Bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Dormagen - Zons - Benrath (KLB 19.04)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Raumplanung
Gemeinde(n): Dormagen, Düsseldorf, Monheim am Rhein
Kreis(e): Düsseldorf, Mettmann, Rhein-Kreis Neuss
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Ausschnitt aus der so genannten Tranchot-Karte (Kartenaufnahme der Rheinlande 1:25.000; Tranchot/von Müffling, 1801-1828, Blatt 4807r Hilden), markiert sind Baumbestände südlich von Urdenbach.

    Ausschnitt aus der so genannten Tranchot-Karte (Kartenaufnahme der Rheinlande 1:25.000; Tranchot/von Müffling, 1801-1828, Blatt 4807r Hilden), markiert sind Baumbestände südlich von Urdenbach.

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Der Raum Dormagen - Zons - Benrath ist hier beschrieben als bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich (KLB) wie im Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen.

Dieses Gebiet ist seit dem Neolithikum bis heute kontinuierlich besiedelt. Das Mäandrieren des Rheinverlaufs und damit verbundene Rheinstromverlagerungen prägten die Entwicklung im Verlauf der Jahrtausende; Altrheinarme sind noch deutlich im Gelände zu erkennen (z.B. Urdenbacher Altrhein).

In Dormagen liegt eine römische Befestigungsanlage aus der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts. Hier lagen Soldaten der 1. Legion, die im Bereich der heutigen Verwaltung des Bayer-Konzerns Ziegel brannten. In den 80er Jahren des ersten Jahrhunderts wurde die ala Noricorum nach Dormagen, dem antiken Durnomagus, verlegt. Sie errichtete hier zuerst ein Holz-Erdelager, das um 150 durch ein Steinlager ersetzt wurde. Im Zuge des Asienkrieges ab 160 wurde die ala abgezogen. In dieser Zeit brannte das Lager durch ein Schadfeuer ab. Das Lagerdorf blieb jedoch erhalten und hier befand sich sogar eine Benefiziarierstation (römische Straßenpolizei). Im Lagerdorf wurde noch im ersten Jahrhundert das älteste am Niederrhein bekannte Mithräum errichtet, das mit dem Abzug der Truppe zerfiel. Unter dem gallischen Sonderreich (4. Jahrhundert) scheint sich die Zivilbevölkerung in die noch stehende Befestigung zurückgezogen zu haben. Unter Konstantin wurde die Befestigung des alten Lagers erneuert und in die Nordost-Ecke ein Kleinkastell ähnlicher Größe wie Haus Bürgel errichtet. Die römische Besatzung ist bis zum Ende des 5. Jahrhunderts nachzuweisen.

Aus dem Lagerareal liegen merowingische Funde und Befunde vor. Außerhalb finden sich romanische und fränkische Gräber des 6. Jahrhunderts, die auf getrennten Friedhöfen bestattet wurden. Das ländliche Umland von Dormagen wurde ab der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts besiedelt. In dieser Zeit wurde in Nievenheim vom Militär ein großer Weidebetrieb (Gestüt oder Rinderzucht) errichtet. Die Blüte der landwirtschaftlichen Betriebe befand sich im zweiten Jahrhundert. Infolge der Klimaverschlechterung wurden viele Höfe um 200 aufgelassen und ab der Mitte des dritten Jahrhunderts ist kein Hof mehr im Dormagener Umland nachweisbar.

Haus Bürgel ist eine repräsentative Hofanlage, in seiner heutigen Erscheinung überwiegend des 19. Jahrhunderts. Der Hof steht in seinen Außenmauern (Ausnahme Westseite) auf den erhaltenen Grundmauern eines spätantiken castrum, das in konstantinischer Zeit errichtet wurde. Es muss ein kleines Zwischenkastell seit dem letzten Viertel des ersten Jahrhunderts n. Chr. als Vorgängerbau gegeben haben, darauf weist ein Gräberfeld vor Ort hin. Die letzten römischen Bewohner verließen gegen Ende des 5. Jahrhunderts das Kastell und zogen sich wahrscheinlich in das spätantike Dormagen zurück. In karolingischer Zeit war das Kastell durch Schleifen der Tore entfestigt und im Innenhof neben einer kleinen Kirche wurde bestattet. Die Kirche in Bürgel war die Mutterkirche der in Zons. Erst seit dem Rheindurchbruch von 1374 änderte sich die Besiedlung von Bürgel. Die Restmauern wurden wieder erneuert, das geschleifte Westtor wurde zugemauert, das Osttor wahrscheinlich zu einem Wehrtor erneuert. An der Nordostecke wurde jetzt ein viereckiger Eckturm errichtet, daneben wahrscheinlich der mittelalterliche Palast, der durch den Barockneubau zerstört wurde. Das spätantike Kastell wurde ab jetzt als Burg genutzt. Die bisherige Pfarrkirche wurde Eigenkirche.

