalen Mustern (frühes 19. Jh.), sowie die Raumaufteilungen im Obergeschoss gesichert und restauriert. Drei repräsentative Räume im Obergeschoss mit Stuckornamenten und Dielenboden werden zu einem großen Veranstaltungsraum zusammengefasst. Bereits 2004 wurden die gut erhaltenen, über 200 Jahre alten Eichenholzfenster instand gesetzt sowie die fehlenden Fenster durch Nachbau ergänzt.
Die Fassaden der den Burgaußenmauern innen vorgelagerten Baukörpern sind - in Anlehnung verschalter hölzerner Burgwehrgänge - mit Holz in bekleidet und in Teilen großflächigen verglast. Mit der Akzentuierung der neuen Fassade durch die Baustoffe Holz und Glas sowie mit den Stilmitteln einer neuzeitlichen Architektur bleibt die monolithischen Ausdrucks- und Bauweise auf den historischen Baubestand beschränkt. Der Bereich zwischen Turmvorbau und dem Hauptbau wurde komplett als zentrales Bindeglied neu geschaffen. Mit einem neuen Zugangsbereich werden die bisher getrennten Objekte Veldenzturm und sog. Veldenzschloss zusammengefasst. Eingänge zum Treppenhaus gibt es vom Hof und von den rückseitig gelegenen Parkplätzen. Über das zentrale, offen gestaltete Treppenhaus werden alle relevanten Nutzungseinheiten auf kurzem Wege erschlossen. Das gilt neben dem projektierten Job-Center und dem Trauzimmer im Erdgeschoss, oder den großen Veranstaltungsraum und den Wechselausstellungsraum im Obergeschoss ebenso auch für den historischen Schlosskeller oder den Wehrgang im Dachgeschoss bzw für die Dachterrasse. Alle vier Ebenen - KG, EG, OG, DG - sind außerdem barrierefrei mit dem Personenaufzug zu erreichen. Die zentrale Gebäudetechnik ist ebenfalls in dem viergeschossigen Bau untergebracht. Im neuen sehr transparenten Treppenraum vereinen sich auch an zentraler Stelle die Ausdrucksformen der Gestaltung aus mehr als sechs Jahrhunderten. Angefangen im Kellergeschoss mit dem gotischen Portalzugang in den historischen Keller, über den Anschnitt der mittelalterlichen Burgmauer, weiter über die Fassade des Oberamtsgebäudes von 1752 bis hin zu der zeitgemäßen Architektur aus Beton, Stahl, Naturstein und Glas. Von hier aus schweift der Blick von den Wandbildern des Bildhauers Gottfried Bräunling mit den visuellen Erzählungen über die Stadt und die Region durch die großflächige Verglasung hinaus über den neu gestalteten Schlosshof zu der hoch aufragenden evangelischen Kirche im neugotischen Stil. Breit liegt der Veldenzplatz vor dem Auge des Betrachters, links und rechts flankiert von den prächtigen Gebäuden des 18. Jahrhunderts und im Zentrum das anmutige Denkmal an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 mit dem zum Schloss gewendeten bayrischen Löwen.“ (Cappel 2018, S. 26f.)
Heutige Nutzung
Heute wird der als „Haus der Kultur“ genannte Gebäudekomplex unterschiedlich genutzt. Das Erdgeschoss beherbergt vor allem eine Arztpraxis, daneben sind hier das Standesamt und der unterschiedlich genutzte „Blüchersaal“ untergebracht. Der beeindruckende Gewölbekeller wird bei Schlossführungen und temporär für Veranstaltungen oder Ausstellungen genutzt. Das 1. OG. beherbergt neben einem Raum der Musikschule „Kuseler Musikantenland“ vor allem der für größere Veranstaltungen und Sitzungen genutzte „Grafensaal“ und das Ana-Wasa-Zimmer, die „gute Stube“ des Schlosses. Zwei weitere Räume und der lange Korridor dienen, wie auch das kleine Turmzimmer, der musealen Präsentation und zeitweise für Wechselausstellungen. Schlosshof und Turmterrasse werden auch gerne bei Hochzeiten oder Stadtfesten genutzt. Der Amtshausspeicher wurde nicht ausgebaut und ist demnach nicht öffentlich zugänglich.
