Antoniterhof in Frechen

Tönneshof

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 31,87″ N: 6° 48′ 30,59″ O 50,90885°N: 6,8085°O
Koordinate UTM 32.345.929,61 m: 5.641.976,57 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.556.908,85 m: 5.641.818,33 m
Der Antoniterhof stand einst an der Stelle, wo sich heute das Gebäude des Frechener Stadtarchivs und der Volkhochschule befinden. An seiner Stelle entstand ab Anfang des 20. Jahrhunderts das heutige Ortszentrum Frechens mit dem Historischen Rathaus.

Geschichte
Der Antoniterhof gehört zu den mittelalterlichen Höfen Frechens und stand unmittelbar östlich des Klarenhofes zwischen der Hauptstraße und dem Frechener Bach. Im Jahr 1405 verkaufte der erzstiftische Erbkämmerer Pawin von Hemberg zu Burg Hemmerich den Antoniterhof mit 156 Morgen Land an das Antoniterkloster zu Köln (Heeg S. 47).
Gemäß Chronik der Stadt Frechen (Ostermann 1967) ergaben sich im Laufe der Zeit folgende Änderungen in den Besitz- und Pachtverhältnissen:
  • 1407 Die Nonne Ydgin, Tochter Ludwig Kluttings, übergibt mit Erlaubnis der Äbtissin zu Bürvenich dem Antoniterkloster in Köln 13 Morgen Land bei Frechen; Rychmode, eine andere Tochter Ludwig Klüttings, Nonne zu Bottenbroich, stimmt der Landübertragung ihrer Schwester zu.
  • 1458 Erbkämmerer Johann von Hemberg wird mit Hemmerich belehnt; er verkauft dem Antoniterkloster in Köln ein Stuck Land in Frechen aus seinem Erbe, das wahrscheinlich dem Antoniterhof zugeschlagen wird.
  • 1492 Johann Steygyn nimmt vom Antoniterkloster in Köln einen Morgen Land in Erbpacht, das zu Vrechen an der Leppersgasse liegt.
  • 1497 Vor dem Frechener Gericht übernimmt der Schultheiß Daniel von Palant den Antoniterhof in Erbpacht. Ebenso erbpachtet dieser von Emond von Palant etwa zwei Morgen Land bei den Mühlen zu Bachem und den Pützbroich daselbst.
  • 1505 Johann Kuraidt und seine Frau Tryn nehmen vom Antoniterkloster in Köln einen Morgen Ackerland zu Frechen in Erbpacht.
  • 1566 bis 1572 Ludwig, Geschworener am Klarengericht und Antoniterhalfe zu Frechen.
  • 1578 Jan zu Melaten ist Antoniterhalfe zu Frechen.
  • 1586 Antoniterhalfmann Jan pachtet Land in Benzelrath.
  • 1609 bis 1619 ist Hermann Antoniterhalfe zu Frechen.
  • 1611 Merten Schröder ist Antoniterhalfe zu Frechen.
  • 1697 Peter Wöltgen ist Antoniterhalfe in Frechen.
  • 1699 und die folgenden Jahre zahlen Peter Wöltgen und Heinrich Hemmersbach Pacht an das Antoniterkloster zu Köln.
  • 1708 Andreas Schickling, der Schwiegersohn des Peter Wöltgen, ist Antoniterhalfe zu Frechen (+ 1732).
  • (1734) Es stirbt der Antoniterhalfe zu Frechen, Heinrich Finger.
  • 1736 Arnold Geuer zahlt als Lehnsnachfolger des Andreas Schickling Pacht an das Antoniterkloster zu Köln.
  • 1740 Wilhelm Heinrich Frantzen zahlt als Lehnsnachfolger des Heinrich Hemmersbach Pacht an das Antoniterkloster zu Köln.
  • 1761 Johannes Finger, Antoniterhalfe zu Frechen.
  • 1785 Der Freiherr von Geldern erhebt Ansprüche auf den Antoniterhof zu Frechen.

Beschreibung und Geschichte des Hofes
Laut Urkatasterkarte von 1819 stellte sich der Antoniterhof Anfang des 19. Jahrhunderts als Dreikanthof dar, der sich nach Westen öffnete. Er war umgeben von Gartenland und hatte „eine Größe von 20,7 ha und 7 Häuser. (…) Während der Säkularisation wird der Antoniterhof (mit 47,6 Hektar Land, Heeg 1984, S. 47) nicht verkauft, sondern durch das Domänenbüro in Köln vermutlich an den letzten bekannten (1794) Halfen des Antoniterklosters, Peter Josef Schmitz, zugunsten des Senats weiterverpachtet“ (Brück 2014, S. 22). Das Adressverzeichnis von 1795 listet Peter Josef Schmitz (Ackerer, Halfe) unter der Hausnummer 253. „Das Wohnhaus wurde um 1820 umgebaut und erweitert“ (Heeg 1984, S. 47), danach zur Gaststätte umfunktioniert und auch als Frechener Poststation genutzt. In den Grundsteuerfortschreibungsverhandlungen (LA NRW R 7208-7213) können als Eigentümer unter anderem Hermann und Mechtildis Conzen (Gutsbesitzer), Peter Alt zu Cöln, Wilhelm Niesemann (Gutsbesitzer), Theodor Kaiser (Gastwirt und Postexpedient) und Georg Baumann (Gutsbesitzer zu Hücheln) festgestellt werden. Theodor Kayser geriet jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und verkaufte die Hofgebäude (östlicher Teil) am 22.10.1859 an die Gemeinde Frechen. „Das geräumige Wohnhaus wurde als Rathaus beziehungsweise Bürgermeisteramt eingerichtet“ und übernahm noch weitere Funktionen für die Feuerwehr, das Gefängnis, für ausgelagerte Schulklassen und als Schützenhalle (Heeg 1984, S. 49). Der erste Berufsbürgermeister Anton Franz nahm hier auch gleichzeitig seinen Wohnsitz. Bis 1872 kaufte die Gemeinde Frechen dann den westlichen Teil der ehemaligen Hoffläche auf. 1909 wurde der Antoniterhof abgerissen, um für den Neubau des Frechener Rathauses mit südlich angrenzendem Marktplatz und nördlich anschließender Marienschule Platz zu schaffen.

Der Antoniterhof und seine Bezüge zur Keramikgeschichte
Laut Göbels (1971) war um 1745 der Töpfer Arnold Geuer Unterpächter des Antoniterhofes. Ob er auf dem Gelände produzierte oder auf einem der oben genannten sieben abhängigen Höfe, ist unklar.

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)

Quellen
Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland: LA NRW R 7208-7213

Internet
Ostermann, Theodor (1967): Chronik der Stadt Frechen (Download, abgerufen am 06.06.2026)

Literatur

Brück, Margret (2014)
Die bedeutenden mittelalterlichen Höfe in Frechen. (Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V. Band 10, 2014.) S. 9-32. Frechen.
Heeg, Egon (1994)
Frechener Adressenverzeichnis 1795 mit Ortsplan. Düren.
Heeg, Egon (1984)
Innenstadt (Frechen). (Frechener Straßen: Spiegel der Frechener Geschichte / Egon Heeg ; Band 1.) Köln.
Rosellen, Robert Wilhelm (1887)
Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl. (Geschichte der Pfarreien der Erzdiözese Köln, Band 6.) Köln.

Antoniterhof in Frechen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hauptstraße
Ort
50226 Frechen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1405, Ende 1909

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Nicole Schmitz (2026): „Antoniterhof in Frechen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360255 (Abgerufen: 20. Oktober 2026)
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