Die 1222 erstmals genannte Burg der Herren von Berode gelangte im 13. Jahrhundert in den Besitz der Grafen, später Herzöge von Berg. Sie wurde vor 1651 durch ein barockes Wasserschloss ersetzt, das ab 1755 dem heutigen Rokoko-Schloss weichen musste. Bestandteil des 1773 fertig gestellten Schlosses Benrath ist ein Park, dessen auffälligster Teil das durch dia- und orthogonale Achsen erschlossene Boskett zwischen Corps de Logis und Rhein ist. Damit ist Schoss Benrath das einzige Beispiel einer maison de plaisance, das in der Gesamtheit von Bau-, Garten- und Wasserwerken erhalten ist. Die Bedeutung der mittelalterlichen Stadt und Zollstätte Zons ist heute noch gut erkennbar. Die Entwicklung der Stadt ist eng verbunden mit seiner Lage am Rhein und den darauf folgenden Stromverlagerungen. Seit 1372 wurde hier durch den Kölner Erzbischof Rheinzoll erhoben; der Ort wurde durch Burg „Friedestrom“ gesichert und zugleich wurden dem Ort 1373 Stadtrechte verliehen. Das wiederhergestellte Hochschloss und Reste der Vorburg mit Juddeturm sind erhalten. Auch die Stadtbefestigung des 15. Jahrhunderts mit Türmen und Toren ist erhalten. Zons ist das am besten erhaltene Beispiel einer befestigten rheinischen Stadt des Spätmittelalters. Ursprünglich unmittelbar am Rhein gelegen, verlagerte sich der Fluss zwischen 1550 und 1650, bis er schließlich nicht mehr die Stadtmauer berührte. Auf den höheren Flächen der Aue wurde seit dem Spätmittelalter kontinuierlich Ackerbau betrieben. Das Grünland und der Wald befanden sich in den feuchteren Auenflächen und wurden bis ca. 1820 als Allmende genutzt. Weitere Relikte mittelalterlicher Nutzung waren die charakteristischen Kopfbaumplantagen für die Korbflechterei, die bis ins 20. Jahrhundert betrieben wurde. Heute dominieren die Grünland- und Ackernutzung. Seit 1850 hat der Waldanteil erheblich abgenommen. Weiterhin gibt es Kopfbäume, vereinzelte Hecken und Obstwiesen. Der Bereich entspricht der ursprünglichen spätmittelalterlichen/frühneuzeitlichen Siedlungs- und Landnutzungsstruktur mit Haus Bürgel, dem Schlosskomplex Benrath, der ehemaligen Feste Zons und einem persistenten Wegegefüge.
Es stellt hiermit ein herausragendes kulturlandschaftliches Raumensemble dar, welches von unterschiedlichen Standorten aus ursprüngliche und unveränderte historische Sichtbezügen zulässt. Daraus ergibt sich ein wertvoller Raumzusammenhang, der mittlerweile immer seltener wird. Hinzu kommt die Ablesbarkeit historischer Landnutzungen mit Wald und Grünland sowie Ackerland, die noch deutlich wahrnehmbar und erlebbar sind.

Spezifische Ziele und Leitbilder:
  • Erhaltung der Rheinauenlandschaft zwischen Haus Bürgel und Zons;
  • Erhalt des historischen Stadtkerns Zons.
Aus: Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen. Münster, Köln. 2007

Internet
Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in NRW (Abgerufen: 10.10.2015)

Literatur

Landschaftsverband Westfalen-Lippe; Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2007)
Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in Nordrhein-Westfalen. Grundlagen und Empfehlungen für die Landesplanung (Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen / Fachgutachten zum Kulturellen Erbe in der Landesplanung). S. 82, Münster, Köln.

Bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Dormagen - Zons - Benrath (KLB 19.04)

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 2001
Koordinate WGS84
51° 07′ 28,61″ N, 6° 50′ 50,98″ O / 51.12461°, 6.84749°
Koordinate UTM
32U 349371.89 5665885.75
Koordinate Gauss/Krüger
2559375.51 5665851.4

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„Bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Dormagen - Zons - Benrath (KLB 19.04)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-EK-20080730-0110 (Abgerufen: 25. Mai 2017)
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