Die Gedenkstätte
Die Gestaltung des Erinnerungsorts erinnert an einen kleinen Friedhof. Das Areal ist von einem Jägerzaun eingefasst, ein Weg aus massiven Steinplatten führt vorbei an immergrünen Bodendeckern. Die Koniferen und Eiben bilden einen Kontrast zum umstehenden Wald. Sie schirmen die Gedenkstätte vom Licht ab und hüllen den Ort in dunkle Töne.
Am Ende des Weges befindet sich ein Gedenkstein mit russischer Inschrift, die in leuchtend roter Farbe nachgezogen ist. Sein genauer Ursprung ist nicht geklärt. Der Historiker Arkadi Miller vermutet, dass die sowjetische Militärmission Ende der 1940er Jahre den Stein in Auftrag gegeben hat (Folge 4 „Wo kein Gras drüber wächst“, Minute 12:03, Podcast „Das Krankenlager im Gremberger Wäldchen“). Ein stichhaltiger Hinweis ist die Standardformulierung, die auch auf anderen sowjetischen Gräbern zu finden ist. Die Jahreszahlen 1941-1945 setzen einen Zeitraum zwischen dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion bis zur Befreiung. Das Krankenlager wurde jedoch erst 1942 erbaut.
Am Eingang des Geländes liegt eine Steinplatte, in der die deutsche Übersetzung der russischen Inschrift in Versalien eingemeißelt ist:
„Hier sind 74 sowjetische Bürger begraben, die während ihrer Gefangenschaft unter dem Faschismus in den Jahren 1941 bis 1945 ermordet wurden.“
Am Fuß der Steintafel am Boden steht eine kleine Bronzeplastik, die zwei Personen zeigt. Eine Frau fällt einem Mann rücklings in die Arme.
Die Plastik „Trauernde Eltern“ ist ein Werk des deutschen Malers, Bildhauers und Medailleurs Klaus Balke (1929-2022), ), das ein Paar in der Ukraine zeigt, das vor einem Leichenberg vor Schmerz erstarrt. Er schuf sie angelehnt an ein Foto aus der „Kriegsfibel“ von Bertolt Brecht (1898-1956). Der Künstler Klaus Balke war aufgrund eigener Kriegserlebnisse ab den 1980ern ein Unterstützer des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Er setzte sich für die Versöhnung Deutschlands mit den Ländern Osteuropas ein und sprach als Zeitzeuge mit Jugendlichen über seine Erfahrungen. Die Plastik stellte er gemeinsam mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten auf. Eine Kopie wurde bei einem Besuch in der sowjetischen Stadt Woronesch einer dortigen Kolchose überreicht.
Die Inschrift auf dem Sockel ist ein Zitat aus Brechts „Kriegsfibel“, das dort unter dem Bild des Paares steht:
„Und alles Mitleid, Frau, nenn ich gelogen,
das sich nicht wandelt in den roten Zorn,
der nicht mehr ruht, bis endlich ausgezogen,
dem Fleisch der Menschheit dieser alte Dorn.“
das sich nicht wandelt in den roten Zorn,
der nicht mehr ruht, bis endlich ausgezogen,
dem Fleisch der Menschheit dieser alte Dorn.“
Verbrechen im Krankenlager des Gremberger Wäldchens
Die Gedenkstätte erinnert an die Opfer des Krankenlagers, das 1942 im Gremberger Wäldchen errichtet wurde. In das Lager wurden erkrankte Zwangsarbeiter*innen gebracht, die nicht mehr arbeitsfähig waren - zunächst noch mit dem Vorsatz, sie von dort in ihre Heimat zurückzuführen. Diese Rücktransporte fanden aber im Laufe des Krieges kaum noch statt. Die Menschen, hauptsächlich aus Osteuropa, wurden systematisch vernachlässigt und nur dann versorgt, wenn ein baldiger Wiedereinsatz in Aussicht stand. Im hinteren abgezäunten Teil des Lagers, waren Tuberkulosekranke untergebracht, die eine sehr geringe Überlebenschance hatten. Dieser Bereich wurde sowohl von medizinischem Personal als auch vom Wachpersonal gemieden. Auch Schwangere wurden als Zwangsarbeiterinnen vom Arbeitsamt in das Lager geschickt und mussten in einer Entbindungsstation vor Ort ihre Kinder zur Welt bringen.
