Veldenzturm - Veldenzschloss Lauterecken

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Fachsicht(en): Denkmalpflege, Museen, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Lauterecken
Kreis(e): Kusel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 38′ 56,74″ N: 7° 35′ 29,46″ O 49,6491°N: 7,59152°O
Koordinate UTM 32.398.327,06 m: 5.500.569,21 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.398.361,78 m: 5.502.330,17 m
  • Blick auf die Schlossanlage mit dem Veldenzturm (2021)

    Blick auf die Schlossanlage mit dem Veldenzturm (2021)

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    Veldenzturm - Veldenzschloss Lauterecken

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  • Aborterker und das Spitzbogenfries

    Aborterker und das Spitzbogenfries

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    Turmzimmer

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    Veldenzturm - Veldenzschloss Lauterecken

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    Treppe zum Turmzimmer

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    Turmauskragung

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Der spätgotische Schlossturm („Veldenzturm“) ist ein ehemaliger Wachtturm zur Lauter. Besonderheiten sind u.a. Teile des Wehrganges, Schießscharten, ein Aborterker und ein Spitzbogenfries.

Baubeschreibung
Kulturdenkmal[
Sanierungsmaßnahmen
Baubestand nach dem Burgenlexikon
Die pfälzische Sagenwelt: Prinz Gustav Philipp von Pfalz-Veldenz (1651-1679) und sein Tod nach der Gefangenennahme im Veldenzturm


