Französische Spuren in Zeiskam 1740-1832

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Fachsicht(en): Landeskunde
  • Das Gebäude in der Kronstraße 28 in Zeiskam (2025)

    Das Gebäude in der Kronstraße 28 in Zeiskam (2025)

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  • Historischer Kartenausschnitt von Zeiskam mit der Pfarrkirche (19. Jahrhundert)

    Historischer Kartenausschnitt von Zeiskam mit der Pfarrkirche (19. Jahrhundert)

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  • Das Geburtshaus von Philipp Guth, Gasthaus Zum Pflug, in der Hauptstraße 2 in Zeiskam (2026)

    Das Geburtshaus von Philipp Guth, Gasthaus Zum Pflug, in der Hauptstraße 2 in Zeiskam (2026)

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  • Das katholische Pfarrhaus in der Kronstrasse in Zeiskam, erbaut 1754 (2026)

    Das katholische Pfarrhaus in der Kronstrasse in Zeiskam, erbaut 1754 (2026)

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  • Die katholische Kirche in der Kronstrasse in Zeiskam, erbaut 1755/56 (2026)

    Die katholische Kirche in der Kronstrasse in Zeiskam, erbaut 1755/56 (2026)

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  • Das Katholische Schulhaus in der Kronstrasse in Zeiskam, erbaut 1771-1952 (2026)

    Das Katholische Schulhaus in der Kronstrasse in Zeiskam, erbaut 1771-1952 (2026)

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  • Das Gasthaus Zur Blume in der Kronstraße in Zeiskam, erbaut zwischen 1792-1928 (2026)

    Das Gasthaus Zur Blume in der Kronstraße in Zeiskam, erbaut zwischen 1792-1928 (2026)

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  • Das Gasthaus zum Ochsen in der Kronstraße in Zeiskam wurde 1794 zum Hauptquartier für französische Generäle (2026)

    Das Gasthaus zum Ochsen in der Kronstraße in Zeiskam wurde 1794 zum Hauptquartier für französische Generäle (2026)

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  • Das Geburtshaus von General Marulaz (links), Kronstrasse 26 in Zeiskam (2026)

    Das Geburtshaus von General Marulaz (links), Kronstrasse 26 in Zeiskam (2026)

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Die Geschichte von Zeiskam zwischen 1740 und 1832 zeigt, wie eng die Beziehungen zwischen der Südpfalz und dem Nördlichen Elsass (Alsace du Nord) immer schon waren. Die Queichlinien repräsentieren die Konflikte des Ancien Régime, das Département Mont-Tonnerre zeigt die erfolgreiche Integration in den französischen Staat, und das Hambacher Fest auf dem gleichnamigen Schloss steht für den Beginn einer neuen politischen Ära. Aus französischer Perspektive wurde die Südpfalz von 1797-1815 von der Grenzregion zum lebendigen Teil des eigenen Territoriums, der bis heute von dieser Zeit geprägt ist, wirtschaftlich, militärisch und kulturell. Der Ort Zeiskam liegt nur 10-5 km Luftlinie von der heutigen französischen Grenze entfernt. Als die Queichlinien die historische deutsch-französische Grenze markierten, waren es sogar nur 5-6 km.

Die Grenzregion um Zeiskam im Spannungsfeld deutsch-französischer Geschichte (1740–1797)
Zeiskam als Teil des Département Mont-Tonnerre (1797–1814): Integration und Reformen
Vom Baierischen Rheinkreis zum Hambacher Fest (1815–1832)
Fazit
Internet

Die Grenzregion um Zeiskam im Spannungsfeld deutsch-französischer Geschichte (1740–1797)
Die Südpfalz war im 18. Jahrhundert eine politisch fragmentierte Grenzregion. Die Umgebung von Zeiskam und Bellheim wurde landschaftlich wie militärisch geprägt von den Queichlinien, einem System von Schanzen und Befestigungen entlang des Flusses Queich. Die Befestigungen reichten von Annweiler über Landau bis zum Rhein bei Germersheim bzw. Hördt. Aus französischer Sicht war die Südpfalz ein strategisch wichtiger Puffer an der östlichen Grenze zur Kurpfalz.
Durch Handel mit dem französischen Militär entstanden wirtschaftliche wie familiäre Beziehungen. Beispielsweise wurde 1769 in Zeiskam J. F. Marulaz geboren als Sohn einer deutsch-französischen Familie; er lebte und starb als französischer General. Die französische Revolution von 1789 gab der Südpfalz viele positive Impulse. 1792 entstand zwischen Bergzabern und Landau die erste Republik auf deutschem Boden. Drei Monate vor der Mainzer Republik erklärten 32 südpfälzische Gemeinden ihre Unabhängigkeit von der feudalen Herrschaft in der sogenannten Bergzaberner Republik. Diese frühe demokratische Initiative wurde jedoch schnell niedergeschlagen.

