Kernstadt Eltville

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Eltville am Rhein, Heidesheim am Rhein, Kiedrich, Schlangenbad, Walluf
Kreis(e): Mainz-Bingen, Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen, Rheinland-Pfalz
  • Blick vom Rhein auf Eltville

    Blick vom Rhein auf Eltville

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    Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen
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Historische Siedlungsentwicklung
Westlich der Städte Wiesbaden und Mainz liegt Eltville am Rhein, leicht erhöht auf einem durch zwei Bäche, Kiedricher Bach und Sülzbach, aufgeworfenen Schuttfächer. Alte Wegeverbindungen vom Rhein über die Taunushöhe in den Limburger Raum nahmen von hier ihren Ausgang. Siedlungsspuren in der Eltviller Gemarkung reichen bis in die Jungsteinzeit zurück und finden sich auch aus der älteren und jüngeren Eisenzeit. Reste eines römischen Gutshofes wurden westlich der Altstadt ergraben. Vom Ende des 4. Jahrhunderts an ist eine kontinuierliche Besiedlung festzustellen. Von drei fränkischen Gräberfeldern wurde das bedeutendste westlich des Ortes 1949-75 untersucht und ist mit 645 dokumentierten Grabstellen eines der größten Deutschlands. Der Friedhof wurde in der Zeit zwischen 450 und 720 belegt. Die Siedler der ersten Phase waren möglicherweiseaus Thüringen zugewandert. Von Mainz ausgehend, fasste vielleicht seit dem 5. Jahrhundert das Christentum hier Fuß.

Der Name von Eltville taucht erstmalig in Urkunden des 11. Jahrhunderts (einer Urkunde des Erzbischofs Siegfried I. von Mainz, ausgestellt zwischen 1060 und 1073 / in einer Lebensbeschreibung des Erzbischofs Bardo?) auf und heißt bis zum Ende des 13. Jahrhunderts Alta villa, daneben auch Eldevile (Eltivile, Altevile), seit dem 14. Jahrhundert Eltvil(l) und seit dem 15. Jahrhundert auch Ellfeldt, amtlich seit 1812 Eltville. Ein fränkischer Königshof scheint namengebend für die spätere Siedlung gewesen zu sein, wobei sich alt vil, lateinisiert (curia) alta villa als Alter oder Hoher Hof , Hochstatt oder Oberer Hof deuten lässt; ein römischer Namensursprung ist hier nicht unbedingt anzunehmen. Um einem östlich des Kiedricher Baches zu lokalisierenden Herrenhof mit seiner im 7. oder 8. Jahrhundert erbauten Kirche, die als Ursprung der Eltviller Pfarrkirche zu gelten hat, gruppieren sich weiträumig weitere Höfe, die teilweise ebenfalls auf frühmittelalterliche Siedlungs- und Grabstätten zurückgehen. Dazu gehören möglicherweise der Kappelhof im Westen, ein Hof Altwick im Norden, der Freyhof im Osten sowie die Siedlung Steinheim zwischen Eltville und Walluf. Spätestens im 10. Jahrhundert gelangte das Eltviller Königsgut als Schenkung an den Mainzer Erzbischof. Aufenthalte des Erzbischofs Bardo (1031-51) an seinem Eltviller Hof sind mehrfach bezeugt. Auch 1128 erscheint Eltville neben Kiedrich, Erbach, Winkel, Geisenheim und Lorch unter den erzbischöflichen Fronhöfen.

Neben Oestrich, Rüdesheim und Lorch war Eltville einer der ersten Kirchenstandorte und eine der vier Urpfarreien des Rheingaues, deren Kirchspiel mit den zugehörigen Filialen Oberwalluf, Steinheim, Kiedrich, Erbach und Hattenheim den gesamten oberen Rheingau umfasste. Im 10. Jahrhundert verlieh der Erzbischof die Kirche von Eltville mit ihren Filialen dem Mainzer Petersstift. Erst in dieser Zeit dürfte ihr das Patrozinium St. Peter und Paul zugefallen sein. Ein älteres Patrozinium St. Martin lebt möglicherweise noch im Namen des Martinshofes (mit Martinsgasse, Martinstor) fort. Vielleicht war dies der zentrale Hof, der mit der Pfarrkirche im Mittelalter teilweise an das Peters- und Viktorstift überging und letztlich im Eltzer Hof fortbesteht. Die erste karolingische oder ottonische Kirche in Form einer dreischiffigen Basilika wurde von einer romanischen Kirche des 12. Jahrhunderts abgelöst. Die seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts neu errichtete gotische Pfarrkirche mit ihrem schmuckreichen, hohen Turm aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entsprach der Bedeutung der damaligen erzbischöflichen Residenz; das Mainzer Petersstift als Bauträger wurde von Erzbischöfen, Adel und Stadt unterstützt. Noch aus dem ersten Bau stammt der im Inneren angebrachte Willigisstein, dessen Inschrift über eine Altarstiftung aus der Zeit um 1000 stammt.