Baubeschreibung
Der viereckige, spätgotische Schlossturm („Veldenzturm“) auf der Südostecke des ehemals quadratischen Burgareals wurde 1983 - auch auf Initiative von Landrat Gustav A. Held - umfassend restauriert. Er ist einer von ehemals zwei Wachttürmen zur Lauter. Er sitzt auf der Ecke eines älteren Ringmauerrestes auf und stammt wohl aus dem frühen 16. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Gründung des Fürstentums Pfalz-Veldenz. Es bleibt aufgrund der gothischen Bauelemente hier aber unklar, was bei dem damaligen Umbau vor der Wasserburg zum Renaissanceschloss an älterer Bausubstanz übernommen wurde. Auf die ehemalige Wehrfunktion des Turms verweist der umlaufende Wehrgang, der über die Dachterrasse zugänglich ist. Das Obergeschoss des Turmes kragt über einem Spitzbogenfries aus. Sämtliche Werksteine tragen hier Steinmetzzeichen. Bei den Schlitzöffnungen handelt es sich wohl um frühere Schießscharten. Vor dem Eingang zum Turmzimmer befindet sich ein auch von außen gut erkennbarer Aborterker. Die drei rechteckigen Fenster haben spätgotisch gekehlte Gewände. Vor dem Turm verlief ein 13 bis 18 Meter breiter und mehrere Meter tiefer Wallgraben, der mit Wasser aus der Lauter gespeist war und schon kurz nach 1700 aufgefüllt wurde. (u.a. Schüler-Beigang 1999, Fickert 2018b)
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Kulturdenkmal
Im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Kusel ist folgender Eintrag zu finden: „Veldenzplatz 1 ehem. Altes Schloss mit Veldenzturm, 1343 erstmals erwähnt, 1. Hälfte 16. Jh. neu errichtet, Erweiterung “Neuer Bau„ (Schloßgasse 1), um 1600; Amtshaus, um 1752; Scheune, 1804; erhalten: spätgotischer Keller, Teil der Ringmauer, sog. Veldenzturm“. (GDKE 2017, S. 19)
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Sanierungsmaßnahmen
Der Veldenzturm gilt als Wahrzeichen von Lauterecken. 1982 wurden jüngere Gebäudekomplexe am Eingang zum Veldenzturm abgerissen, um den Turm wieder freizulegen. Ein erstes kleines Museum wurde damals nach einer ersten Renovierung darin eingerichtet. Weitere Wohnhäuser (Veldenzplatz 2 und 2a) wurden 2012 und 2015 abgerissen, um zur ursprünglichen Kernbebauung zu gelangen. Im Zuge der weiteren Sanierungsmaßnahmen 2016-2018 wurde der Bereich zwischen Turm und dem kurpfälzischen Oberamtsgebäude von 1752 als zentrales Bindeglied neu geschaffen. Durch den neuen gläsernen Zugangsbereich samt Fahrstuhl wurden die bis dahin getrennten Objekte Veldenzturm und sog. „Veldenzschloss“ (Oberamtsgebäude) miteinander verbunden. (vgl. Cappel 2018)
Das Turmzimmer schmückt heute einige Bilder und Zeichnungen, ein Wappen sowie seit 2021 ein vom Förderverein Pfalz-Veldenz gestifteter ovaler Antiktisch mit vier Polsterstühlen. Der Historische Wappenstein mit der Jahreszahl 1528 sowie drei Wappen, darunter der Veldenzer Löwe und die Triangel der Stadt Lauterecken, wurde einst im Keller eines Privathauses am Veldenzplatz gefunden und im August 1999 an der Vorderfront des Veldenzturmes, über der Tür, eingebaut (Näheres siehe Audio anbei).
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Baubestand nach dem Burgenlexikon
Zum erhaltenen Baubestand des Alten Schlosses gehört der auf der Südwestecke der älteren Ringmauer aufsitzende sog. „Schlossturm“. der allerdings 1983 sehr durchgreifend restauriert wurde. Während dieser Maßnahmen wurde die baufällige Scheune von 1804 an der Südseite der Anlage abgetragen und durch einen Wohnhausneubau ersetzt. Zwischen der Wehrmauer und dem Neubau wurde ein Zwischenraum gelassen, der für eine öffentliche Nutzung ausgebaut wurde. Der Zugang an der Südseite mit der darüber vermauerten Wappenstein-Spolie von 1528 ist neu. Über die Dachterrasse sind der Wehrgang und der Schlossturm zugänglich. Die zum Innenbereich des Schlosses orientierte Nordostecke des Türmchens fußt auf drei Kragsteinkonsolen, die