Häufige Truppenbewegungen und Konflikte zeigten allerdings auch die Verwundbarkeit der Grenzgebiete und belasteten die einheimische Bevölkerung. Mainz wurde im Oktober 1792 von französischen Truppen eingenommen, kurzzeitig von preußischen und hessischen Truppen zurückerobert, fiel dann wieder an Frankreich. Die Region um Zeiskam war Rückzugsgebiet und Hauptquartier verschiedener Armeen. Ab 1792 wurden daher die Umwallungen von Zeiskams Nachbarorten Offenbach, Bellheim, Ottersheim und Knittelsheim mit neuen Redouten verstärkt. Im Sommer 1793 kam es zu wiederholten Gefechten bei Bellheim, Offenbach und Germersheim, bei denen französische Truppen unter den Generälen Beauharnais, Landremont und Laferrière gegen österreichische Verbände kämpften.
Im Juli 1794 kam es am Steigerkopf hinter Edenkoben und in den Weinbergen bei Edesheim zu einer entscheidenden Schlacht. Die Truppen der französischen Republik eroberten mit dem Steigerkopf die von preussischen Verbänden besetzte Höhenlinie zwischen Trippstadt und Edesheim. Dieser Sieg war ein wichtiger Schritt für die französische Rheinarmee, er ermöglichte die vollständige Eroberung des linken Rheinufers. Heute erinnern Gedenksteine auf dem Steigerkopf an die Gefallenen beider Seiten und an die strategische Bedeutung dieses Gefechts. Bis 1797 war die gesamte linksrheinische Pfalz unter französischer Kontrolle, während preußische, österreichische und verbündete Truppen meist auf das rechte Rheinufer zurückgedrängt wurden. Mit dem Frieden von Campo Formio 1797 wurde der Übergang des linken Rheinufers an Frankreich vertraglich besiegelt.

Zeiskam als Teil des Département Mont-Tonnerre (1797–1814): Integration und Reformen
Diese neuen französischen Gebiete wurden in das Département Mont-Tonnerre (Präfektur Mainz) bzw. das Département Bas-Rhin (Präfektur Strasbourg) aufgeteilt. Für die Südpfalz begann eine neue Ära, die Region wurde als integrierter Teil der französischen Republik und des darauffolgenden Kaiserreichs betrachtet. Zeiskam gehörte zum Département du Mont-Tonnerre, Unterpräfektur Speyer, Kanton Germersheim. Die französische Verwaltung brachte mit der Zeit tiefgreifende Veränderungen in Verwaltung, Bildung und Wirtschaft. Die Einführung des Code Napoléon 1804 schuf eine einheitliche Rechtsordnung und moderne Verwaltungsstruktur. Das Bildungssystem wurde nach französischem Vorbild reformiert. Kirchenbesitz wurde in der Säkularisierung verstaatlicht, Klöster aufgelöst. Auch die inzwischen marode Johanniterkomturei Heimbach bei Zeiskam wurde aufgelöst und abgerissen. Feudale Abgaben wurden abgeschafft, die Einführung des einheitlichen metrischen Systems nach französischem Vorbild förderte Handel und Landwirtschaft.

Die nahe gelegenen Festungen Landau und Germersheim spielten eine zentrale Rolle für den Zeiskamer Handel. Die Garnisonen zogen Handwerker, Händler und Dienstleister an, die die lokale Wirtschaft belebten, der Handel mit Militärgütern, Lebensmitteln und Baumaterial florierte, viele Menschen sprachen sehr gut Französisch. Ferdinand Bodman, Chef de Division à la préfecture in Mainz, hat in seinen drei statistischen Jahrbüchern über die Jahre 1808 bis 1810 das Département Mont-Tonnerre genau beschrieben. Aus dieser zeitgenössischen Quelle kennen wir nicht nur die Handelsgüter, sondern auch die Landschaft, das Klima, die Tier- und Pflanzenwelt sowie die Bevölkerungszahlen. 1808 lebten in Zeiskam 1.775 Menschen in 172 Häusern, im Nachbarort Bellheim waren es beispielsweise 1.605 Menschen, im Militärposten Germersheim 1.308. Über die nahen Straßen von Speyer nach Landau bzw. von Germersheim nach Landau hatte Zeiskam Anschluss an das neu ausgebaute französische Fernstraßennetz zwischen Paris und Mainz mit täglichem Kurierdienst.