Wiederholt wurde der erzbischöfliche Hof in Eltville ein Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen, zuletzt 1301-02 im „Zollkrieg“ des Königs Albrecht von Österreich. Um 1328 wählte Erzbischof Balduin von Trier in der Mainzer Stiftsfehde Eltville als Stützpunkt gegen seinen vom Papst ernannten Konkurrenten Heinrich von Virneburg und begann mit dem vergrößerten Auf- und Neubau der Burg. Außerdem erwirkte er für den schon 1313 mit Mauern versehenen Ort 1332 Stadt- und Freiheitsrechte nach Art der Stadt Frankfurt sowie Markt- und Befestigungsrecht von König Ludwig dem Bayern. Seit 1340 wird Eltville urkundlich als Stadt bezeichnet. Das Marktrecht wurde 1347 durch Erzbischof Heinrich von Virneburg erneuert, der auch den Ausbau der Burg vollendete. 1349-65 bestand hier eine Münzstätte des Erzstifts. Bis zur 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts blieb, bedingt auch durch weitere Stiftsfehden, Eltville Residenzort der Mainzer Erzbischöfe. Erst nach dem Bau der Mainzer Martinsburg ab 1477 als neuem Hauptsitz verlor Eltville diesen Status. Die Burg wurde im Dreißigjährigen Krieg bis auf den Wohnturm zerstört und danach nur in Teilen wiedererrichtet. Dennoch verblieben der Stadt wichtige Funktionen als Verwaltungssitz und kulturellem Mittelpunkt des oberen Rheingaues. Seit 1462 war sie Sitz der Landschreiberei. Das Gericht war 1324-1535 Oberhof für die Gemeinden des Rheingaus. Eltville seit dem 16. Jahrhundert Sitz des Oberamtes und 1770-1803 Amtskellerei. 1465 wurde hier Johann Gutenberg von Erzbischof Adolf II. zum Hofdienstmann ernannt.

Die ebenfalls aus Mainz stammenden Gebrüder Bechtermünz unterhielten 1467-76 eine Buchdruckerei. Damit war Eltville eine der ersten Druckstätten neben Mainz.Um 1525 wurden 263 Herdstellen mit rund 1200 Einwohnern gezählt. 1537 zerstörte ein Brand große Teile der Stadt. Nach den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges und der Pestepidemie von 1666 sank die Einwohnerschaft drastisch auf 134 Herdstellen mit etwa 570 Einwohnern und stieg danach nur langsam wieder an. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zählte man etwa 1500 Einwohner, deren Zahl in der Folgezeit stetig auf rund 2300 um 1850 und etwa 3700 um 1900 anstieg.

Ein herrschaftlicher Kran wird 1431 genannt. Das Kranschiff wurde später durch einen festen Landkran abgelöst, der bis um 1850 in Betrieb war.Das Recht zum Halten einer Weinschenke wird 1404 vergeben. 1671 sind die drei Gasthäuser Zu den drei Kreuzen, Zur Glocke und Zur Krone bezeugtEltville besaß im 16. Jahrhundert drei Getreidemühlen, eine davon außerhalb der Stadtmauer (das spätere Pfründnerhaus); sie wird Kurfürsten- oder Herrenmühle genannt.Von den innerhalb der Stadt gelegenen Mühlen gehört eine, die dicht am nördlichen Zug der Stadtmauer liegt,  im 16. Jahrhundert den von Hohenstein, die andere den von Klingelbach; beide später der Familie zu Eltz. Im 18. Jahrhundert gibt es 5 Getreidemühlen, eine davon im Hof der Frey zu Dehrn, eine weitere oberhalb davon. Weiterhin gibt es im 18. Jahrhundert 10 Backhäuser, 4 Schmieden, 13 Gaststätten.