von einem die Mauerecke überspannenden Stichbogen von ca. 4,4 Metern Spannweite getragen werden. Dieser ist vom 1983 eingerichteten Saal unterhalb der jetzigen Dachterrasse sichtbar. Auf die ehemalige Wehrfunktion verweist der umlaufende Wehrgang. Ob es sich bei den 1983 wiederhergestellten beiden Schlitzöffnungen tatsächlich um Schießscharten handelt, ist nicht mehr eindeutig festzustellen, da typische Merkmale fehlen. Das Obergeschoss des Türmchens kragt über einem Spitzbogenfries aus. Im Gegensatz zum Schlosskeller tragen hier sämtliche Werksteine Steinmetzzeichen. Das Turmzimmer ist über eine (erneuerte) Treppe vom Wehrgang aus zugänglich, die vorkragenden Stufen der ursprünglichen Treppe zeichnen sich am Außenbau deutlich ab. Unmittelbar vor dem Eingang des Turmzimmers be?ndet sich - außen auf zwei Konsolsteinkonstruktionen ruhend - ein Aborterker, der 1983 ebenfalls erneuert wurde. Die rechteckigen, spätgotisch gekehlten Fenster des Turmzimmers, zwei davon mit Mittelpfosten, wurden ebenfalls in der alten Form neu angefertigt. (Keddigkeit/Wagner/Frank/Welz 2005, S. 344f.)
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Die Fassaden der den Burgaußenmauern innen vorgelagerten Baukörpern sind - in Anlehnung verschalter hölzerner Burgwehrgänge - mit Holz in bekleidet und in Teilen großflächigen verglast. Mit der Akzentuierung der neuen Fassade durch die Baustoffe Holz und Glas sowie mit den Stilmitteln einer neuzeitlichen Architektur bleibt die monolithischen Ausdrucks- und Bauweise auf den historischen Baubestand beschränkt. Der Bereich zwischen Turmvorbau und dem Hauptbau wurde komplett als zentrales Bindeglied neu geschaffen. Mit einem neuen Zugangsbereich werden die bisher getrennten Objekte Veldenzturm und sog. Veldenzschloss zusammengefasst. Eingänge zum Treppenhaus gibt es vom Hof und von den rückseitig gelegenen Parkplätzen. Über das zentrale, offen gestaltete Treppenhaus werden alle relevanten Nutzungseinheiten auf kurzem Wege erschlossen. Das gilt neben dem projektierten Job-Center und dem Trauzimmer im Erdgeschoss, oder den großen Veranstaltungsraum und den Wechselausstellungsraum im Obergeschoss ebenso auch für den historischen Schlosskeller oder den Wehrgang im Dachgeschoss bzw für die Dachterrasse. Alle vier Ebenen - KG, EG, OG, DG - sind außerdem barrierefrei mit dem Personenaufzug zu erreichen. Die zentrale Gebäudetechnik ist ebenfalls in dem viergeschossigen Bau untergebracht. Im neuen sehr transparenten Treppenraum vereinen sich auch an zentraler Stelle die Ausdrucksformen der Gestaltung aus mehr als sechs Jahrhunderten. Angefangen im Kellergeschoss mit dem gotischen Portalzugang in den historischen Keller, über den Anschnitt der mittelalterlichen Burgmauer, weiter über die Fassade des Oberamtsgebäudes von 1752 bis hin zu der zeitgemäßen Architektur aus Beton, Stahl, Naturstein und Glas. Von hier aus schweift der Blick von den Wandbildern des Bildhauers Gottfried Bräunling mit den visuellen Erzählungen über die Stadt und die Region durch die großflächige Verglasung hinaus über den neu gestalteten Schlosshof zu der hoch aufragenden evangelischen Kirche im neugotischen Stil. Breit liegt der Veldenzplatz vor dem Auge des Betrachters, links und rechts flankiert von den prächtigen Gebäuden des 18. Jahrhunderts und im Zentrum das anmutige Denkmal an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 mit dem zum Schloss gewendeten bayrischen Löwen.„ (Cappel 2018, S. 26f.)
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Die pfälzische Sagenwelt: Prinz Gustav Philipp von Pfalz-Veldenz (1651-1679) und sein Tod nach der Gefangenennahme im Veldenzturm