Ein zentrales Element der französischen Militärstruktur war allerdings die Wehrpflicht (Konskription), die nach einer Übergangszeit auch für die neuen Départements eingeführt wurde, um die neuen Bürger gleichberechtigt in den Nationalstaat zu integrieren. So waren alle männlichen Einwohner von Département Mont-Tonnerre der entsprechenden Jahrgänge grundsätzlich wehrpflichtig, die Konskriptionen wurden durch Losverfahren bestimmt. Zahlreiche konskribierte Pfälzer wie der Zeiskamer Philipp Guth dienten in der napoleonischen Armee. Viele dieser Zeiskamer Franzosen starben in Schlachten in ganz Europa für ihr französisches Vaterland, so auch Philipp Guth 1811 in Spanien. Andere wie Johann Jakob Graff überlebten die Schlachten und kehrten nach Zeiskam zurück. Graff gründete dort eine große Familie und arbeitete 23 Jahre lang als Gemeindediener. „Nachdem ich mich einige jahre lang mit den spanischen Brigaden herumgeschlagen,“ so erzählte Graff dem Pfälzer Kurier, „habe ich an 10 Schlachten und Gefechten theilgenommen, ich bin mitten im furchtbarsten Kugelregen gestanden und habe dem Tod vielmal in's Angesicht gesehen; der Mantel war mir in der Schlacht bei Leipzig ganz zerfetzt und die Gamaschen an den Schuhen wurden durch Kugeln abgerissen; aber keine einzige beschädigte in irgend einer Weise mein Leben.“ Wehrdienstvergehen machten 1808 die Hälfte aller registrierten Straftaten aus (1094 Straftaten insgesamt, davon 551 widerspenstige, verschollene oder desertierte Wehrpflichtige). Es ist wichtig, an die Lebensleistung dieser Wehrpflichtigen für Frankreich zu erinnern und unsere gemeinsame deutsch-französische Geschichte zu betonen.

Vom Baierischen Rheinkreis zum Hambacher Fest (1815–1832)
Bellheim war infolge des Ersten Pariser Friedens vom 30. Mai 1814 bis zum Jahr 1815 französisches Grenzgebiet. Aufgrund der Grenzfestlegung entlang der Queichlinien gehörte Bellheim zu Frankreich und Zeiskam zu Österreich. Nach Napoleons Niederlage wurde die Pfalz 1815 dem Königreich Baiern zugeschlagen. Aus französischer Sicht war dies ein Verlust, da die Region über zwei Jahrzehnte hinweg ein fester Bestandteil des französischen Staates gewesen war.
Die baierische Regierung hob viele französische Reformen auf, was bei der Bevölkerung auf Widerstand stieß. Die Unzufriedenheit entlud sich u.a. im Hambacher Fest im Mai 1832, einer großen Kundgebung für Freiheit und Demokratie. In der traditionellen Geschichtsschreibung markierte das Fest den Beginn der deutschen Nationalbewegung. Die moderne Forschung berücksichtigt auch die Teilnahme französischer Delegationen und Einzelpersonen als ein Symbol für die kulturelle und politische Prägung durch die französische Zeit. Französische Gäste beim Hambacher Fest kamen vor allem aus dem Kreis der republikanischen und liberalen Bewegungen, die von der Julirevolution 1830 in Frankreich inspiriert waren, um die Ideen von Freiheit, Gleichheit und Volkssouveränität über die Grenzen Frankreichs hinaus zu verbreiten.

Fazit
Aufgrund der historischen und räumlichen Nähe wird die Südpfalz heute als eine Brücke zwischen deutscher und französischer Kultur betrachtet. Viele Orte beiderseits der heutigen Grenze begrüssen ihre Gäste mit dem Banner „Ensemble / Zusammen“, auf dem zwei Hände ein Herz formen. In der heutigen PAMINA-Region, einem grenzüberschreitender Zusammenschluss im Oberrheingebiet, bestehend aus der Südpfalz, dem Mittleren Oberrhein und dem Nördlichen Elsass, gibt es zahlreiche gelungene Projekte aus den Bereichen Kultur, Sport, Umwelt und Arbeitsmarkt. Das Erinnern an die gemeinsame Geschichte gehört fest dazu.

(Historisches Komitee Ortsgemeinde Zeiskam, 2026)


Internet
www.dilibri.de/rlb: Annuaire statistique du Département du Mont-Tonnerre (abgerufen 13.04.2026)

Literatur

Martin, Michael (2017)
Die Bergzaberner Republik. In: Blätter zum Land RLP Nr. 74; 2017, Mainz. Online verfügbar: https://www.lpb.rlp.de/fileadmin/download
Schwab, Hermann-Josef (1999)
Die Queichlinien in Bellheim und Umgebung. In: Hans-Joachim Heinz (Red.): Bewegte Zeiten. Bellheimer Ortsgeschichte(n) zwischen Freiheitsbaum und Wirtschaftswunder, S. 145-203. Bellheim.

Französische Spuren in Zeiskam 1740-1832

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Historisches Komitee Ortsgemeinde Zeiskam (2026), „Französische Spuren in Zeiskam 1740-1832”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-360074 (Abgerufen: 5. Mai 2026)
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