Denkmalzone Züscher Hammer

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Neuhütten (Rheinland-Pfalz), Züsch
Kreis(e): Trier-Saarburg
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Der südwestlich der beiden benachbarten Ortsgemeinden Neuhütten und Züsch im Hunsrück-Hochwald gelegene Züscher Hammer war einst ein Hammerwerk zur Verarbeitung von Eisen. Zu dem Hammer- und Eisenhüttenwerk gehörte ferner ein Kanal-, Graben-, Stauweiher- und Tunnelsystem. Er wurde im Jahre 1627 erstmalig erwähnt und war bis ins Jahr 1843 in Betrieb.
In einem Hammerwerk wurden die produzierten Roheisenblöcke zu schmiedbarem Eisen weiterverarbeitet. Die Weiterverarbeitung erfolgte in spezialisierten Hammerwerken.
Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) war im Hochwald eine ausgeprägte Eisenindustrie beheimatet. Diverse Erzvorkommen, gute Wasserversorgung und ausgeprägte Waldgebiete bildeten gute Grundlagen für das Ansiedlung eisenverarbeitete Gewerbe.

Auf dem Gelände des Züscher Hammers lag im Westen das Hammerwerk, welches an ein Grabensystem angebunden war. Bei Ausgrabungen wurden dort Reste eines Schmelzofens, einer Holzkonstruktion, Fragmente eines eisernen Wasserrades und Eisenbarren gefunden. Desweiteren liegt im Süden ein Lagergebäude, in dessen Bereich während der Ausgrabungen Eisenschlacken gefunden wurden, sowie und ein Rechteckbau zu Wohnzwecken.
Die Denkmalzone des Züscher Hammers befindet sich in einem gepflegten Zustand. Die auffindbaren kulturhistorischen Objekte liegen an ihren historischen Standorten und wurden restauriert. Einige Gebäude wurden in einen originalen Zustand versetzt, andere Gebäude lassen sich nur durch ihre Grundmauern räumlich verorten. Der Züscher Hammer bietet somit ein sehr gut erhaltenes, originalgetreues, kulturhistorisches Objekt, das einen interessanten Blick auf die historischen Begebenheiten zulässt.

Historischer Abriss
Während seines Betriebes diente eine Eisenhammerschmiede der Herstellung von Gebrauchsgütern wie Salzblechen und anderen Gebrauchsgegenständen aus Eisenblech. Meist wurde den Räumlichkeiten eine Werkstatt angegliedert, in der die Handwerker ihre Werkzeuge reparieren konnten. Zu der Fertigung von gebrauchsfertigen Produkten wurde meist noch die Fertigung von Halbfertigwaren ergänzt. Zu dieser Kategorie zählten Grobeisen, Schienen, Hufstabeisen und Stangen. Weitere Erzeugnisse waren Pflugscharen, Hauen, Schaufeln, Spaten, Hacken, Hebeisen, Meißel, große und kleine Handhämmer, Beile, Zapfen und Ringe. Zu den Erzeugnissen der gestählten Kategorie lassen sich Mauerhämmer, Steinkeile, Spitzhacken, Glockenschwengel und Ambosse nennen.

In der Nagelschmiede wurden mithilfe von Eisenklumpen als Rohmaterial unterschiedlichste Arten von Nägeln produziert, die wiederrum in den verschiedensten Bereichen Anwendung gefunden haben. Erzeugnisse einer Nagelschmiede sind Sattlernägel, Brettnägel, Hufnägel, Schiefernägel, Lattnägel, Blasebalgnägel, Schloßnägel und Absatznägel.
Aufgrund der Auswertung historischer Dokumente lassen sich einige Preise für die verschiedenen Erzeugnisse rekonstruieren. Die Preise für ungestählte Arbeiten variierten je nach Komplexität und Größe zwischen sechs und zwölf Kreuzer, die Preise für 100 Nägel variierten wiederrum je nach Komplexität und Größe zwischen vier und 14 Kreuzer. Ein Kreuzer entspricht dabei einem Wert von ca. sieben Euro.

Funktion des Züscher Hammers
Die Antriebskraft für den Betrieb des Hammers stellte das Wasser des Altbaches, das vor der Anlage in einem zehn Meter breiten und einem 48 Meter langen Weiher angestaut wurde. Zur Erlangung des notwendigen Höhenunterschieds für den Antrieb des Wasserrads wurde das Wasser des Altbachs über einen künstlichen Zulauf in den Hammerweiher geleitet. Über den zwei Meter hohen Damm wurde das Wasser durch einen sechs Meter breiten und 60 Meter langen Zufluss auf das hölzerne Wasserrad gelenkt. Durch das Drehen der Nockenwelle wurde der Hammer nach oben gebracht. Nach Passieren der Zähne fiel er mit seinem Eigengewicht auf das glühende Eisen. Durch das Feuer wurde das Roheisen wiederholt erhitzt, bis der Kohlenstoff zu einem großen Teil verbrannt war. Durch diese Verfahren wurde Stahl erzeugt. Diesen konnte der Schmied unter dem Hammer beliebig verformen. Das Wasser wurde unterhalb des Rades durch einen zehn Meter langen Kanal und durch einen anderthalb Meter hohen und 40 Meter langen Tunnel in den Altbach zurückgeleitet.

