Weiler Remlingrade

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Radevormwald
Kreis(e): Oberbergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Ersterwähnung erfolgte 1183 als „Remelinrode“. Die Ersterwähnung bezog sich auf eine dem Märtyrer Pankratius geweihte Kapelle als Vorgängerbau der heutigen Kirche. Andere Literaturangaben beziehen sich bei der Ersterwähnung der Kapelle auf das Jahr 1181. Sie gehörte zur Radevormwalder Pfarrkirche St. Gangolf. Die Christianisierung Remlingrades, dessen Name sich auf die „Rodung des heiligen Remigius Bischof von Reims“ bezieht, erfolgte durch westfälische Mönche.

Remlingrade verfügte über eine eigene Gerichtsbarkeit - noch heute erinnert die Femelinde an den Standort des alten Femegerichtes. Die Einwohner Radevormwalds unterstanden demgegenüber dem Gericht Beyenburg der Grafen von Berg. 1591 setzte sich in Remlingrade unter Pastor Johann Sundern das lutherische Bekenntnis durch. Offiziell anerkannt wurde sie als lutherische Kirche mit dem Einzugsbereich Radevormwald, Beyenburg, Dahlhausen und Dahlerau erst 1624. 1715 war Remlingrade auf der Topographia Ducatus Montani als Dorf eingetragen. Seit dem 18. Jahrhundert verkleinerte sich der Einzugsbereich durch Kirchbauten in den genannten Ortschaften. Wegen Baufälligkeit und aus Platzmangel wurde 1743-45 die heutige Kirche errichtet, ein Saalbau mit vorgesetztem Westturm. Dabei wurden laut Literatur Teile der Kapelle (frühromanische Portale) wiederverwendet. Auf den Kirchbänken sind heute noch die Namen der Kirchgänger festgehalten, die durch den Kauf eines Sitzplatzes den Bau finanzierten.

1828 war Remlingrade ein Weiler mit Kirche in Hanglage, der im unteren Bereich an die Bachaue grenzte. Die Gebäude von Remlingrade lagen vorrangig zwischen Kirche und Aue und vereinzelt um die Kirche herum. Bis an den Bach heran zog sich das Gartenland. Bereits für 1657 wurde ein Schulmeister - vermutlich Peter Schmidt - in Remlingrade erwähnt. Der Unterricht wurde laut Literatur in der Wohnstube des Lehrers auf der Fuhr durchgeführt. Im Jahr 1697 erhielt Remlingrade ein eigenes Schulhaus, welches am Andreastag eingweiht wurde. Bereits 1762 wurde wiederum mit einem Schulneubau begonnen, in dem die Kinder bis 1828 unterrichtet wurden.

Auch heute ist Remlingrade ein Weiler. Seit 1743/45 steht in Remlingrade die lutherische Kirche. Es handelt sich um die einzige Kirche der Gemeinde Radevormwald, die nicht in der Stadt liegt. Der Kirchbau in dieser kleinen Ortschaft lässt sich nur aus der Radevormwalder Kirchengeschichte erklären. Der Kirchenbezirk ist von einer Mauer begrenzt. Die Kirchensilhouette, es handelt sich um einen Saalbau mit einer achtseitigen Schieferpyramide auf dem vorgesetzten Westturm, dominiert das Ortsbild. Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude liegen um die Kirche herum. Der alte Ortskern zur Aue ist durch Bausubstanz und Ortstruktur ablesbar. Hier befindet sich ein Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert, das ebenso wie die Kirche unter Denkmalschutz steht. Benachbart ist der ehemalige Hof Nr. 4, mit zahlreichen An- und Umbauten. Es handelt sich um kleinteilige Bauten. Ein großer Hof, der bereits in der Bürgermeistereikarte (1828-1870) eingezeichnet war, ist Nr. 6. Der Wohnteil mit Krüppelwalmdach legt nahe, dass das Haus im Giebel geteilt ist oder war. Ebenfalls zeigt Nr. 8, heute modernisiert und verändert, einen bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts existierenden Hofstandort an. Die meisten Gebäude aus dem westlichen Ortsteil von Remlingrade existierten bereits im 19. Jahrhundert bzw. frühen 20. Jahrhundert. Zu Nr. 9 gehört ein Bauerngarten. Im Südwesten befindet sich in der Aue der ehemalige Löschteich. Sein Alter ist unbekannt. Auf der TK 1: 25.000 ist er erstmals 1938 eindeutig zu erkennen.

Im 19. Jahrhundert entstand etwas weiter östlich mit einem Schulbau (1828) und der Anlage eines Friedhofs ein weiterer Ortsteil. Die ehemals lutherische Schule ist heute ein Wohnhaus. Der Friedhof wurde zwischen 1921 und 1949 erweitert. Auf ihm steht eine als Naturdenkmal eingetragene Buche. In diesem Ortsteil wurden lediglich zwei weitere Wohnhäuser errichtet. Nr. 12 mit zwei Hausbäumen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert und Nr. 14 aus den 1960er Jahren.

(LVR-Fachbereich Umwelt, 2008)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart.
Motte, Wolfgang (2004)
Schulen und Schulmeister in Radevormwald von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Radevormwald.
Pampus, Klaus / Oberbergische Abteilung 1924 e.V. des Bergischen Geschichtsvereins (Hrsg.) (1998)
Urkundliche Erstnennungen oberbergischer Orte. (Beiträge zur Oberbergischen Geschichte, Sonderband.) Gummersbach.
Ploennies, Erich Philipp (1988)
Topographia Ducatus Montani (1715). In: Bergische Forschungen Band XX (hrsg. und bearb. von Burkhard Dietz), Neustadt/Aisch.
Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Remlingrade (Hrsg.) (2007)
250 Jahre evangelisch-lutherische Kirche Remlingrade. Radevormwald.
Schmoeckel, Gisela (1998)
Radevormwald und seine Wupperorte. Ergraute Perlen der Industriegeschichte. In: Bergische Blätter 19 (1998), S. 8. o. O.
Sieper, Bernhard (1979)
Radevormwald in alten Ansichten (Band 2). Zaltbommel.
Sieper, Bernhard (1976)
Radevormwald in alten Ansichten (Band 1). Zaltbommel.

Weiler Remlingrade

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1181 bis 1183
Koordinate WGS84
51° 14′ 9,87″ N, 7° 20′ 2,86″ O / 51.23607°, 7.33413°
Koordinate UTM
32U 383704.17 5677396.12
Koordinate Gauss/Krüger
2593217.98 5678756.08

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„Weiler Remlingrade”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-BL-20080215-0149 (Abgerufen: 17. August 2017)
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