Eine pfälzisch-französische Familie
Frühe militärische Karriere
Neubewertung der Napoleonischen Kriege
Schlacht bei Mannheim am 18.10.1795
Schlacht bei Wagram am 06.07.1809
Festungskommandantur und Ruhestand
Internet
Eine pfälzisch-französische Familie
Jacob François stammt aus einer pfälzisch-französischen Familie, was belegt, dass es bereits sehr früh Beziehungen zwischen der heutigen Südpfalz und Frankreich gab. Der Großvater Claude François Marula, ein Franzose aus Morzine (heute Département Haute-Savoie), lässt sich im 18. Jhd. im pfälzischen Germersheim als Händler nieder. Dort heiratet er am 25.04.1730 die Zeiskamerin Margaretha Elisabeth Ziegler, Tochter von Claudius Ziegler, Händler in Zeiskam, und seiner Frau Marie Anne. Deren Sohn Franz Claudius (François Claude), J.F. Marulaz Vater, wird im Februar 1740 als Pfälzer in Germersheim geboren. Ab 1758 dient er als Berufssoldat in der französischen Armee, die damals unter der Oberhoheit von König Ludwig XV. stand. Am 14.05.1764 heiratet er die Französin Marie Barbe Schuler in deren Geburtsort Sarralbe (heute Département Moselle). Marie Barbe, Tochter und Enkelin von Metzgermeistern aus Sarralbe, wird die Mutter des späteren Generals J.F. Marulaz.
Nach der Geburt ihrer ersten Tochter lebt Marie Barbe wohl in Zeiskam, denn nicht nur Tochter Katharina Franziska (Marie Catherine Françoise) wird am 30.10.1764 im Zeiskamer Haus der Großmutter Margaretha geboren, sondern auch weitere drei Kinder. J.F. Marulaz wird als erster Sohn des Paares am 06.11.1769 dort geboren. Zwei jüngere Geschwister werden ab August 1775 in Frankreich geboren, in Sarralbe, wohin die Familie Marulaz ihren Wohnsitz verlegt. J.F. Marulaz lebt nach seinem Eintritt in die französische Armee bis zu seinem Tod als Franzose in Frankreich. Französischer Staatsbürger wird er offiziell erst am 17.09.1817, da erst nach dem Wiener Kongress 1815 für den gebürtigen Zeiskamer die Frage der französischen Staatsbürgerschaft von Bedeutung war.
Frühe militärische Karriere
Noch vor seinem achten Geburtstag tritt J. F. Marulaz am 16.09.1777 als Kadett in das Husarenregiment ein, in dem sein Vater dient. Mit knapp 15 Jahren am 01.11.1784 wird er selbst Husar. Bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr bleibt er Berufssoldat, davon insgesamt elf Jahre im aktiven Kriegseinsatz (1792-1800 und 1807-1809). Bis 1789 unter König Ludwig XV., nach der französischen Revolution unter wechselnden Generälen, ab 1799 unter Napoleon Bonaparte als erstem Konsul bzw. ab 1804 bis 1815 unter Kaiser Napoleon I.
Nach der französischen Revolution war es erstmals möglich, auch ohne Adelstitel eine militärische Karriere zu machen. Offiziersstellen wurden nun nach Fähigkeit, Mut und Erfahrung vergeben. Die fast ununterbrochenen Kriege zwischen 1792 und 1815 führten zu einem hohen Bedarf an Offizieren, daher förderte Napoleon Unteroffiziere und einfache Soldaten, um eine leistungsorientierte Armee aufzubauen, die ihm zum Dank treu ergeben war. J.F. Marulaz profitierte von den neu eingeführten Feldbeförderungen, also Beförderungen direkt an der Front für Tapferkeit. Nach der Schlacht bei Valmy wird er 1792 Leutnant, im Vendée-Krieg 1793 Hauptmann, 1794 Schwadronführer und nach zahlreichen weiteren Schlachten am 22.12.1798 Oberst aufgrund einer Eingabe von 10 Offizieren, 200 Unteroffizieren, Gefreiten und Husaren seines Regiments.
