Gedenkorte für Opfer von Repressionen und Verfolgung zur NS-Zeit in Zeiskam

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Fachsicht(en): Landeskunde
  • Audio in einfacher Sprache zum Wohnhaus von Anna und Jakob Münster in der Mittelgasse in Zeiskam (2025)

    Audio in einfacher Sprache zum Wohnhaus von Anna und Jakob Münster in der Mittelgasse in Zeiskam (2025)

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  • Audio zum Leben des Zeiskamer Bürgers Peter Meigel, der durch das NS-Regime ermordet wurde

    Audio zum Leben des Zeiskamer Bürgers Peter Meigel, der durch das NS-Regime ermordet wurde

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  • Audio mit Aussage eines Polizisten zur Verhaftung und Zwangssterilisierung des aus Zeiskam stammenden Erwin M. durch das NS-Regime im Jahre 1938

    Audio mit Aussage eines Polizisten zur Verhaftung und Zwangssterilisierung des aus Zeiskam stammenden Erwin M. durch das NS-Regime im Jahre 1938

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Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg durch die Versailler Auflagen wirtschaftlich belastet und nach der Weltwirtschaftskrise 1929 durch Massenarbeitslosigkeit und das Auseinanderbrechen von Koalitionen kaum stabil regierbar. Das Regierungsbündnis aus DNVP und NSDAP ließ Reichspräsident Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler mit einem rechtsgerichteten Kabinett aus beiden Parteien ernennen. Damit begann eine systematische Zerstörung der Demokratie und der Aufbau einer Diktatur, die mit Gewalt, Einschüchterung und Propaganda einherging und bis in die Dörfer reichte und auch die Zeiskamer Bevölkerung beeinflusste. An drei zentralen Themen und ausgewählten Orten lassen sich die Auswirkungen der NS-Herrschaft auf die Dorfgemeinschaft in Zeiskam nachvollziehen.

Verfolgung politischer Gegner und religiöser Minderheiten
Politische Gegner wurden während der NS-Herrschaft auch in Zeiskam verfolgt, diskriminiert und durch die Gestapo überwacht. Der von den Nationalsozialisten entmachtete Bürgermeister Wolf durfte seine eigene Gaststätte nicht führen, weil er an einem Separatistentreffen in Zeiskam teilgenommen hatte. Auch religiöse Minderheiten in Zeiskam wurden überwacht: Die „Ernsten Bibelforscher“ (Zeugen Jehovas) standen früh im Blickfeld der „Nationalen Erhebung“; ihre Glaubenspraxis und pazifistische Haltung führten zu Ausgrenzung und Verfolgung. In Zeiskam geriet das Ehepaar Münster-Wiss durch die Weigerung, an der Reichstagswahl 1936 teilzunehmen, in die Verunglimpfung einer aufgewiegelten Gruppe. Die Gestapo betrieb großen Aufwand bei der weiteren Überwachung des Ehepaares.

Gesundheits- und Eugenikpolitik
Bereits im Sommer 1933 erließ das NS-Regime das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, wodurch Menschen mit chirurgischen Eingriffen unfruchtbar gemacht werden konnten. Das Gesetz bestand bereits seit fünf Jahren, als das Germersheimer Gesundheitsamt bei dem Zeiskamer Familienvater Erwin eine Zwangssterilisation durchführen wollte. Seine Ehefrau Maria widersetzte sich vehement der Bellheimer Polizei und betonte, sie hätten gemeinsam gesunde Kinder. Leider wurde Erwin trotzdem sterilisiert und Maria musste eine Strafe zahlen.
Unter dieses Gesetz fielen auch psychisch Kranke und Menschen, die in Pflege- und Heilanstalten untergebracht waren. Dieses „lebensunwerte Leben“ wurde propagandistisch als Belastung der „Volksgemeinschaft“ bezeichnet. Ab Oktober 1939 kam es zur Ermordung tausender Anstaltsinsassen, auch Bernhard, ein Junge aus Zeiskam, war davon betroffen. Bernhard wurde aus der Heilanstalt Klingenmünster in die Tötungsanstalt Sonnenstein gebracht und dort ermordet.

Als „Asozialer“ und „Arbeitsscheuer“ im KZ
Im ersten Kriegsjahr geriet ein weiterer Arbeiter aus Zeiskam in den Blick der Justiz. Der ehemalige Hausierer und Wanderarbeiter Peter Meigel wurde als Faulenzer und Querulant bezeichnet. Wenn er keine Arbeit fand, beschaffte er sich den Lebensunterhalt durch Betteln. Wegen Abwesenheit von der staatlich angeordneten Arbeitsstelle wurde er verurteilt, kam in Vorbeugehaft und schließlich in mehrere Konzentrationslager. Peter starb im Oktober 1944 bei der Arbeit im Steinbruch im KZ Mauthausen.

Solche Einzelschicksale zeigen, wie eine verbreitete Ideologie den Alltag von Menschen bestimmte, wenn selbst kleinste Abweichungen mit Repression beantwortet wurden. Es ist wichtig, von diesen individuellen Lebensgeschichten zu berichten und sich der menschlichen Schicksale zu erinnern. Eine politische Ideologie entzieht sich nur schwer dem Zugriff und dringt bis in kleine Dörfer hinein.

Den Opfern ein Gesicht geben?
Von den betroffenen Personen sind Abbildungen erhalten geblieben, die jedoch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht werden. Da aber dennoch ein Bedarf besteht, diese Personen zumindest in Form von Stellvertreterbildern zu sehen, wurden von manchen Personen mit Hilfe Künstlicher Intelligenz Porträts nach Beschreibungen der Gesichtszüge erstellt.

(Hartwig Humbert, Ortsgemeinde Zeiskam, 2026)

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Hartwig Humbert (2026), „Gedenkorte für Opfer von Repressionen und Verfolgung zur NS-Zeit in Zeiskam”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-356861 (Abgerufen: 3. März 2026)
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