Rur- und Wurmaue

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Geilenkirchen, Heinsberg, Hückelhoven, Linnich, Roerdalen, Waldfeucht, Wassenberg
Kreis(e): Düren, Heinsberg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Räumliche Abgrenzung
Die Rur- und Wurmaue verläuft von Brachelen bis zur Staatsgrenze. Zwischen Brachelen und Randerath gibt es eine Terrasseninsel, die zur Börde gerechnet werden kann. Nördlich von Himmerich nähert sich die Wurm der Rur. Nördlich von Porselen beträgt die Entfernung von der Wurm zur Rur etwa 1 km und sie bilden eine gemeinsame Aue. Südöstlich von Oberbruch wird der Abstand zwischen beiden Flüssen wieder größer und bei Hochbrück nähert sich die Wurm wiederum der Rur, um dann östlich von Kempen in die Rur zu münden. Dort befindet sich eine Terrasseninsel mit den Dörfern Ober- und Unterbruch. Die Rur fließt in nordwestlicher Richtung zwischen Karken und Ophoven weiter zur Grenze.

Landnutzung und Entwicklung der Kulturlandschaft
Anhand der Flurbezeichnungen mit „Driesch“ und „Benden“ lässt sich die ehemalige Weidenutzung der feuchtgründigen Aue ableiten. Die Besiedlung erfolgte seit dem Mittelalter am Rande der Rur- und Wurmniederung und auf hochwassersicheren Standorten. Die Aue ist kaum besiedelt. Zwischen Brachelen und Hilfarth befinden sich sechs Gutshöfe: die ehemaligen Rittersitze Klein- und Großkünkel, Grittern, Gansbroich und am linken Ufer das Gut Wedau. Sie sind im Spätmittelalter beziehungsweise in der Frühneuzeit errichtet worden. Südlich von Ratheim entstand im 13. Jahrhundert das Haus Hall. An der jungen Wurm und dem Teichbach, die als Mühlengraben angelegt worden sind, und anderen Bächen (Malefink und Baaler Bach) befanden sich seit dem Mittelalter zahlreiche Wassermühlen. Erste Wassermühlen an der Wurm wurden erst im frühen 19. Jahrhundert errichtet.

Der Kulturlandschaftsbereich gehörte territorial bis 1794 zum Herzogtum Jülich und nach der französischen Periode von 1794 bis 1813 und bis 1945 zu Preußen. Bis 1972 gehörte das Gebiet verwaltungstechnisch zum Kreis Geilenkirchen und seitdem zum Kreis Heinsberg.

Aus der Tranchotkarte von 1806 ist ersichtlich, dass um 1800 der Kulturlandschaftsbereich weitestgehend aus feuchtem Grünland und Auenwald bestand. Die Aue war sehr feucht wegen der regelmäßigen Überschwemmungen und dem niedrigen Grundwasserstand. Erst gegen das Ende des 19. Jahrhunderts wurden Meliorationen durchgeführt. Hierzu wurden für die Entwässerung geradlinige Gräben angelegt.

Nach der Neuaufnahme von 1895 und der Topographische Karte von 1955 befanden sich zahlreiche Korbweidenkulturen in der Aue. Bis 1996 wurden die letzten Korbweidenkulturen in den trockenen Flutmulden noch regelmäßig beschnitten. Die Anlage von Rurtalsperre und Rursee in der Eifel sowie die Regulierung von Rur, Wurm und Teichbach führten zu einer erheblichen Grundwasserstandsenkung und so zu einer bedeutenden Reduzierung der Überschwemmungen. Hierdurch wurde es nach 1955 möglich, das Grünland und die Korbweidenkulturen in Ackerland umzuwandeln. Dieser Prozess hat dazugeführt, dass heute mancherorts das Ackerland dominiert und in einigen Bereichen sogar unmittelbar an die Rur grenzt. Zwischen Ophoven und der Staatsgrenze und östlich von Brachelen befinden sich noch größere Grünlandkomplexe.

Die Ruraltarme sind besonders durch ihre begleitenden Bäume im Landschaftsbild weit zu erkennen. Das heutige vorhandene geradlinige Wegenetz wurde zwischen 1895 und 1955 im Zuge einer Flurbereinigung angelegt. Im Rahmen der Flurbereinigung, die zwischen 1955 und 1970 stattfand, sind viele Hecken östlich von Horst und nördlich von Porselen verschwunden. Zwischen Dremmen und Heinsberg entstanden vor allem seit 1955 aufgrund der Grundwassersenkung und damit der Reduzierung der Überschwemmungsgefahr in der Ruraue größere Industrie- und Gewerbegebiete sowie auch größere Siedlungsflächen.

Der Kulturlandschaftsbereich heute
Die Ruraue ist heute eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit Acker- und Grünlandflächen, temporär wasserführenden Gräben, Altarmen der Rur, beide gesäumt von Kopfweiden oder Pappelreihen und Pappeldrieschen bzw. –forsten und mehreren gut entwickelten Hecken. Der Pappel ist als schnellwachsender Baum für das Landschaftsbild der Ruraue prägend. Seit einigen Jahren ist die Rur mit einem Rad- und Wanderweg touristisch erschlossen. Landwirtschaft, Wohnen und Naherholung sind die Hauptnutzungsformen der Landschaft.

Die Rur- und Wurmniederung hat sich im 20. Jahrhundert aufgrund von Entwässerungsmaßnahmen, Flussregulierungen und den damit verbundenen Nutzungsveränderungen teilweise sehr stark verändert. Das Landschaftsbild ist allerdings trotz Siedlungserweiterungen, Landnutzungswandel und Flurbereinigungen mit dem prägenden Pappelbestand seit 1900 ebenfalls persistent. Kulturhistorisch markiert der Kulturlandschaftsraum die extensiv für die Viehhaltung genutzten Flächen innerhalb des historisch gewachsenen agraren Nutzungsgefüges. Damit ist die Rur- und Wurmniederung mit ihrem charakteristischen Landschaftsbild von kulturhistorischer Bedeutung.

Folgende Orte mit ihrer Ersterwähnung liegen im Kulturlandschaftsbereich:
  • Doverack (1231)
  • Gansbroich (1453)
  • Grittern (1451)
  • Großkünkel (1312/50)
  • Haus Hall (1262)
  • Haus Horrig (1445)
  • Hilfarth (15. Jahrhundert)
  • Himmerich (1382)
  • Kleinkünkel (1535)

(Peter Burggraaff und Klaus-Dieter Kleefeld, Kartierung zur Datenerfassung im Kreis Heinsberg 2001 im Auftrag des LVR-Fachbereich Umwelt)

Literatur

Gillessen, Leo (1993)
Die Ortschaften des Kreises Heinsberg. (Schriftenreihe des Kreises Heinsberg 7.) Heinsberg.

Rur- und Wurmaue

Schlagwörter
Ort
52525 Heinsberg
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten
Koordinate WGS84
51° 02′ 40,89″ N, 6° 10′ 31,17″ O / 51.04469°, 6.17533°
Koordinate UTM
32U 302001 5658591.6
Koordinate Gauss/Krüger
2512339.54 5656632.85

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„Rur- und Wurmaue”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-KKL-20081002-0004 (Abgerufen: 21. Mai 2018)
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