Erinnerungsort Alter Schlachthof Derendorf

vormals städtischer Schlacht- und Viehhof, zeitweise zentrale NS-Deportationssammelstelle im Regierungsbezirk Düsseldorf, heute Gedenkstätte der Hochschule Düsseldorf

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Düsseldorf
Kreis(e): Düsseldorf
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 14′ 53,47″ N: 6° 47′ 31,6″ O / 51,24818°N: 6,79211°O
Koordinate UTM 32.345.909,45 m: 5.679.740,45 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.555.350,08 m: 5.679.555,33 m
  • Die Großviehmarkthalle des städtischen Schlachthofs in Düsseldorf-Derendorf (2020), im Eingangsbereich befindet sich heute der der Erinnerungsort Alter Schlachthof.

    Die Großviehmarkthalle des städtischen Schlachthofs in Düsseldorf-Derendorf (2020), im Eingangsbereich befindet sich heute der der Erinnerungsort Alter Schlachthof.

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  • Historischer Lageplan "Schlachthof und Viehmarkt Düsseldorf" vom 27. April 1898, erstellt vom Stadtbaurat Carl Peiffhoven.

    Historischer Lageplan "Schlachthof und Viehmarkt Düsseldorf" vom 27. April 1898, erstellt vom Stadtbaurat Carl Peiffhoven.

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  • Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf-Derendorf (2020): Informationspult vor dem Gebäude über die Geschichte der Verfolgung und der Deportation der jüdischen Bevölkerung im Regierungsbezirk Düsseldorf.

    Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf-Derendorf (2020): Informationspult vor dem Gebäude über die Geschichte der Verfolgung und der Deportation der jüdischen Bevölkerung im Regierungsbezirk Düsseldorf.

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  • Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf-Derendorf (2020): Über dem früheren Viehabstieg ermöglicht ein Gitterrost den Rundgang durch die Ausstellung. An der Wand: Porträts der von hier deportierten Menschen.

    Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf-Derendorf (2020): Über dem früheren Viehabstieg ermöglicht ein Gitterrost den Rundgang durch die Ausstellung. An der Wand: Porträts der von hier deportierten Menschen.

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  • Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf-Derendorf (2020): Der original erhaltene Viehabstieg führt zum Digitalen Archiv des Erinnerungsortes. An den Wänden: Zitate von Überlebenden.

    Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf-Derendorf (2020): Der original erhaltene Viehabstieg führt zum Digitalen Archiv des Erinnerungsortes. An den Wänden: Zitate von Überlebenden.

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  • Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf-Derendorf (2020): Ein erhaltener Steintrog, aufgestellt im Innern der Halle, die heute als Bibliothek dient. Ein Symbol für die während der NS-Herrschaft begangenen Verbrechen.

    Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf-Derendorf (2020): Ein erhaltener Steintrog, aufgestellt im Innern der Halle, die heute als Bibliothek dient. Ein Symbol für die während der NS-Herrschaft begangenen Verbrechen.

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Der städtische Schlachthof in Düsseldorf-Derendorf wurde in den Jahren 1896 bis 1899 erbaut. Zahlreiche Erweiterungsbauten folgten in den 1920er und 1930er Jahren. Der Schlachthof blieb bis in das Jahr 2002 in Betrieb. Während der NS-Herrschaft nutzte die Geheime Staatspolizei (Gestapo) die Großviehmarkthalle des Schlachthofs als zentrale Sammelstelle im Regierungsbezirk Düsseldorf, zur Organisation der Deportationen der jüdischen Bevölkerung.
Nach der Schließung des Schlachthofs wurden fast alle Gebäude abgerissen. Nur die alte Pferdestation und die Großviehmarkthalle blieben erhalten, da sie 1999 unter Denkmalschutz gestellt wurden. Im Jahr 2016 wurde auf dem Gelände des früheren Schlachthofs der neue Campus der Hochschule Düsseldorf eröffnet. In der Großviehmarkthalle haben die Campus-IT und die Hochschulbibliothek ihren Platz gefunden. Im Eingangsbereich der Halle befindet sich der Erinnerungsort Alter Schlachthof.

Der städtische Schlachthof als Deportationssammelstelle (1941-1944)
Fast 6.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf mussten sich auf Anordnung der Gestapo zu insgesamt sieben Transporten am Düsseldorfer Schlachthof einfinden. Sie wurden registriert, ausgeraubt und mussten eine Nacht in der Großviehmarkthalle verbringen. Am nächsten Morgen wurden sie vom nahe gelegenen Güterbahnhof in Ghettos im besetzten Osteuropa deportiert. Federführend bei den Deportationen war die Geheime Staatspolizei, doch sie hätte die Deportationen unmöglich alleine organisieren können. Zahlreiche Behörden und Dienststellen waren involviert, wie die Finanzverwaltung, Einwohnermeldeämter, Wirtschaftsämter, die Reichsbahn usw.

Nacheinander fuhren Deportationszüge in die Ghettos Lodz (27.10.1941), Minsk (10.11.1941), Riga (11.12.1941), Izbica (22.4.1942) und Theresienstadt (21. und 25.7.1942). Die Lebensbedingungen in den Ghettos waren in jeder Hinsicht katastrophal. Wer arbeitsfähig war, unabhängig vom Alter, musste Zwangsarbeit leisten, entweder im Ghetto selbst oder in einem Zwangsarbeitslager. Alle anderen wurden dem Hungertod überlassen oder „ausgesiedelt“ – was nichts anderes bedeutete, als in einem der „Vernichtungslager“, wie Auschwitz oder Chelmo, ermordet zu werden. Die letzte Deportation von rund 250 bis dahin verschonten, in so genannter „Mischehe“ lebenden Menschen erfolgte am 18. September 1944 zunächst in Lager der NS-Organisation Todt und später nach Theresienstadt. Nach Schätzungen haben nur etwa 300 Menschen ihre Deportation überlebt.

