Motorsport-Rennstrecke auf dem NATO-Fliegerhorst Geilenkirchen-Teveren

Kurs der ADAC-Flugplatzrennen Geilenkirchen, Rennstrecke Flugplatz Teveren

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Gangelt , Geilenkirchen
Kreis(e): Heinsberg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 57′ 53,15″ N: 6° 01′ 44,98″ O / 50,96476°N: 6,02916°O
Koordinate UTM 32.291.398,89 m: 5.650.108,91 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.502.092,70 m: 5.647.726,65 m
  • Virtueller Flugsimulator-Landeanflug eines Militärflugzeugs vom Typ Boeing E-3A auf dem NATO-Flugplatz Geilenkirchen-Teveren (2014).

    Virtueller Flugsimulator-Landeanflug eines Militärflugzeugs vom Typ Boeing E-3A auf dem NATO-Flugplatz Geilenkirchen-Teveren (2014).

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    Hohenforst, Andrea, CC-BY-2.0
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    Andrea Hohenforst
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Zahlreiche militärische wie auch zivile Flugplätze erlauben oft allein aufgrund ihres großen Platzangebotes größere Veranstaltungen wie z.B. Musikfestivals oder Autorennen.
Auf den zumeist gepflegten und weiträumigen Start- und Landebahnen lassen sich recht einfach temporäre Rennkurse einrichten und die umgebende Infrastruktur eines Flugplatzes erleichtert den Aufwand für die Durchführung von Motorsportveranstaltungen. Zu nennen sind etwa gute Anfahrtswege und existierende Parkplätze, vorhandene Sicherheitsabsperrungen und eine Flugplatzfeuerwehr, für Rennveranstaltungen nutzbare Betriebsgebäude (wie z.B. ein Tower) und teilweise sogar dauerhaft bestehende Tribünen für die Zuschauer.

Die ADAC-Flugplatzrennen 1970 und 1971
Nur einen Steinwurf von der niederländischen Grenze entfernt, liegt der 1953 eröffnete NATO-Militärflugplatz Geilenkirchen (englisch Air Base Geilenkirchen / Royal Air Force bzw. RAF Geilenkirchen), der 1968 an die Luftwaffe der Bundeswehr übergeben wurde und heute ein zentraler Stützpunkt der NATO-Frühwarnflotte ist.
Hier fanden am 26./27. September 1970 und am 11./12. September 1971 zwei Tourenwagen-Veranstaltungen „ADAC-Flugplatzrennen Geilenkirchen“ mit jeweils zwei Läufen statt. Die zu diesem Zweck temporär eingerichtete, immerhin 5,1 Kilometer lange Rennstrecke wurde in jedem Lauf jeweils zehn Mal im Uhrzeigersinn umfahren und umfasste Berichten zufolge 16 Kurven und zwei Schikanen (vgl. die Streckenskizze unter theracingline.net, der auch die hiesige Objektgeometrie zugrunde liegt/eine Schikane ist ein bauliches Hindernis zur Geschwindigkeitsbegrenzung).
Die Rennen, bei denen fast ausschließlich deutsche Fahrer starteten, waren als „non championship races“ deklariert (vgl. touringcarracing.net und www.racingsportscars.com) und zählten offenbar nicht zu nationalen oder gar internationalen Rennserien, wie etwa der seinerzeitigen Deutschen Automobil Rundstrecken Meisterschaft (DARM).
Als inoffizielles Rekordtempo wird ein Schnitt von 152,4 km/h über zehn Runden angegeben, gefahren 1971 von Walter Lehmann für sein „Auto Lehmann Racing Team“ auf einem englischen Lola T212-Rennwagen (ebd. und Semmeling 2009, S. 116).

Weitere bekannte Flugplatzstrecken und -rennen
Der eigene Typus der „Flugplatzrennen“ umfasst meist lediglich regional bedeutsame Slalom- oder Sprintrennen – vereinzelt fanden aber auch größere Sportwagen-Rennen auf Flugplatzkursen statt, wie z.B. Läufe der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) und sogar Rennen zu Weltmeisterschaften. Neben den hier unter „verwandte Objekte“ genannten Flugplatz-Rennstrecken seien hier noch beispielhaft genannt:

