Beschreibung
Präsentierter Gemäldezyklus
Beschreibung
DDer Grafensaal erinnert seit der Gebäudesanierung an die Grafen von Pfalz-Veldenz. Hierzu wurden vier um 1972 abgetrennte Räume zu einem großräumigen Veranstaltungs- und Tagungsraum zusammengefasst, der der Stadt Lauterecken heute zu repräsentativen Zwecken dient. Im 18. Jahrhundert handelte es sich um zwei große Räume. Vor 1751, als das Renaissanceschloss noch existierte, befand sich auf dieser Ebene noch der ehemalige, sogenannte Große Saal der Fürstenfamilie.
Zu der alten Einrichtung des 1751/52 errichteten Oberamtshauses und späteren Privathauses der Fam. Schneider, dann Kiltz, zählen noch die über 200 Jahre alten Eichenholzfenster, die bereits 2004 instand gesetzt wurden, der teilweise erhaltene Dielenboden aus dem frühen 19. Jahrhundert, sowie die Innentüren und Stuckornamente der Decke aus dem 18. und 19. Jahrhundert. (Cappel 2018, S.27)
Präsentierter Gemäldezyklus (Teil 1 der Portraits)
Die nachfolgenden Portraitreproduktionen der Wittelsbacher Grafen von Pfalz-Veldenz werden im Saal gezeigt. Es handelt sich, grob gesagt, um vier Generationen der Pfalz-Veldenzer (vgl. Lüers 2018), darunter Ruprecht, der Stifter der Linie, das bedeutendste Fürstenpaar Georg Hans und Anna (vgl. Kittel 2013), deren Sohn Georg Gustav und Enkel Leopold Ludwig, sowie die letzte Prinzessin Dorothea, Georg Hans' Schwester Ursula und die Familie von Georg Gustavs Bruder, Georg Hans II. von Pfalz-Guttenberg-Lützelstein. Ferner wird die Fam. des Herzogs Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken gezeigt, die den jungen Georg Hans (I.) nach dem frühen Tod dessen Vaters Ruprecht erzogen hatte. Weitere Infos zu den Portraitreproduktionen, die im Jahr 2012 und den Folgejahren auf Initiative des Ersten Stadtbeigeordneten Günter Lüers realisiert wurden, siehe den Audiobeitrag in der Anlage. Vgl. auch den Familienstammbaum im Beitrag zum Fürstentum Pfalz-Veldenz.
Mitte des 14. Jahrhunderts entstehen in Europa die ersten mittelmäßigen Portraits nicht mehr religiöser Art von lebenden adeligen Personen. In der Renaissance wird das Standesportrait beliebt, das eine individuellere Darstellung zulässt und zum Teil auch Elemente der Idealisierung enthält. Zweck ist neben der Erinnerung an bekannte Menschen und deren Taten die Repräsentation der vornehmen Familienherkunft. Auch diente die Portraitmalerei dem sozialen Austausch: Abbildungen, darunter auch Miniaturbilder, wurden zwischen den Fürstenhäusern verschenkt. Einige der im Folgenden präsentierten Frontalportraits sind nicht zeitgenössisch, d.h. sie entstanden erst nach dem Tod des Adeligen. Zum Teil 2 der Portraits siehe das Anna-Wasa-Zimmer.