Die Wahl des Schlachthofs als Sammelstelle erfolgte vermutlich aus pragmatischen Gründen: Die Gestapo benötigte für ihre Massendeportationen eine Halle, in der mindestens 1.000 Menschen versammelt werden konnten; sie sollte in der Nähe des Güterbahnhofs Derendorf liegen, von wo die Transporte abgingen; sie musste leicht zu überwachen sein (das Schlachthofgelände war umzäunt bzw. von einer Mauer umgeben). Und: Eigentümer der Halle war die Stadt Düsseldorf, so dass keine Miete zu entrichten war, sondern die Nutzung als „Amtshilfe“ erfolgen konnte. Der reguläre Betrieb des Schlachthofes wurde während der Deportationen nicht unterbrochen.

Gedenken
Erst im Jahr 1986 ließ die Stadt Düsseldorf eine kleine Gedenkplakette an der Außenmauer des Schlachthofes an der Rather Straße anbringen. Mit dem Umzug der Hochschule Düsseldorf auf ihren neuen Campus eröffnete im Februar 2016 der Erinnerungsort Alter Schlachthof.
Die Dauerausstellung dokumentiert am historischen Ort die hier verübten Verbrechen. Lebens- und Familiengeschichten der Verfolgten und Deportierten werden rekonstruiert. Im für das Publikum zugänglichen Digitalen Archiv werden neben vielen historischen Dokumenten biographische Informationen und Fotos von Verfolgten, aber auch von Tätern und Profiteuren, gesammelt und präsentiert. Auch der Umgang mit den wenigen Überlebenden des Holocaust und die Nachwirkungen des Nationalsozialismus werden dokumentiert. Die Ausstellung wird um ein historisch-politisches Bildungsprogramm ergänzt, in Zusammenarbeit mit dem Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus der Hochschule Düsseldorf.
Seit 2019 ist der Erinnerungsort Alter Schlachthof Mitglied des Arbeitskreises NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte NRW e.V.

Denkmal
Das Objekt „ehem. Schlachthof Derendorf, Rather Str. 23, Baujahre 1896 bis 1899, 1930, 1931“ wurde zum 24.08.1999 in der Kategorie „Technische Denkmäler, Industrie der Nahrungs- und Genussmittel“ in die Denkmalliste der Stadt Düsseldorf aufgenommen (inprobauauskunft.duesseldorf.de).
Laut einem älteren Eintrag der Denkmalliste war neben dem Hochbauamt der Stadt Düsseldorf der Architekt Georg Osthoff (1844-1898) mit dem Entwurf und der Planung des ursprünglichen Baus betraut (archive.vn). Osthoff unterhielt in Berlin ein spezialisiertes Planungsbüro als Technisches Geschäft zum Entwerfen und Ausführen von Schlachthöfen, Viehmärkten und Markthallen (www.glass-portal.privat.t-online.de).

Lage und Objektgeometrie
Die hier eingezeichnete Lage des seinerzeit rund 8,5 Hektar bzw. 85.000 Quadratmeter umfassenden Geländes des Schlachthofs folgt der historischen Topographischen Karte TK 1936-1945. Deren Darstellung entspricht noch weitestgehend dem von dem Stadtbaurat Carl Peiffhoven für einen „Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeinde-Angelegenheiten der Stadt Düsseldorf für den Zeitraum vom 1. April 1899 bis 31. März 1900“ erstellten Lageplan „Schlachthof und Viehmarkt Düsseldorf“ vom 27. April 1898 (vgl. Kartenansicht und Abbildung).
In der Karte von 1898 ist nordöstlich des Areals noch eine kleine „Sanitäts-Anstalt“ an den Gütergleisen verzeichnet, die aber vermutlich nicht unmittelbar mit dem Schlachthof zu tun hat.

(Joachim Schröder, Hochschule Düsseldorf / Erinnerungsort Alter Schlachthof, 2020)

Internet
www.erinnerungsort-duesseldorf.de: Erinnerungsort Alter Schlachthof (abgerufen 05.06.2020)
www.gedenkstaetten-uebersicht.de: Stiftung Topographie des Terrors Berlin, Erinnerungsort Alter Schlachthof (abgerufen 05.06.2020)
www.memorialmuseums.org: Gedenkstättenportal der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Erinnerungsort Alter Schlachthof (abgerufen 05.06.2020)
www.ns-gedenkstaetten.de: Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW e.V. / Gedenkstätten NRW, Erinnerungsort Alter Schlachthof Düsseldorf (abgerufen 05.06.2020)
inprobauauskunft.duesseldorf.de: Denkmalliste der Stadt Düsseldorf (abgerufen 05.06.2020)
archive.vn: Web-Archiveintrag der nicht mehr existenten Internetseite http://www.duesseldorf.de/cgi-bin/denkmal/dsneu.pl?nr=1467 zur Denkmalliste der Stadt Düsseldorf (abgerufen 05.06.2020)
www.glass-portal.privat.t-online.de: Architektenbiografie Georg Anton Osthoff (abgerufen 05.06.2020)

Erinnerungsort Alter Schlachthof Derendorf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Münsterstraße 156
Ort
40476 Düsseldorf - Derendorf
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1896 bis 1899

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Erinnerungsort Alter Schlachthof Derendorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-313804 (Abgerufen: 9. Dezember 2021)
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