  • Der etwa 10 Kilometer westlich der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt liegende, 1939 eröffnete zivile Verkehrslandeplatz Mainz-Finthen bietet bei Bedarf eine 2,1 Kilometer lange Strecke, die seit 1964 bis heute regelmäßig für Motorsportveranstaltungen genutzt wird. Unter anderem fanden hier 1967 ein Formel-3-Rennen, zwischen 1972 und 1983 Läufe zur bedeutenden Deutschen Rennsport-Meisterschaft (DRM) und von 1984 bis 1990 das Flugplatzrennen Mainz Finthen im Rahmen der populären DTM statt (Büsing / Mahla 2020, S. 254-289).
  • Ebenfalls in Rheinland-Pfalz, rund zehn Kilometer nordöstlich von Kaiserslautern, fanden die Flugplatzrennen Sembach auf dem während des Kalten Krieges seit 1953 von der US-Air Force betriebenen und 1995 stillgelegten Militärflugplatz Air Base Sembach statt. Zwischen November 1969 und Mai 1975 wurden hier insgesamt sieben Autorennen auf einer 5,61 Kilometer langen Strecke vom Kaiserslauterner Automobilclub von Deutschland (AvD) durchgeführt. Den Rundenrekord mit einem Schnitt von 156,9 km/h erzielte auf einem Porsche 907 der später bei einem Oldtimerrennen auf dem Nürburgring tödlich verunglückte Hans-Dieter Blatzheim (1937/38-1985). Als der Flugplatz 1976 nicht verfügbar war, wurde das AvD-Flugplatzrennen Sembach einmalig nach Trier-Grüneberg verlegt (Semmeling 2009, S. 119).
  • Das AvD-Flugplatzrennen fand damit am 25. April 1976 erst- und gleichzeitig letztmalig inmitten der Weinberge oberhalb der alten Römerstadt Trier auf einem provisorischen Rundkurs Grüneberg statt. Der 6,19 Kilometer lange Kurs wurde auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle der Bundeswehr für landgebundene Fahrzeugsysteme, Pionier- und Truppentechnik (WTD 41) auf einem militärischen Testkurs für Panzer eingerichtet und verfügte über eine ziemlich gute, aber nicht besonders breite Betonoberfläche, zahlreiche Höhenunterschiede und eine Vielzahl von Kurven. Insgesamt fehlte es jedoch an den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen wie etwa einer ausreichenden Anzahl von Streckenposten. Überaus gefährliche Barrieren erlaubten zudem, dass Rennwagen darunter durchrutschen konnten (Semmeling 2009, S 103).
  • Neben Formel-3-Läufen fanden insgesamt elf Rennen der DTM bzw. ihrer Nachfolgeserie ITC (International Touring Car Championship) zwischen 1984 und 1996 auf dem zuletzt 2,720 Kilometer langen Kurs des militärischen Fliegerhorsts der Bundeswehr im niedersächsischen Diepholz statt (erbaut 1934/37). Der Kurs wird auch heute noch für Cup- und Slalomrennen genutzt.
  • Ebenfalls in Niedersachsen (im Landkreis Region Hannover) liegt der 1934/36 angelegte Militärflugplatz Wunstorf, der heutige Fliegerhorst Wunstorf der Bundeswehr-Luftwaffe. Auf der immerhin 5,050 Kilometer langen Strecke wurden zwischen 1964 und seiner Stilllegung 1998 die „Flugplatzrennen Wunstorf“ ausgetragen, die in den Jahren 1977-1979 und 1985-1990 als Läufe der Sportwagen-Weltmeisterschaft (Interserie bzw. Gruppe C) stattfanden.
  • Der seit 2015 zivil genutzte frühere Militär-Fliegerhorst Erding (errichtet 1935 und zuletzt bis 2015 Flugplatz der Bundeswehr) liegt etwa 40 Kilometer nordöstlich der bayrischen Landshauptstadt München und verfügte bei Bedarf über einen 2,54 Kilometer langen Rennkurs. Auf diesem wurden zwischen 1978 und 1986 Läufe zur deutschen Formel-3-Meisterschaft und am 9. Juni 1985 ein Rennen der DTM ausgetragen.
  • Und sogar auf dem kleinen Flughafen der Nordseeinsel Sylt östlich von Westerland fanden 1976-1977 und 1979-1980 vier Autorennen statt. Da die einzigen Verbindungen zum Festland der Zug oder die Fähre waren, waren die Transporte für die Teilnehmer jedoch sehr kostspielig. Mit einer Kurslänge von immerhin 6,2 Kilometern führten die Flugplatzrennen Sylt über eine der längsten Flugplatzstrecken in Deutschland. Die Rennen wurden für Tourenwagen und GT-Fahrzeuge (Grand Tourismo), Formel V 1300 und Super V, sowie für den VW-Junior-Cup und den Renault-5-Pokal ausgeschrieben. Der Finne Mika Arpiainen (*1948) erzielte 1976 auf einem Veemax-Super-V eine Rundenzeit von 2:07,5 Minuten, was einem Schnitt von 175,1 km/h entspricht. Wegen Beschwerden der Anwohner über den Lärm und Kritik der Fahrer an der schlechten Oberfläche der Strecke, wurde diese für 1977 auf 4,2 Kilometer verkürzt und an mehreren Stellen modifiziert. Dennoch starb beim Rennen ein Streckenposten infolge eines Unfalls. Axel Plankenhorn (*1951) fuhr 1977 auf einem Lola-Super-V die schnellsten Trainingsrunden mit 1:32,4 bzw. 1:38,4 Minuten im Rennen (= 163,6 bzw. 153,7 km/h). Für die letzte Veranstaltung 1980 wurde die Streckenlänge nochmals auf nun nur noch 1,6 Kilometer verkürzt (Semmeling 2009, S 120).

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2020)

Internet
touringcarracing.net: German Touring Car Races - non-championship (abgerufen 03.07.2020)
theracingline.net: Germany, Nordrhein-Westfalen, Geilenkirchen (abgerufen 06.07.2020)
www.racingsportscars.com: Geilenkirchen (abgerufen 06.07.2020)

Literatur

Büsing, Gustav; Mahla, Uwe (2020)
Einfach eine geile Zeit. Deutsche Rennsport-Meisterschaft 1972-1985 (3. erweiterte Auflage). Duisburg.
Semmeling, Rob (2009)
Rennen! Races! Vitesse! Racing Circuits Netherlands, Belgium, Germany, Austria, Luxembourg, Switzerland. S. 116, o. O. Online verfügbar: www.wegcircuits.nl, abgerufen am 18.06.2020

Motorsport-Rennstrecke auf dem NATO-Fliegerhorst Geilenkirchen-Teveren

Schlagwörter
Ort
52511 Geilenkirchen - Teveren
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Fotos
Historischer Zeitraum
Beginn 1970, Ende 1971

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Motorsport-Rennstrecke auf dem NATO-Fliegerhorst Geilenkirchen-Teveren”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-315834 (Abgerufen: 3. August 2020)
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