- Georg Johann von Pfalz-Veldenz-Lützelstein (1543-1592): Vater: Ruprecht von Pfalz-Veldenz (1506-1544); genannt Georg Hans oder „Jerryhans“; „Spiritus Rektor“ an der Universität Heidelberg; verheiratet mit Anna (1545-1610), schwedische Prinzessin aus dem Hause Wasa; 11 Kinder, darunter Georg Gustav von Pfalz-Veldenz (1564-1634), Johann August von Lützelstein (1575-1611) und Georg Johannes II. von Lützelstein (1586-1654); gründete Pfalzburg (Phalsbourg); in seinem Kopf reiften für jene Zeit utopisch anmutende Projekte (Gründung einer Reichsflotte, europäisches Kanalsystem, neue Kriegstechniken); politisch keine klare Linie; beigesetzt in der Pfarrkirche in Lützelstein/Elsass, 49 Jahre; Residenzen: Lauterecken, Lützelstein, Pfalzburg, Veldenz
Portraitreproduktionen:
1) 100x140 cm: Original im Kurpfälzischen Museum Heidelberg, Bildnis im Hofgewand nach spanischer Mode, unbekannter Maler
2) 60x80 cm: Original in der Alten Pinakothek München, 96 x 72 cm, Bildnis in Admiralsuniform, Ölgemälde, 17. Jahrhundert, Museum Burghausen
- Anna von Schweden, Gräfin von Pfalz-Veldenz (1545-1610): Tochter des schwedischen Königs Gustav I. Wasa (1496-1516) und Margareta Eriksdotter Leijonhufvud (1516-1551); verheiratet mit Georg Johann von Pfalz-Veldenz (1543-1592); brachte eine reiche Mitgift mit; 11 Kinder, darunter Georg Gustav von Pfalz-Veldenz (1564-1634); gestorben in Lauterecken, beigesetzt in der Klosterkirche auf dem Remigiusberg, 65 Jahre
Portraitreproduktion, 60x80cm, Original gelangte 2017 bei einer Auktion von einer Privat-Sammlung in New Jersey an die Stadt Phalsbourg/Lothringen, Öl auf Holz, 1580, Miniaturbild 19x13 cm
- Ruprecht von Pfalz-Veldenz (1506-1544): Bruder Ludwigs II von Pfalz-Zweibrücken (1502-1532), Sohn von Alexander von Pfalz-Zweibrücken (1462-1514) und Margarete von Hohenlohe; Anna von Veldenz (1390-1439) war seine Urgroßmutter; Enkel von „Ludwig dem Schwarzen“ (1424-1489); einst für den geistlichen Stand bestimmt, Domherr in Mainz und Straßburg, genannt „der Kränkliche“; erhielt im Marburger Vertrag 1543 die Grafschaft Veldenz von seinem Bruder, Stifter der neuen Linie Pfalz-Veldenz; Onkel und Oheim des Herzogs Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken (1526-1569); verheiratet mit der Wild- und Rheingräfin Ursula von Daun (1515-1601); 3 Kinder, darunter Georg Johann von Pfalz-Veldenz (1543-1592); geboren in Zweibrücken, gestorben auf Burg Gräfenstein, beigesetzt in der Alexanderkirche in Zweibrücken, 38 Jahre
Portraitreproduktion, 60x80 cm, Ausschnitt aus Familienbild, Original in der Alten Pinakothek München, 96,4x163 cm, Fichtenholz, Peter Gertner, nach 1532
- Georg Gustav von Pfalz-Veldenz (1564-1634): Eltern: Georg Johann von Pfalz-Veldenz (1543-1592) und Anna von Schweden (1545-1610); verheiratet in 1. Ehe mit Elisabeth (1548-1592), Herzögin von Württemberg, und in 2. Ehe mit Maria Elisabeth (1581-1637), Tochter des Herzogs Johann I. von Pfalz-Zweibrücken; 11 Kinder, darunter Leopold Ludwig von Pfalz-Veldenz (1625-1694); geboren in Zweibrücken, beigesetzt in der Klosterkirche auf dem Remigiusberg, 70 Jahre; Cousin und Verbündeter von Gustav Adolf von Schweden
Portraitreproduktion, 60x80 cm, Original im Kurpfälzischen Museum Heidelberg