Eltville ist größte Weinbaugemeinde des Rheingaus, allerdings liegen die flächenmäßig bedeutendsten Lagen in den Ortsteilen. 1960 wurden 175 ha von 128 Betrieben bearbeitet, davon wenige Großbetriebe: Staatliche Domäne, Grafen zu Eltz, Freiherrn Langwerth von Simmern. Die Sektkellerei Matheus Müller wurde um 1830 als eine der ersten in Deutschland gegründet, dazu kamen vier weitere Sektkellereien: Gebr. Hoehl, Mumm & Co., Schloss Vaux, die den Ruf Eltivlles als „Sektstadt“ begründeten.

Historische Ortsstruktur
Über Lage und Umfang der fränkischen Siedlung liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die verkehrsgünstige Lage, fruchtbarer Boden und die Wasserversorgung durch zwei Bäche gaben Anreize zur Ansiedlung. Zwischen Kiedrich- und Sülzbach erstreckt sich der mittelalterliche Kern der heutigen Stadt. Das fränkische Gräberfeld liegt westlich davon, nahe dem vermuteten alten Fernweg über den Taunus (Kiedricher Straße). Der fränkische Königshof könnte auf dem rheinnahen Gelände zu suchen sein, das vom nachfolgenden erzbischöflichen Fronhof und später von der kurfürstlichen Burg eingenommen wurde; in räumlicher Nähe dazu schließt sich die Pfarrkirche mit ihrem terrassenartig erhöhten, ummauerten Kirchhof an. Der Stadtmauerring von 1332 bezieht die Burg als südöstliche Eckbefestigung mit ein.

Das Zentrum der der Bürgersiedlung zeichnet sich im Umfeld der nördlich davon vorbeiziehenden Ortsdurchfahrt (Hauptstraße/Rheingauer Straße) ab. Die mehrfach in der Literatur geäußerte Annahme, die im Marktplatz das älteste Ortszentrum erkennt, ist denkbar, jedoch nicht belegt; ebensowenig ist der Verlauf der urkundlich erwähnten älteren Umwehrung bekannt. Der vom Kiedricher Bach nördlich des Ortes abgezweigte Mühlgraben bildete im Westen einen Bestandteil der Befestigung. Auch Form, Lage und Name der Grabengasse weisen auf eine ehemalige Wasserführung oder einen früherer Siedlungsrand hin. Abbildungen des 17. Jahrhunderts stellen die von Burg- und Kirchturm überragte Stadt in ihrem Mauerring mit Tor- und Schalentürmen von Norden aus dar. Die Ansicht in einem  Plan von 1751 zeigt die Stadt immer noch in ihren mittelalterlichen Grenzen. Dicht gedrängt ist die Bebauung auf den Bereich innerhalb des geschlossenen Mauerrings beschränkt; außerhalb liegen außer dem Freihof (Burg Crass) eine kleine Wegekapelle am Sülztor, die Arnets Mühl, nördlich am Holzweg außerhalb des Holztores die Kreutz Cappell, die Hertzers Mühl und  im Westen der Cappell Hoff mit der Nikolaus Cappell, außerdem am Rheinufer das Hospital mit Nebengebäuden. Das für den Warenhandel wichtige Ufergelände mit Landkran und Schiffsanlegestelle ist durch die zinnenbewehrte Stadtmauer mit ihren drei Tordurchlässen an Rosengasse, Martinstor und Löhergasse sowie den Zwinger der Burg im Osten und eine weitere Mauerbefestigung mit kleinem Wachhaus im Westen vollständig umschlossen und geschützt. Kirch- und Burgturm, Martinstor und Eltzer Hof bilden hier die Dominanten des vom Rhein aus gesehenen Stadtbildes.

Die Rheingauer Landstraße ist als wichtigste überörtliche Verkehrsverbindung breiter ausgebaut. Von den strahlenförmig in die Gemarkung ausgehenden Wegen sind als wichtigste namentlich benannt: der Weeg nacher Ober Walluff, der Neuendorffer Hohl Weeg, Neuendorffer und Rauenthaler Weeg, Wald oder Holtz Weeg, Eltviller Kühe Hohl, der Weeg vom Closter Eberbach nach Elvill; hinzu kommt als Querverbindung der Mühlweg, an dem die Weymers Mühl (ehemalige Klostermühle) liegt.

