Römische Grabkammer Weiden

Weidener Grabkammer

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Außenansicht der Weidener Grabkammer (2014), zu sehen sind der Eingang und das Pförtnerhaus.

    Außenansicht der Weidener Grabkammer (2014), zu sehen sind der Eingang und das Pförtnerhaus.

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  • Die Weidener Grabkammer (2014), Blick von der Tür in die Grabkammer.

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  • Die Weidener Grabkammer (2014), Blick aus der Grabkammer in Richtung Tür.

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  • Die Weidener Grabkammer (2014), Blick in die linke Nische mit den beiden weiblichen Büsten.

    Die Weidener Grabkammer (2014), Blick in die linke Nische mit den beiden weiblichen Büsten.

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  • Die Weidener Grabkammer (2014), Blick in die rechte Nische mit der männlichen Büste.

    Die Weidener Grabkammer (2014), Blick in die rechte Nische mit der männlichen Büste.

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  • Weidener Grabkammer (2014). Zu sehen sind die Vorderseite des Sarkophages und sein Deckel.

    Weidener Grabkammer (2014). Zu sehen sind die Vorderseite des Sarkophages und sein Deckel.

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  • Weidener Grabkammer (2014). Zu sehen sind die Vorderseite des Sarkophages und sein Deckel.

    Weidener Grabkammer (2014). Zu sehen sind die Vorderseite des Sarkophages und sein Deckel.

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Bedeutung
Die Form der Grablege für mehrere Familienangehörige in einer unterirdischen Kammer (hypogäum) stammt aus dem Mittelmeergebiet. Enge Vergleiche finden sich in Rom und Ostia, wo solche Bauwerke ab trajanischer Zeit nachgewiesen sind. Nördlich der Alpen ist die Kölner Grabkammer einer der frühsten derartigen Bauten. Zudem fällt sie durch ihre reiche Ausstattung auf. Sie gehörte vermutlich zu einer villa rustica (römischer Gutshof), der jedoch nicht näher bekannt ist.

Entdeckung
Bei Bauarbeiten, die 1843 an der Aachener Straße stattfanden, wurde die Grabkammer zufällig entdeckt. Ein Jahr später wurde sie vom Preußischen Staat erworben. Kurze Zeit später errichtete man zum Schutz der hervorragend erhaltenen Kammer einen Bau nach den Entwürfen des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner (1802-1861). Dabei wurde auch das Tonnengewölbe der Grabkammer rekonstruiert. Durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien ist die Rekonstruktion gut vom Originalbestand gut zu unterscheiden. Das Ensemble aus Schutzbau und nebenliegendem Pförtnerhaus steht heute selbst unter Denkmalschutz. Die wertvollen Originalfunde befinden sich heute in der Ausstellung und im Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes des Römisch-Germanischen Museums in Köln. In der Grabkammer selbst sind Kopien der Objekte ausgestellt.

Die Grabkammer
Unter Grabkammern (Hypogaea) versteht man ganz oder teilweise unterirdische, befestigte und begehbare Räume. Sie wurden speziell für die Bestattung einzelner oder einer Gruppe Verstorbener angelegt.
Die Weidener Grabkammer lag unmittelbar an der nördlichen Seite der römischen Straße von Köln nach Bavai, ca. 8,6 Kilometer vor der Stadtmauer.

Über eine ca. 6 Meter in die Tiefe führende Treppe aus Tuffsteinen gelangte man in die Grabkammer, deren Eingang mit einer steinernen Verschlußplatte, die hochgezogen bzw. herabgelassen werden konnte, gesichert war. Diese wurde bei der Auffindung zerstört. Die 3,6 Meter x 4,5 Meter große Kammer war ursprünglich 4,06 Meter hoch. Sie ist ebenfalls aus Tuffstein erbaut, nur die Türrahmung besteht aus Sandstein. An den drei Seitenwänden der Kammer befindet sich jeweils eine große Nische mit halbrundem oberen Abschluss, die als Kline (Liege) gestaltet ist.
Innerhalb der großen Nischen und an den Wänden sind weitere kleine, halbrunde Nischen eingetieft. Diese waren vermutlich hauptsächlich für die Deponierung von Opfer- und Beigaben vorgesehen. Leichenbrand fand sich in einem als Urne dienenden engobierten Becher sowie in zwei vor der Stirnwand stehenden Pyramidenstümpfen aus Tuff, die auf der Oberseite eine Vertiefung aufweisen.
Die Hauptnischen waren mit verschiedenfarbigen Marmorsorten verkleidet und hoben sich dadurch besonders von der Umgebung ab. Vor den seitlichen Hauptnischen stehen zwei Sessel aus Kalkstein, die Korbsessel nachbilden. In diesen Nischen sind links zwei weibliche und rechts eine männliche Marmorbüste ausgestellt.
Die Anordnung der Fundstücke entspricht der Auffindungssituation. Der heute in der Grabkammer ausgestellte Sarkophag stand vermutlich über dem Raum und stürzte mit einem Teil der Decke in die Kammer. Von der oberirdisch anzunehmenden Gestaltung des Grabmonumentes sind zwei fragmentierte tuskanische Kapitelle mit Ansatz des Säulenschaftes erhalten. Eine exakte Rekonstruktion dieses oberirdischen Teils ist aufgrund der geringen Funde nicht möglich.