Frühere Bewohner
Nachdem die frühere Wasserburg vor allem von Burgmannen und einer kleinen Besatzung bewohnt war (mehr dazu bei: Keddigkeit/Wagner/Frank/Welz 2005, S. 333ff.), war das Schloss des 16. Jahrhunderts Residenz der Grafen von Pfalz-Veldenz. Diese Pfalzgrafen nutzten aber auch Nebenresidenzen bzw. hatten zeitweise eine andere Hauptresidenz. Zu den in Lauterecken geborenen und verstorbenen Pfalz-Veldenzern siehe Fickert 2018d. Pfalzgraf Ruprecht lebte zeitweilig im Schloss (Hofstaat 31 Personen), bevor er schon 1544 auf Schloss Gräfenstein starb, danach war es kurze Zeit Witwensitz seiner Frau Ursula. Die berühmtesten Bewohner waren Pfalzgraf Georg Hans und seine Gemahlin, die schwedische Prinzessin aus dem Hause Wasa. Nachdem der Pfalzgraf um 1573 die Hauptresidenz nach Lützelstein/Elsass verlegte, war das Schloss nur noch zeitweilig von dem Grafenpaar bewohnt. Pfalzgräfin Anna wählte aber Lauterecken als Witwensitz, wo sie 1610 verstarb. Das Schloss wurde dann Hauptresidenz des Sohnes Georg Gustav, der jedoch zeitweise wegen des „Dreißigjährigen Krieges“ ins Elsass auswich. Seine Witwe Anna Elisabetha führte die Regierungsgeschäfte teils von Lauterecken, teils von Straßburg aus. Der letzte Graf Leopold Ludwig verlegte seine Residenz während der Kriegswirren des 17. Jahrhunderts nach Lützelstein und starb 1694 im Bergherrnhof in Straßburg. Sein Sohn, der „Taugenichts“ Gustav Philipp wurde bekanntlich schon 1679 im Veldenzturm gefangen gehalten und auf der Flucht erschossen (siehe Beitrag „Veldenzturm). Nachdem die Kurpfalz Lauterecken 1733 definitiv erhielt, wurde das Schloss bzw. ab 1751/52 das Amtshaus Sitz verschiedener kurpfälzischer Oberamtsverweser, darunter Johann Ludwig Waltz, Karl Joseph Geißweiler und Joseph Lehne. Nach dem ersten Koalitionskrieg (1792-97) wurde die Kurpfalz französisch. Man versteigerte das durch die Franzosen ruinierte “Schloss„ 1803 als “französisches Nationalgut„ für 1525 Franken an den aus Italien stammenden Rentmeister Johann Carl Falciola. Dessen Erben verkauften es 1845 für 9500 Gulden an Johann Ludwig Schneider vom Wickenhof. Seine Tochter Wilhelmine heiratete 1861 den Wirt und Brauer Johannes Kiltz aus Waldböckelheim, der darin die Gaststätte “Schloss Veldenz„ einrichtete. Walter Kiltz betrieb ein Autohaus darin. Im Jahr 2000 erwarb die Stadt Lauterecken den Gebäudekomplex von der Erbengemeinschaft der Familie (vgl. u.a. Zink 1968, Keddigkeit/Wagner/Frank/Welz 2005, Cappel 2018, Fickert 2018a, Zenglein 2018, Buntz 2019).
