Düsseldorfer Straße/Schloßstraße in Jülich

Parkdeck Zitadelle in Jülich

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Jülich
Kreis(e): Düren
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 55′ 26,23″ N: 6° 21′ 28,84″ O / 50,92395°N: 6,35801°O
Koordinate UTM 32.314.323,29 m: 5.644.692,60 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.525.216,43 m: 5.643.247,51 m
  • Das Parkdeck Zitadelle in Jülich (2019).

    Das Parkdeck Zitadelle in Jülich (2019).

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  • Einfahrt zum Parkdeck Zitadelle in Jülich (2019).

    Einfahrt zum Parkdeck Zitadelle in Jülich (2019).

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  • Plakat eines Studierendenprojekts der Technischen Hochschule Köln zur Ecke Düsseldorfer Straße/Schlossstraße in Jülich (PDF-Datei, 4,78 MB, 2019/20)

    Plakat eines Studierendenprojekts der Technischen Hochschule Köln zur Ecke Düsseldorfer Straße/Schlossstraße in Jülich (PDF-Datei, 4,78 MB, 2019/20)

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Das heutige Parkdeck Zitadelle an der Ecke Düsseldorfer Straße/Schloßstraße liegt an der südwestlichen Ecke der Zitadelle, angrenzend an den Schloßplatz. Städtebaulich ist diese Freifläche eine Schnittstelle zwischen Stadtkern im Süden und Westen, Zitadelle im Norden, Schlossplatz im Osten und historischem Stadtrand hinter der evangelischen Chistuskirche im Nordwesten. Nach dem großen Stadtbrand 1547 wurde Jülich nach dem Idealstadtkonzept neu errichtet. Vor dem Stadtbrand war hier, anstelle des späteren Exerzierplatzes, der mittelalterliche Tuchmarkt. Im Jahr 1868 wurde das Exerzierhaus im Westen des Platzes für die Unteroffiziersschule Jülich gebaut. Das Gelände war vorher unbebaut.

Das Exerzierhaus war ungefähr fünf Jahrzehnte in Betrieb. Im Ersten Weltkrieg war dort ein Hilfslazarett untergebracht. Dafür wurde der feinstaubige Boden des Hauses mit Linoleum belegt. Nach wenigen Monaten wurde das Haus für andere Kriegszwecke genutzt, weil ein Ersatzbataillon dort zum Exerzieren untergebracht wurde. Nach Kriegsende und Einrücken der fremden Besatzung im Dezember 1918 wurde es in Beschlag genommen. In dieser Zeit wurde es vielfältig genutzt (Kino, Soldatenheim, Möbellager und trotzdem noch Exerzierhaus). Nach Besatzungsabzug stand es bis zum Übergang in den Besitz der Reichspost 1935 leer und verfiel. Es diente der Post als Unterstand für den Fuhrpark. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Aufgrund der massiven Zerstörung durch den Brand 1547 war die Rekonstruktion des antiken Siedlungsbildes schwierig. Im Rahmen der Innenstadtsanierung Ende des 20. Jahrhunderts mit Kanalbaumaßnahmen an den Hauptstraßen gab es die Möglichkeit einer Schnittforschung. An der Stelle des ehemaligen Exerzierplatzes war früher ein spätantikes fränkisches Gräberfeld, das zum Kastell gehörte. Anfang des 4. Jahrhunderts wurde die Kastellanlage zur Sicherung des Rurübergangs im Zentrum des römischen Vicus errichtet.
Erst 1975 gab es erste systematische archäologische Untersuchungen von P. J. Tholen für einen ersten Überblick der Topographie. Bis 1985 wurden die Funde aufgearbeitet. Auf über 500 Metern wurden Schnitte entlang der Haupt- und Seitenkanäle gezogen. Insgesamt gewann man einen Kilometer Profilbeobachtungen mit Befunden aus dem 1.-16. Jahrhundert.

Im Verlauf des Suchschnittes wurde das Gräberfeld in seinem Westteil geschnitten. Dabei wurden circa 40 meist beigabenlose Bestattungen gefunden. Die Nordgrenze des Gräberfeldes liegt in der Höhe des mittelalterlichen Kölner Tores und von dort erstreckt sich dieses noch ungefähr 60 Meter nach Süden. Herauszuheben sind zwei Gräber, die Nord-Süd ausgerichtet sind, sowie drei Grablegen, in denen Bronzebecken und bronzebeschlagene Holzeimer gefunden wurden. Zusammen mit einer Perlenkette vom Südrand lassen die Funde den erfassten Gräberfeldteil um das Jahr 600 einordnen. Die natürliche Grenze des Gräberfeldes nach Westen ist der Ellebach. Der Nord-Südrand wurde nach den Kanaluntersuchungen am Ende der Düsseldorfer Straße erreicht. Im Nordosten gibt es keine Gräberfunde.

Bei den Forschungsgrabungen gab es einen hohen Verlust an historischer Substanz, da es ein sehr kalter Winter mit bis zu -18 Grad Celsius war. Viele Befunde wurden vor Ort eingegipst und im Block geborgen, wodurch wertvolle Informationen verloren gingen. Von Weihnachten 1986 bis Ende März 1987 wurden insgesamt 221 Gräber und 50 Fundpunkte untersucht und geborgen. Die Funde aus dem Ostteil sind aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das Gräberfeld gehört zu den größeren Ortsgräberfeldern des Rheinlands. Diese konnten bisher nur wenig systematisch erforscht werden. Die Funde der Ausgrabungen wurden im November 1992 im neueröffneten, stadtgeschichtlichen Museum Jülichs ausgestellt. Mit 290 Gräbern wurden insgesamt ca. 1/5 erfasst. Ursprünglich waren es über 1.000 begrabene Menschen. Südlich des Gräberfeldes wurde in einigem Abstand der nördliche Rand des römischen Vicus (1.-3. Jahrhundert) gefunden. Durch die Suchschnitte erwies sich Jülich als römische Plangründung ohne einheimische Vorgängersiedlung aus dem frühen 1. Jahrhundert. Jülich war eine bedeutende Siedlung an der römischen Straße von Köln nach Boulogne-sur-Mer. Im Laufe der Geschichte ist der alte Exerzierplatz einer der wenigen, der von intensiver Bebauung verschont blieb. Im Jahr 1986/87 wurde die noch heute existente Tiefgarage gebaut.

(Hannah Am Ende und Alma Kern, Studierende der TH Köln, 2020)

Düsseldorfer Straße/Schloßstraße in Jülich

Schlagwörter
Ort
52428 Jülich
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 310

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„Düsseldorfer Straße/Schloßstraße in Jülich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-312731 (Abgerufen: 31. Oktober 2020)
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