Domäne Neuhof

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Eltville am Rhein
Kreis(e): Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
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    Der Neuhof im Schrägluftbild 2005

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    Der Neuhof im Schrägluftbild um 1950

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    Der Neuhof aus südlicher Blickrichtung

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    Der Neuhof aus südöstlicher Blickrichtung

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    Neuhof aus westlicher Blickrichtung

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    Der Neuhof aus westlicher Blickrichtung

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    Der Neuhof aus westlicher Blickrichtung

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    Die Steinbergmauer mit Tor

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    Der Steinberg in Eltville-Hattenheim

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    Neuhof, Hattenheim

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Die Domäne Neuhof des Klosters Eberbach bei Eltville ist zwischen 1163 und 1178 gegründet worden. 1178 wird sie erstmals unter dem Namen „Nuenhoven“ erwähnt. Dem Steinberg genannten, klosternahen Weinberg war der Neuhof als Versorgungseinrichtung angegliedert.

Grangien und Hofanlagen des Klosters Eberbach
Die Geschichte der Domäne Neuhof
Baubeschreibung

Grangien und Hofanlagen des Klosters Eberbach
Die Grangien, ursprünglich Getreidespeicher oder Vorratsgebäude (granum = Korn, Getreide), dann große klösterliche Hofanlagen, entstanden oft nach Schenkung einiger verstreuter Hufen. Der Besitz wurde planmäßig erweitert, bis genügend zusammenhängendes Land für die Errichtung des Hofs vorhanden war. Die Gebäude wurden durch Zäune oder Mauern, Gräben und einen Torbau gesichert.
Die in der näheren Umgebung des Klosters Eberbach gelegenen Höfe – Neuhof, Draiser Hof, Reichartshäuser Hof, Steinheimer Hof und Mapper Hof – leisteten mit ihrer Landnutzung einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung der Rheingauer Landschaft; teilweise wesentlich größere Höfe lagen u. a. im hessischen Ried und in Rheinhessen.
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Die Geschichte der Domäne Neuhof
Der Neuhof ist in seinem authentischen Zustand und seiner ungebrochenen Nutzungskontinuität sowie als weithin in die Landschaft wirkende Anlage ein bedeutendes Element der historischen Kernlandschaft um Kloster Eberbach.
Schenkungen bei Hallgarten und in der Hattenheimer Feldgemarkung waren die Grundlage für den zentralen, klosternahen Neuhof, der 1178 unter dem Namen „Nuenhoven“ erwähnt wird.

Zwischen 1163 und 1178 gegründet, gehörte der Neuhof zu den zwölf Grangien der Abtei Eberbach. Nach dem Güterverzeichnis oculus memoriae von 1211 wurde das „Nuenhoven“ genannte Gut auf 10 Morgen noch nicht gerodeten Geländes errichtet und in der Folgezeit beträchtlich erweitert.
Bär (1855) lobt die Weitsicht des Abts Ruthard: „Die Wahl der Lage machte seinem Verstand alle Ehre und verräth einen weit aussehenden, gleichsam prophetischen Geist. […] Gleich einer Warte gewährt er einen freien Ueberblick über seine, ihn von allen Seiten weit und ohne Trennung umgebenden Ländereien, und die ausgedehnte Fernsicht über die Rheingebirge und Thäler erhöth den Reitz der Bewohnung.“

Der tiefer als das Kloster gelegene Neuhof empfing „durch eine ganz ungekünstelte Leitung in einem besondern Kanal sein Wasser aus dem Bache, der in merklicher Vertiefung den Klosterraum durchfließt.“ Dieser laut Bär 1429 angelegte Kanal soll noch bis zum modernen Ausbau der heutigen Fahrstraße bestanden haben.
Dem zur hochwertigen Weinerzeugung angelegten, nach seiner Bodenbeschaffenheit „Steinberg“ genannten, klosternahen Weinberg war der Neuhof als Versorgungseinrichtung direkt angegliedert.
Der überwiegend auf die Haltung von Schweinen und Schafen spezialisierte Gutshof sicherte sowohl Teile der Nahrungsmittelversorgung der Klosterangehörigen als auch die Produktion des für die Weinkultur nötigen Düngers, der sonst durch kostspielige Transporte aus weit entfernten Höfen herbeigeschafft werden musste. Darüber hinaus lieferte er im Kloster handwerkliche Produkte wie Leder und Wolle.
Die Ausdehnung des nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg im 17. und 18. Jahrhundert wieder aufgebauten Neuhofs mit seinen lang gestreckten Wirtschaftsbauten und seinem massiven, romanischen Tor vermittelt auch heute einen Eindruck seiner eindrucksvollen Größenordnung. Neben dem Pächter (Beständer) war hier auch ein Weinbergsaufseher ständig ansässig.