Ein Plan von 1878 zeigt die über weite Zeiträume unveränderte innere Strukturierung der Siedlung innerhalb ihres etwa viereckigen Mauerberings. In der Südhälfte des durch die Hauptstraße in zwei Hälften geteilten Stadtkerns bis hin zur Rheinfront erstrecken sich die umfangreichen Besitzungen von Landesherrschaft, Kirche und Adel, kenntlich durch große, geschlossene Hofanlagen mit parkartig angelegten Freiflächen. Um den Marktplatz und entlang der Ortsdurchfahrt konzentrieren sich bürgerliche Behausungen, im Osten nahe der Stadtmauer dagegen kleinteilige, eng bebaute Handwerkerquartiere. Die Leergasse/-strasse verweist auf das ehemalige Viertel der (Loh-)Gerber oder Löher. Entscheidende Veränderungen zeigen sich in den Randzonen des Stadtkerns. Gräben und Tore sind weitgehend weggefallen, ein Mauerrest mit Graben hat sich im Nordwesten an der Ringstraße (Kiliansring) erhalten. Im Westen wurde durch die um 1830 gegründete Schaumweinfabrik Matheus Müller der Stadtgraben zunächst gärtnerisch gestaltet, dann aber nach und nach durch weitere Fabrikationsgebäude besetzt. Der Friedhof (alter Totenhof) wurde am Nordwestrand ausgelagert.

Das städtische Rheinufer ist nun mit Alleebäumen als Promenade gestaltet. Die begünstigten Uferlagen östlich und westlich außerhalb der Stadt wurden seit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zum bevorzugten Standort großbürgerlicher Villen und Landsitze inmitten umfangreicher Gärten. Einen entscheidenden Impuls zur Stadterweiterung gab der Eisenbahnbau von 1856, die nördlich vorbeigeführte Bahnlinie führte zu einer Ausweitung bürgerlicher Wohngebiete vornehmlich nach Norden, zunächst bis zur Bahntrasse und dann weit darüber hinaus. Frühere Straßennamen (Vordere und Hintere Eisenbahnstraße, heute Wilhelmstraße und Wörthstraße) veranschaulichen den Prozess. Die alte Bezeichnung Hinterhausen (jetzt Jahnstraße) bei der früheren Kreuzkapelle weist auf die ehemalige fränkische Hofstätte nahe dieser Stelle hin. Neben der Rheingauer Landstraße sind nun weitere Wege straßenartig ausgebaut, so der vormalige Holzweg (Schwalbacher Straße, Holzstraße), der Weg nach Kiedrich (Kiedricher Straße) und die Weinhohl.

Der Bebauungsplan der Stadt Eltville um 1900 verdeutlicht die weitere Entwicklung. Die Wohnquartierte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen noch traditionelle Strukturen mit straßenbegleitenden Wohnhauszeilen und rückwärtigen Nebengebäuden. Bis um 1900 haben sich Wohngebiete in Form gründerzeitlicher Einzelhaus- und aufgelockerter Blockrandbebauung bis nahe an den 1872 an der Schwalbacher Straße ausgelagerten Friedhof im Norden und an der Wörthstraße bis zur Kiedricher Straße im Westen ausgedehnt. Jedoch werden jetzt nicht mehr nur landwirtschaftlich genutzte Freiflächen besiedelt, sondern auch große Privatgärten parzelliert und in Wohngebiete umgewandelt, namentlich die zum früheren Kappelhoff,  zur Villa Englerth und zur Villa Marix im Westen gehörigen Areale. Die Rheinstraße wird nach Westen als Uferpromenade bis hin zum Draiser Hof als Kastanienallee angelegt; Reste davon sind im heutigen Schwimmbadgelände erhalten. Auffällig ist das Fehlen eines stadträumlich eindeutig definierten historischen Stadtzentrums mit baulich hervorgehobenem Rathaus in dieser über Jahrhunderte einzigen mit Stadtrechten versehenen und mit zentralen Funktionen austgestatteten Rheingauer Siedlung.