Im April 1945, wenige Tage vor Kriegsende, wurde das Lager von Angehörigen des „Volkssturms“ aus den umliegenden Stadtteilen geräumt. Dabei schossen die Männer auf die kranken Zwangsarbeiter*innen und setzten die Baracken in Brand, in denen sich noch bettlägerige Kranke befanden, die bei lebendigem Leibe verbrannten. Insgesamt wurden im Zuge des Massakers bis zu 30 Menschen ermordet.
Während der Existenz des Lagers starben Schätzungen zufolge mindestens 400 Menschen an der gezielten Vernachlässigung und den Folgen von Unterernährung - der Vernichtung durch Hunger.
Bodendenkmal
Im Zuge des Ausbaus der Bundesautobahn A4 soll diese ab 2030 auch im Bereich des Gremberger Wäldchens verbreitert werden. Der historische Ort des Krankensammellagers wurde am 27. Juni 2024 von der Stadt Köln unter der Nr. 506 als Bodendenkmal unter Schutz gestellt und soll somit von Arbeiten im Zuge des Ausbaus der Bundesautobahn A4 verschont bleiben (freundlicher Hinweis von Herrn Uli Kievernagel).
Die Autobahn GmbH des Bundes informiert dazu: „Das Bodendenkmal wird vom geplanten 8-spurigen Ausbau der A4 nicht beeinträchtigt. Bereits die für die Bauaktivitäten benötigten Flächen und Baustraßen werden so geplant, dass diese den Bereich des Bodendenkmals nicht beanspruchen.“ (a4plus.koeln)
(Mirjam Baumert und Philipp Grehn, Podcast „Das Krankenlager im Wald. Vergessene NS-Verbrechen“ des Jugendclubs Courage Köln e.V., 2026, basierend auf Vorarbeiten von Hannah Brüggemann, NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln, 2014 mit Ergänzungen durch Digitales Kulturerbe LVR, 2025)
Quellen
- Persönliches Gespräch mit den Herren Michael Hundt und Jonas Schreibweis über POIs im äußeren Grüngürtel, 11.11.2013.
- Freundliche Hinweise von Herrn Uli Kievernagel (Uli, der Köln-Lotse), Köln 2025.
Internet
lager-gremberg.de: Podcast „Das Krankenlager im Wald. Vergessene NS-Verbrechen in Köln“ des Jugendclubs Courage Köln e.V. (abgerufen 20.01.2026)
minderheiten-in-porz.de: Krankenlager Gremberger Wäldchen (abgerufen 06.10.2014)
www.stadt-koeln.de: Gedenkveranstaltung am Denkmal im Gremberger Wäldchen (abgerufen 06.10.2014)
www.koeln-lotse.de: Die NS-Gedenkstätte Gremberger Wäldchen (Uli, der Köln-Lotse vom 13.04.2024, abgerufen 15.04.2024 und 30.05.2025)
museenkoeln.de: NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Gremberger Wäldchen (abgerufen 30.05.2025)
a4plus.koeln: Schutz des Bodendenkmals im Gremberger Wäldchen (22.01.2025, abgerufen 30.05.2025)
de.wikipedia.org: Gremberger Wäldchen (abgerufen 06.10.2014)
de.wikipedia.org: Klaus Balke (abgerufen 30.05.2025)
www.ksta.de: Kölns geheimnisvollste Orte: „Gedenkstätte im Gremberger Wäldchen“ (Kölner Stadt-Anzeiger vom 04.02.2019, abgerufen 12.08.2020)