Prinz Gustav Philipp von Pfalz-Veldenz (1651-1679), ein Sohn des Pfalzgrafen Leopold Ludwig (1625-1694), wurde nach mehreren Mordtaten und seiner Konversion zum Katholizismus von seinem Vater 1678 im Schlossturm in Arrest genommen. Als der fürstliche “Taugenichts„ ein Jahr später flüchten wollte, wurde der 28-Jährige von dem Wachtmeister Jeremias Berteau erschossen. Die genauen Tatumstände sind nicht eindeutig geklärt. Mit diesem Vorfall ging der junge Pfalzgraf aber in die pfälzische Sagenwelt ein. Als Beispiel lässt sich neben einem Gedicht und Kurzerzählungen in Sagenbüchern die bekannte Erzählung “Gustav Philipps Heimkehr„ von Hermann Lorch aus dem Jahr 1922 anführen. (Fickert 2018c)
Ausführlich beschrieb im Jahr 1968 der Chronist Albert Zink den “fürstlichen Taugenichts„:
“Des Lauterecker Pfalzgrafen Leopold Ludwigs Sohn Gustav Philipp, den wir, milde ausgedrückt, als Taugenichts bezeichnen, ist wohl unter allen Grafen und Prinzen des angesehenen Geschlechts des Fürsten von Pfalz-Veldenz derjenige, von dem die Lauterecker wohl am meisten zu wissen glauben und der im Geschichtsbild der Stadt nicht mehr auszulöschen ist. Um zu erfahren, was den Prinzen aus dem vornehmen Fürstenhaus der wittelsbachischen Pfalzgrafen bei Rhein zum räudigen Schaf unter den veldenzischen Fürsten machte, ist es notwendig, das durch Sagen und Legenden verdunkelte Bild des Missetäters durch verbürgte Nachrichten zu erhellen. Beginnen wir mit seiner Geburt und wahrhaft fürstlichen Taufe im Lauterecker Schloß. Das Lauterecker Kirchenbuch berichtet darüber: ‚1651, den 19. Juli geboren Herzog Leopold Ludwigs Pfalzgrafens unseres Fürsten und Herrn F. G. und dero Gemahlin (so donnerstags, den 17. Juli zwischen 9 und 10 Uhr vor Mittag niedergekommen) jungen Herrleins im Schloß getauft, Gustav Philipp genannt. Gevatter (Paten) waren: Markgraf Friedrich von Durlach, Herzog Sylvius Himrod von Württemberg, Graf Ioachim Ernst von Ötingen, Rheingraf Johann Ludwig zu Daun, Graf Philipp von Leiningen, Herr Hanß Philipp, Graf zu Hanau, Herr Hanß Reinhardt. Gevatterinnen waren: Frl. Anna Sophia, Pfalzgrä?n und Äbtissin zu Quedlinburg, die Fürstin zu Ottweiler, nassauische Witwe, die Fürstin von Ötingen, Anna Sophia geborene Pfalzgrä?n, Frl. Eva Dorothea, Rheingrä?n zu Daun, Frl. Sophia, Gräfin zu Hanau. Diese fürstlichen und gräflichen Gevattern waren vertreten von unseres gnädigsten Fürsten und Herrn Fräulein Schwester, Frau Magdalena Sophia, Pfalzgrä?n, Herr Adolf Rheingraf zu Grumbach Ihro gnädige Gemahlin und dieser ältesten Schwester.'
Als aus dem „jungen Herrlein“ ein junger Mann geworden war, begab er sich auf Reisen, die ihn durch Deutschland, Lothringen, Dänemark und Frankreich führten. Es folgten Kriegsdienste in kaiserlichen und lothringischen Heeren und die Teilnahme an der Schlacht bei Sinsheim gegen die Franzosen im Jahr 1674. Soll diese Kriegsfahrt eine Sühne gewesen sein für ein schweres Verbrechen, zu dem er sich ein Jahr vorher hinreißen ließ? Auf der Treppe des Schlosses Lützelstein erstach er mit seinem Degen 1673 den dortigen Amtmann, offenbar deswegen, weil er sich den Erpressungen von Geld bei der Bevölkerung durch den aus den menschlichen Niederungen aufgestiegenen Unhold widersetzt hatte. Unverständlich bleibt das Verhalten des Vaters Leopold Ludwig. Er fordert den Superintendenten König in Lützelstein auf, die ihm unterstellten Geistlichen zu veranlassen, für die „glückliche Heimkehr“ des Prinzen und seine Untaten zu beten. Bin Teil der Geistlichen folgte der Anordnung, andere verlasen den fürstlichen Befehl ‚unter Tränen', einige unterließen nach einer schweren Gewissensentscheidung die Verlesung bis auf weiteres und baten um die Zurücknahme oder Milderung des Auftrags, damit ‚die Verleumder nicht Ursache nehmen, zu lästern'. Leopold ließ die Widersprechenden nach Lützelstein kommen und tadelte ihr Verhalten, offenbarte ihnen aber die Missetaten seines Sohnes, um sie von ihrer Gewissensnot zu befreien.