Zwischen 1801 und 1806 übernimmt J.F. Marulaz aufgrund von Kriegsverletzungen Aufgaben innerhalb der Militärorganisation. Er heiratet am 19.02.1800 die Französin Antoinette Marguerite Sophie Frodot, Tochter des Hauptmanns der Infantierie Louis Frodot, in ihrem Geburtsort Vesoul (heute Département Haute-Saône). Die ersten drei von insgesamt sieben Kindern des Paares werden in Vesoul geboren, danach lässt sich die Familie in Filain nieder (heute Département Haute-Saône).
Neubewertung der Napoleonischen Kriege
Der Blick auf die sogenannten Naploleonischen Kriege (früher Revolutions- bzw. Befreiungskriege) hat sich mit der Zeit gewandelt, heute dominieren die kritischen Perspektiven auf Militärgeschichte, Gewalterfahrung und nationale Mythenbildung. Die Alltags- und Sozialgeschichte erforscht persönliche Erlebnisse von Soldaten und Zivilbevölkerung.
In seinen Kriegsjahren nimmt J.F. Marulaz an zehn Feldzügen teil und kämpft in zahlreichen Schlachten im heutigen Gebiet von Frankreich, Deutschland, Österreich, Polen, den Niederlanden und der Schweiz. Er erhält Auszeichnungen, den Ehrensäbel und wird in die Ehrenlegion aufgenommen. Fast zwanzigmal wird er verwundet und es ist eine schwere Verwundung, die 1809 seine aktive Militärkarriere beendet. Unter seinen vielen Schlachten werden die beiden Schlachten bei Mannheim und Wagram hier näher beleuchtet. Die eine steht am Beginn seiner Militärkarriere, die andere am Ende. Basierend auf den Memoiren von J.F. Marulaz wurden diese Schlachten Ende des 19. Jhd. detailliert beschrieben von Charles Antoine Thoumas (1820-1893), einen franzöischen General und Militärhistoriker. Dem damaligen Zeitgeist unmittelbar nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, der Militärperspektive und dem Literaturgenre entsprechend, wurden die Taten von J.F. Marulaz in den Texten zu Heldentaten stilisiert.
Schlacht bei Mannheim am 18.10.1795
Nach dem Winterfeldzug in den Niederlanden wird das 8. Husarenregiment von Marulaz der Rhein-Mosel-Armee unter General Pichegru zugeteilt. Die französische Armee überquert den Rhein in der Nacht vom 20. zum 21.09.1795 und bezieht Stellung in Neckarau, um am 22.09. gegen die österreichische Armee zu kämpfen. Nach diesem Gefecht müssen sich die Franzosen nach Schwetzingen zurückziehen, doch schon in der Nacht vom 17. zum 18.10.1795 kommt es erneut zum Kampf in Mannheim. Das 7. und 8. Husarenregiment bilden die Vorhut vor den Mauern der Stadt, Marulaz besetzt mit seinem Regiment die Straße nach Neckarau. Der Angriff der Österreicher kommt überraschend, Marulaz muss schnellstens die zersprengten Husaren sammeln. Dann stellt er eine Kanone mitten auf die Straße und hält nur mit diesem einen Geschützfeuer die österreichische Armee auf, um den Rückzug der französischen Armee zu sichern. General Pichegru zieht seine Armee hinter die Rheingrenze zurückund läßt sie bei Oppenheim den Rhein überqueren Richtung Mainz. Auch diese Überquerung wird durch das 8. Husarenregiment von Marulaz abgesichert.
Die Heldengeschichte mit der Kanone kennen wir nur aus den Marulaz-Memoiren. Historische Belege seiner Tapferkeit gibt es in Briefen von General Beaupuis an General Lambert und von General Beaupuis an J.F. Marulaz, in denen Beaupuis Marulaz Kaltblütigkeit und Führungsstärke lobt („votre sang-froid à diriger et à disposer vos subordonnées”, Thoumas S.434).
Am 14.11.1795 kommt es weiter südlich bei Frankenthal zu erneuten Gefechten. Im Kampf wird das Pferd unter Marulaz getötet, die Franzosen müssen sich zurückziehen. Unter grossen Verlusten aber in guter Ordnung sammelt sich die Armee zwischen Germersheim und Landau (“l’armée se retira en bon ordre, mais avec de grandes pertes, entre Germersheim et Landau.” Thoumas S.432).