Herrschafts- und Verwaltungsmittelpunkt blieb über weite Zeiträume die kurfürstliche Burg. Dagegen erscheinen die Bauten der bürgerlichen Selbstverwaltung bescheiden. Der Marktplatz ist vergleichsweise klein, das erste erhaltene Rathaus in der Schmittstraße liegt völlig dezentral und unterscheidet sich heute äußerlich wenig von einem Wohnhaus, auch wenn es im 15. Jahrhundert ein Türmchen und vielleicht auch eine hölzerne Vorhalle besessen hat. Sein Standort leitet sich vermutlich vom alten Gerichtsort Breitenstein her, benannt nach einem großen Findling; jedoch wurde auch unter den Linden auf dem Kirchhof Gericht gehalten. Auch die nachfolgenden Rathäuser der Stadt (Markt 1, Rheingauer Straße 28, Matheus-Müller-Straße) zeugen nicht unbedingt von zur Schau gestelltem Bürgerstolz, da es sich um angekaufte und umgenutzte Bauten, jedoch nicht um den Typus des Rathauses handelt, wie er in den meisten anderen Rheingauorten vorkommt.

Aktuelle Entwicklung
Im heutigen Stadtgrundriss sind innerhalb der Mauergrenze die historischen Elemente in weiten Bereichen erhalten und noch ablesbar. Veränderungen fanden hier vorwiegend im Bereich der einst enggedrängten Kleinbürgerquartiere statt, die sich nach partieller Auflösung jetzt teils als unbebaute Fläche und Parkplatz (Entenplatz), teils besetzt mit mehr oder minder (un)maßstäblicher Neubebauung (Kiliansring) darstellen. Großflächige jüngere Wohnviertel entstanden auf dem Ackergelände nordöstlich des Stadtkerns bis hin zu den Ländereien des Steinheimer Hofes. Einer der entscheidensten Eingriffe in die Landschaft war der Bau der Umgehungstraße B 42 in der zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, wodurch die alten Wegebeziehungen zwischen Stadt und Gemarkung zerschnitten wurden. Allerdings hätte die ursprüngliche Planung mit Straßenführung am Rheinufer weit größere Zerstörungen hochwertiger Stadtbereiche mit sich gebracht.

Neuere Entwicklungen sind fortschreitende Gewerbeausdehnungen außerhalb des Kerngebietes, die sich äußerst nachteilig auf die Wahrnehmung der Ortsränder und -eingänge ausgewirkt haben. Im Osten bildet eine Neubebauung vor dem Stadtturm mit dominanter Rundstruktur einen Fremdkörper; weiter außerhalb wird auch das Villengebiet an der Wallufer Straße durch Gewerbezonen beeinträchtigt. Im Westen vervollständigen gegenwärtig neue Ansiedlungen auf den Freiflächen des alten Friedhofs und Marixgartens eine durchgängige Gewerbezone bis Erbach, die hier bereits den Charakter einer Bandstadt ohne erkennbare Zäsuren angenommen hat.

Wüstung Steinheim
Zwischen Walluf und Eltville lag, vielleicht an einem alten Rheinübergang, das seit dem 10. Jahrhundert mit eigener Kapelle bezeugte Dorf Steinheim, dessen Name sich von einem großen Stein oder Findling herleitete, der 1211 und auch später noch urkundlich genannt wird. Aus einer Schenkung des Ritters Embricho von Steinheim entwickelte sich um 1175 der Eberbacher Klosterhof, neben dem das Dorf spätestens gegen Ende des 15. Jahrhunderts ausging. Eine Abbildung von 1575 zeigt als letzten baulichen Überrest des Ortes noch die Kapelle, deren Grundmauern später dem Bahnbau zum Opfer fielen. Dagegen bietet der im Mittelpunkt seiner kreisförmigen Ackerfläche gelegene, ummauerte Steinheimer Hof ein relativ unverändertes Bild einer mittelalterlichen Grangie.

Die Stadt Eltville war KuLaDig-Objekt des Monats im September 2011.

(Hessisches Landesamt für Denkmalpflege, 2009)

Literatur

Simon, Helga (2002)
Eltville am Rhein (5. vollständig überarbeitete Auflage). (Rheinische Kunststätten, Heft 129.) Neuss.
Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2013)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis I. (Altkreis Rheingau). Wiesbaden.

Kernstadt Eltville

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1060
Koordinate WGS84
50° 01′ 50,91″ N, 8° 07′ 10,76″ O / 50.03081°, 8.11965°
Koordinate UTM
32U 436949 5542427.35
Koordinate Gauss/Krüger
3436998.85 5544204.99

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„Kernstadt Eltville”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-CU-20091102-0002 (Abgerufen: 19. Oktober 2017)
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