Das Maß der Sündenschuld des fürstlichen Verbrechers war jedoch noch nicht voll geworden. In den Jahren 1672 bis 1678 unterschlug er, um sich zu bereichern, die der Herrschaft gehörenden Zehnten in Kusel, Konken, Altenglan und Ulmet, bis er sich 1678 eines neuen Mordes schuldig machte, über den das Kirchenbuch folgendes berichtet: ‚1678, den 14. August ist zu Lauterecken begraben worden Johannes Diebold von Fockenberg, Johann Diebolds des Gerichtsschöffen und Kirchenzensors von Fockenberg einziger Sohn, welcher samstags vorher bei Emportierung des vom Prinzen Gustav Philippes mit List eroberten Schlosses allhier vom besagten gottlosen Prinzen erschossen worden, seines Alters 20 Jahre, hat noch ein sehr christliches Ende genommen.'
Dieser Vorgang ist so zu verstehen, daß Diebold den Prinzen vom Betreten des Schlosses abhalten wollte, was ihm anscheinend verboten war. Nach einer Quelle vom Jahre 1766 soll er außer den genannten Verbrechen noch weitere Mordtaten begangen haben. Damit war der Ausbund an Schlechtigkeiten zu einem Skandal geworden und nicht mehr zu verschweigen. Leopold Ludwig ließ 1678 seinen Sohn in Arrest nehmen. Das Schicksal nahm seinen Lauf, bis der Gefangene mit seinem Wärter Jeremias Berteau aus Lauterecken [verh. Lauterecken 16. Januar 1676 mit Johanna Catharina, Tochter des Hanß Jakob Fuhrmann aus Lauterecken, begr. Lauterecken 16. Januar 1682) in Streit geriet und von ihm am 18. August 1679 erschossen wurde. Pfarrer Haack hat diesen unerhörten Vorfall im Kirchenbuch festgehalten: ‚Den 24. Augusti vor Tag zwischen 12 und 1 Uhr ist des durchlauchtigen Fürsten und Herrn Leopold Ludwigs ältester Sohn in allhiesiger Kirche neben der fürstlichen Gruft in Weiland Hugonis Zanten gewesenen Lützelsteinischen Amtmanns Grab, welcher 1594 allhier gestorben, beigesetzt worden, nachdem selbiger in seiner Gefangenschaft, in welcher er wegen grausam verübter Mordtaten und gegen des Herrn Vaters begangenen Rebellion auch anderer Untaten Jahr und Tag allhier in gefänglicher Haft gewesen, endlich weil er sich los zu wirken und an dem Wachtmeister Jeremias Berteau sich zu vergreifen versucht, von bemeldem Wachtmeister erschossen worden. Er hat zuvor Apostasie (Abfall vom lutherischen Glauben) gehabt, bekannte sich aber in seinem Gefängnis wieder zu unserer christlichen Religion Augsburger Confession. Weil man aber keine ernstliche Reue und Buße bei ihm fand, habe ich ihm die Absolution (Lossprechung) nicht sprechen und das Abendmahl reichen können; doch ist dieses noch an ihm rühmlich, daß er gleichwohl bei empfangenen Schuß noch geschrien: Herr Jesus, sei meiner armen Seele gnädig! Seines Alters 28 Jahr, 4 Wochen, 4 Tage.'
Das Ereignis war in der Folge im Zwielicht der Sage und im Streit der Meinungen irreführend ausgesponnen, wenn nicht gar glori?ziert worden. Nach dem Volksmund soll Gustav Philipp bis in die Gegend des Wälderbusch, südlich von Lauterecken, ge?ohen und dort zusammengebrochen sein. Es wird auch erzählt, daß er sich öfter ein Vergnügen daraus machte, vom Schloßturm aus, in dem er gefangengehalten war, auf Tiere und vorübergehende Menschen zu schießen. Die von Fr. W. Hebel in sein „Pfälzisches Sagenbuch“ (Kaiserslautern 1912.) Seite 318 aufgenommene Sage weicht ganz und gar von der Wirklichkeit ab. Das gilt auch für das Gedicht „Der Mutter Fluch“ von dem Kuseler Pfarrer und Heimatdichter Christian Böhmer (gest. Bosenbach 1877) und die 1922 erschienene Broschüre „Gustav Philipps Heimkehr“ (45 Seiten) von Hermann Lorch. Auf Grund des in Straßburg erfolgten Übertritts des lutherischen Prinzen zum Katholizismus und der irrigen Meinung, daß der Vater die Erschießung seines Sohnes wegen seines Glaubenswandels befohlen hätte, plante 1842 die katholische Kirchengemeinde Lauterecken, an der Stelle, wo er erschossen wurde, eine Kirche zu bauen. Beim Bau der Kirche im Jahre 1853 sah man jedoch davon ab, aus dem verdorbenen Grafensohn einen Märtyrer zu machen.„ (Zink 1968, S. 33-35)