Die Funde
Sarkophag
Vom Sarkophag (Länge: 2,13 Meter; Breite: 0,88 Meter; Tiefe: 0,95 Meter; Höhe: 0,80 Meter) konnten 34 Bruchstücke aus Carrara-Marmor (Marmor aus Carrara, gelegen an der toskanischen Küste Italiens) geborgen werden. Sie gehörten zu einem Wannensarkophag, der in hohem Relief zahlreiche Figuren zeigt: Auf der zentralen Position der Vorderseite befindet sich ein Medaillon mit der Darstellung eines Ehepaares. Das Medaillon wird von zwei Viktorien präsentiert. Darunter sieht man drei Eroten, die in einer Wanne Trauben stampfen. Die Enden der Vorderseite markieren Personifikationen der Jahreszeiten. Die Machart lässt auf seine Herstellung in einer römischen Werkstatt schließen. Der fragmentarisch erhaltene, figürlich verzierte Marmordeckel war ursprünglich für einen größeren Sarkophag vorgesehen. Darauf weisen Abarbeitungsspuren an seinen Schmalseiten hin. Auf der Inschriftenplatte in seiner Mitte ist kein Name eingraviert.

Büsten
Die etwa lebensgroßen Büsten sind alle aus Carrara-Marmor gearbeitet. Das Material und die qualitätvolle Bearbeitung sprechen auch hier für eine Herstellung durch eine römische Werkstatt. Bis auf kleine Beschädigungen sind die Büsten gut erhalten. Über die Frisuren lassen sich die Köpfe zeitlich gut einordnen. Die beiden Frauenköpfe stammen ursprünglich aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhundert n. Chr. Die Frisuren wurden zu Beginn des 3. Jahrhundert (frühseverisch) umgearbeitet. Die männliche Büste entstand ebenfalls in dieser Zeit (frühseverisch).

Sessel
Solche Sessel, wie sie in der Grabkammer gefunden wurden, bestanden eigentlich aus Korbgeflecht. Häufig sind sie auf Reliefs im Grabkontext dargestellt. Dort sind sie Teil von Mahlszenen, in denen der Mann üblicherweise auf der Kline lagerte und die Frau in dem Sessel saß.

Kleinfunde
Die in der Grabkammer geborgenen Kleinfunde, wie Ascheurnen, Glasgefäße, Bernsteinperlen und eine Silberschale, wurden nach Berlin gebracht und im zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört. Besonders kostbar war eine ca. 10 Zentimeter hohe weibliche Figur aus Chalzedon.

Datierung
Durch die Funde ist die Belegung der Grabkammer ab der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. nachgewiesen.

Heutige Nutzung
Eine Besichtigung der Grakammer ist nach vorheriger Anmeldung bei der Bezirksregierung Köln möglich.

(Hannelore Rose / Marianne Tabaczek, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2014, erstellt im Rahmen eines Projektes der Fritz Thyssen Stiftung)

Internet
arachne.uni-koeln.de: Arachne - Archäologische Online-Datenbank (abgerufen 01.04.2014)
www.stadt-koeln.de: Informationen der Stadt Köln zur Weidener Grabkammer (abgerufen 01.04.2014)
de.wikipedia.org: Weidener Grabkammer (abgerufen 01.04.2014)

Literatur

Deckers, Johannes / Noelke, Peter (1985)
Die römische Grabkammer in Köln-Weiden. Neuss.
Fischer, Thomas; Trier, Markus (2014)
Das römische Köln. S. 310f, Köln.
Fremersdorf, Fritz (1957)
Das Römergrab in Weiden bei Köln. (Kunstdenkmäler des Landkreises Köln in Einzeldarstellungen 1.) Köln.
Noelke, Peter (2008)
Das "Roemergrab" in Köln-Weiden und die Grabkammern in den germanischen Provinzen. In: Kölner Jahrbuch 41, S. 437-511. o. O.
Schneider, Roderich S. (1843)
Nachricht über die Entdeckung eines römischen Grabmals in Weiden bei Köln (Neudruck 1913). Köln.
Sinn, Friederike (2003)
Die Grabkammer in Köln-Weiden. In: P. Noelke / F. Naumann-Steckner / B. Schneider (Hrsg.), Romanisation und Resistenz in Plastik, Architektur und Inschriften des Imperium Romanum, (Akten des 7. Internationalen Kolloquiums über Probleme des Provinzialrömischen Kunstschaffens, 2.-6. Mai 2001.) S. 307-325. Mainz.
Thomas, Renate / Römisch-Germanisches Museum (Hrsg.) (1999)
Bodendenkmäler in Köln. In: Kölner Jahrbuch 32, S. 957-958, Köln.
Urlichs, Ludwig (1843)
Das römische Grabmal in Weyden bei Cöln. (Bonner Jahrbücher 3.) S. 134-148. o. O.
Wolff, Gerta (2005)
Das Römisch-Germanische Köln. Führer zu Museum und Stadt. S. 272-277 Abb. 334-344, Köln.

Römische Grabkammer Weiden

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Aachener Straße 1328
Ort
50859 Köln - Weiden
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Archäologische Grabung
Historischer Zeitraum
Beginn 150 bis 150, Ende 300 bis 400
Koordinate WGS84
50° 56′ 19,37″ N, 6° 49′ 28,33″ O / 50.93872°, 6.82454°
Koordinate UTM
32U 347155.08 5645263.39
Koordinate Gauss/Krüger
2557999.86 5645152.72

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„Römische Grabkammer Weiden”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-89330-20140331-2 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
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