Als das Kloster Weyer 1475, außerhalb der Kölner Stadtmauern gelegen, von den Kölner Bürgern zerstört wurde, da Herzog Karl von Burgund mit seinen Truppen anrückte, ordnete der päpstliche Legat Alexander von Forli den Einzug der 40 Konventualinnen des Klosters Weyer in die leerstehenden Gebäude des Cäcilienstiftes unter Vereinigung beider Korporationen in allen ihren Rechten und Einkünften. Das Kölner Cäcilienkloster war aufgrund von Unstimmigkeiten zwischen Äbtissin und Kapitel zum damaligen Zeitpunkt nur noch von der Äbtissin bewohnt (Brück 2014, S. 19).
Auch das Weyerkloster besaß Höfe in Frechen, welche nun mit denen des Cäcilienstiftes zusammengelegt wurden und den Namen des Klosters Weyer erhielten. „Die Zusammenlegung der Höfe führte auf Dauer zu einer größeren landwirtschaftlichen Einheit“ (Brück 2014, S. 19), nämlich dem Weyerhof, der an der Ecke Breitestraße, Hochstedenstraße, Othmarstraße lag.
Urkundlich belegt sind folgende Pacht- und Besitzverhältnisse (Ostermann 1967):
- 1326 Gerhard und Aleydis, Pfarrgenossen zu Vrechgene, pachten von der Priorin des Weyerklosters 6 Morgen Ackerland zu Frechen.
- 1352 Peter Sußmundt wird Halfmann auf dem Weyerhof zu Vrechen.
- 1354 Günther Grys und seine Frau Druda verkaufen dem Weyerkloster eine Erbrente unter Verpfändung ihres Hauses in Frechen
- 1370 Bruno, Pfarrer von Frechen, kommt in einem Erbpachtbriefe über den Weyerhof als Zeuge vor.
- 1427 Johannes Offermann zu Vrechen, seine Frau Metze und sein Sohn Johann pachten den Weyerhof zu Vrechen.
- 1448 Die Kloster St. Barbara und Weyer zu Köln tauschen 4 Morgen Ackerland in Frechen und Bachem.
- 1551 bis 1585 Jan Schaaf Weyerhalfe zu Frechen.
- 1565 Der Weyerhalfe Lentz erwirbt das Leppers-Gut in der Breitgasse.
- 1574 Gerhard Hundtgeburth wird Halfmann auf dem Weyerhof zu Frechen nach dem Tode des Halfmanns Gerrit Hüchelhoven.
- 1587 bis 1590 die Eheleute Gerrit und Gerdtgen sind Halfleute auf dem Weyerhof zu Frechen.
- 1601 Johann Hundtgeburth wird Halbwinner auf dem Weyerhof zu Frechen.
- 1609 bis 1613 ist Johann Horris sen. Weyerhalfe zu Frechen.
- 1614 bis 1631 ist Johann Horris jun. Weyerhalfmann in Frechen.
- 1659 Simon Uhles ist Weyerhalfe zu Frechen.
- 1671 Der Weyerhalfe Gilles Blömeling tritt auf dem Waldgeding auf.
- 1723 Es sterben Theodor Stubben, Brudermeister der Kevelaer-Fußprozession, und Christian Hambloch, Weyerhalfe zu Frechen.
- 1732 Es stirbt der Halfe auf dem Königsdorfer-Hof zu Hücheln, Gottfried Lempertz und der Weyerhalfe zu Frechen, Heinrich Arkenrath.
- 1793 Johann Alkenrath wird Weyerhalfe zu Frechen. Er ist im Adressverzeichnis von 1795 unter der Hausnummer 327 eingetragen. Eine Tochter heiratete 1806 den Sohn des Kirchenhalfen Frenger auf dem Kirchenhof.
Im Rahmen der Säkularisation und Enteignung „wurde der Hof am 01.07.1805 an den Getreidelieferanten Ignace-Joseph Vanlerberghe verpfändet. Pächter blieb jedoch weiterhin die Familie Arkenrath“ (Brück 2014, S. 20).
Vom Weyerhof sind heute keine baulichen oberirdischen Reste mehr erhalten. Auf der Tranchotkarte (um 1807) präsentierte er sich noch als großer, aus Stein errichteter Vierseithof, der den südlichen Bereich zwischen Breitestraße, Othmarstraße und Hochstedenstraße ausfüllte. Die zum Weyerhof gehörende Fläche ist dem Plan Géométrique de la Mairie de Frechen aus dem Jahr 1806 entnommen und umfasste laut Urkatasterkarte ungefähr die Parzellen Z 252, 254, 255, 257, 258, 259 und 260, die wohl - laut Signatur - umfriedet waren. Vielleicht gehörten auch noch weitere nördlich anschließende Grundstücke dazu.
Wie lange die Familie Arkenrath den Weyerhof pachtete, ist bisher nicht bekannt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Weyerhof die Töpferei Christian und Theodor Schaaf betrieben. 1852 eröffnete Heinrich Eduard Sticker hier die erste Steinzeugfabrik Frechens, wenn nicht gar Deutschlands.
(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)
Quelle
Ostermann, Theodor (1967): Chronik der Stadt Frechen (Download, abgerufen am 06.06.2026)