Historie des Züscher Hammers
1627 Lorenz Barth zieht als Eisenschmelzer nach Züsch
1635 Zerstörung der Eisenschmelze im Dreißigjährigen Krieg
1694 Vogt Ernst Ludwig von Hunolstein schließt einen Vertrag über den Wiederaufbau der Anlage
1696 Einrichtung einer Holzkapelle in der Nähe des Züscher Hammers
1697 Der Hüttenbetrieb im Züscher Hammer wird aufgenommen
1734 Der Kurtrierische Lehnhof belegt die Herrschaft Züsch mit einem Sequester (einstweilige Verwaltung); der Betrieb ruht 2,5 Jahre
1737 Überschreibung des Züscher Hammers von Hauzeur an seine Tochter Gräfin Roussel
1750 Nachweis des Betriebs im Zollbuch des Amtes Grimburg
1765 Die Schmelze wird in eine Mahlmühle umgewandelt
1765 Vogt von Hunolstein schließt mit dem Hüttenmeister Choisy aus Trier einen Vertrag über die Erbauung eines neuen Eisenhammers
1782 Der Hüttenmeister Johann Carl Alberti ist neuer Besitzer des Hammers
1784 Verkauf des Züscher Hammers durch den Hüttenmeister Johann Carl Alberti an Heinrich Pastert von der Weitersbacher Hütte
1792 Nach der Besetzung durch die Franzosen kommt es erneut zum Stillstand
1799 Als Wert des Werkes wird 1.658 Livres angegeben (bei Livre handelt es sich um eine alte französische Münze)
1804 Stillstand aufgrund von Holzmangel; nur ein Frischfeuer wird unterhalten und es sind acht Arbeiter anwesend
1819 zwei Arbeiter stellen Schmiedeeisen her – ein Zentner Schmiedeeisen hat einen Wert von fünf Talern, zwölf Groschen und vier Pfennigen
1821 Die Anzahl der Arbeiter des Züscher Hammers sinkt auf vier Personen
1833 Verkauf des Züscher Hammers von Maximilian Pasterts an den Hüttenherr Carl Richard Gottbill von der Mariahütte für 12.000 Taler
1836 Das Werk besteht aus einem Reckhammer zur Erzeugung von Klein- und Feineisen; auch Wagenachsen wurden hergestellt
1843 mittlerweile wohnen 16 Personen in zwei Gebäuden auf dem Gelände des Züscher Hammers
1852 wegen ungünstiger Absatzverhältnisse seit mehreren Jahren außer Betrieb
1982 Vermessungsarbeiten und Ausgrabungen auf dem Gelände
2001 Rekonstruktion des Hammerwerks
2007 Errichtung von Schmiede und Werkzeugausstellung

(Sebastian Schmitz, Universität Koblenz-Landau, 2016)

Internet
de.wikipedia.org: Liste der Kulturdenkmäler in Züsch (abgerufen 25.07.2016)
ww.industriekultur-ansichten.com: Züscher-Hammer (abgerufen 25.07.2016)

Literatur

Braun, Hermann-Josef (1991)
Das Eisenhüttenwesen des Hunsrücks, 15. bis Ende 18. Jahrhundert. S. 25ff; 40f; S. 311, Trier.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2016)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Trier-Saarburg (Denkmalverzeichnis Kreis Trier-Saarburg, 12. Juli 2016). S. 86, Koblenz. Online verfügbar: denkmallisten.gdke-rlp.de, Trier-Saarburg (PDF), abgerufen am 25.07.2016
Kugler, Eberhard (1998)
Vom Bauern- zum Industriedorf. Dargestellt an der Entwicklung Ernsbachs am Kocher. S. 16f; 60f; 181, Sigmaringen.
Tourismusinstitutionen der Stadt Nonnweiler, Verbandsgemeine Hermeskeil, Gemeinde Neuhütten, Gemeinde Züsch (o.J.)
Züscher Hammer. o. O.

Denkmalzone Züscher Hammer

Schlagwörter
Ort
54422 Züsch
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1627
Koordinate WGS84
49° 38′ 16,66″ N, 7° 00′ 22,21″ O / 49.63796°, 7.00617°
Koordinate UTM
32U 356042.57 5500287.65
Koordinate Gauss/Krüger
2572722.14 5500627.29

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„Denkmalzone Züscher Hammer”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-252420 (Abgerufen: 17. August 2018)
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