Schlossgeschichte im Überblick (vgl. Fickert 2018a, Zenglein 2018)
1343 Erste bekannte Erwähnung einer Burg in Lauterecken unter den Grafen von Veldenz (Grafschaft Veldenz, Georg I.), auch 1350
1384 Burgfrieden der Grafen Heinrich und Friedrich von Veldenz mit Wildgraf Otto von Kirberg
14. Jh. Burgmannen: Edelknecht Endris gen. Müller von Grumbach, Heinrich Schaffe, Conrad von Wolfstein
1436 Anna von Veldenz erhält Burg Lauterecken von ihrem Vater Friedrich III.; durch deren Heirat mit Stephan von Pfalz-Zweibrücken (1409) geht die Burg in wittelsbachischen Besitz über (1444 Herzogtum Pfalz-Zweibrücken)
1443 Überliefertes Waffeninventar (geringe militärische Bedeutung), Planstellen: Oberkellner, Kaplan, Unterkellner/Bäcker, Koch, Küchenknabe, Müller, Umgänger (Schloßbüttel), zwei Wagen- bzw. Ackerknechte, zwei Wingertknechte, zwei Mägde, Turmknecht, Pförtner
1455 Lauterecken größerer Stützpunkt Ludwigs des Schwarzen, 15. Jh. Burg Lauterecken Wirtschaftshof und Verwaltungszentrum (Kellerei), keine Residenz
1526 Herzog Ludwig der Schwarze überlässt seinem Bruder Ruprecht das baufällige Schloss und gewährt ihm Geld für die Instandsetzung
Ca. 1535-1538 Schloss durch Pfalzgraf Ruprecht neu erbaut (Gümbel 1900), Hofstaat umfasste 31 Personen
1543 Gründung des Fürstentums Pfalz-Veldenz (Marburger Vertrag)
1544 Witwe Ursula von Pfalz-Veldenz zieht mit ihrer Hofmeisterin, zwei Kammerfrauen und zwei Kammermägden nach Lauterecken
1562 Georg Johann I. (Georg Hans) heiratet die schwedische Prinzessin Anna und weist seiner Braut als “Morgengabe„ “Schloß und Stadt Lauterecken und den Remigiusberg„ an
Um 1573 Georg Johann I. verlegt die Residenz nach Lützelstein/Elsass
1595 Nach dem Tod von Georg Johann I. zieht seine Witwe Anna wieder nach Lauterecken, wo sie 1610 starb (1608 Stiftung)
Vor 1599 Erbauung des “Neuen Baus„ (typischer Renaissancebau, 1623 als Scheune benutzt, 1670 Zeichnung, 1717 Erntespeicher; 1734 Raum für kath. Schule)
1607 Lauterecker Abschied
1618 & 1636 Lauterecker Hofordnung
1623 Überliefertes Schlossinventar: karge Möblierung & Bewaffnung
Dreißigjähriger Krieg: mehrfache Einquartierung feindlicher & verbündeter Truppen
1631 Schutzbrief Gustav Adolfs von Schweden (Georg Gustavs Cousin)
1634 Pfalzgraf Georg Gustav stirbt auf dem Remigiusberg, Pfalzgräfin Maria Elisabeth übernimmt die Vormundschaft über den noch minderjährigen Sohn Leopold Ludwig
Um 1645 Merianstich von Lauterecken
1654 Pfalzgraf Leopold Ludwig verlegt seine Residenz nach Lützelstein
1676 Großer Brand in Lauterecken
1679 Prinz Gustav Philipp wird auf der Flucht erschossen
1681 Franzosen unter Capitaine Simon in Lauterecken
1687 Regiment des Comte de Berange besetzt das Schloss, Zerstörungen unter den Franzosen
1694 Die Pfalz-Veldenzer sterben mit Pfalzgraf Leopold Ludwig in männlicher Linie aus; Kurpfalz besetzt das Oberamt Lauterecken und das Schloss wird Eigentum des Kurfürsten (Johann Wilhelm, Karl Philipp, Karl Theodor), ab 1733 definitiv, kurpfälzische Oberamtsverweser amtieren im Schloss bzw. Amtshaus: Johann Ludwig Waltz, Karl Joseph Geißweiler, Joseph Lehne
1700 Beginn des Auffüllens des Wassergrabens
1713 Erneuerung der Stadtprivilegien (zw. 1343 und 1350)
1744 Große Teile der Schlossmauer (Ringmauer) zum Abbruch versteigert
1750 Amtshaus als reparaturbedürftig erklärt
