Herkingrade

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Radevormwald
Kreis(e): Oberbergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Ersterwähnung erfolgte 1315 als Freigut „Herkintrayde“, welches Graf Adolf VI. von Berg neben anderen in Radevormwald gelegenen Gütern vom Grafen Gottfried von Sayn erwirbt. Der Hof, von Rittern bewacht, soll als Sattelgut der Grenzbefestigung und dem Schutz Radevormwaldes dienen. Auf der Topographia Ducatus Montani aus dem Jahr 1715 waren für Herkingrade vier Höfe eingezeichnet. 1828 war Herkingrade ein großer Weiler in Höhenlage. Die Höfe waren in zwei Streifen angeordnet. Der größere Teil befand sich zwischen dem den Ort im Nordwesten begrenzenden Weg und dem parallel fließenden Bach. Ein weiterer Streifen von Hofstellen reihte sich im Südosten.

Herkingrade ist heute ein im Westen mit Keilbeck zusammengewachsenes Dorf. Ansonsten hat sich die Ausdehnung des Ortes seit 1828 nur wenig verändert. Es lassen sich zahlreiche alte Hofstellen in dem bereits 1828 bebauten Bereichen ablesen. Sie stehen einseitig entlang der Keilbecker Straße sowie als lockere Hofreihung im Südosten (Nr. 6-21). Die Häuser entlang der Keilbecker Straße haben meist eine schieferverkleidete Fassade. Bei Nr. 43 stehen rückwärtig drei Kopfbäume. Das benachbarte Gasthaus mit Nebengebäuden ist als Standort schon für 1828 belegt. Es folgen Nr. 39 mit noch vorhandener Ladeluke im Dachgeschoss und das Fachwerkhaus Nr. 38. Eine Besonderheit stellt Hof Nr. 33 dar. Das Haupthaus steht ebenfalls auf einem Standort von 1828. Dahinter befindet sich ein Bruchsteinbau, der 1883 im Auftrag von Herrn Pickardt durch Albert Schmidt als Kornbrennerei errichtet wurde. Die Tagesproduktion lag bei 400-450 Litern klarem Korn. Die Produktion wurde im Ersten Weltkrieg eingestellt und der Schornstein 1965 abgerissen. Für denselben Auftraggeber erbaute Schmidt 1898 ein Wohnhaus und einen Stall. Sowohl die heutige L 130 als auch der bei Nr. 33 querende Weg in Richtung Grunewald existierten bereits 1828. Auf der gegenüberliegenden Seite des Querweges steht ein Stall/Scheunengebäude mit Bruchsteingeschoss und Ziegeleinfassungen an Fenstern und Türen.

Auf der Nordseite der L 130 befinden sich nur zwei Gebäude. Nr. 11 entstand um 1900 neben der erwähnten Wegekreuzung. Hier befand sich bereits im frühen 19. Jahrhundert Gartenland. Auch heute wird ein längerer Streifen zu beiden Seiten des Hauses als Gartenland genutzt. Es ist von Hecken begrenzt, einige ältere Bäume stehen hier. Es gibt von Buchsbaumhecken eingefasste Beete. Im Norden wurde eine kleine Obstwiese angelegt. Am westlichen Ende des Ortes befindet sich das Gebäude der bereits 1877 gegründeten Löschgruppe Herkingrade.

Von dem modernen Gemeindehaus Herkingrade aus führt ein im ersten Teil zu einem Hohlweg eingetiefter Weg nach Süden an dem Fachwerkhaus Nr. 21 vorbei in die Flur. An seinem Anfang steht eine markante Buche. Außerhalb des Ortes wird er von einer Flurhecke begleitet. Nr. 21 ist ein dreistöckiges Haus mit Krüppelwalmdach. Die oberen Stockwerke sind aus Fachwerk. Ebenerdig befand sich früher der Stall. Das Grundstück ist zum beschriebenen Weg hin mit einer altern Hecke begrenzt, an deren südlichem Ende eine markante Buche steht. An dem Haus stehen ein Hausbaum und einige Obstbäume. Es handelt sich um den südlichsten Standort der für 1828 beschriebenen Hofreihung im Osten von Herkingrade. Die nördlichste ist Nr. 6 mit teilweise sichtbarem Fachwerk. Von Westen kommend läuft auf das Haus eine alte Hecke zu. Zwischen Nr. 6 und dem ebenfalls alten Fachwerkhaus Nr. 18 stehen zahlreiche Obstbäume. Das Gebäude ist in Teilen aus Bruchstein gebaut und hat einen Ziegelanbau. Südöstlich befindet sich eine alte Hecke.

Das zwischen den Gebäudereihungen liegende Land wurde als Garten, Wiese und Obstwiese genutzt. Entlang der Wege ist es heute baulich verdichtet. 1840 lagen nach der Preußischen Uraufnahme fünf bis sechs Teiche im Ort. Ein etwas versumpfter Teich ist im Nordosten noch vorhanden (zwischen dem ehemaligen Wohnstallhaus Nr. 4 und Nr. 6). Zwei weitere zeichnen sich laut Deutscher Grundkarte (DGK 5) noch in der Parzellenstruktur, beziehungsweise an der Geländeform ab. Im Osten entstanden seit den 1980er Jahren großflächige, landwirtschaftliche Zweckbauten.

(LVR-Fachbereich Umwelt, 2008)

Quelle
Bauliste Albert Schmidt, StARS, Albert Schmidt N 28 (Abschrift durch Peter Dominick).

Literatur

Davin, Ingo (1988)
Hückeswagen - Wipperfürth - Radevormwald zwischen 1085-1385. In: Leiw Heukeshoven 27, S. 10-13. o. O.
Helbeck, Gerd (2003)
Die Bergische Landwehr im Radevormwalder Gebiet: Wann ist sie entstanden? In: Romerike Berge, 53. Jahrgang, Heft 3, S. 2-11. o. O.
Pampus, Klaus / Oberbergische Abteilung 1924 e.V. des Bergischen Geschichtsvereins (Hrsg.) (1998)
Urkundliche Erstnennungen oberbergischer Orte. (Beiträge zur Oberbergischen Geschichte, Sonderband.) Gummersbach.
Ploennies, Erich Philipp (1988)
Topographia Ducatus Montani (1715). In: Bergische Forschungen Band XX (hrsg. und bearb. von Burkhard Dietz), Neustadt/Aisch.

Herkingrade

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1315
Koordinate WGS84
51° 13′ 10,11″ N, 7° 19′ 37,46″ O / 51.21947°, 7.32707°
Koordinate UTM
32U 383169.51 5675561.49
Koordinate Gauss/Krüger
2592758.5 5676900.53

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„Herkingrade”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-BL-20080215-0048 (Abgerufen: 23. September 2017)
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