- Elisabeth von Württemberg (1548-1592): Tochter des Herzogs Christoph von Württemberg (1515-1568) und Anna Maria von Brandenburg-Ansbach (1526-1589); geborene Herzogin zu Württemberg, durch Heirat Gräfin von Henneberg-Schleusingen, dann Gräfin von Pfalz-Veldenz; war in erster Ehe mit dem 37 Jahre älteren Graf Georg Ernst von Henneberg-Schleusingen (1543-1583), letzter Graf von Henneberg, verheiratet (Heirat 1568); heiratete 1586 in Stuttgart Georg Gustav von Pfalz-Veldenz (1564-1634), war seine 1. Frau; die Ehe blieb kinderlos; Leopold Ludwig von Pfalz-Veldenz (1625-1694) stammt aus Georg Gustavs 2. Ehe mit Maria Elisabeth von Pfalz-Zweibrücken (1581-1637); war die Schwägerin von Pfalzgräfin Ursula von Veldenz (1572-1635), die mit ihrem Bruder Ludwig von Württemberg (1554-1593) verheiratet war ; starb in Durlach
Portraitreproduktion, 60x80 cm, Original im Landesmuseum Württemberg
- Leopold Ludwig von Pfalz-Veldenz-Lützelstein (1625-1694): Vater: Georg Gustav von Pfalz-Veldenz (1564-1634) ; verheiratet mit Agathe Christine von Hanau-Lichtenberg (1632-1681); 12 Kinder; seine Söhne sterben alle vor ihm; Sohn Gustav Philipp (1651-1679), der „fürstliche Taugenichts“, wird auf der Flucht aus dem Veldenzturm erschossen; Jahrhundert der Kriege; Frankreichs Reunionspolitik
Portraitreproduktionen:
1) 60x80 cm, Original im Kurpfälzischen Museum Heidelberg, 73 x 54,5 cm, Öl/Leinwand
2) 60x105 cm, Original in der Neuen Pinakothek München, 208 x 119 cm, Leinwand, 2. Hälfte 17. Jahrhundert
- Dorothea von Pfalz-Veldenz (1658-1723): Tochter des Pfalzgrafen Leopold Ludwig von Pfalz-Veldenz (1625-1694) und Agathe Christine von Hanau-Lichtenberg (1632-1681); wurde durch Heirat mit Gustav Samuel Leopold von Zweibrücken (1670-1731), ihr Cousin 2. Grades, Herzogin von Pfalz-Zweibrücken; die Ehe blieb kinderlos; Schwester des auf der Flucht erschossenen „Taugenichts“ Gustav Philipp von Pfalz-Veldenz (1651-1679); Während ihr Mann zum Katholizismus konvertierte, blieb Dorothea evangelisch. Am 23. April 1723 konnte der Herzog in Rom die Scheidung erwirken; er heiratete daraufhin morganatisch Luise Dorothea von Hoffmann. Starb kurz darauf in Straßburg und wurde in Lützelstein beigesetzt.
Portraitreproduktion, 60x80 cm, Vorlage bei der Stadt Meisenheim
- Ursula von Pfalz-Veldenz-Lützelstein (1572-1635): Tochter des Pfalzgrafen Georg Johann von Pfalz-Veldenz (1543-1592) und Anna Wasa von Schweden (1545-1610); Schwester von Georg Gustav von Pfalz-Veldenz-Lützelstein (1564-1634); sie war erst dreizehn Jahre alt, als Herzog Ludwig von Württemberg sie in zweiter Ehe heiratete; die Ehe blieb kinderlos; als Ludwig am 28. August 1593 erst 39-jährig starb, zog Herzogin Ursula auf den Witwensitz ins Nürtinger Schloss, wo sie 42 Jahre lang lebte; ihr Leben in Nürtingen war geprägt und erfüllt von Nächstenliebe und Fürsorge; wurde 1636 im Chor der Stiftskirche in Tübingen beigesetzt, 63 Jahre
Portraitreproduktion, 60x80 cm, Original im Landesmuseum Württemberg, um 1590
- Familienbild (von links nach rechts:) Herzog Ludwig II. von Pfalz-Zweibrücken (1502-1532), genannt „der Jüngere“, starb mit 30 Jahren an der Trunksucht und vermachte seinem Bruder Ruprecht die Grafschaft Veldenz (Marburger Vertrag 1543); die Ururgroßeltern waren Stefan von Pfalz-Zweibrücken (1385-1459) und Anna von Veldenz (1390-1439). Bruder Ruprecht von Pfalz-Veldenz (1506-1544), genannt „der Kränkliche“, Stifter der neuen Linie. Der junge Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken (1526-1569), Sohn des Herzogs Ludwigs II., sein Onkel Ruprecht wird sein Vormund. Elisabeth (1503-1553), Ehefrau Ludwigs II. und Tochter des Landgrafen Wilhelm I. von Hessen. Christine (1528-1534), die Tochter von Ludwig II. von Pfalz-Zweibrücken und Elisabeth von Hessen
