Die Burgen, Höfe und Häuser von Adelsfamilien und Klöstern, die hier ihre Grundherrschaft ausübten, reihten sich im Mittelalter zwischen dem Frechener Bach und der parallel dazu verlaufenden Hauptstraße („via qua itur ad aquas“; 1352; Wensky 1978) als Siedlungsleitlinien.
Dazu gehörten - sortiert nach ihrer ersten urkundlichen Erwähnung:
- der Kirchenhof (887),
- der Weyerhof (Cäcilienhof) (941),
- die Frechener Burg (Spiesburg) (1256/1257),
- der Rittersitz Haus Palant (Pallandt; 1320),
- die Burg Hochsteden (um 1328 / Anfang 14. Jahrhundert),
- der Klarenhof (Fronhof) (1335),
- der Antoniterhof (1405),
- das Norkengut (1414).
Bezüge zur Frechener Keramikproduktion
Im Laufe der Zeit waren Frechener Töpfer als Halfen grundherrschaftlicher Höfe oder Pächter davon abhängiger kleinerer Hofstellen bekannt. Einige dieser Hofstellen des Klarenhofes waren mit der Pflicht des Geschworenengangs am Hofgericht belastet. So wurden auch dort wohnende Töpfer als Gerichtsschöffen berufen - sowohl am Hofgericht als auch am Hochgericht - und hatten dann eine entsprechend hohe soziale Stellung (Wensky 1978).
Die „Verpachtung“ der Hofstellen erfolgte gegen einen kleinen Zins von Naturalien, beispielsweise Getreide oder Hühnern. Von besonderem Vorteil war die Möglichkeit, auf den zum Lehen zugehörigen Acker- und Wiesenflächen Landwirtschaft zu betreiben und somit in schlechten Absatzzeiten für Keramik die tägliche Nahrung zu sichern. Frechener Töpfer sind in den Akten daher auch oft mit dem Zweitberuf 'Ackerer' versehen. Von Vorteil war auch die Berechtigung an Holz aus dem Erbenwald. Dieses durfte jedoch laut Waldweistum ausdrücklich nicht als Brennholz für die Keramikproduktion genutzt werden, sondern ausschließlich als Brennholz für den täglichen Bedarf und als Bauholz (Göbels 1971, S. 338).
Denkbar ist auch ein funktionaler Zusammenhang mit dem Bedarf oder auch Handel der Kölner Grundherren an und mit Gebrauchskeramik für den alltäglichen oder besonderen Bedarf sowie der Zugriff auf oder Handel mit töpferseits benötigten Rohstoffen wie Salz, Holz und Ton.
Im Zuge der Säkularisation wurden die bis dahin verbliebenen Höfe und die Frechener Burg privatisiert, teils abgerissen, zugehörige Ländereien parzelliert und verkauft. So konnte im Bereich des Antoniterhofes das neue Stadtzentrum mit Schule und Rathaus entstehen. Im Bereich der ehemaligen Frechener Burg, die 1830 abgerissen wurde, und des Klarenhofes erwarben im 19. Jahrhundert auch Töpfer Grundstücke, die hier viel Platz für ihr feuergefährliches und geruchsbelastendes Handwerk vorfanden.
Bis auf das Wohnhaus des Kirchenhofes sind keine baulichen Reste der genannten Höfe und Häuser erhalten geblieben.
(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)
Internet
www.ebidat.de: Hochsteden (abgerufen am 23.07.2026)