Beschreibung und Funktion des Kellers
Historische Grabplatten vor dem Kellerportal
Grabplatte der Anna von Schweden]
Grabplatte eines Pfalzgrafen
Die Legende vom unterirdischen Gang
Beschreibung und Funktion des Kellers
Bei dem heutigen Schlosskeller handelt es sich um den ehemals ebenerdig zugänglichen Keller des früheren Renaissance-Schlosses des Pfalzgrafen Ruprecht (1506-1544), Stifter der Linie Pfalz-Veldenz. Er entstand zwischen 1526 und 1538 durch Umbau der spätmittelalterlichen Tiefburg mit Wallgraben zum Residenzschloss.
Das spätgotische Kreuzrippengewölbe, das von fünf achteckigen Mittelpfeilern und zwei ähnlich gestalteten Wandpfeilern getragen wird, wurde damals als Neuerung an die Stelle der früheren Holzbalkendecke eingesetzt. Die noch vorhandenen Konsolsteine in der Nord- und Südmauer zeugen davon. Die wehrhaften, bis zu 2,10 m dicken Umfassungsmauern (bzw. Südmauer ca. 1,15 m als Binnenmauer) im unteren Bereich stammen noch vom spätmittelalterlichen Vorgängerbau. Ferner sind das bei der Restaurierung wieder geöffnete spätgotische Gewändestein-Portal, der Brunnen und ein älterer Treppenrest bemerkenswert. Wahrscheinlich war der Keller nur durch zwei schießschartenartige Schlitzöffnungen in der Nordmauer belichtet und belüftet. Eine genaue Datierung der Außenmauern ist nicht möglich; die Buckelquader an der Nordostkante deuten jedoch auf eine Entstehung in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts hin.
Das Burgenlexikon hält zum Schlosskeller fest: „Das Gewölbe wurde sehr flach gespannt, um zu vermeiden, dass das Fußbodenniveau im Erdgeschoss stark angehoben werden musste. Die Diagonalrippen setzen wesentlich höher an als die Gurtbögen. Steinmetzzeichen fehlen. Gleichzeitig wurde in der Südmauer im dritten Joch von Osten ein neuer Treppenzugang vom Hofbereich eingefügt. Die regelmäßige Jocheinteilung ergab an zwei Stellen Konflikte mit vorhandenen Öffnungen: betroffen waren der ältere Zugang am westlichen Ende der Stützmauer und die westliche der beiden Belichtungsöffnungen in der Nordmauer. Um den Rippenanfänger aufnehmen zu können, wurden diese Öffnungen verkleinert. Das frühneuzeitliche Schloss wies wohl auch im Erdgeschoss Achteckstützen auf; bisher wurde allerdings erst ein Stützfuß gefunden; so dass die Vermutung eines großen, die gesamte Gebäudefläche einnehmenden Saales völlig ungesichert ist. Der gleichzeitige Plattenbeleg im Erdgeschoss hat sich fragmentarisch erhalten, vor allem in den Räumen der nördlichen Traufseite.“ (Keddigkeit/Wagner/Frank/Welz 2005, S. 341-343)
Der saalartige Raum wurde in der Anfangszeit vielleicht als Hofstube des Schlosses (Dürnitz) genutzt, also ein beheizbarer Alltagsspeise- und Versammlungsraum des größten Teils des Hofgefolges. Im Obergeschoss war der Große Saal der Fürstenfamilie. Nachdem die Hofstube später ihre Funktion verloren hatte, wurde der Raum als Vorratskeller und Lagerraum genutzt. Im 20. Jahrhundert war der gesamte Raum durch Wandabtrennungen nicht mehr in seiner Weite erkennbar. ( vgl. Hoppe 2007)
Historische Grabplatten vor dem Kellerportal
Die beiden vom Förderverein Pfalz-Veldenz restaurierten steinernen Grabplatten, die sich vor dem Kellerportal befinden, stammen aus der fürstlichen Grablege in der Propsteikirche auf dem Remigiusberg. Sie wurden 2018 an das Veldenzschloss übergeben. Die Wiederbeisetzung von 15 fürstlichen Gebeinen der Pfalz-Veldenzer war am 6. Oktober 2002 in der Krypta der Propsteikirche erfolgt.
Der Heimatforscher Daniel Hinkelmann wies 1976 in den Westricher Heimatblättern bereits auf Inschriften hin, die sich laut eines Dokuments des Kirchenschaffnei-Archivs auf den einstigen Zinnsärgen befanden. Hier ist also nicht die Rede von Epitaphien, sondern von Sarginschriften. Die Särge seien 1773/74 der „menschlichen Habsucht und Geldgier“ zum Opfer gefallen (vgl. Hinkelmann 1976). Helmut Dick spricht von Zerstörungen während der Französischen Revolution 1798 (Dick 2013, S. 73).
Grabplatte der Anna von Schweden
Die fragmentierte Grabplatte (ca. 190 x 89 cm) als Teil eines Epitaphs stammt vom Grab der Pfalzgräfin Anna (1545-1610), schwedische Prinzessin aus dem Hause Wasa und Gemahlin des Pfalzgrafen Georg Hans (1543-1592). Als Leitspruch steht der Bibeltext „Hodie mihi, cras tibi“ (= Heute mir, morgen dir) aus Isai (Altes Testament).
Grabplatte eines Pfalzgrafen
Die Grabplatte (ca. 130 x 61 cm) - ohne überlieferte Namensinschrift - stammt vielleicht vom Grab des Pfalzgrafen Georg Gustav von Veldenz (1564-1634). Der Zusatz „der junger…“ könnte aber auch auf einen Sohn hinweisen (z.B. Georg Gustav, *? 1605). Die Inschrift in der mittleren Kartusche ist ein Bibelspruch aus den Weisheiten Salomons, Kap. 4 („sapient 4“), 13 und 14 in der Luther'schen Übersetzung.
Die Legende vom unterirdischen Gang
In vielen Städten und Burgen gibt und gab es Legenden von „unterirdischen Gängen“, die zu besonderen Orten führen sollen oder die heimliche Fluchtwege seien. In den meisten Fällen waren solche Gänge jedoch gar nicht machbar, kaum bezahlbar und sogar überflüssig (Losse 22017, S. 15f.). Auch in Lauterecken gab es einst solche Geschichten. Man erzählte sich - drei ältere Zeitzeugen belegen es in einem Interview im Jahr 2016 - dass vom Schlosskeller aus ein unterirdischer Gang zum einstigen Fachwerkhaus Löb an der Hauptstraße, das 1962 durch einen Neubau ersetzt wurde und früher im Bereich der Schlossanlage lag, geführt haben soll. Andere sprachen gar von einem Gang, der unter der Lauter durchführe oder bis nach Reipoltskirchen reiche. Hinweise auf einen solchen Gang oder ein Gangsystem wurden jedoch nie gefunden, auch nicht bei der Restaurierung des Schlosskellers 2017/18. Lediglich bekannt ist, dass es unter dem Veldenzplatz einen begehbaren Flutgraben gegeben haben soll, der heute nicht mehr existiert. Die früher gerne erzählten Gerüchte, die mündlich überliefert wurden, gehören eher in das Reich der Legenden- und Sagenbildung, als dass daran etwas wahr ist (Zeitzeugengespräch, u.a. mit Stella Ungar geb. Löb, Roland Paul, Günter Lüers und Egon Dörr, Odenbach 2016).
(Jan Fickert M.A., Stadt Lauterecken, 2021)