Portraitreproduktion, 60x105 cm, Original in der Alten Pinakothek München, 96,4x163 cm, Fichtenholz, Peter Gertner, nach 1532
- Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken (1526-1569): Sohn von Ludwig II. von Pfalz-Zweibrücken („der Jüngere“) (1502-1532) und Elisabeth von Hessen (1503-1563), Vater von Johann I. (1550-1604); verheiratet mit Anna von Hessen (1529-1591), 13 Kinder; bis zu seiner Volljährigkeit 1543 führte der jüngere Bruder seines Vaters, Ruprecht, die Regentschaft; anschließend kam es zur Teilung der Linie in Pfalz-Zweibrücken mit Wolfgang und Pfalz-Veldenz, das Ruprecht erhielt; ab dem Jahre 1532 Pfalzgraf und Herzog von Pfalz-Zweibrücken ; nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 erließ der überzeugte Protestant 1557 eine der großen und maßgeblichen Kirchenordnungen in Deutschland; im Jahr 1569, an der Spitze einer Armee von Söldnern, führte er eine Expedition, um den in Frankreich verfolgten Hugenotten zu helfen; noch vor Beginn größerer Kampfhandlungen starb er im Feldlager in Nexon bei Limoges an einer ansteckenden Krankheit; in der Schlosskirche von Meisenheim beigesetzt, 42 Jahre
- Georg Johann II. von Pfalz-Guttenberg-Lützelstein (1586-1654): vierter Sohn des Pfalzgrafen Georg Johann I. von Pfalz-Veldenz (1543-1592) und Anna Wasa; folgte seinem Vater 1592 nach einer Erbteilung gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig Philipp in der Herrschaft Guttenberg; nachdem sein Bruder Ludwig Philipp 1601 bei einem Turnier in Heidelberg getötet wurde, herrschte er allein über Guttenberg; nach dem Tod seines älteren Bruders Johann August 1611 übernahm er zusätzlich die Grafschaft Lützelstein, mit seinem Tod fielen die Territorien an seinen Neffen Leopold Ludwig; er wurde in Lützelstein bestattet
Portraitreproduktion, 60x80 cm, Original in der Schleißheimer Galerie, Bayerische Staatsgemäldesammlungen / Alte Pinakothek München, Maler unbekannt, 17. Jahrhundert, Leinwand, 62x43,5 cm, 1925 an den Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF)
- Susanna von Pfalz-Guttenberg-Lützelstein, aus dem Hause Sulzbach (1591-1661): Tochter des Pfalzgrafen und Herzogs Otto Heinrich von Sulzbach, vermählte sich 1613 in Neuburg mit Georg Johann II., wird Pfalzgräfin von Pfalz-Guttenberg-Lützelstein, vier Kinder
Portraitreproduktion, 60x80 cm, Original in der Schleißheimer Galerie, Bayerische Staatsgemäldesammlungen / Alte Pinakothek München, Maler unbekannt, 17. Jahrhundert., Leinwand, 62x43,5 cm, 1925 an den Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF)
- Votivbild von Georg Johann II. von Pfalz-Lützelstein-Guttenberg (1586-1654), seiner Gemahlin Susanna von Sulzbach (1591-1661), Kinder: Philipp Ludwig (1619-1620), Johann Friedrich (1617-1618), Georg Otto (1614-1635) und Anna Maria (*/+ 1616). Ein Votivbild (von lat. votivus = durch ein Gelübde versprochen) oder „Exvotos“ ist oft mit der Volkskunst verbunden. Neben Krankheiten war vor allem die Errettung vor dem gefürchteten Blitztod ein Grund für ein Gelöbnis und die Anfertigung eines Bildes.
Portraitreproduktion, 60x80 cm, Original in der Schleißheimer Galerie, Bayerische Staatsgemäldesammlungen / Alte Pinakothek München, Maler unbekannt, 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, Leinwand, 35,7x90,2 cm, 1807 aus dem Schloss Lützelstein erworben
(Jan Fickert M.A., Stadt Lauterecken, 2022)