Nach dem Verfall im 17. Jahrhundert wurden die Gebäude ab 1682 unter Leitung des Architekten Giovanni Angelo Barella neu errichtet, weitere Bautätigkeit fand um 1750 statt. Nach der Säkularisation übernahm zunächst die Herzoglich Nassauische Domänen-Verwaltung die Bewirtschaftung, 1806 folgte die Vergabe an private Pächter.
Ein Plan von 1819 verzeichnet als Bestandteile des Hofgutes: Wohnhaus, Hühner-, Ochsen, Pferde- und Rindviehstallungen mit Scheuern, Schuppen, Gärtchen und Schäferhaus an der Westseite; nach Norden den Schafstall, an der Ostseite Schweineställe, Wohnung des Weinbergaufsehers, Weiher, Holzschuppen und Brennhaus an der Ostseite; außerhalb der Umgrenzungsmauer Garten des Weinbergsaufsehers, Backhaus, Obstgarten und Ackerfeld des Beständers. Heute werden Ackerbau und Pferdehaltung betrieben.
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Baubeschreibung
An der Südostecke des Steinbergs gelegene, langrechteckige, ummauerte Hofanlage von eindrucksvoller Ausdehnung. Die überwiegend aus Bruchstein errichteten, teilweise verputzten, schiefergedeckten Bauten stammen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. An der südlichen Schmalseite liegt nahe der Ostseite das aus Kalksteinquadern errichtete, in Teilen noch romanische (zwei Mauerquader mit Ornamenten um 1200) errichtete Haupttor mit rechteckiger Einfahrt und vermauerter rundbogiger Pforte. Über der Einfahrt nur an der Innenseite profilierte Kämpfer, darüber ein auf starken Balken ruhendes Satteldach.

Nach Westen schließt, jedoch zurückgesetzt und leicht aus der Mauerflucht gedreht, das Herrenhaus an. Stattliches zweigeschossiges Wohnhaus mit hohem Walmdach und kleinem Dachreiter, darauf eine Windfahne des 18. Jahrhunderts. Im Türsturz des Hofportals die Wappenkartusche des Abtes Alberich Kraus sowie Initialen FA AE mit der Jahreszahl 1682. Rechteckfenster in gekehlten Sandsteingewänden; ein rundbogiger Kellereingang jetzt zugesetzt. Innenaufteilung augenscheinlich seit der Erbauung (Bauaufnahme von 1819) kaum verändert. Im Erdgeschoss mittige Diele, die westlich gelegenen Räume über dem Keller höher gelegen. Holztreppe hoher Qualität mit geschnitztem Geländer in barocken Formen. Weitere bauzeitliche Bestandteile sind besonders im Obergeschoss erhalten: Flur, Kammern und Salons, teilweise mit Holzverkleidungen; schlichter Deckenstuck, Türgewände, Türen mit Beschlägen; Dielen- und Sandsteinböden.
An der westlichen Langseite langgestreckte Stall- und Scheunenbauten, im Inneren teilweise erneuert. Im Giebel der nördlichen Scheune Bautafel mit Initialen RDMS AE (Abt Michael Schnock?) und Baujahr 1725. Es folgen ein in den Hof vorspringender, ehemals offener Schuppen in Holzkonstruktion sowie das eingeschossige Schäferhaus, heute Wohnhaus. Der frühere Schafstall bildete den nördlichen Hofabschluss; nur die nördliche Außenmauer ist erhalten. Östlich davon das Nordtor zum Weinberg mit rundbogigem Sandsteingewände des 18. Jahrhunderts.

Die östliche Langseite zeigt eine Terrassierung des außerhalb höher anstehenden Geländes. Hier etwa in der Mitte das Wohnhaus des Weinbergsaufsehers, wie das Haupthaus zweigeschossig und leicht aus der Mauerflucht verschoben, mit Krüppelwalmdach. Im Türsturz Datum 1683, darüber Tafel mit Abtswappen Adolf II. Werner von Salmünster (1759?). Anschließend ein langgestreckter Stallbau des 19. Jahrhunderts aus steinsichtigem Bruchsteinmauerwerk; innen Kreuzgewölbe auf gusseisernen Stützen.
An der Südostecke das ehemalige Brennhaus, hier ein Türgewände mit stark verwitterter Wappenkartusche. In der Hofmitte kleines, turmartiges, achteckiges Brunnen- und Taubenhaus mit Fachwerkobergeschoss, gekrönt von einer gebrochenen Haube mit Fluggauben. Über der Tür Abtswappen des Hermann Hungrichhausen. Auf dem Dach geschmiedete Windfahne mit gleichartigem Wappen und Initialen AD (Anno Domini) H AE (Hermannus Abbas Eberbach) 1750.

Die gesamte Hofanlage ist von einer Mauer umgeben, die die Steinbergmauer fortsetzt. Außerhalb der eigentlichen Hofmauer schließt im Osten ein ebenfalls ummauerter Freibereich an. Hier befanden sich das Backhaus, der Obstgarten des Beständers mit Ackerfeld sowie der umzäunte Garten des Weinbergsaufsehers.
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(Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 2010)

Die Domäne Neuhof war KuLaDig-Objekt des Monats im April 2011.

Literatur

Bär, Hermann (1857)
Hermann Bärs diplomatische Geschichte der Abtei Eberbach im Rheingau, Band II, 1. Heft (im Auftrag des Vereins für Nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung bearb. und hrsg. von Karl Rossel). Wiesbaden.
Söder, Dagmar (2007)
Klosterlandschaft Eberbach – Das Kloster Eberbach als Wirtschaftsbetrieb und seine Spuren in der Rheingauer Landschaft. In: Denkmalpflege & Kulturgeschichte 3/2007, S. 34-41. o. O.
Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2013)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis I. (Altkreis Rheingau). Wiesbaden.

Domäne Neuhof

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Schriften
Historischer Zeitraum
Beginn 1163 bis 1178
Koordinate WGS84
50° 01′ 52,06″ N, 8° 03′ 11,44″ O / 50.03113°, 8.05318°
Koordinate UTM
32U 432188.35 5542521.11
Koordinate Gauss/Krüger
3432236.3 5544298.75

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„Domäne Neuhof”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-TB-20100918-0021 (Abgerufen: 20. September 2017)
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