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(Jan Fickert M.A., Stadt Lauterecken, 2021)

Literatur

Böhmer, Christian (2018)
"Der Mutter Fluch". In: Einweihung Veldenzschloss, 675 Jahre Stadtrechte, 10. Veldenztag. Festschrift zum 24.-26. August 2018, S. 32-33. Lauterecken.
Buntz, Herwig (2019)
Das Schloss in Lauterecken und seine Bewohner. In: Westrichkalender Kusel 2019, S. 103-108. Kusel.
Cappel, Peter (2018)
Das Veldenzschloss von Lauterecken – eine ewige Baustelle. In: Festschrift zur Einweihung Veldenzschloss, 675 Jahre Stadtrechte, 10. Veldenztag. Lauterecken 24. -26. August 2018, S. 22-27.. Lauterecken.
Fickert, Jan (2018)
Kleine Baugeschichte des Veldenzschlosses. In: Einweihung Veldenzschloss, 675 Jahre Stadtrechte, 10. Veldenztag - Festschrift zum 24.-26. August 2018, S. 15-19. Lauterecken.
Fickert, Jan (2018)
Veldenzturm. In: Einweihung Veldenzschloss, 675 Jahre Stadtrechte, 10. Veldenztag - Festschrift zum 24.-26. August 2018, S. 20-21. Lauterecken.
Fickert, Jan (2018)
Was die Lauterecker 1843 noch über den ermordeten Prinzen Gustav Philipp von Pfalz-Veldenz (1651-1679) erzählten…. In: Einweihung Veldenzschloss, 675 Jahre Stadtrechte, 10. Veldenztag (= Festschrift zum 24.-26. August 2018), S. 28-29. Lauterecken.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2022)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Kusel. Denkmalverzeichnis Kreis Kusell, 6. September 2022. Rheinland-Pfalz. Online verfügbar: denkmalliste.gdke-rlp.de/Kusel, abgerufen am 20.06.2023
Gümbel, Jakob Theodor (1900)
: Die Geschichte des Fürstentums Pfalz-Veldenz. Kaiserslautern.
Hebel, Friedrich Wilhelm (2017)
Pfälzisches Sagenbuch. Kaiserslautern.
Keddigkeit, Jürgen; Übel, Rolf / Burkhart, U. (Hrsg.) (2005)
Pfälzisches Burgenlexikon. Band 3. I-N. Lauterecken, S. 332-347, Kaiserslautern.
Lorch, Hermann (1922)
Gustav Philipps Heimkehr. In: Pfälzer Volksschriften Nr. 2, Neustadt an der Haardt.
Schüler-Beigang, Christian (1999)
Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Kreis Kusel. (Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 16.) Worms.
Zink, Albert (1968)
Chronik der Stadt Lauterecken. o. O.
(1895)
Die Überreste des alten Schlosses in Lauterecken sowie die Glan- und die Lauterbrücke daselbst. Pfälzische Kreisgesellschaft des bayerischen Architekten- und Ingenieur-Vereins. In: Die Baudenkmale in der Pfalz, Bd. 5, S. 88-97. Ludwigshafen.

Veldenzturm - Veldenzschloss Lauterecken

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Veldenzplatz 2
Ort
67742 Lauterecken
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Museen, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Bauaufnahme, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1343

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„Veldenzturm - Veldenzschloss Lauterecken”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345762 (Abgerufen: 7. Oktober 2026)
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