Möglicherweise war Marulaz im Winterlager 1795/96 der französischen Armee ein letztes Mal in Zeiskam. Der Heimatforscher Johann Vogel (1865-1935) notiert jedenfalls, dass sich der französische Obrist J.F. Marulaz vom 8. Husarenregiment 1795 für 42 Tage im Gasthaus zum Ochsen einquartiert haben soll. Enge Verwandte hatte Marulaz 1795 allerdings nicht mehr in Zeiskam, außer vielleicht seine beiden Tanten väterlichseits, die damals 55 bzw. 64 Jahre alt wären.
Schlacht bei Wagram am 06.07.1809
Die Schlacht bei Wagram in Niederösterreich am 06.07.1809 ist die letzte Schlacht von J.F. Marulaz und eine der grössten Schlachten der napoleonischen Kriege, erstmals mit extremem Artilleriebeschuss. Die französische Armee besiegt hier die österreichische, innerhalb von zwei Tagen sterben mehr als 12.000 Soldaten auf beiden Seiten, insgesamt gibt es etwa 42.000 Verwundete. Allein das französische 16. Linieninfanterieregiment, in dem viele wehrdienstpflichtige französische Zeiskamer dienten, verliert an einem Tag 13 Offiziere. Unter den einfachen Soldaten stirbt der Infanterist Johann Martin Ott aus Zeiskam, der Zeiskamer Philipp Guth überlebt diese Schlacht. Das 16. Linieninfanterieregiment kämpft in Wagram in der Nähe der Kavalleriedivisionen, so dass Marulaz auf dem Schlachtfeld einigen Franzosen aus Zeiskam begegnet sein könnte.
Am 06.07. um 14:20 Uhr starten die französischen Kavalleriedivisionen unter Lasalle und Marulaz einen Gegenangriff. Im Kampf wird Lasalle gegen 15 Uhr durch eine Kugel in die Stirn getötet, Marulaz übernimmt den Befehl beider Divisionen. Gegen 20 Uhr trifft er im Getümmel auf das 8. Husarenregiment, das er viele Jahre befehligt hatte und motiviert dieses mit einer Rede zum erneuten Angriff: Greift an, Marulaz ist bei euch („Chargeons, Marulaz est avec vous!”). Im Angriff wird sein Pferd getötet, es ist insgesamt das 26. Pferd, und Marulaz wird durch einen Schuss ins Schienbein verwundet, seine insgesamt fast 20. Verwundung. Zwar kämpft er bis tief in die Nacht weiter, doch schliesslich muß er mit einem Karren vom Schlachtfeld gebracht werden. Die einzigen Belege für dieses Geschehen nach Lasalles Tod finden sich in Marulaz Memoiren, fest steht, dass diese letzte Verwundung seinen aktiven Militärdienst beendet.
Festungskommandantur und Ruhestand
Nach seiner aktiven Dienstzeit 1809 ist J.F. Marulaz 40 Jahre alt. Er wird zum Generalmajor und zum hochdotierten Festungskommandant der Stadt Besançon ernannt. Nach einigen für ihn ruhigen Jahren mit der Familie erhält er den Befehl, die Stadt zu verteidigen, nachdem Napoleon im Oktober 1813 die Schlacht bei Leipzig verloren hatte. Als Gouverneur organisiert J.F. Marulaz vier Monate lang den Belagerungszustand in Besançon bis zur Abdankung Napoleons. 1815 wird J.F. Marulaz wie alle Soldaten Napoleons vom Dienst suspendiert.
Sein darauf folgender Ruhestand dauert 27 Jahre, die er als wohlhabender Baron des Kaiserreiches inmitten seiner Familie verbringt. Bereits 1808 hatte er das Schloss Filain (Château de Filain) erworben, dort wirkt er als Bürgermeister und schreibt seine Memoiren bis zum Tod durch einen Schlaganfall mit 73 Jahren am 10.06.1842.
(Historisches Komitee Ortsgemeinde Zeiskam, Zeiskam, 2025)
Internet
www.napoleonischekriege.uni-mainz.de: Napoleonische Kriege. Lehrprojekt des Historischen Seminars der Johannes Gutenberg Universität Mainz 2025 (abgerufen 25.02.2026)