1752 Gebäude als kurpfälzisches Oberamtsgebäude weitgehend neu aufgebaut (nicht erst durch Falciola 1803!), Schlossgarten aufgefüllt und Schlossbrücke instand gesetzt
1765 Als erster der 5 Stadttürme wird der Turm “hinter Schmelzers Haus„ (zwischen Untertor- und Bergtorturm) abgerissen; als letzter der Schmiedsturm kurz nach dem 2. Weltkrieg
1779 Veräußerung des “Neuen Baus„, Marktplatz (Veldenzplatz) geht in städtischen Besitz über; noch bis 1792 Amtshaus und Registratur
ab 1792 französische Revolutionstruppen ruinieren das Amtshaus
vor 1803 Amtshaus vermietet an Bürger Müller und Martini
1803 Versteigerung des ruiniertem Amtshauses in Mainz um 1525 Franken an den Rentmeister Johann Carl Falciola, der umfangreiche Reparaturen vornimmt; Verfüllen des Grabens an der Hauptstraße
1804 Scheunenanbau an der Südseite der Anlage (mittlerweile abgerissen); Tresorschrank des Fürstengemachs von Johann Heinrich Gauch zu Einöllen erworben (bis 1945 in Familienbesitz; findet dann den Weg über Otterberg und Speyer zurück nach Lauterecken)
1814 Generalfeldmarschall Blücher und sein Generalstab zu Gast bei Falciola (Aufruf vom 7. Januar), u.a. auch Kronprinz Wilhelm von Preußen; Falciola stirbt 1841
1842 Katholische Kirchensammlung mit dem Ziel das Amtshaus zu erwerben und in eine Kirche zu verwandeln, misslingt
1845 Gutsbesitzer Johann Ludwig Schneider vom Wickenhof (Gem. Kefersheim) erwirbt das Gebäude für 9500 Gulden von den Erben des Rentmeisters Falciola; Mieter zu dieser Zeit: Dr. Noker, Friedensrichter Karl Joseph Falciola und Gerichtsschreiber Hirche; Nachfolger ist ab ca. 1861 die Fam. Kiltz, die darin das Gasthaus “Schloss Veldenz„ betreibt (Wirt und Brauer Johannes Kiltz, geb. 1822 Waldböckelheim, heiratete die Tochter Wilhelmine Schneider, Sohn: Ludwig Johann Kiltz)
1972 Umbau des Gebäudes (Autohaus Walter Kiltz)
1980 Stadt Lauterecken erwirbt Veldenzturm
1982 Abriss zweier alter Magazine (heute Parkplätze)
1983/84 Restaurierung des Veldenzturmes; Sanierung des Ringmauerrestes
1996 Zweite Renovierung des Veldenzturmes, Einrichtung eines Veldenzmuseums
1996/97 Ankauf des Außenbereiches und Abriss des alten Kinos
1999 Erhalten gebliebene Wappenstein-Spolie von 1528 (aus einem Privathaus) wird an der Südseite des Veldenzturmes eingebaut
2000 Haus Kiltz geht in städtischen Besitz über
2004 Außensanierung des ehemaligen Amtshauses, Sicherungsmaßnahmen im Innern; bis Dez. 2006: Erster Bauabschnitt
2007 Herstellung der Außenanlage und Einweihung am 3. Veldenztag
2008 Ausbau Hauptstraße und Veldenzplatz
2016 Land RLP fördert die Schlosssanierung mit 1,78 Mio. Euro
2018 Einweihung (24.-26.8.), Feier 675 Jahre Stadtrechte, 10. Veldenztag
Besonderheiten
Über die Existenz einer früheren Burgkapelle ist nichts bekannt. Für das Jahr 1443 ist in der Burg aber ein Kaplan bezeugt. Bereits 1384 wurde zwischen den Grafen Heinrich und Friedrich von Veldenz sowie ihrem Schwager Wildgraf Otto von Kirberg ein Burgfrieden geschlossen. Neben dem Brunnenschacht an der Nordwand des Gewölbekellers wurde 1803 ein Ziehbrunnen im Schlosshof erwähnt, der seit dem Spätmittelalter der Wasserversorgung der Anlage diente (Keddigkeit/Wagner/Frank/Welz 2005, Bd. 3, S. 338 und 347). Zum Lauterecker Hofgut im 17. und 18. Jahrhundert siehe Cappel 2021, S. 238f.
(Jan Fickert M.A., Stadt Lauterecken, unter Mitarbeit von Dieter Drumm, 2022)
Internet
Förderverein Pfalz-Velden (abgerufen am 06.07.2026)